Hand steckt Geld in ein Spielzeughaus - Bausparen Bausparen - immer noch attraktiv Bild: Andrey_Popov/Shutterstock

Bausparen - Attraktiv mangels Alternativen

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Niedrige Sparzinsen, mickrige Prämie: Bausparen ist mehr Geldaufbewahrung denn Geldanlage. Leider gilt das auch für andere Sparprodukte.

Folgende Bausparkassen haben wir verglichen:

  • Bausparkasse Wüstenrot
  • Raiffeisen Bausparkasse
  • s Bausparkasse
  • start:bausparkasse

Die Testtabelle bietet folgende Infos: Einstiegszinssatz, Dauer Einstiegszinssatz, Anschlusszinssatz, Kontoführungsgebühr, Auszahlungsbetrag und Effektivzinssatz/Rendite.

Nachfolgend finden Sie den Testbericht.


Bausparverträge waren weit verbreitet

Jahrzehntelang war Bausparen die beliebteste Sparform der Österreicher. Großmütter schlossen Bausparverträge für ihr neugebo­renes Enkerl ab, Eltern sorgten damit fürs Studium der Kinder vor, junge Pärchen für den Hausbau und Ältere für die Zeit in der Pension: Deutlich mehr als fünf Millionen Bausparer gab es in Spitzenzeiten in Österreich.

Verfall der Sparzinsen ...

Doch seit dem Verfall der Sparzinsen nach der Finanzkrise 2008/2009 geht es bergab. Weit mehr als eine Million Öster­reicher kehrten der einst so gefragten Sparform den Rücken. Kein Wunder: Die Zinsen inklusive staatlicher Prämie decken bei Weitem nicht die jährliche Inflation ab, die Bausparer verlieren also an Kaufkraft.

... sorgt für Immobilien-Boom

Das jährliche Stimmungsbarometer des Meinungsforschungsinstituts GfK Austria, das das Interesse der Österreicher an verschiedenen Spar- und Anlageformen abfragt, bestätigt die sinkende Beliebtheit des Bausparens. Schon vor Jahren musste es sein Top-Ranking an Investitionen in Immobilien (40 Prozent der Befragten) abgeben. Platz zwei in der Beliebtheitsskala der Spar- und Anlageformen nahm der Erwerb von Grundstücken (37 Prozent) ein, Bausparen erreichte nur 31 Prozent Zustimmung.

Bausparvertrag als Sparplan

Ende des dritten Quartals des Vorjahres gab es laut Statistik der Österreichischen Nationalbank aber immerhin noch 3,9 Millionen Bausparer im Ansparstadium in Österreich. Auch wenn das um 1,2 Millionen ­weniger als vor zehn Jahren sind, verfügt ein stattlicher Anteil von etwa der Hälfte der heimischen Bevölkerung über einen Bausparvertrag. Warum eigentlich? „Einfach, um jeden Monat Geld auf die Seite zu legen“, findet das unser VKI-Finanzexperte Walter Hager aus psychologischer Sicht durchaus verständlich.

Verführerische Einstiegszinsen, niedrige Anschlusszinsen

Verführerische Einstiegszinsen

Die vier heimischen Bausparkassen – Raif­f­eisen Bausparkasse, start:bausparkasse, s Bausparkasse und Bausparkasse Wüstenrot – buhlten zuletzt besonders rund um den Jahreswechsel heftig um Kunden. Denn Kunden, die noch im Dezember einen Bausparvertrag abschlossen, konnten noch die staatliche Prämie auf ihre Einzahlung lukrieren. Daher werben die Bausparkassen mit durchaus attraktiven Einstiegszinsen: Den höchsten Zinssatz – zwei Prozent – bietet derzeit die s Bausparkasse.

Doch Achtung: Der Einstiegszinssatz allein macht noch keinen höheren Ertrag aus. Wichtig ist, die Dauer zu beachten, während der dieser Zinssatz gilt. Bei der s Bausparkasse sind es 200 Tage. Dann fällt die Ver­zinsung auf 0,15 Prozent. Bei der start:bausparkasse bekommt der Anleger dagegen 1,5 Prozent für ein ganzes Jahr, bei der Raiff­eisen Bausparkasse 1,25 Prozent. Wegen der längeren Laufzeit des Einstiegssatzes sind diese beiden Angebote attraktiver als jenes der s Bausparkasse (siehe Testtabelle Bausparen).

Niedrige Anschlusszinsen

Entsprechend wichtig ist vor Abschluss ­eines Bausparvertrags daher der Blick auf jene Zinsen, die nach Ablauf der attraktiven Einstiegszinsen angeboten werden. Sie liegen bei allen vier Bausparkassen nicht weit auseinander (zwischen 0,1 und 0,2 Prozent) und sind kaum höher als jene für ein täglich fälliges Sparbuch. Doch in Zeiten von Mini-­Verzinsungen sind auch Zehntelprozentpunkte nicht zu verachten – wobei der eingangs erwähnte Kaufkraftverlust damit nicht verhindert werden kann.

