
Wird die Zukunft grau oder grün? Teil 1
Klimathemen fristen momentan ein Schattendasein. Ist das nur eine kurze Momentaufnahme, oder ein sich verfestigender Trend? Wird die Zukunft grün oder grau? Argumente und Überlegungen in zwei Teilen.

Im KONSUMENT-Magazin und -Blog schreibe ich über Themen im weiten Feld der Nachhaltigkeit. Die Kolumne nennt sich ÖKO.LOGISCH.
Markus Stingl, Redakteur
Meine Kolumne trägt den Titel „Öko.Logisch: Über die großen und kleinen Fragen der Nachhaltigkeit“. Diesmal wende ich mich einer großen Frage zu. Einer sehr großen. Etwas salopp formuliert lautet sie:
Warum ist den Leuten Nachhaltigkeit eigentlich total egal geworden?
Übertreibe ich jetzt? Ich finde nicht. Ein paar Überlegungen: Bei den Nationalratswahlen war „Klima“ als Thema praktisch nicht existent. Auch verheerende Überschwemmungen kurz vor dem Wahltermin konnten daran nichts ändern, selbst in den betroffenen Gebieten nicht. Ein Satz von Boku-Professor Reinhard Steurer, der mir immer noch ein Quäntchen Resthoffnung gegeben hat, ist somit pulverisiert. Er sagte einmal sinngemäß, dass viele die Klimakrise wohl erst dann realisieren werden, wenn sie an ihre Haustür klopft, die Leute also unmittelbar z. B. durch einen Unwetterschaden betroffen sind.
Trump will bohren
Was zeichnet mir sonst noch Sorgenfalten auf die Stirn? In den USA regiert die Mensch gewordene Antithese der Friday- For-Future-Bewegung, Donald Trump. Und lässt Anfang August, als ich diese Zeilen schreibe, verkünden, dass CO2 nicht mehr als gesundheitsschädlich eingestuft werde. Wenn das so kommt, sind Abgasvorschriften in den USA bald Geschichte.
Dass die Trump-Administration sich und die USA schon Anfang des Jahres aus dem Pariser Klimaabkommen verabschiedet hat, war ja fast schon logisch. Bei seiner Antrittsrede im Jänner sagte Trump: „We will drill, baby, drill.“ Nach Öl und Gas will er bohren. Nicht in der Nase. Denn Untätigkeit kann man ihm tatsächlich nicht nachsagen.
Und die EU?
Die lässt sich von den grauen Fantasien aus Übersee inspirieren. Der an und für sich schon paktierte Green Deal, der den Kontinent hin zu einer klima- und umweltfitten Wirtschaft trimmen sollte, wird gefühlt wöchentlich verwässert.
Was bleibt aus?
Der Aufschrei der Massen bleibt aus. Die groteskesten Meldungen werden mit einem Schulterzucken abgetan.
Wie das möglich ist? Ich begebe mich auf verdammt dünnes Eis. Meine These: Viele von uns sind wie Kinder, die vordergründig ihr eigenes Ding machen wollen, so viel Freiheit wie möglich haben möchten. Insgeheim sich aber nach Struktur sehnen, nach jemanden, der die Richtung vorgibt, die Entscheidungen trifft. Und wenn da nichts kommt, dann wird umso mehr auf stur geschaltet.
Umgelegt auf die Klimakrise: Die Entscheidungsträger:innen haben womöglich das Zeitfenster verschlafen, in dem die Menschen offen waren für ökologische Veränderungen. Nun gut, auch die Pandemie hat ihr Scherflein dazu beigetragen, dass nach dem Aufstieg der Klimabewegung andere Themen an Brisanz gewonnen haben.
Wobei, stimmt auch nicht ganz. Erinnern Sie sich? In der Pandemie waren nicht wenige davon überzeugt, dass jetzt alles anders, nachhaltiger werden wird. Nur schwang das Pendel dann mit voller Wucht in die hedonistische Gegenrichtung.
Wie wir da wieder rauskommen?
Das ist die Frage. Vorbild sein? Mit den eigenen Taten andere anstecken? Das war oft die Conclusio von jenen Leser:innen, die mir auf meine Aufforderung in KONSUMENT 8/2025 hin geschrieben hatten (Thema Klimacourage). Mit dem Zusatz: „Ob das mit dem Vorbild-Sein wohl nicht zu lange dauert?“
PS: In der kommenden Ausgabe gibt’s an dieser Stelle Argumente, warum wir positiv in eine grünere Zukunft blicken können.
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