Frau blickt auf Bildschirm Bild: VN_KK/Shutterstock

Brillenkauf beim Onlineoptiker - Trübes Ergebnis

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Test Online-Optiker: Sie werben mit günstigen Preisen und hoher Qualität, doch im Vergleich fielen fast alle durch.

In unserem Vergleich Online-Brillenkauf testen wir folgende Anbieter

  • Brille24
  • Charlie Temple
  • Lensbest
  • Mister Spex
  • My Spexx
  • Pearle

Die Testtabelle informiert über:

  • Brillenqualität
  • durchschnittliche Dauer der Bestellung
  • Möglichkeit die Brille zu probieren
  • Welche Werte werden benötigt
  • Erklärung der Werte
  • Erhalt der Brille
  • Tragetest
  • durchschnittliche Lieferzeit
  • Information zur
    Anpassung
    Gewöhnung an die Gleitsichtbrille
    Straßenverkehr
  • Passformprobleme
  • medizinische Symptome
  • Tragetest

Hier unser Testbericht:


Brille online kaufen: Erfahrungsbericht

Nimmt die Sehstärke im Alter ab und leidet man dazu noch unter einer Fehlsichtigkeit, hat man als Brillenträger die Wahl: Ent­weder man wechselt ständig zwischen ­einer Brille für die Distanz und einer für die Nähe oder man verwendet eine Gleitsichtbrille, die sowohl die Nah- als auch die Ferndistanz abdeckt. Gleitsichtgläser sind wesentlich komplizierter aufgebaut als herkömmliche Gläser. Entsprechend aufwendiger und damit teurer ist ihre Herstellung. Für eine Brille sind schnell einmal 1.000 Euro und mehr fällig. Anbieter von Gleitsichtbrillen im Internet werben mit deutlich günstigeren Produkten. Doch wie ist es um die Qualität der Onlinebrillen bestellt?

Sechs Optiker im Vergleich

Wir haben insgesamt sechs Anbieter unter die Lupe genommen. Drei Testpersonen ­bestellten jeweils aufgrund der attestierten Fehlsichtigkeit eine Gleitsichtbrille. Anschließend wurde die Qualität der Brillen von einem Experten begutachtet. Das Ergeb­nis ist alles andere als berauschend: Kein einziges Produkt schnitt mit „sehr gut“ oder „gut“ ab, zu mehr als einer durchschnitt­lichen Note reichte es nicht. Fünf der sechs getesteten Onlineoptiker lieferten Brillen mit unzureichender Qualität.

Wie gut sind Brillen aus dem Internet?

Das Hauptaugenmerk bei der Bewertung lag auf der optischen Anpassung der Brillen. Angesehen haben wir uns auch, ob die ­Brillengläser gemäß den jeweils benötigten Dioptrien angefertigt wurden. Die Dioptrien geben die Stärke eines Brillenglases an. Die erste Zahl – der Wert der Sphäre – definiert zusätzlich die Art der Fehlsichtigkeit. Ein positives Dioptrienvorzeichen bedeutet, dass eine Weitsichtigkeit vorliegt, ein negatives Vorzeichen bedeutet Kurzsichtigkeit.

Falsche Brille zugeschickt

Falsche Gläser

Eine unserer Testpersonen bekam von ­Pearle eine falsche Brille zugeschickt, weil Plus und Minus verwechselt wurden. Nach der Reklamation schickte Pearle anstatt ­einer Gleitsicht- nur eine Einstärkenbrille. Verrechnet wurde aber die Gleitsichtbrille.

Um eine Sehschwäche auszugleichen, die durch eine Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) hervorgerufen wird, muss die Brille mit Zylindergläsern ausgestattet werden. Weicht das Augenpaar leicht von der Parallelstellung ab, sind zur Korrektur Prismengläser notwendig. Ohne sie können Betroffene rascher ermüden und Kopfschmerzen bekommen. Zwei unserer Testpersonen hätten Prismengläser benötigt, diese konnten jedoch bei keinem Anbieter bestellt werden. Ärgerlich ist, dass dieser wichtige Hinweis auf keiner der sechs Websites beim Bestellvorgang zu finden war.

Falsche Zentrierung, zu kleine Gläser

Falsche Zentrierung

Bei einer Gleitsichtbrille ist besonders auf die richtige Zentrierung zu achten. Ist diese nicht optimal, sieht der Träger nur scharf, wenn er eine bestimmte Kopf- bzw. Körperhaltung einnimmt. Ist beispielsweise der Fernbereich zu tief zentriert, muss er den Kopf anheben, um scharf sehen zu können. Das kann auf Dauer zu Verspannungen sowie Kopf- und Nackenschmerzen führen. Die Höhenzentrierung war bei den meisten Brillen nicht korrekt. Bei Pearle und Charlie Temple stimmte sie bei keiner einzigen der gelieferten Brillen.

