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Geld und Versicherungen - Bilanz zum Jahreswechsel

Bekanntlich werden per 31.12. die Sparzinsen für das abgelaufene Jahr gutgeschrieben, Kontoauszüge fürs Quartal oder das abgelaufene Jahr werden zugestellt. Das ist ein guter Anlass, die persönlichen Finanzen zu durchforsten.

Überblick verschaffen

Vorausschauende Planung ist das Um und Auf – auch beim Geld. Mit einem Haushaltsbudgetrechner lässt sich rasch feststellen, was und wie viel wofür ausgegeben wird und wie viel vom Einkommen im günstigsten Fall monatlich „übrig bleibt“. So lässt sich unter anderem zeigen, welche Neuanschaffungen (oder auch Produkte für die Altersvorsorge) man sich leisten kann oder ob zum Beispiel das Ausmalen noch ein Jahr verschoben werden muss. Einen elektronischen Haushaltsrechner findet man unter www.konsument.at/haushaltsbudgetrechner. Nach dieser Analyse kann man eine grobe Planung für das kommende Jahr erstellen.

Drei Monatseinkommen als Notgroschen

Eiserner Bestandteil der Finanzplanung sollte ein sogenannter Notgroschen in Höhe von ungefähr drei Monatseinkommen sein, damit die kaputte Waschmaschine oder eine dringende Heizungsreparatur kein Loch ins Börsel reißen. Diese Summe legt man am besten auf ein täglich fälliges Sparbuch oder ein Onlinekonto, um sie jederzeit zur Verfügung zu haben. Der Nachteil der geringeren Verzinsung wiegt nicht so schwer wie das Problem, im Notfall nicht flüssig zu sein, weil alles Ersparte in langfristig gebundenen Anlagen geparkt ist.

Alle Finanzprodukte prüfen

Zum Überblick gehört auch, alle Finanzprodukte detailliert anzuschauen, also Girokonten, Sparbücher und Online-Sparkonten, Versicherungen, Kredite und andere Anlageprodukte. Sein Konto sollte man ja ohnehin im Wochenrhythmus durchsehen und prüfen, ob etwa unautorisierte Abbuchungen vorgenommen wurden. Zum Jahreswechsel sollten dann auch sämtliche Abbuchungs- und Daueraufträge durchforstet werden. Auch das Quick-Guthaben auf der Bankomatkarte sollte aufgebraucht werden, ehe die neue Karte kommt. Auf Sinnhaftigkeit kontrollieren sollte man auch kleine laufende Ausgaben wie Vereinsmitgliedschaften, Abonnements oder Spenden-Daueraufträge.

Wechsel überlegen

Frust über hohe Kontospesen

Der Frust über hohe Kontospesen muss nicht sein. Es gibt wahrscheinlich günstigere Alternativen und ein Wechsel macht wenig Mühe, weil die neue Bank den Großteil des Aufwandes übernimmt. Zuerst sollte man sein Konto analysieren (wie viele Buchungen, wird häufig überzogen, Kreditkarte, …). Das günstigste Konto für die jeweilige Situation lässt sich mit dem Bankenrechner der Arbeiterkammer eruieren (www.bankenrechner.at).

Sparzinsen nachrechnen

Die Sparzinsen, die zu Jahresende anfallen, lassen sich mit einer einfachen Formel überschlagsmäßig berechnen:

  • Kapital mal Zinssatz mal Tage geteilt durch 36.000, dann 25 Prozent Kapitalertragsteuer abziehen.

Bausparverträge überprüfen

Auch gebundene Spareinlagen oder Bausparverträge gilt es unter die Lupe zu nehmen. Wenn die Bindefrist abgelaufen ist, gibt es mitunter nur noch Mini-Zinsen. Daher sollte man nachschauen, welche Sparbücher oder -konten wann abreifen und sich den Fälligkeitstermin im Kalender notieren. Dann kann man das Sparprodukt rechtzeitig auflösen und hat auch noch Zeit, sich um eine günstige Neuveranlagung zu kümmern. Aber nicht nur zu spät, sondern auch zu früh abheben kostet: Dann fallen nämlich Vorschusszinsen an.

