ARA: Der Kreis des Anstoßes
VKI-Greenwashing-Check
Die Altstoff Recycling Austria (ARA) positioniert sich als zentraler Akteur der Kreislaufwirtschaft. Doch wie weit trägt diese Selbstdarstellung? Ist das noch korrekt – oder schon Greenwashing? Wir haben den Check gemacht.
Was uns stutzig gemacht hat
Ein Konsument machte uns auf einen Claim der ARA aufmerksam: „Zukunft. Kreislauf. Wirtschaft. Gemeinsam sind wir die Zukunft der Kreislaufwirtschaft.“
Für ihn greift das zu kurz. Die ARA sei vor allem im Bereich Recycling tätig – also am Ende der circularen Kette – und blende die wesentlich wirksameren Hebel der Kreislaufwirtschaft aus.
Sein Vorwurf: „Circular Washing innerhalb des Greenwashings“. Wir wollen diese Kritik sachlich einordnen.
Der Check
Um die Kritik zu verstehen, hilft ein Blick auf das Konzept der Kreislaufwirtschaft. Diese beginnt nicht beim Recycling – sondern lange davor. Modelle wie die „10 R“ zeigen: Ganz oben stehen Strategien wie Vermeidung (Refuse), Umdenken (Rethink) und Reduktion (Reduce). Erst weiter unten folgen Wiederverwendung und schließlich Recycling. Je weiter unten in der Liste, desto weniger Impact auf die Umwelt und das Klima (Details zu den 10 R weiter unten).
Genau hier setzt die Kritik an: Die ARA organisiert in erster Linie Sammlung, Sortierung und Verwertung von Verpackungen. Das ist ein wichtiger Baustein, keine Frage. Österreich erreicht auch hohe Sammel- und Recyclingquoten, zu denen die ARA maßgeblich beiträgt.
Es fällt klar auf, dass in der Kommunikation der ARA vor allem dieser Bereich im Mittelpunkt steht. Naheliegend, Recycling ist ja das ARA-Kerngeschäft. Themen wie Vermeidung, Mehrweg oder Konsumreduktion kommen deutlich seltener vor.
Gleichzeitig wird mit Begriffen wie „Kreislaufwirtschaft“ wenig dogmatisch operiert – was leicht den Eindruck erweckt, man decke das gesamte System ab. Auf der ARA-Homepage, beim Menüpunkt „Über uns“, steht in großen Lettern (Stand: 20.07.2026): „Warum wir Kreislaufwirtschaft sind“ bzw. „ARA – 360-Grad-Kreislaufwirtschaft“.
Hinzu kommt ein strukturelles Spannungsfeld: Die ARA ist darauf angewiesen, dass Abfälle anfallen – sie organisiert schließlich deren Verwertung. Eine echte Kreislaufwirtschaft würde darauf abzielen, diese Abfallströme zu reduzieren.
Was sagt ARA dazu?
Die ARA weist den Vorwurf des „Circular Washing“ zurück. Man verstehe Kreislaufwirtschaft ganzheitlich und setze auch in vorgelagerten Bereichen Aktivitäten. Der vom Konsumenten zitierte Claim sei außerdem bewusst als kollektive Aussage formuliert („gemeinsam“), die alle Akteur:innen entlang der Wertschöpfungskette einschließe. Die Stellungnahme im Wortlaut finden Sie hier zum Download.
Fazit
Belastbare Hinweise darauf, dass die ARA mit falschen Fakten arbeitet oder bewusst täuscht, haben wir nicht gefunden. Ihre Leistungen im Bereich Sammlung und Recycling sind real und für das System wichtig.
Problematisch ist aber die Zuspitzung der Kommunikation. Der Anspruch „Wir sind Kreislaufwirtschaft“ ist sehr breit formuliert – breiter, als es die tatsächliche Rolle der ARA im System hergibt. Denn Kreislaufwirtschaft beginnt weit vor dem Recycling. Und genau diese vorgelagerten Hebel spielen in der unternehmerischen Praxis der ARA sowie in der Kommunikation eine deutlich geringere Rolle.
Damit entsteht ein typischer Greenwashing-Graubereich: keine falschen Aussagen – aber ein verkürztes Narrativ.
Das lässt sich als „Recycling Washing“ innerhalb der Kreislaufwirtschaft interpretieren. Unser Eindruck: Die ARA ist ein Systemplayer der heimischen Kreislaufwirtschaft – aber nicht „die“ Kreislaufwirtschaft. Eine präzisere Formulierung wie „Wir ermöglichen Kreislaufwirtschaft“ wäre weniger missverständlich.
Melden Sie Greenwashing!
Sie sind über ein dreistes grünes Werbeversprechen gestolpert? Helfen Sie mit bei unserer Offensive gegen Greenwashing! Ein Formular dafür finden Sie auf konsument.at/greenwashing-meldeformular.
Was ist Circular Washing?
Akteure, die …
- sich stärker als „kreislaufwirtschaftlich“ darstellen, als ihr realer Beitrag ist,
- Recycling überbetonen, während Vermeidung, Wiederverwendung bzw. Systemwandel vernachlässigt werden und
- strukturelle Probleme kommunikativ überdecken (z. B. Machtkonzentration oder Zielkonflikte zwischen Absatz und Abfallvermeidung)
… betreiben, in Anlehnung an Greenwashing, demnach Circular Washing.
Kreislaufwirtschaft, was ist das?
Kreislaufwirtschaft ist ein Modell, das darauf abzielt, den Lebenszyklus von Produkten bzw. Materialien zu verlängern.
Wie das funktionieren kann, zeigen anschaulich die sogenannten „10 R“. Sie sind bewusst hierarchisch angeordnet (die größte Umweltwirkung haben die erstgenannten Punkte):
1. Refuse (Ablehnen)
Unnötige Produkte/Verpackungen vermeiden (z. B. kein Einweg).
2. Rethink (Überdenken)
Konsum- und Nutzungsmuster ändern (z. B. Sharing statt Besitz).
3. Reduce (Reduzieren)
Ressourcenverbrauch und Materialeinsatz verringern.
4. Re-use (Wiederverwenden)
Produkte mehrfach nutzen (z. B. Nachfüllsysteme).
5. Repair (Reparieren)
Defekte Produkte instand setzen statt ersetzen.
6. Refurbish (Aufbereiten)
Produkte modernisieren oder technisch upgraden.
7. Remanufacture (Wiederaufbereiten)
Komponenten aus alten Produkten in neuen verwenden.
8. Repurpose (Umnutzen)
Produkten eine neue Funktion geben (Upcycling).
9. Recycle (Recyceln)
Materialien als Sekundärrohstoffe zurückführen.
10. Recover (Rückgewinnen)
Energiegewinnung aus Abfall (letzte Option).

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