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Schneeketten - Am besten nichts Neues

, aktualisiert am

Die klassische Stahlkette bietet in Summe immer noch die besten Ergebnisse. Alternative Kettensysteme sind nicht unbedingt leichter zu montieren.

Traktionseigenschaften: immer besser geworden

Winterreifen sind in ihren Traktionseigenschaften in letzter Zeit immer besser geworden. Auch alternative Produkte werden zusehends beliebter. Da stellt sich die Frage, ob die klassische Schneekette vielleicht schon ein Auslaufmodell ist. Doch spätestens wenn das blaue Gebotsschild mit den Schneeketten auftaucht, kommt man um die Montage von Ketten eigentlich nicht mehr herum. Auch wenn die Gesetzeslage gar nicht so eindeutig ist.

So dürfen bei Kettenpflicht auch Traktionshilfen verwendet werden, die die ÖNORM V5117 erfüllen. Und noch etwas: Diese schon etwas ältere Norm schaffen heute auch gute Winterreifen. Aber erklären Sie das einmal einem Polizisten, der Sie bei Kettenpflicht mit bloßen Winterreifen nicht weiterfahren lässt, von eventuell folgenden Rechtsstreitigkeiten nach einem Unfall ganz zu schweigen.

Anlegen: mühsame Tätigkeit

Tatsache ist jedenfalls: Das Anlegen der Ketten ist noch immer eine mehr oder weniger mühsame Tätigkeit, aber sie helfen beim Vorwärtskommen – umso eindeutiger, je strenger die winterlichen Bedingungen sind. Größere Steigfähigkeit (Traktion) und kürzere Bremswege auf Eis und Schnee versprechen Schneeketten auf jeden Fall. Da gibt es nur eine Ausnahme: Die aus Textilseilen bestehende Michelin Easy Grip bietet auf Schnee eine etwas höhere Traktion als die herkömmliche Kette.

Solide Schneeketten aus Stahl

Doch unterm Strich zeigt sich: Solide Schneeketten aus Stahl im Kofferraum zu haben ist die sicherste Möglichkeit, gut durch den Winter zu kommen. Kein anderes Produkt bringt alle Zielkonflikte (hohen Grip, lange Lebensdauer und akzeptable Montage) besser unter einen Hut als die Schneekette. Und es hat sich seit Jahrzehnten nicht viel geändert. Auf jeden Fall sollte man die Montage vorher wenigstens einmal im Trockenen üben – auch wenn heute viele Kettenmodelle leichter zu montieren sind als frühere.

Winterausrüstung ist Pflicht

Vom 1. November bis 15. April gilt in Österreich die Winterausrüstungspflicht (bei winterlichen Fahrbedingungen). Sie ist im Wesentlichen durch die Montage von Winterreifen mit dem nach heutigen Maßstäben wenig aussagekräftigen M+S-Symbol und einer Mindestprofiltiefe von 4 mm erfüllt. Doch auch wer bloß Schneeketten über seine Sommerreifen an der Antriebsachse zieht, erfüllt die Winterausrüstungspflicht. Das kann aber nur eine Notlösung sein, um ein Hängenbleiben zu verhindern, denn die Fahreigenschaften eines Autos verschlechtern sich in dieser Konstellation bedenklich.

Bei Fronttrieblern neigt das Heck beim Bremsen bergab dazu, auszubrechen, Hecktriebler schieben in Bergaufkurven lästig geradeaus. Die Kombination von Schneeketten und Sommerreifen ist generell keine sehr glückliche. Durch das glatte Profil neigt die Kette zum Durchrutschen und ihre verzahnende Wirkung verpufft zumindest teilweise.

Traktionshilfen aus Textil: Erstaunliche Ergebnisse

Erstaunliche Ergebnisse bringen die Traktionshilfen aus Textil. Sie harmonieren mit Sommerreifen besser, können deren Traktion erheblich verbessern und bringen Sommerreifen beim Bremsen wie beim Beschleunigen immerhin relativ nahe an Winterreifen heran. Bei diesen Produkten ist aber zwischen offenen und geschlossenen Systemen zu unterscheiden. Die Michelin Easy Grip zeigt, dass auf Schnee mit einem Geflecht aus Textilseilen (offenes System) höhere Traktionswerte möglich sind als mit den besten Schneeketten. Systeme mit geschlossener Oberfläche hingegen erreichen zwar hohe Reibwerte, aber keinen Formschluss mit dem Untergrund, und haben so gegen jegliche Art von Schneeketten keine Chance, nicht einmal gegen gute Winterreifen.

