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3 Personen vor einer ARA-Sammelinsel
Bild: Daniel Willinger

ARA: Der Kreis des Anstoßes

VKI-Greenwashing-Check

Die Altstoff Recycling Austria (ARA) positioniert sich als zentraler Akteur der Kreislaufwirt­schaft. Doch wie weit trägt diese Selbst­darstellung? Ist das noch korrekt – oder schon Greenwashing? Wir haben den Check gemacht.

Was uns stutzig gemacht hat 

Ein Konsument machte uns auf einen Claim der ARA aufmerksam: „Zukunft. Kreislauf. Wirtschaft. Gemeinsam sind wir die Zukunft der Kreislaufwirtschaft.“ 

Für ihn greift das zu kurz. Die ARA sei vor allem im Bereich Recycling tätig – also am Ende der circularen Kette – und blende die wesentlich wirksameren Hebel der Kreislaufwirtschaft aus. 

Sein Vorwurf: „Circular Washing innerhalb des Greenwashings“. Wir wollen diese Kritik sachlich ein­ordnen.

Der Check

Um die Kritik zu verstehen, hilft ein Blick auf das Konzept der Kreislaufwirtschaft. Diese beginnt nicht beim Recycling – sondern lange davor. Modelle wie die „10 R“ zeigen: Ganz oben stehen Strategien wie Vermeidung (Refuse), Um­denken (Rethink) und Reduktion (Reduce). Erst weiter unten folgen Wiederverwen­dung und schließlich Recycling. Je weiter unten in der Liste, desto weniger Impact auf die Umwelt und das Klima (Details zu den 10 R weiter unten).

Genau hier setzt die Kritik an: Die ARA organisiert in erster Linie Sammlung, Sor­tierung und Verwertung von Verpackun­gen. Das ist ein wichtiger Baustein, keine Frage. Österreich erreicht auch hohe Sammel- und Recyclingquoten, zu denen die ARA maßgeblich beiträgt. 

Es fällt klar auf, dass in der Kommunikation der ARA vor allem dieser Bereich im Mittelpunkt steht. Naheliegend, Recy­cling ist ja das ARA-Kerngeschäft. Themen wie Vermeidung, Mehrweg oder Konsum­reduktion kommen deutlich seltener vor. 

Gleichzeitig wird mit Begriffen wie „Kreis­laufwirtschaft“ wenig dogmatisch ope­riertwas leicht den Eindruck erweckt, man decke das gesamte System ab. Auf der ARA-Homepage, beim Menüpunkt „Über uns“, steht in großen Lettern (Stand: 20.07.2026): „Warum wir Kreislaufwirtschaft sind“ bzw. „ARA – 360-Grad-Kreislaufwirtschaft“.

Screenshot der ARA Homepage: Warum wir Kreislaufwirtschaft sind
Bild: Screenshot https://www.ara.at/ueber-uns 2026-07-20

Hinzu kommt ein strukturelles Spannungs­feld: Die ARA ist darauf angewiesen, dass Abfälle anfallen – sie organisiert schließ­lich deren Verwertung. Eine echte Kreis­laufwirtschaft würde darauf abzielen, diese Abfallströme zu reduzieren.

Was sagt ARA dazu? 

Die ARA weist den Vorwurf des „Circular Washing“ zurück. Man verstehe Kreislaufwirtschaft ganz­heitlich und setze auch in vorgelagerten Bereichen Aktivitäten. Der vom Konsumen­ten zitierte Claim sei außerdem bewusst als kollektive Aussage formuliert („ge­meinsam“), die alle Akteur:innen entlang der Wertschöpfungskette einschließe. Die Stellungnahme im Wortlaut finden Sie hier zum Download. 

Fazit

Belastbare Hinweise darauf, dass die ARA mit falschen Fakten arbeitet oder bewusst täuscht, haben wir nicht gefun­den. Ihre Leistungen im Bereich Samm­lung und Recycling sind real und für das System wichtig. 

Problematisch ist aber die Zuspitzung der Kommunikation. Der Anspruch „Wir sind Kreislaufwirtschaft“ ist sehr breit formuliert – breiter, als es die tatsächliche Rolle der ARA im System hergibt. Denn Kreislaufwirtschaft beginnt weit vor dem Recycling. Und genau diese vorgelagerten Hebel spielen in der unternehmerischen Praxis der ARA sowie in der Kommunika­tion eine deutlich geringere Rolle. 

Damit entsteht ein typischer Greenwashing-Graubereich: keine falschen Aussagen – aber ein verkürztes Narrativ. 

Das lässt sich als „Recycling Washing“ innerhalb der Kreislaufwirtschaft inter­pretieren. Unser Eindruck: Die ARA ist ein Systemplayer der heimischen Kreis­laufwirtschaft – aber nicht „die“ Kreislaufwirtschaft. Eine präzisere Formulierung wie „Wir ermöglichen Kreislauf­wirtschaft“ wäre weniger missverständ­lich.

Melden Sie Greenwashing!

Logo des VKI-Greenwashing-Checks in grün und blau.
Greenwashing? Grünes Mascherl, nichts dahinter? Melden Sie es uns! Bild: VKI

Sie sind über ein dreistes grünes Werbe­versprechen gestolpert? Helfen Sie mit bei unserer ­Offensive gegen Greenwashing! Ein Formular dafür finden Sie auf konsument.at/greenwashing-meldeformular.

Was ist Circular Washing?

Akteure, die …

  •  sich stärker als „kreislaufwirtschaftlich“ darstellen, als ihr realer Beitrag ist, 
  • Recycling überbetonen, während Vermeidung, Wiederverwendung bzw. Systemwandel vernachlässigt werden und
  • strukturelle Probleme kommunikativ überdecken (z. B. Machtkonzentration oder Zielkonflikte zwischen Absatz und Abfallvermeidung) 

… betreiben, in Anlehnung an Greenwashing, demnach Circular Washing.

Kreislaufwirtschaft, was ist das?

Kreislaufwirtschaft ist ein Modell, das darauf abzielt, den Lebenszyklus von Produkten bzw. Materialien zu verlän­gern. 

Wie das funktionieren kann, zeigen anschaulich die sogenannten „10 R“. Sie sind bewusst hierarchisch angeord­net (die größte Umweltwirkung haben die erstgenannten Punkte): 

1. Refuse (Ablehnen) 
Unnötige Produkte/Verpackungen vermeiden (z. B. kein Einweg). 

2. Rethink (Überdenken) 
Konsum- und Nutzungsmuster ändern (z. B. Sharing statt Besitz). 

3. Reduce (Reduzieren) 
Ressourcenverbrauch und Materialeinsatz verringern. 

4. Re-use (Wiederverwenden) 
Produkte mehrfach nutzen (z. B. Nachfüllsysteme). 

5. Repair (Reparieren) 
Defekte Produkte instand setzen statt ersetzen. 

6. Refurbish (Aufbereiten) 
Produkte modernisieren oder technisch upgraden. 

7. Remanufacture (Wiederaufbereiten) 
Komponenten aus alten Produkten in neuen verwenden. 

8. Repurpose (Umnutzen) 
Produkten eine neue Funktion geben (Upcycling). 

9. Recycle (Recyceln) 
Materialien als Sekundärrohstoffe zurückführen. 

10. Recover (Rückgewinnen) 
Energiegewinnung aus Abfall (letzte Option).

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