Winterreifen Profiltiefe Messung Messung der Profiltiefe bei Autoreifen Bild: mahc/shutterstock

Autoreifen: Große Unterschiede beim Abrieb

Test: Fahrsicherheit und Umweltfreundlichkeit galten in der Reifenbranche lange Zeit als unvereinbar. Eine aktuelle Auswertung zeigt: Einige Hersteller haben dieses Problem offenkundig gelöst.

Sichere Fahreigenschaften, speziell bei Nässe, sind traditionell das Um und Auf bei der Bewertung von Autoreifen. Doch in den letzten Jahren hat die steigende Sensibilität für Umweltbelastungen dazu geführt, dass auch andere Eigenschaften in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses treten. Das Energielabel, das vor allem eine Klassifikation des Energieverbrauchs bietet, ist mittlerweile wohl vertraut.

Mikroplastik unter Kritik

Im Gefolge des steigenden Bewusstseins um die Schäden, die durch Mikroplastik verursacht werden, ist nun auch der Reifenabrieb ins Visier der Kritik gerückt. Plastikpartikel finden sich in den Weltmeeren, im Boden, im Trinkwasser und in der Atemluft, was Mensch und Umwelt schädigt. Auch der synthetische Kautschuk der Autoreifen spielt dabei eine große Rolle. Deren Abrieb macht nach Schätzungen (aus Deutschland) rund ein Drittel aller Mikroplastik-Emissionen aus.

Im Boden und Grundwasser

Allerdings sind die Partikel aus dem Reifenabrieb überwiegend grob (über 50 Mikrometer). Das bedeutet, dass sie eher nicht eingeatmet werden bzw. nicht so tief in die Atemwege eindringen, um eine große Gefahr für die menschliche Gesundheit darzustellen. Aber sie sinken zu Boden und schädigen Böden und Grundwasser – und somit letztlich auch die Menschen. Grund genug, um dieser Problematik mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Reifenabrieb im Vergleich

Der (Allgemeine) Deutsche Automobil-Club ADAC hat dies zum Anlass genommen, die Reifentests der letzten Jahre auszuwerten, um genauere Aussagen über den Reifenabrieb machen zu können. Der ADAC ist ja federführend bei der Durchführung der alljährlichen Sommer- und Winterreifentests, an denen auch der VKI beteiligt ist. Konkret wurden jeweils drei Sommer- und Winterreifendimensionen der vergangenen Jahre (2019 bis 2021) sowie die letzten verfügbaren Abrieb-Messungen eines Ganzjahresreifentests (aus dem Jahr 2016) herangezogen.

Profiltiefe und Gewichtsverlust nach 15.000 km

Der Reifenverschleißtest ist Bestandteil der Reifentests. Gemessen werden Profiltiefe und Gewichtsverlust nach einer Fahrleistung von 15.000 Kilometern. Daraus lässt sich die Lebensdauer (bzw. die Verschleißfestigkeit) eines Reifens ermitteln. Für den vorliegenden Vergleich wurde die reine Abriebsrate anhand des Gewichtsverlustes herangezogen (und nicht die Profilhöhe). Ein Reifen kann im Lauf seiner Nutzungsdauer bis zu zwei Kilogramm verlieren – die Unterschiede sind allerdings beträchtlich.

Infografik: Reifenabrieb im Vergleich

Reifenabrieb im Vergleich - Diagramm Michelin hat beim Abrieb die besten, Pirelli die schlechtesten Werte Bild: N.Ender/VKI

Unterschiede bis zum Dreifachen

Auf ein Fahrzeug (also auf vier Reifen) umgelegt beträgt der Abrieb bei den knapp 100 getesteten Fällen im Durchschnitt rund 120 Gramm (g) pro 1.000 km. Die Werte schwanken zwischen 58 Gramm und 171 – das ist fast das Dreifache. Michelin liegt klar an der Spitze; bei allen fünf Dimensionen, in denen ein Modell der französischen Marke mitgetestet wurde, landete sie in den Spitzenrängen. Im Durchschnitt kommt Michelin auf 90 g Abrieb (pro Fahrzeug und 1.000 km).

Michelin klar an der Spitze

Gleichzeitig schneidet Michelin in den sicherheitsrelevanten Kriterien gut (bzw. zumindest durchschnittlich) ab. Aber auch Vredestein liegt mit seiner neuesten Reifengeneration nicht schlecht: 100 g im Durchschnitt (in vier getesteten Dimensionen) bedeuten Rang 2. Anders als Michelin kann Vredestein aber nicht in allen Dimensionen komplett überzeugen. An dritter Stelle landet Goodyear mit immer noch beachtlichen 109 g.