Wichtig ist auch eine exakte Ausrichtung der Gläser, da andernfalls Schwindelgefühle auftreten können. Bei Charlie Temple waren vier der sechs Brillengläser für die drei Brillen falsch ausgerichtet.

Zu kleine Gläser

Auch was Sitz und Positionierung der Brillengläser angeht, gab es Anlass zu Kritik. Einige Gläser saßen nicht fest in der Fassung, weil sie zu klein geschliffen waren. Beim Brillenputzen besteht die Gefahr, dass die Gläser verdreht werden. Bei einer Gleitsichtbrille, wo es auf eine exakte Ausrichtung der Horizontalachse ankommt, die den Nah- und Fernbereich definiert, ist das inakzeptabel. Andere Gläser saßen nicht symmetrisch in der Fassung. Das führt ebenfalls dazu, dass die Horizontalachsen verschoben sind.

Keine Anpassung möglich

Zu schwere Gläser

Was beim Onlinekauf offenbar gut funktioniert, ist die Auswahl der richtigen Fassungsgröße. Kaum eine Testperson wählte eine viel zu große oder viel zu kleine Brillenfassung. Allerdings war die Glasstärke bei zwei Brillen (Mister Spex und Lensbest) viel zu dick und die Gläser waren entsprechend schwer. Das führt mit der Zeit dazu, dass die Brille drückt und abgesetzt werden muss.

Anpassungsprobleme

Gerade bei Gleitsichtbrillen ist der korrekte Sitz der Brille enorm wichtig. Bereits ein leichtes Verrutschen kann das Sehen stark beeinträchtigen. Ein Anpassen der Brille wie beim Optiker ist online jedoch nicht möglich. Im Test wurde hier eine weitere Schwäche der Onlinebestellung offenkundig: Bei fünf der sechs Anbieter saßen die Brillen nicht richtig. Einige Onlineoptiker scheinen sich dieser Problematik immerhin bewusst zu sein. Sie empfehlen auf ihrer Website, dass man zur Anpassung der Brille einen Augenoptiker vor Ort aufsuchen ­solle. Ob dies allerdings ohne Weiteres möglich ist und funktioniert, haben wir nicht getestet.

Bestellung war unproblematisch

Bestellung unproblematisch

Der Bestellvorgang war bei allen Anbietern unproblematisch. Er dauerte zwischen 23 und 44 Minuten. Die Auswahl der Brillenfassung (alle Anbieter haben unterschied­liche Fassungen im Sortiment) wurde jeweils durch einen Filter erleichtert, mit dem sich eine Vorauswahl zu bestimmten Parametern wie Brillenform, Kopfform oder ­Farbe treffen ließ. Auf allen Websites gab es zudem die Möglichkeit, die Brille virtuell entweder über ein hochgeladenes Foto oder mittels Videokamera „anzuprobieren“. Die Brillenfassungen konnten bei manchen Anbietern gegen Hinterlegung einer Kaution auch zum echten Anprobieren nach Hause bestellt werden.

Vorsicht bei der Auswahl!

Beim Bestellen ist allerdings Vorsicht geboten. Eine Testperson interessierte sich auf der Website von Mister Spex zunächst für die günstigste Brille. Danach schaute sie sich noch eine bessere Brille an, die etwas teurer war. Am Ende entschied sie sich für das günstige Modell. Auf der Website wurde jedoch bis zum Abschluss des Bezahlvorganges der Preis für die teurere ­Brille angezeigt. Am Ende musste unsere Testperson also einen überhöhten Preis für die Brille bezahlen.

11 bis 25 Tage Lieferzeit

Geliefert wurden die Brillen 11 bis 25 Tage nach der Bestellung. Informationen zur ­Anpassung der Brille und darüber, wie man sich am besten an eine Gleitsichtbrille ­gewöhnt, fehlten dabei weitgehend. Auch wichtige Erläuterungen zur Nutzung der Brille bei der Bildschirmarbeit oder etwa im Straßenverkehr suchte man in den Packerln vergeblich.

Testtabelle: Brillenkauf beim Onlineoptiker

Tabelle öffnen

Steckbriefe

Hier Kurzbeschreibungen dessen, was unsere Testerinnen und Tester wahrgenommen haben. Die Reihung ist absteigend - also die Besten am Beginn.

