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Lebensmittelherkunft - Rotweißrote Spuren

Die meisten Konsumenten möchten Lebensmittel, die im Inland hergestellt wurden. Herauszufinden, woher die Produkte tatsächlich stammen, gleicht aber oft einer Rätselrallye.

Der Skandal zu Anfang des Jahres um die „Hartberger Bauernquargel“, für die holländische Milch nach Deutschland transportiert und dort zu Topfen verarbeitet wurde, der sich schließlich in der Steiermark in österreichischen Quargel verwandelte, machte überdeutlich: Blumige Formulierungen wie „vom Bauernhof“ sagen nichts über Produktionsweise und Herkunft eines Lebensmittels aus.

Ablenkung von der Realität

Hübsche Bezeichnungen haben meist nur einen Zweck: die ­Konsumenten von der landwirtschaftlichen Realität mit Massentierhaltung, Spritzmitteln und gleichgeschalteten Obst- und Gemüsesorten ­abzulenken.

Die kernigen Bauern auf den Plakaten sind in der Regel sorgfältig ausgewählte Models. Und ein Glas Milch in idyllischer Landschaft heißt nicht, dass die Kühe, von denen die Milch stammt, die saftigen Wiesen jemals gesehen haben.

AMA drauf, Österreich drin

Kauft man nicht direkt beim Bauern seines Vertrauens, so gilt: Am sichersten steckt Österreich dort drinnen, wo das Gütesiegel der AMA (Agrarmarkt Austria) drauf ist. Es ist nämlich im Handel das einzige mit gesetzlich definierten Kriterien. Fleisch mit dem AMA-Zeichen darf nur von Tieren stammen, die ihr gesamtes Leben in Österreich verbracht haben. Auch Milch und Milchprodukte bzw. Obst und Gemüse müssen zu 100 Prozent heimisch sein.

Eine Ausnahme gibt es für verarbeitete Pro­dukte: Alles, was nicht bei uns wächst, darf bis zu einem Anteil von einem Drittel des Produkts aus dem Ausland kommen. Aber ­Achtung: Mit diesem Siegel werden konventionell erzeugte Produkte ausgezeichnet. Betrügereien können trotzdem vorkommen. So tauchten vor einigen Monaten am Markt Eier auf, die das AMA-Siegel ­trugen, obwohl sie aus Ungarn stammten.

AMA-Biozeichen in zwei Farben

Nicht nur herkömmlich erzeugte Ware schmückt sich mit Gütesiegeln, sondern auch biologisch produzierte. Von der AMA gibt es ein Biozeichen in zwei Farben: Rot steht für Biolebensmittel, die in Österreich aus heimischen Rohstoffen hergestellt wurden. Schwarz ist das Zeichen dann, wenn die Rohstoffe aus der EU oder aus Dritt­staaten stammen. Vorverpackte Biolebens­mittel müssen seit dem 1.7.2010 zusätzlich das neue EU-Biozeichen tragen.

Regionale Herkunft

Bio-Handelsmarken

„Ja! Natürlich“, „Natur pur“, „Zurück zum Ursprung“ etc. sind Bio-Handelsmarken. Inhaltlich gibt es unterschiedliche Ausrichtungen, was die Herkunft der Rohstoffe betrifft. „Zurück zum ­Ursprung“ (Hofer) ­etwa setzt auf Regiona­lität, während sich die zweite Biolinie des Diskonters – „Natur aktiv“ – keine so engen Grenzen setzt.

„Ja! Natürlich“ (Billa, Merkur) und „Natur pur“ (Spar) legen zwar in die Milch- und Fleischregale fast ausschließlich heimische Ware, in den anderen Abteilungen wird es aber streckenweise verwirrend. Während leicht nachvoll­ziehbar ist, dass Reis nicht aus Österreich stammen kann, bleibt unklar, warum die Tiefkühlkarotten oder das Rotkraut bei Spar aus Deutschland kommen, bei Billa und Merkur hingegen aus Österreich.

Genuss nach Regionen

Um regionale Produkte und Herstellungsweisen geht es bei den inzwischen 113 ­„Genussregionen“. So verschieden wie die Erzeugnisse, so verschieden sind auch die Herstellungsrichtlinien. Gemeinsam ist ihnen, dass die Produkte in der jeweiligen Genussregion erzeugt werden müssen.

