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Statue eines Riesenalks
Nur als Statue: Einen Riesenalk findet man nicht einmal mehr in einem Zoo. Bild: Homo-Cosmicos/Shutterstock

Artensterben: Was mich der Riesenalk gelehrt hat

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Wir befinden uns mitten in einem verheerenden Artensterben, dem 6. der Erdgeschichte. Wann werden wir endlich wie aus einer Kehle rufen: HALT!

In der sehenswerten Dokumentation „Mein Leben auf unserem Planeten“ über den Naturfilmer David Attenborough verrät dieser u.a., was seine Faszination für die Natur geweckt hat: Fossilien, die er als Bub suchte und fand. Nicht, dass ich hier Parallelen mit diesem großartigen Mann ziehen möchte – aber nachdem ich die Doku gesehen hatte, fragte auch ich mich, welches Ereignis mich für die Fragilität der Natur sensibilisiert hatte.

Eine Erinnerung poppte auf: Ich als Bub, Mitte der 1980er-Jahre, vor einem Stickeralbum im Schneidersitz. Grün war es und könnte „Die Tiere unserer Erde“ geheißen haben, genau weiß ich es nicht mehr. In dem Album gab es auch eine Doppelseite über vom Aussterben bedrohte und bereits ausgestorbene Arten. Ein ganz konkretes Bild tauchte vor meinem geistigen Auge auf: ein pinguinartiges Tier, ausgestorben. Von Matrosen und Siedlern gejagt und getötet, wie der Bildtext verriet. Ich erinnerte mich, dass das Schicksal dieses tapsig wirkenden, flugunfähigen Seevogels mir damals zu Herzen ging. Und, dass ich Unverständnis fühlte. Wie konnte es so weit kommen? Dass Menschen diese Tiere in Massen töteten, ohne dass jemand HALT! gerufen hätte.

Ausgestorben 1852

Wie die ausgestorbene Art heißt, konnte ich meinen Gehirnwindungen nicht entlocken. Eine Internetrecherche förderte schnell den Namen Riesenalk zu Tage. Und laut Wikipedia hatte Ende des 18. Jahrhunderts doch jemand HALT! gerufen. Allerdings war es da schon zu spät. Der Kipppunkt, der Point of no Return für den Riesenalk, war erreicht. 1852 wurde das letzte Mal ein Riesenalk gesichtet. 

Relativierend könnte gesagt werden, dass vor rund 200 Jahren die Menschen über die Tragweite ihres Tuns nicht wirklich Bescheid wussten. Die Zeiten waren rau, die Natur schier unerschöpflich. Heute wissen wir, dass dem nicht so ist. Also frage ich mich: Wie werden wir es unseren Nachfahren plausibel machen, dass wir die eindringlichen Warnungen der Wissenschaftler ignoriert haben? Dass wir sehenden Auges auf das 6. Massensterben der Erdgeschichte zugesteuert haben – ausgelöst von uns Menschen? Und dass wir nicht wie aus einer Kehle gerufen haben: HALT!

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