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3D-Fotografie: Tutorial - Mit 3 Mausklicks in die 3. Dimension

Wir sagen Ihnen, wie Sie mit wenigen Mausklicks und mit jeder digitalen Fotokamera das "Abenteuer 3D" auf Ihren Fernsehschirm zaubern – sogar wenn Ihr TV-Gerät gar kein 3D "kann".

3D – das war bis vor kurzem der TV-Gerätehersteller liebstes Werbe-Kind. Heute ist es deutlich ruhiger darum geworden. Nicht zuletzt deshalb, weil die Hersteller schlichtweg darauf "vergessen" haben, ihren Kunden zu vermitteln, dass Sie gar nicht auf das dürftige Filmangebot auf Blu-Rays oder via TV-Übertragung angewiesen sind, um die Welt am Bildschirm so zu sehen, wie sie in Wirklichkeit ist: dreidimensional. Nicht flach wie ein hochkant gestellter Bierdeckel.

Mini-Tutorial für 3D-Fotos

Man verschenkt also Geld, wenn man für das 3D-Feature bezahlt hat, dieses aber gar nicht oder nur selten nutzt. Dem möchten wir dieses Mini-Tutorial entgegensetzen, welches weitere faszinierende Möglichkeiten eröffnet.

Was so alles geht

Stellen Sie sich vor:

  • Dieser prächtige Fisch, den Sie beim Tauchgang am Riff vor die Linse bekamen – er schwimmt plötzlich in Ihrem Wohnzimmer, sodass man meint, zwischen ihm und dem Riff am Bildschirm hindurchgehen zu können.
  • Auf dem Gipfelfoto sehen die gegenüberliegenden Bergketten nicht mehr aus, als seien sie aufgereiht wie an einer Perlenschnur; man erkennt vielmehr Strukturen, Grate, Distanzen, Winkel – weit besser als auf der gemalten Panoramakarte vom Fremdenverkehrsverein.
  • Das Strandfoto von der Gemahlin beweist in 3 Dimensionen, dass ihr der Bikini vom Vorjahr immer noch super passt, während Papa und die Kinder mit einem kleinen fotografischen Trick die Sandburg aussehen lassen, als wäre sie die Festung Camelot von König Artus.

Zwei Teilbilder machen

Das richtige Motiv für Anfänger

Wichtig: Das Motiv muss statisch sein, also keine Bewegung, auch keine Blätter im Wind, durch das Bild fliegende Vögel, zwinkernde Menschen oder rasant ziehende Wolken. Schnappen Sie sich einfach Ihre Digitalkamera und machen Sie Folgendes:

- Ihr Hauptmotiv ist in der Bildmitte und 2 bis 3 Meter entfernt, dahinter eine weitere Bildebene, und nochmals in einiger Entfernung der Bildhintergrund. Beispielsweise das Gartenhäuschen (Hauptmotiv) mit den Rosenhecken dahinter (Mittelteil), dem Zaun und dem anschließenden Wäldchen als Hintergrund.

- Fokussieren Sie auf Ihr Hauptmotiv und achten Sie dabei darauf, dass keine Objekte vor diesem in die Bildränder hineinragen (Äste, Werbeschilder, Verkehrszeichen …). Drücken Sie ab, lassen Sie die Kamera danach am Auge.

- Nun verschieben Sie die Kamera um etwa 6,5 cm (Augenabstand) nach rechts oder machen einen winzigen Schritt in diese Richtung. Nun drücken Sie, Ihr Hauptmotiv unverändert im Fokus, erneut ab. Die Kameraausrichtung soll dabei möglichst gleich jener der ersten Aufnahme sein. Also nicht in Richtung Boden oder Himmel verkanten.

Zwei Teilbilder im Kasten

Damit haben Sie ihr erstes Stereofoto (wie man 3D-Aufnahmen auch nennt) im Kasten. Genauer: zwei Teilbilder. Das erste Foto hat abgebildet, was Ihr linkes Auge bei freier Betrachtung gesehen hätte, das zweite gibt das Motiv aus dem Blickwinkel des rechten Auges wieder.