Grimmig beim Thema Verschleiß

Grimmig wird es aber beim Thema Verschleiß: Kein einziges Textilprodukt kam auf Beton weiter als 16 Kilometer. Spätes­tens dann flogen im wahrsten Sinn des Wortes die Fetzen. Und noch ein Nachteil, der nicht zu übersehen ist: Gerne werden die Textil-Steighilfen als montagefreundlich hingestellt, was jedoch einer näheren Betrachtung nicht standhält. Bei Nässe ist die Montage extrem kräfteraubend und bei Frost sind die Dinger kaum mehr vom Reifen herunterzubekommen und ordentlich zu verstauen.

Knackpunkt Montage

Die Handhabung der Winterhilfen ist ein sehr wichtiges Kriterium und geht deshalb mit 40 Prozent in die Wertung ein. Denn was hilft die beste Kette, wenn es nicht gelingt, sie zu montieren? Das war auch ausschlaggebend für den Testsieg der Thule CL-10, sie ist eben mit Abstand am einfachsten zu montieren. Dahinter folgt ein Kopf-an-Kopf-Rennen, sowohl in Sachen Handhabung als auch bei den Messergebnissen bei unterschiedlichen Fahrbahnbedingungen. Die Montagesysteme sind einander sehr ähnlich.

Pewag Sportmatik und KWB TempoMatic

Die Pewag Sportmatik und die KWB TempoMatic verfügen über zwei automatische Spanner, die ein Nachspannen überflüssig machen. Die RUD-compact easy2go besitzt ein ebenso effektives Gummiseil. Aber selbst die Ottinger Maxi lässt sich mit ihrem konventionellen Spannsys­tem recht gut handhaben. Genauso wie die Pewag Ring Automatik-S ist die RUD-matic Kantenspur zwar deutlich schwieriger zu montieren, Letztere zeigt dann aber auf Schnee die besten Traktionswerte von allen Stahlketten.

ESP und ASR

Ein eigenes Kapitel sind elektronische Fahrhilfen wie ein elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP) oder eine Antriebsschlupfregelung (ASR). Auf glatter Fahrbahn ein Segen, werden sie im Tiefschnee zum Fluch. Denn um auch noch auf Schnee eine gute Traktion zu erreichen, ist mehr Schlupf an den Rädern notwendig. Eine eingeschaltete Traktionskontrolle erlaubt dies aber nicht. Was so weit führen kann, dass das Fahrdynamiksystem die gesamte Motorleistung wegregelt. Bei vielen Autos kann man das ESP aber ausschalten.

Mehr Schlupf

Dabei meldet es sich meist nicht ganz ab, es erlaubt bloß mehr Schlupf. Dann kann man mit Ketten gut fahren, hat aber trotzdem noch die Sicherheit des ESP im Hintergrund, wenn man zu schnell in eine Kurve geht. (Nur einzelne sehr sportlich konzipierte Autos erlauben das gänzliche Wegschalten des ESP.) Neuerdings tauchen aber immer mehr Autos auf, deren ESP nicht abschaltbar ist. Was dann auf tief verschneiter Fahrbahn passiert, wäre noch eigens zu untersuchen. Würde der Regelvorgang erst bei etwa 10 km/h einsetzen, könnten Schneeketten, aber auch Winterreifen, jedenfalls mehr Zugkraft auf die Fahrbahn bringen.

Zuerst im Trockenen üben

Noch einmal zum Kettenanlegen: Man sollte es wirklich zuerst einmal im Trockenen üben, dann ist es auch bei schlechtem Wetter leichter. Immerhin besteht die Gefahr, dass man durch eine falsch montierte Kette nicht nur die nötige Traktion nicht erreicht, sondern auch das Fahrzeug beschädigt (Bremsleitungen, ABS-Sensoren etc.). Der Wagenheber ist jedenfalls kein geeignetes Hilfsmittel, wenn man nicht mehr weiterweiß. Niederquerschnittreifen unter dem 50er-Format eignen sich in der Regel nicht für die Kettenmontage, da hier unter Umständen in der Kurve die Spannkette auf die Lauffläche gezogen werden und folglich reißen kann