Drei Premium-Marken im Hintertreffen

Am anderen Ende der Herstellerwertung finden sich nicht nur sogenannte No-Names. Mit Pirelli, Bridgestone und Continental sind gleich drei Premium-Marken auf den hinteren Rängen vertreten. Den Vogel schießt dabei die italienische Marke Pirelli ab: 134 g im Schnitt, darüber kann auch die gute Fahrperformance auf trockener Fahrbahn nicht hinwegtrösten.

Abgeschlagen: Bridgestone

Die schlechteste Einzelbewertung liefert der Blizzak LM005 von Bridgestone in der Dimension 195/65 R15. Er ist für den erwähnten Höchstwert von 171 g Reifenabrieb verantwortlich – wobei das Modell auch in der Fahrsicherheit nicht überzeugen kann.

Michelin vor Vredestein

Den niedrigsten Abrieb (58 g) gibt es beim Cross Climate+ von Michelin (Sommerreifen, 185/65 R 15). Mit diesem Modell zeigt Michelin, was heute technisch machbar ist, ohne dass die Sicherheit darunter leidet. Die Reifengröße 185/65 R 15 gehört übrigens zu den meistverkauften Dimensionen, sie ist ein typischer Kleinwagenreifen.

Kleinwagen mit geringstem Abrieb

Solche Reifen produzieren den mit Abstand geringsten Abrieb (im Durchschnitt sind es 89 g bei Sommer- und 109 g bei Winterreifen). Das mag daran liegen, dass Kleinwagen ein niedriges Fahrzeuggewicht aufweisen und weniger leistungsstarke Motoren haben. Bei den Winterreifen derselben Dimension musste sich der Michelin Alpin A4 nur knapp einem Modell aus gleichem Haus geschlagen geben: dem Kleber (Krisalp HP3). Die 85 g Abrieb sind umso bemerkenswerter, als Kleber in allen Fahrsicherheits-Disziplinen gut abschneidet – auch auf Schneefahrbahn, wo laut ADAC der Zielkonflikt zwischen Abrieb und Sicherheit besonders ausgeprägt ist.

Veraltete Reifentechnologie?

Einen hohen Reifenabrieb weist die Sommerreifengröße 225/40 R 18 auf. Sie ist speziell für sportliche Automodelle der Kompaktklasse gedacht. Offenkundig sind die Reifen fast ausschließlich auf die Fahrperformance ausgelegt, Umwelteigenschaften stehen nicht im Vordergrund. Den schlechtesten Durchschnittswert für Abrieb (139 g) weist die Dimension 195/65 R 15 auf. Sie ist für viele, auch preiswerte Kompaktautos und Vans passend. Der ADAC hegt den Verdacht, dass in dieser Reifendimension (eine der meistverkauften Winterreifen-Größen) möglicherweise eine veraltete Reifentechnologie eingesetzt wird.

Zielkonflikt gelöst?

Ein geringer Reifenabrieb muss in allen Reifendimensionen keine Utopie sein. Es gibt auch keine großen Unterschiede zwischen Sommer- und Winterreifen, bei Sommerreifen ist der Abrieb nur geringfügig niedriger. Erfreulich ist, dass zumindest einige Hersteller die Bedeutung einer Reduzierung des Reifenabriebs erkannt haben.

Weniger Abrieb, weniger Kosten

Nicht nur für die Umwelt – es spart auch Kosten, weil die Reifen bei gleicher Profiltiefe (im Neuzustand) länger halten. Und es zeigt, dass der Zielkonflikt zwischen geringem Abrieb und Sicherheitseigenschaften durch moderne Technologie aufgelöst oder zumindest stark reduziert werden kann. Das sollte sich auch in der Anpreisung niederschlagen, denn in den Werbeaussagen vieler Hersteller dominiert unverändert eine Fahrperformance, die eher auf der Rennstrecke zum Tragen kommt als im Alltag.

VKI-TIPPS

  • Sparen schont die Umwelt: Vor allem Vielfahrer sollten Reifen mit geringem Abrieb (bzw. hoher Verschleißfestigkeit) kaufen. Damit kann man Geld sparen und gleichzeitig die Umwelt schonen.
  • Spritsparend fahren: Vorausschauende Fahrweise und Temporeduktion bringen geringeren Reifenabrieb.
  • Was den Abrieb sonst noch erhöht: Betonbelag, nasse Fahrbahn, Gebirgsstraßen, höhere Temperaturen – das alles sorgt für höheren Abrieb.

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