Stereofotos zusammenführen

Teilbilder zusammenführen

Die Zusammenführung beider Teilbilder – und damit die dreidimensionale Wahrnehmung – erledigt beim normalen Sehen unser Gehirn. Da das TV-Gerät aber über kein solches verfügt, wird es durch Software ersetzt: Sie heißt StereoPhotoMaker (SPM) und kann kostenlos unterStereoPhotoMaker (SPM) heruntergeladen werden. Tun Sie es und installieren Sie das Programm auf Ihrem Windows-Rechner.

Nachdem das Programm installiert ist und Sie die beiden Fotos zum PC übertragen haben, öffnen Sie den StereoPhotoMaker (SPM).

3 Klicks für Besitzer eines 3D-TVs

1. Ziehen Sie die beiden Fotos auf die (schwarze) Arbeitsfläche des SPM und kontrollieren Sie in der obersten Zeile des Programmfensters, ob dort die zuerst gemacht Aufnahme als "linkes Bild" bezeichnet wird (das ist jenes mit der niedrigeren Zahl im Dateinamen). Sollte dem nicht so sein, tippen Sie auf das X der Tastatur, wodurch linkes und rechtes Bild vertauscht werden.

2. Klicken Sie nun auf die Schaltfläche "Auto" und warten Sie, bis ein Infofenster erscheint, welches über die vorgenommenen Anpassungen informiert. Keine Bange, wenn Sie mit "Rotation", "V-Perspektive", "Tonnenverzerrung vor Autojustage" oder "Versatz des Fernpunktes" nichts anzufangen wissen – das Bildergebnis wird darunter nicht leiden. Schließen Sie das Info-Fenster – das war der zweite Klick.

3. Nun wählen Sie im Menü "Datei" links oben im Programmfenster die Option "MPO Datei speichern ...", vergeben einen Dateinamen (oder belassen es bei der Voreinstellung) und bestätigen mit "Speichern". Das war der letzte Klick. Ihr erstes 3D-Foto ist fertig.

Hier eine kleine Bild-Anleitung:

Screenshot: StereoPhotoMaker

3D-Foto am Fernseher ansehen

Jetzt noch schnell auf einen Datenträger kopiert, den Ihr TV-Gerät lesen kann (USB-Stick, externe Festplatte, SD-Karte ...), Gerät eingeschaltet, Polarisations- oder Shutterbrille aufgesetzt, zum Foto navigiert und – voilà! Erkennt Ihr TV-Gerät nicht selbstständig das Format, wählen Sie aus den Optionen "links/rechts-Bild nebeneinander".

Besser als "upscaling"

Erstaunlich, was Sie nun sehen, nicht wahr? Vor allem wenn Sie in der Vergangenheit versucht haben sollten, normale 2D-Fotos durch das Fernsehgerät auf 3D umrechnen zu lassen ("Upscaling"), wird Sie der qualitative Unterschied beeindrucken.

Für Fotografen ohne 3D-TV

Fotografen ohne 3D-TV

Der Vorgang ist auch ohne 3D-taugliches TV-Gerät ganz ähnlich. Nur werden Sie später beim Betrachten nicht die Polarisations- oder Shutterbrille aufsetzen, sondern eine der klassischen Anaglyphbrillen in rot/cyan. Die Pappendeckelversionen sind wahrlich keine Freude, gute – und gestylte – Anaglyphbrillen gibt es aber im Versand schon für unter 2 Euro.

3D-Bilder für alle Monitore

Zwar muss man bei dieser Methode in Sachen Farbtreue häufig deutliche Abstriche machen (große rote oder blaue/cyanfärbige Flächen im Bild vermeiden!), dafür kann man solche 3D-Bilder aber auf sämtlichen Monitoren dreidimensional wiedergeben – auch auf PC, Laptop, Tablet, Smartphone – und sie sogar ausdrucken.

So gehen Sie - im ProgrammStereoPhotoMaker (SPM) - vor:

1. Ziehen Sie die beiden Fotos auf die (schwarze) Arbeitsfläche des SPM und kontrollieren Sie in der obersten Zeile des Programmfensters, ob dort die zuerst gemacht Aufnahme als "linkes Bild" bezeichnet wird (das ist jenes mit der niedrigeren Zahl im Dateinamen). Sollte dem nicht so sein, tippen Sie auf das X der Tastatur, wodurch linkes und rechtes Bild vertauscht werden.