Polizzencheck

Polizzencheck

Alle Versicherungsverträge sollte man heraussuchen und durchschauen. Das Augenmerk sollte dabei auf folgende Fragen gerichtet sein:

  • Brauche ich diese Versicherung?
  • Könnte ich sie anderswo billiger bekommen?
  • Passt die Polizze noch?
  • Hat sich meine Lebensssituation seit Vertragsabschluss geändert?
  • Sind noch alle Kinder mitversichert?

Bei Gründung einer Familie wird es beispielsweise Zeit, eine Ablebensversicherung ins Auge zu fassen, will man seine Lieben bei plötzlichem Ableben nicht unversorgt zurücklassen.

Eigenes Risiko realistisch einschätzen

Die eigene Risikosituation sollte realistisch eingeschätzt werden. Eine Privathaftpflichtversicherung sollten alle haben, auch eine Unfallversicherung ist meist anzuraten. Sparen lässt sich hingegen bei Risiken mit geringen finanziellen Folgen oder bei Versicherungen, die im Schadenfall nur geringe Leistungen bringen.

Doppelversicherungen kündigen

Auch Doppelversicherungen sollte man kündigen. Sparen lässt sich auch, wenn man bei jährlich kündbaren Versicherungen wie der Kfz-Haftpflicht günstigere Alternativen prüft. Dabei helfen Internet-Versicherungsvergleiche (www.durchblicker.at, www.onlineversicherung.cc, www.versichern24.at). Auf den Kündigungstermin achten!

Welche Risiken sind gedeckt?

Wer seine Versicherung (besonders Lebens- oder Kfz-Versicherung) monatlich begleicht, verschenkt Geld. Einmal jährlich zu zahlen kommt meist günstiger. Eine monatliche Zahlweise ist mitunter ohne Zuschlag möglich, wenn man abbuchen lässt.

Vorsicht, Unterversicherung!

Nicht jede Polizze bietet rundum Schutz. Daher sollte man beim routinemäßigen Finanzcheck den Vertrag genau studieren und prüfen, welche Risiken gedeckt sind. Ist das Malheur erst passiert, ist es zu spät! Man reicht den Schadensfall ein – und erhält womöglich vom Versicherer eine Abfuhr, weil der Schaden nicht gedeckt war. Auch die Höhe der Deckungssumme sollte man prüfen. Klassisches Beispiel: die Haushaltsversicherung. Ist die Versicherungssumme deutlich niedriger als der Wert des Wohnungsinhalts, spricht man von Unterversicherung. Bei der privaten Unfallversicherung ist darauf zu achten, dass die finanziellen Folgen eines Unfalls für den Extremfall (völlige Invalidität) abgefedert werden.

Wertmitteilung: lesen, hinterfragen

Bei Lebensversicherungen erhält man einmal im Jahr ein Wertmitteilung. Diese sollte man nicht nur lesen, sondern auch hinterfragen und gegebenenfalls die Polizze ändern.

Das alles stellt natürlich einen gewissen Aufwand dar. Wer sich das nicht selbst zutraut, kann einen unabhängigen Profi beiziehen. Unterstützung finden Sie auch in unserem Ratgeber "Polizzencheck".

Schulden unter Kontrolle

Schulden managen

Auch Schulden müssen gemanagt werden. Die Raten sollten pünktlich bezahlt werden, sonst werden Verzugsspesen fällig. Mitunter begleichen Kreditkunden ihre Raten zwar regelmäßig, aber irrtümlich einen Monat später, als sie fällig sind. Das lässt sich leicht in Ordnung bringen, indem man zwischendurch eine zusätzliche Rate bezahlt, und spart eventuell Spesen. Ist man mit den Kreditraten wegen finanzieller Schwierigkeiten erheblich im Rückstand, hilft es nicht, den Kopf in den Sand zu stecken. In diesem Fall sollte man unverzüglich die Bank kontaktieren, sonst droht die sofortige Fälligstellung des Kredits.