Logo der Firma Brille24

Brille24: Der Bestellvorgang dauerte durchschnittlich 44 Minuten. Die Lieferzeit betrug durchschnittlich 16 Tage, die Kosten lagen zwischen 154 und 254 Euro. Bei der Bewertung der Brillenanpassung durch die Experten fielen die Brillen durch. Punkteabzüge gab es unter anderem auch bei der Bewertung des ästhetischen Aspektes sowie bei der Achse. Alle drei Brillen wurden insgesamt mit „durchschnittlich“ bewertet.

Logo der Firma Lensbest

Lensbest: Der Bestellvorgang dauerte durchschnittlich 41 Minuten. Die Lieferzeit betrug durchschnittlich 17 Tage, die Kosten lagen zwischen 148 und 374 Euro. Bei einer Brille wurden zu dicke Gläser eingearbeitet, die Brille war zu schwer. Bei einer weiteren Brille war die Fassung zu klein. Bei einem Drittel der Gläser waren die Horizontalachsen nicht exakt, die Höhenzentrierung war bei zwei Drittel der Gläser fehlerhaft. Die Vorneigung stimmte nicht immer.

Logo der Firma Pearle

Pearle: Durchschnittliche Dauer des ­Bestellvorganges 38 Minuten. Die Lieferzeit betrug durchschnittlich 14 Tage, die Kosten lagen zwischen 295 und 385 Euro. Eine Testperson musste die Brille zurückschicken, da die Stärken falsch waren. Mit der zugeschickten Ersatzbrille konnte die Testperson zwar gut in der Ferne sehen, aber nicht lesen. Bei der Qualitätskontrolle stellten die Experten fest, dass es sich nicht um eine Gleitsicht-, sondern um eine Einstärkenbrille handelte. Der Kunde hatte somit eine simple Einstärkenbrille zum deutlich höheren Preis einer Gleitsichtbrille erworben. Bei der Hälfte der Gläser waren die Horizontalachsen falsch. Die Höhenzentrierung stimmte bei keinem einzigen Glas. Bei zwei Brillen war die Vorneigung nicht korrekt.

Logo der Firma Charlie Temple

Charly Temple: Der Bestellvorgang dauerte durchschnittlich 23 Minuten. Die Lieferzeit betrug durchschnittlich 11 Tage, die Kosten lagen zwischen 138 und 225 Euro. Einziger Anbieter, der den Paketen Informationen zur Anpassung der Brillen beigelegt hatte. Eine Testperson gab an, Kopfschmerzen zu bekommen und die Brille nicht lange tragen zu können. Bei der Bewertung der Brillenanpassung durch die Experten erhielt Charlie Temple die geringste Punktezahl. Die Horizontal- achsen waren bei vier der sechs Gläser falsch. Bei einem Drittel der Brillen war die Pupillendistanz falsch. Höhenzentrierung und Vorneigung stimmten bei keiner einzigen Brille.

Logo der Firma Mister Spex

Mister Spex: Der Bestellvorgang dauerte im Schnitt 23 Minuten, die Lieferzeit betrug durchschnittlich 13 Tage. Die Kosten lagen zwischen 233 und 428 Euro. Mister Spex war der einzige Anbieter, der Tipps zur Gewöhnung an eine Gleitsichtbrille beigelegt hatte. Eine Testperson musste den Tragetest abbrechen, da nach kurzer Tragedauer Schwindelgefühle auftraten. Bei einer anderen Brille waren die Gläser viel zu dick und viel zu schwer, sodass sie nach einiger Zeit abgenommen werden musste. Bei der Hälfte der Gläser waren die Horizontalachsen und die Pupillendistanz nicht korrekt. Die Höhenzentrierung stimmte bei fünf der sechs Gläser nicht.

Logo der Firma My Spexx

My Spexx: Der Bestellvorgang dauerte durchschnittlich 27 Minuten. Die Lieferzeit betrug durchschnittlich 25 Tage, die Kosten lagen zwischen 165 und 285 Euro. Der Tragetest wurde von zwei Testpersonen abgebrochen. Eine gab an, dass die Brille von der Nase rutschte, die zweite klagte über verschwommene Sicht. Pupillendistanz und Vorneigung waren bei zwei Gläsern nicht korrekt, die Höhenzentrierung stimmte bei vier der sechs Gläser nicht.

 

 

 

Keine Optikerqualität

Die getesteten Brillen entsprachen zum überwiegenden Teil nicht den gängigen ­Normen und Arbeitsrichtlinien (DIN EN ISO 21987). Aus diesem Grund hat etwa der Deutsche BGH (Bundesgerichtshof) den Onlineanbietern verboten, ihre Brillen mit „Optiker-Qualität“ anzupreisen. Außerdem wurde den Anbietern die Auflage erteilt, auf die eingeschränkte Nutzbarkeit dieser Produkte im Straßenverkehr hinzuweisen. Korrekterweise sollte dieser Warnhinweis auch auf österreichischen Websites zu finden sein.

