Der September bringt nicht nur schlechtes, wie den Schulanfang und das Ende der Sommerferien, sondern kann auch ein besinnlicher Monat sein. - "Kunde König": Ein satirischer Kommentar zum Thema Ernst es Lebens von Alois Grasböck.
Hitparade der Monate
In der Hitparade der Monate liegt der September weit hinten, was er sich selbst zuzuschreiben hat. Andere Monate machen sich beliebt, indem sie uns mit dem Urlaubsgeld, dem Frühlingserwachen oder netten Feiertagen verwöhnen. Der September hingegen erklärt die Sommergaudi für beendet und erinnert uns streng an den Ernst des Lebens. Ein Monat, der den Schulanfang bringt, darf sich nicht wundern, wenn er mit Argwohn betrachtet wird.
Der Ernst des Lebens
Früher waren davon nur die Mitwirkenden betroffen, doch mittlerweile lebt das ganze Land mit. Sobald aus dem Schulsystem ein brenzliger Geruch aufsteigt, weiß man auch als Außenstehender: Jetzt kommen bald wieder die Horror-Statistiken mit den ausgebrannten Lehrern und die TV-Diskussionen über das unsägliche Arbeitsleid. Erfreulich ist, dass die Schüler neuerdings fürs Leben lernen, indem sie praxisnah erfahren, wie man erfolgreich streikt. Diese erfrischende Respektlosigkeit vor der Obrigkeit, etwa in Gestalt einer Unterrichtsministerin! Fraglich ist leider, ob die Schüler auch genug für die Schule lernen, denn wie wäre sonst zu erklären, dass die Nachhilfe ein üppig blühendes Geschäft ist?
Beginn der traditionellen Zeit
So gesehen dürfte das beliebte Trostwort, man könne auch mit einem schlechten Zeugnis ein wertvoller Mensch sein, in Wahrheit das Motto der Nachhilfebranche sein. Schluss damit, der September besteht ja nicht nur aus Ferienende und Schulanfang, außerdem sollte man immer das Positive sehen. Vielleicht wendet sich im neuen Schuljahr alles derart zum Guten, dass sich sogar die PISA-Studie ungläubig die Augen reibt. Und vor allem: Im September beginnt mit Lebkuchen und Schoko-Nikolo traditionell der Advent, also die stillste Zeit im Jahr. Das ist schön, denn ein wenig Besinnung kann nie schaden.