Gebühren-Falle

Die Gebühren-Falle

Anders als beim Sparbuch, das grundsätzlich gebührenfrei ist (Ausnahme: bei der Auf­lösung können Gebühren anfallen), fallen beim Bausparen Kontoführungsgebühren an. Und die haben es in sich: von 5,19 Euro bei der s Bausparkasse bis 8,62 Euro pro Jahr bei Wüstenrot (inkl. jährlicher Kontoauszugs­gebühr).

Drei der vier Bausparkassen sind aber immerhin auf die Forderung des VKI eingegangen, die Gebühren nur sechs Mal und nicht wie zuvor üblich sieben Mal ­während der gesamten Laufzeit abzubuchen. Wüstenrot ist als einzige Bausparkasse bei sieben Abbuchungen geblieben. Das schlägt sich in der effektiven Verzinsung des Bausparvertrags deutlich nieder, die neben den Zinsen auch die Gebühren einrechnet. Bei Wüstenrot erhält der Bausparer den geringsten Ertrag für sein eingesetztes Kapital.

Eine kleine Förderung vom Staat

Dass Bausparen in der Gunst der Österreicher lange Zeit derart gut lag, ist der staatlichen Prämie zu verdanken. Der Staat legt nämlich auf die Einzahlungen noch ein bisschen Geld drauf. Mit dem Verfall der Zinsen ist allerdings auch die Höhe der staatlichen Prämie gefallen. Sie liegt jetzt am untersten Rand der genehmigten Bandbreite von 1,5 bis 4 Prozent.

Sie wird jährlich im Herbst vom Finanzministerium auf Basis des all­gemeinen Zinsniveaus am österreichischen Kapitalmarkt errechnet und beträgt für 2020 sowie 2021 nur 1,5 Prozent. Der Staat überweist dem Bausparer somit derzeit 1,5 Prozent der Einzahlung von maximal 1.200 Euro im Jahr: 18 Euro also bei der höchstmöglichen prämiengeförderten Sparleistung und entsprechend weniger bei geringeren Ansparsummen (siehe dazu "Nur ein geförderter Vertrag pro Person").

Viele Varianten

Viele Varianten

Bausparen ist im Grunde ein einfaches Produkt mit wenigen Variationen. Die Bausparkassen versuchen aber, sich mit Spezial­bezeichnungen ihres Angebots am Markt Vorteile zu verschaffen. Da gibt es Unterscheidungen nach Zahlungsintervall und Art der Verzinsung, Angebote für Kinder und für Erwachsene. In der aktuellen Tiefzinsphase sind die Unterschiede im Ertrag zwar gering, dennoch zahlt es sich aus, einen Blick auf die Varianten zu werfen. Denn die am häufigsten gewählte Bausparform – monatliche Einzahlung mit fixem Einstiegszins und anschließend variabler Verzinsung – muss nicht die beste sein.

Einzahlungen. Die Kunden können entweder monatlich, jährlich oder mittels ­Einmalerlag zu Beginn der Laufzeit auf den Bausparvertrag einzahlen. Da bei einer einmaligen Einzahlung das gesamte Geld am längsten auf dem Bausparkonto liegt, ist auch der Auszahlungsbetrag am Ende etwas ­höher. Vergleichsweise am niedrigsten ist er bei der monatlichen Einzahlung.

Laufzeit. Ein Bausparvertrag läuft sechs Jahre. Das galt jahrzehntelang als fix. Mittlerweile können Kunden aber zwischen sechs und zehn Jahren Laufzeit wählen. Auch für den länger laufenden Bausparvertrag kann eine staatliche Prämie in Anspruch genommen werden. Eine interessante Variante: zuerst einen sechsjährigen Vertrag abschließen und dann eventuell ­eine Verlängerungsoption über vier weitere Jahre wählen.

Verzinsung. Die wohl spannendste Unterscheidung bei den Offerten der Bausparkassen ist jene nach der Art der Verzinsung: ein fixer Zinssatz über die gesamte Laufzeit oder ein variabler Zinssatz, der sich mit dem allgemeinen Zinsniveau am Kapitalmarkt bewegt. Ein Bausparvertrag mit fixem Zinssatz ist wegen der zurzeit extrem niedrigen Marktzinsen nicht empfehlenswert. Denn tiefer kann es nicht mehr gehen. Bleibt also nur noch die Variante mit variablen Zinsen, wobei für die ersten Monate üblicherweise ein attraktiver Einstiegszins angeboten wird. Ändern sich die Marktzinsen, passen die Bausparkassen auch die Verzinsung für ihre Kunden an. Das geschieht allerdings jeweils nur einmal jährlich. Die neue Ver­zinsung gilt dann wieder ein Jahr lang.