Schneeketten und Traktionshilfen 12/2008

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Schneeketten: kompetent mit Konsument

  • Kein Ersatz für Winterreifen . Eine gute Schneekette auf einem Sommerreifen ist auf Schnee einem Winterreifen unterlegen. Außerdem sind die Fahreigenschaften mit Ketten auf Sommerreifen gefährlich.
  • Traktionshilfen aus Textil . Sind weder leichter zu montieren noch sind sie in ihren Traktionseigenschaften mit soliden Ketten vergleichbar. Außerdem verschleißen sie extrem schnell.
  • Auf allen Antriebsrädern . Bei Allradfahrzeugen sollten Ketten auf allen Antriebsrädern montiert werden. Ist dies nicht möglich, gehören sie auf jene Achse, die der Fahrzeughersteller empfiehlt.
  • Richtig lagern . Nach Benutzung sollten Schneeketten unbedingt vom Salzwasser befreit werden, damit sie nicht rosten. Sonst sind sie vielleicht schon beim nächsten Einsatz unbrauchbar.

Schneeketten: Anbieteradressen

Gima: GIMA s.r.l.,
Via Mazzucconi, 49,
I-23900 Lecco,
+39 0341 49 62 13,
www.trendysnow.com

KWB: pewag austria GmbH,
Bahnhofgürtel 59,
A-8020 Graz,
0316 60 70-0,
www.pewag.com

Michelin Reifenwerke
AG & Co. KGaA,
Michelinstraße 4,
D-76185 Karlsruhe,
+49 0721 530-0,
 

Ottinger GmbH,
Güterstraße 25,
D-78224 Singen,
+49 7731 660 11,
www.ottinger.de

Pewag: pewag austria GmbH,
Bahnhofgürtel 59,
A-8020 Graz,
0316 60 70-0,
www.pewag.com

RUD Ketten Rieger & Dietz GmbH u. Co. KG,
Friedensinsel,
D-73432 Aalen,
+49 736 15 04-0,
www.rud.com

Thule GmbH,
Dreichlingerstraße 10,
D-92318 Neumarkt,
+49 9181 90 10,
www.thule.com

Week: K2 Srl,
Via Antonio Maffi 10,
I-20162 Milano,
+39 02 647 24 10,
www.catenedaneve.com

Schneeketten: Testkriterien

Bei dem Test handelt es sich um einen Gemeinschaftstest mit dem ÖAMTC.

Handhabung

Montage und Demontage: Alle Schneeketten wurden laut Anleitung mehrmals unter verschiedenen Witterungsbedingungen von einem Experten und zwei nicht mit der Materie befassten Testpersonen an den Testfahrzeugen montiert. Verpackung: auf Wasserfestigkeit, aufgedruckte Bedienungsanleitung, Packungsmaß, Materialqualität und Gewicht einschließlich Inhalt geprüft. Bedienungsanleitung: wurde von zwei nicht ständig mit der Materie befassten Testpersonen durchgelesen und hinsichtlich Verständlichkeit und Vollständigkeit bewertet.

Schnee

Subjektiv: Auf einer schneebedeckten Steigungsstrecke mit mind. 2 Kehren und leichten Kurven wurden je Kette zwei Durchgänge (einmal Heck-, einmal Frontantrieb) bergauf und talwärts durch­geführt; drei Anfahrversuche auf Steigung.

Der gleiche Durchgang mit eingeschaltetem ESP. Bewertung: Anfahrverhalten, Kurven­verhalten, Geradeauslauf, Vibrationen (Lenkradflattern), Bremsen in Relation zur Referenzkette.

Schnee und Eis (Messungen)

Traktion: Auf ebener Schnee- bzw. Natureisfahrbahn wurde das Testfahrzeug mit jeder Kette 20 Mal bis 100 % Schlupf beschleunigt und der Beschleunigungsverlauf aufgezeichnet. Bewertet wurde die Abweichung von einer Referenzkette. Bremsen: Mit der identischen Messeinrichtung wurden 20 Bremsversuche mit ABS von 40 km/h auf 20 km/h durchgeführt.

Verschleiß

Über eine Strecke von 50 km (Beton) wurde mit höchstens 50 km/h und in Kurven an der Schlupfgrenze gefahren. Bewertet wurden Gewichtsabnahme und Querschnittreduktion.

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