2. Klicken Sie nun auf die Schaltfläche "Auto" und warten Sie, bis ein Infofenster erscheint, welches über die vorgenommenen Anpassungen informiert. Keine Bange, wenn Sie mit "Rotation", "V-Perspektive", "Tonnenverzerrung vor Autojustage" oder "Versatz des Fernpunktes" nichts anzufangen wissen – das Bildergebnis wird darunter nicht leiden. Schließen Sie das Info-Fenster. Wenn Sie möchten, können Sie Ihr Werk nun schon in 3D am PC-Monitor bewundern, indem Sie die Anaglyphbrille aufsetzen und unter der Schaltfläche "Farb-Anaglyphen" die Option "Farbe (rot/cyan)" wählen.

3. Nun wählen Sie im Menü "Datei" links oben im Programmfenster die Option "Stereobild speichern ...", vergeben einen Dateinamen (oder belassen es bei der Voreinstellung) und bestätigen mit "Speichern" (Möchten Sie später das 3D-Bild erneut im SPM aufmachen, wählen Sie "Einzelnes Bild öffnen ...".).

Gratis-Downloads zum Ausprobieren

Gut, aber wohl nicht perfekt

Mit großer Wahrscheinlichkeit werden Sie vom Ergebnis Ihrer fotografischen Bemühungen überrascht sein. Dabei war das nur die aller einfachste Variante der Stereografie – wie Sie ein Blick auf die zahlreichen Optionen im StereoPhotoMaker wohl erahnen lässt. Dazu, den Fisch wirklich "schwimmen" zu lassen, das Gebirge oder die City aus der Vogelperspektive wie eine Liliputwelt zu zeigen, die Sandburg hingegen als Monumentalbau, gehört etwas mehr.

Ihre Fragen, Anregungen und Erfahrungen

Oder wie wäre es damit: Aufnahmen von bewegten Objekten schießen, farbige 3D-Fotos am Schirm oder ausgedruckt auch ganz ohne Brille betrachten, mit 3D-Kameras fotografieren, die dieses Feature bereits eingebaut haben (derzeit etwa jedes achte Modell am Markt), Makroaufnahmen von Blüten und Insekten in 3D gestalten etc.?

Der Autor dieses Beitrags – ein langjähriger Mitarbeiter der KONSUMENT-Redaktion – arbeitet derzeit an einem Praxisbuch zum Thema Stereofotografie und bittet um Ihre Rückmeldungen. Alle Fragen, Anregungen, Erfahrungen und Tipps zur dreidimensionalen Fotowelt sind willkommen. Senden Sie diese anMail an leserbriefe@konsument.at.

Gratis-Downloads zum Ausprobieren

Für alle, die sich vorerst Beispielfotos ansehen möchten, hat der Autor zudem einfache Schnappschüsse auf netclub.at zum kostenlosen Download bereitgestellt.

Holen Sie aus Ihrem TV heraus, was in ihm steckt – und wofür Sie schließlich ja auch bezahlt haben!

Buchtipp: Fotografieren

Die Möglichkeit jederzeit, schnell und einfach Fotos erstellen zu können ruft auch einen Überdruss hervor. Die Flut der vielen beliebigen und nichtssagenden Fotos nährt die Sehnsucht nach dem Besonderen,  nach authentischen Bildern. Weg von der Massenware und hin zum individuellen und unverwechselbaren Ausdruck.

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Wir wollen Möglichkeiten aufzeigen und Anregungen bieten, die Sie unterstützen zu Ihrem eigenen, ganz persönlichen Ausdruck in der Fotografie zu finden.

www.konsument.at/fotografieren

Aus dem Inhalt

  • Zeichnen mit Licht
  • Schärfe und Unschärfe
  • Flächen, Linien, Perspektive
  • Porträt- und Landschaftsfotografie
  • Architekur- und Sachfotografie

184 Seiten, 19,60 € + Versand

Fotografieren statt knipsen

 

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