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Bargeld-Abschaffung: Wer profitiert? - Ohne Moos nix los

, aktualisiert am premium

Die EU überlegt eine Obergrenze für Bargeldzahlungen von 10.000 Euro einzuführen. So könne man leichter gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung vorgehen, heißt es aus Brüssel. Die aktuell diskutierte Obergrenze kann ein Einstieg zur Abschaffung sein. Es gibt genügend Argumente, die für das gute alte Bargeld sprechen.

"Willst du den Wert des Geldes kennenlernen, versuche, dir welches zu borgen", soll Benjamin Franklin dereinst gesagt haben. Aktuell, also in Zeiten von Negativzinsen, eigentlich keine allzu schaurige Lektion.

Trotzdem – oder gerade deshalb – wird seit einigen Monaten wieder über die Abschaffung von, nein, nicht von Geld per se, aber Bargeld diskutiert. Befürworter argumentieren bisweilen moralisch; so würden ohne Bargeld zum Beispiel viele kriminelle ­Machenschaften erschwert, heißt es. Der stärkste Treiber hinter der Abschaffungs­debatte ist aber wohl ein profan wirtschaftlicher: So mancher Ökonom sieht in der Abschaffung von Papiergeld die probateste Möglichkeit, das Weltfinanzsystem zu stützen. Aber der Reihe nach.

Verbrechensbekämpfung?

Insbesondere durch das Erstarken der islamistischen Terrormiliz IS wurde das Thema Bargeldabschaffung zuletzt häufiger diskutiert. Das Argument: Der IS könne finanziell ausgehungert werden, wenn es Bargeld nicht mehr gäbe. Ganz generell würden verbrecherische Machenschaften wie Geld­wäsche, Korruption, Drogen- und Menschenhandel oder Schwarzarbeit ohne Bargeld massiv erschwert.

Ja, der berühmte schwarze Koffer voller Geld würde der Vergangenheit angehören. Allerdings können Gangster und Terroris­ten bereits jetzt recht einfach auf andere Kanäle ausweichen: von Gold, Krypto­währungen (Bitcoins & Co) über Diamanten und Scheinfirmen bis hin zu anderen ­Währungen. Gerade der IS, wissen Terror­experten zu berichten, wird zu einem großen Teil mittels Kryptowährungs-Spenden finanziert.

"Geldsteuerung" via Negativzinsen

Auf wissenschaftlicher Ebene heizt allen voran US-Ökonom Kenneth Rogoff die ­Bargelddebatte an. Der Harvard-Professor und ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds postuliert in seinem Buch "Fluch des Geldes" ein klares "Ja" zur Abschaffung von Bargeld. Rogoff und seinen Mitstreitern geht es um das Thema "Geldsteuerung". In Nullzinszeiten wie ­diesen ist Bargeld vielen Fiskalökonomen ein Dorn im Auge. Denn deutliche Negativzinsen lassen sich nicht so einfach durchsetzen, wenn Verbraucher auf null-verzinstes Bargeld ausweichen können.

Bargeld soll also abgeschafft werden, damit Notenbanken den Zinssatz unter null drücken können und die Konsumenten gleichzeitig keine Möglichkeit haben, Geld physisch zu horten. In diesem Umfeld, in dem Geld am Konto massiv an Wert verliert, wird mehr konsumiert, so die Argumentation. Die Wirtschaft wird dadurch angekurbelt und Spekulationsblasen werden unwahrscheinlicher. Gezahlt wird die Zeche freilich von den Konsumenten und Sparern.

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