Beim „Pinzgauer Rind“ ist die Art­erhaltung der gleichnamigen Rinderrasse das Ziel. Beim „Innviertler Surspeck“ wiederum steht die traditionelle Verarbeitungs­methode im Vordergrund. Auch bei scheinbar einfachen Produkten wie etwa der „Kittseer Marille“ liegt der Teufel im Detail. Klarerweise müssen die Bäume in und um Kittsee stehen.

Doch zusätzlich zur tra­ditionellen Sorte „Ungarische Beste“ – die eine nahe Verwandte der „Wachauer Marille“ ist – dürfen inzwischen auch ­Sorten angebaut werden, bei denen das Augenmerk mehr auf die Lagerfähigkeit (sprich Supermarkttauglichkeit) gelegt wird als auf den Geschmack.

Label "gut so!"

Mit regionalen Produkten von kleineren Herstellern möchte das Label „gut so!“ punkten. Die Marke befindet sich erst im Aufbau und wird von der fairea GmbH betreut, einer 100-prozentigen Tochter des Ökosozialen Forums. Das ist ein nicht gewinnorien­tierter Verein, in dem der österreichische Bauernbund ebenso vertreten ist wie das Landwirtschaftsministe­rium oder auch Raiffeisen. Präsident ist der ehemalige Landwirtschaftsminister und EU-Agrarkommissar Franz Fischler.

Geschützte Bezeichnungen

„geschützte Ursprungsbezeichnung – gU“

Die Herkunftsbezeichnung von Lebens­mitteln ist EU-weit auf drei Arten geregelt: Die „geschützte Ursprungsbezeichnung – gU“ legt fest, dass Erzeugung und Verarbeitung eines Produkts in einem bestimmten geografischen Gebiet nach ­einem anerkannten und festgelegten Verfahren erfolgen. Das bedeutet, dass auch die Rohstoffe aus diesem Gebiet kommen müssen.

„geschützte geographische Angabe – ggA“

Weniger strikt ist die Richtlinie für die ­„geschützte geographische Angabe – ggA“, die lediglich eine „enge Verbindung“ der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und ­Lebensmittel mit dem Herkunftsgebiet fordert. Wie eng diese Verbindung ist, hängt von individuellen – freiwilligen! – Zusatz­bestimmungen für die jeweilige Produkt­gruppe ab.

So muss die Rohware für „Gail­taler Speck ggA“ aufgrund der freiwilligen Selbstverpflichtung der Produzenten vorwiegend aus dem Gailtal stammen und darf nur in Ausnahmefällen aus Restkärnten zugekauft werden. Das Fleisch für den „Tiroler Speck ggA“ darf hingegen mangels einer solchen Verpflichtung auch aus dem Ausland zugekauft werden. Es reicht in diesem Fall, dass der Speck in Tirol hergestellt wird. Trau, schau, wem?

„Garantiert traditionelle Spezialität – gtS“

„Garantiert traditionelle Spezialität – gtS“ darf sich ein Produkt nennen, das aufgrund der verwendeten Rohstoffe oder seiner ­Zusammensetzung oder der Herstellungs- bzw. Verarbeitungsart als traditionell einzustufen ist.

Herkunft der Lebensmittel

I wie Identitätskennzeichen

Vom ovalen Identitätskennzeichen, früher Genusstauglichkeitskennzeichen genannt, dürfen Sie sich dagegen keinen Aufschluss über die Herkunft der verwendeten Rohstoffe erhoffen. Das Kürzel AT für Österreich sagt nur, dass das Produkt zuletzt hierzulande bearbeitet bzw. verpackt ­wurde.

Zum Glück lässt sich vieles auch einfach mit dem Hausverstand lösen. Überlegen Sie vor dem Einkauf, was gerade in unseren Breiten wächst. Angesichts des hier herrschenden Klimas ist klar, dass Erd­beeren frühestens ab Mitte Juni von hei­mischen Feldern kommen können. Auch heurige Erdäpfel stammen vor Juni nicht aus hei­mischer Erde, sondern reisen aus Zypern oder Ägypten an, konventionelle genauso wie biologisch erzeugte.

Österreich-Flagge an Billa-Regalen

Für mehr Klarheit will der Rewe-Konzern sorgen. In seinen Billa-Filialen weist direkt am Regal eine Österreich-Flagge auf die ­inländische Herkunft hin. Eine rotweißrote Fahne samt A+A hebt Produkte hervor, die in Österreich zu 100 Prozent aus heimischen Rohstoffen hergestellt wurden, wobei eine Toleranzgrenze von zwei Prozent für ausländische Zutaten wie z.B. Gewürze eingeräumt wird. Die Österreich-Flagge plus A signalisiert hingegen einen inländischen Wertschöpfungsanteil von lediglich 50 Prozent. Nur flüchtig Hinschauen kann daher leicht zu dumm Dreinschauen führen.