Tipps

  • Onlinebestellung: Bei einer Onlinebestellung sollten Sie unbedingt darauf achten, ob sich auf der Verordnung Werte befinden, die im Onlineformular des Anbieters nicht abgefragt werden. Wenn das so ist, sollten Sie dort keine Brille bestellen.
  • Hohen Dioptrienzahl: Ebenfalls von einer Onlinebestellung absehen sollten Personen mit einer hohen Dioptrienzahl, einer starken Hornhautverkrümmung oder einer komplizierten Fehlsichtigkeit. Im Test ließ die Qualität der bestellten Brillen zu wünschen übrig. Keine einzige Brille hatte Optikerqualität.
  • Anpassung: Bei einer Onlinebestellung kann nicht überprüft werden, ob Bügellänge, Neigung und Sitz der Brille passen. Eine Gleitsichtbrille muss jedoch indivi­duell angepasst werden. Einige Online­anbieter arbeiten diesbezüglich mit lokalen Optikern zusammen. Unklar ist, ob diese Optiker auch Korrekturen an der Brille vornehmen können und mit welchen Kosten dann zu rechnen ist. Das haben wir nicht überprüft.

So haben wir getestet

Im VKI-Test: sechs Onlineanbieter von Gleitsichtbrillen.

Je 3 Testpersonen bestellten in sechs ausgewählten Onlineshops jeweils eine Gleitsichtbrille. Die Qualität der gelieferten Brillen wurde nach einem zweiwöchigen Tragetest beurteilt. Die ermittelten Daten und die Ergebnisse wurden anhand der geltenden Normen und Arbeitsrichtlinien DIN EN ISO 21987 beurteilt.

Brillenqualität: Bewertet wurde die subjektive Wahrnehmung: visuelle Verträglichkeit, Sitzverhalten der Brille (Druckgefühl, schiefer Sitz, stabiler Sitz).

Ästhetische Aspekte: Fassungsgröße vs. Gesichtsgröße, Fassungsgröße vs. Glasstärke

Anatomische Brillenanpassung unter Einbeziehung ästhetischer Gesichtspunkte (Auflagefläche auf der Nase, horizontaler Sitz, Bügelöffnung und Bügelverlauf bis zum Ohr, Bügelverlauf hinter dem Ohr)

Optische Brillenanpassung: Sitz und Positionierung der Brillengläser (Facettenverlauf, Glasgröße, Gläsersymmetrie, Kantenbruch)

Abwertung: Brillen, die – aus welchen Gründen auch immer (z.B. falsche Brille, schlechter Sitz, viel zu schwere Gläser, Verursachen von Schwindel und Kopfschmerzen usw.) – nicht getragen werden konnten, wurden abgewertet.

Bestellvorgang: Bewertet wurde, ob es Erklärungen zu den Werten gab bzw. bei fehlenden Werten, ob Informationen zum Hersteller der Gläser gegeben wurden und ob die Kosten transparent waren.

Tragetest: Bewertet wurde, ob die Brille den Erwartungen entsprach und ob Informationen zur Anpassung, zum Arbeiten am PC und zur Nutzung der Brille im Straßenverkehr gegeben wurden. Zudem wurde bewertet, ob es zu Passformproblemen kam oder ob durch das Tragen der Brille medizinische Probleme auftraten. Wurde der Tragetest aus derartigen Gründen abgebrochen, kam es zu einer Abwertung im Urteil.

Leserreaktionen

Internet ungeeignet

Mit ca. 55 Lebensjahren stellte sich bei mir heraus, dass ich mit einer Einstärkenbrille nicht mehr für alle Einsatzzwecke zurechtkam. Trotz diverser negativer Erfahrungsberichte entschied ich mich, vor allem wegen des Wunsches, ohne Brillenwechsel alle „Lebenslagen“ zu beherrschen, zu meiner ersten Gleitsichtbrille und suchte einen renommierten Fachoptiker auf.

Die Tatsache, dass dieser sich fast eine volle Stunde für die perfekte Anpassung der Brille Zeit nahm, sowie die zwischenzeitliche Erfahrung, dass diese Brille tatsächlich in kaum einer Situation irgendeine Einschränkung für mich brachte, verdeutlicht aus meiner Sicht, dass ein derartig individualisiertes Produkt für den Handel via Internet völlig ungeeignet ist.

Viele andersartige Produkte kaufe ich übrigens gern im Internet.

User "Endlicher
(aus KONSUMENT 12/2021)

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