Günstige Zinsen, aber nur kurze Zeit

Viele Wohnraumfinanzierungen haben eine Fixzinsvereinbarung oder einen günstigen Einstiegszinssatz. Diese laufen aber nur für eine bestimmte Zeit. Beim Finanz-Check ist daher nachzuschauen, ob die Vereinbarung bald abläuft und eventuell verlängert oder neu ausgehandelt werden muss. Bei Änderungen berechnen (lassen), wie hoch die monatliche Belastung in Zukunft sein wird.

Hat man Geld übrig (etwa bei Ablauf eines gebundenen Sparprodukts), kann man dieses auch zur Sondertilgung eines laufenden Kredits verwenden. Diese Extra-Rückzahlung muss mitunter aber vereinbart werden, daher danach erkundigen!

Heikle Fremdwährungskredite

Wer einen Fremdwährungskredit abgeschlossen hat, sollte sich darum kümmern (falls das nicht ohnehin schon geschehen ist), weil diese Finanzierungsform vielen Wohnungskäufern und Hausbauern Probleme macht. Sind die Schulden noch überschaubar? Wie hat sich der Tilgungsträger entwickelt? Die Zwangskonvertierung in einen Euro-Kredit muss man sich nicht gefallen lassen. Eine Umstellung auf laufende Tilgung, eine längere Laufzeit, höhere Einzahlungen oder zusätzliche Tilgungsträger sind jedoch zu überlegen. Genauere Infos finden Sie in unserem Extra "Fremdwährungskredite 12/2010".

Depot-Check

Depot-Check

Für das Wertpapierdepot gilt Ähnliches wie für Spareinlagen. Nach der Bestandsaufnahme aller Anlagen sollte die Prüfung etwaiger Fälligkeiten (z.B. Anleihen) folgen, um rechtzeitig darauf reagieren zu können. Die Performance von Investmentfonds sollte man über Jahre hinweg im Auge behalten und mit der Entwicklung des jeweiligen Marktes (Aktien, Anleihen, …) vergleichen. Bringt ein Fonds jahrelang überdurchschnittliche Verluste, ist der Ausstieg zu überlegen. Hohe Depotspesen lassen sich durch den Wechsel zu einem günstigeren Anbieter (Online-Depot) verringern.

Unterlagen sieben Jahre aufheben

Unterlagen für Konto oder Steuer müssen sieben Jahre aufgehoben werden. Zum Finanz-Check gehört auch das Ausmisten. Aber die verjährten oder sonst nicht mehr benötigten Unterlagen sollte man nicht einfach ins Altpapier geben, sondern erst zerreißen oder sonstwie unkenntlich machen.

Zusammenfassung

  • Überblick verschaffen. Welche Konten, Sparprodukte, Versicherungen, Kredite, Wertpapiere, Vereinsmitgliedschaften, Abonnements etc. habe ich?
  • Analysieren. Hat sich meine persönliche Situation geändert? Habe ich ein unnötiges Produkt? Läuft ein Produkt demnächst ab? Bekomme ich die gleiche Leistung anderswo günstiger?
  • Verändern. Polizzen und Geldanlagen an geänderte Lebenssituation anpassen; günstigere Angebote für Girokonto, Kfz-Haftpflicht, Wertpapierdepot prüfen.

Buchtipp: Polizzen-Check

Polizzen-Check Nehmen Sie sich vor Vertragsabschluss, aber auch danach regelmäßig Zeit, Ihre Polizzen anhand unseres Buches "Polizzen-Check" zu kontrollieren.

Ersparnisse von mehreren Hundert Euro pro Jahr sind durchaus drinnen – und erspartes Geld ist schließlich immer noch das am leichtesten verdiente!

Aus dem Inhalt:

  • Welche Versicherungen wirklich notwendig sind
  • Was an Mindestschutz sinnvoll ist
  • Wie Sie bestehende Polizzen optimieren
  • Spartipps für alle Versicherungssparten
  • Achtung! Fallen im Kleingedruckten

136 Seiten, € 14,90 (+ Versand)

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