Vorsicht, Falle!

Fallen lauern auch bei offen angebotener Ware im Gemüseregal. Fehlerhafte, wenn nicht gar falsche Auszeichnungen sind hier praktisch an der Tagesordnung. Manchmal fallen sie den Kunden auf, etwa wenn am Preisschild „Österreich“ steht, auf der zu­gehörigen Steige mit Pfirsichen oder Paradeisern aber „Italien“ oder „Spanien“. Besonders undurchsichtig ist es auf Märkten. Dort wissen nur Insider, wer Händler ist – und damit die Waren von überall her zukaufen darf – und wer Produzent.

So sehen sie aus

AMA (Agrarmarkt-Austria)-Zeichen

rotweißrotes AMA-Gütesiegel für konventionell erzeugte Produkte; rotes und schwarzes AMA-Biozeichen

 

EU-Biozeichen

neu seit Juli 2010

 

Bio-Handelsmarken

Ja! Natürlich von Billa und Merkur, Natur pur von Spar, Zurück zum Ursprung und Natur aktiv von Hofer

 

Regionale Herkunft

Pinzgauer Rind und Kittseer Marille als zwei Beispiele von vielen

 

Im Aufbau

gut so! setzt auf regionale Produkte kleinerer Erzeuger

 

EU-Herkunftsbezeichnungen

geschützte Ursprungsbezeichnung (gU), geschützte geographische Angabe (ggA), garantiert traditionelle Spezialität (gtS)

 geschützte geographische Angabe (ggA) (Bild: VKI)

Identitätskennzeichen

AT steht für bearbeitet bzw. verpackt in Österreich

 

Regalauszeichnung

Billa kennzeichnet Produkte aus Österreich direkt am Verkaufsregal. Vorsicht: Nur A+A steht für 100% heimische Rohstoffe!

 

Buchtipp: "Obst & Gemüse einkaufen"

Konsument-Buch: Obst und Gemüse einkaufen (Bild:)Das Angebot an Obst und Gemüse ist riesig. Neben heimischen Produkten findet sich in den Regalen Importware, neben Saisonware Exotisches, und hin und wieder wird auch die eine oder andere Obst- oder Gemüserarität angeboten. Doch woran ist Qualität zuverlässig zu erkennen? Was zeichnet „bio“ aus? Was muss bei Obst und Gemüse alles deklariert sein?

Unser Buch "Obst & Gemüse einkaufen" macht Sie fit für den Einkauf. In bebilderten Warenkunden von A (wie Ananas, Äpfel oder Artischocken) bis Z (wie Zwetschken, Zucchini oder Zwiebeln) erhalten Sie Tipps, wie Sie Frische und Qualität erkennen. Nährwert, Saisonzeiten und Herkunft sind ebenfalls ein Thema. Ein eigenes Kapitel behandelt die beliebtesten Kräuter.

Aus dem Inhalt

  • Die Kennzeichnung
  • Die Nährstoffe
  • Die (möglichen) Schadstoffe
  • Obst von A-Z
  • Gemüse von A-Z
  • Gängige Kräuter

156 Seiten; 14,90 Euro (+ Versandspesen)

Leserreaktionen

Brot aus Deutschland

Aufgrund der Nähe und einer Behinderung kaufen meine Frau und ich überwiegend bei Billa ein. Hier unsere Erfahrungen mit dunklem Schnittbrot:

  • Clever Bauernbrot: Auf der Verpackung steht „Mit besonderer Sorgfalt in Deutschland hergestellt für Delikatessa 2355 Wr. Neudorf“.
  • Ölz Roggenmischbrot: Auf der Verpackung steht „Hergestellt von Harry-Brot GmbH, D-22859 Schenefeld für Ölz Meisterbäcker“.
  • Billa bietet eine weitere Sorte von Schnittbrot an, die als Herkunftsbezeichnung schlicht und einfach „Made in EU“ trägt.
  • Anker Alpenwecken: Anker hat in einem sehr netten, vollinformativen Brief geantwortet, dass seine Backwaren erstens aus Rohstoffen überwiegend österreichischer Herkunft und auch in Österreich (Wien 10) erzeugt werden.

Ing. Werner H. Bartak
Wien
(aus Konsument 12/2010)

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