Zinsen bleiben niedrig

Die Mehrheit der Kapitalmarktexperten ­erwartet für die nächsten Jahre keine Zins­erhöhungen – so auch wir. Für Bausparer heißt das: Sie müssen damit rechnen, dass die aktuellen Angebote mit den niedrigen Zinsen noch lange so bleiben.

Mit diversen Aktionen wie kleinen Boni bei Vertragsabschluss versuchen die Bausparkassen daher, Kunden bei Laune zu halten. So bot etwa die s Bausparkasse Ende des Vorjahres 20 Euro als Geschenk für all jene, die kurz vor Jahresende noch mit dem Bausparen begonnen haben. Auch Abschlüsse über die Onlinevertriebe der Bausparkassen oder bei anderen Vermittlern können zusätzliche Boni bringen.

Kleiner Vorteil bei Einmalerlag

Einen kleinen Vorteil im Ertrag bringen auch Bausparver­träge, auf die der gesamte Sparbetrag am Beginn der Laufzeit einbezahlt wird. Da das Geld in diesem Fall länger auf dem Bausparkonto liegt, fällt der Ertrag etwas höher aus. Im Vergleich zur monatlichen Einzahlung ist auch die jährliche Besparung etwas rentabler.

Alternativen sind rar

Auf sechs Jahre gebunden

Wer einen Bausparvertrag abschließen will, muss sich über ein Faktum im Klaren sein: Der Vertrag läuft sechs Jahre (oder zehn, wenn man die längere Laufzeit wählt). Das Geld ist also auf diese Dauer nicht verfügbar. Bei monatlichen Einzahlungen muss der Kunde auch bis zum Ende des Vertrags zahlen.

Wird das Geld zwischendurch dringend gebraucht oder kann man sich die monatlichen Zahlungen nicht mehr leisten, kann der Bausparvertrag ­natürlich vorzeitig gekündigt werden. Dafür fallen allerdings „Strafzinsen“ oder spezielle Gebühren an. Das reduziert den ohnehin schon geringen Ertrag.

Alternativen sind rar

Eine sichere Geldanlage mit einem Ertrag über der Inflationsrate ist derzeit nicht zu finden. Die Wirtschaftsforscher gehen von 1 bis 1,5 Prozent Steigerung der Verbraucherpreise im laufenden Jahr aus.

Gab es vor drei Jahren zumindest im Online-­Bereich noch einige Sparbücher, die an die Verzinsung des Bausparens herankamen, so lässt sich bei einer Abfrage unter Bankenrechner der AK (unsere Erhebung fand im November 2020 statt) nur noch ein Angebot finden, das es mit dem Bausparen aufnehmen kann: ein Sparplan der Deniz Bank mit monatlicher Mindesteinzahlung von 50 Euro und einer fixen Verzinsung auf sechs Jahre von 0,5 Prozent oder einer ­variablen Verzinsung von einem Prozent. Da der Deniz-Sparplan gebührenfrei ist, schneidet er besser ab als das Bausparen.

"Risiko" bei Investmentfonds oder Aktien

Verzinsungen, die über der Inflationsrate liegen, sind nur zu erreichen, wenn Anleger sich „ins Risiko wagen“, sprich: Investmentfonds oder Aktien kaufen. Dafür sind allerdings Mindestanlagesummen ab 3.000 Euro und Behaltefristen von fünf Jahren aufwärts zu empfehlen, weil sonst die Transaktionsgebühren zu viel vom Ertrag wegknabbern.

Testtabelle: Bausparen

Tabelle öffnen

Nur ein geförderter Vertrag pro Person

Bausparen hat in Österreich eine lange Tradition. 1929 wurde die erste Bausparkasse gegründet, um Bürgern das Ansparen auf ein Eigenheim zu ermöglichen. Heute liegt die „Hauptattraktion“ des Bausparens noch in der staatlichen Prämie, die die aktuell niedrigen Zinsen etwas aufbessern soll. 1,5 Prozent auf die jährliche Einzahlung legt der Staat derzeit dazu – dies aber nur auf eine Höchsteinzahlungssumme von 1.200 Euro im Jahr. Höhere Einzahlungen sind möglich, eine Prämie vom Staat gibt es für den 1.200 Euro überschreitenden Betrag dann aber nicht.

Jede Person darf nur einen prämienbegünstigten Bausparvertrag abschließen. Die Laufzeit des Vertrags beträgt sechs Jahre. Seit einiger Zeit werden auch zehnjährige Verträge angeboten. Ein Bausparvertrag kann als Eigenmittelanteil für ein Bauspardarlehen abgeschlossen werden. Im derzeitigen Zinsumfeld sind Bauspardarlehen allerdings nicht zu empfehlen.

VKI-Tipps

  • 100 Euro Einzahlung. Bausparverträge sollten nicht mit weniger als 100 Euro monatlicher Einzahlung abgeschlossen werden. Kleinere Beträge zahlen sich wegen der hohen Gebühren gar nicht aus.
  • Teure Kündigung. Vor dem Abschluss eines Bausparvertrags gut überlegen, ob man die Einzahlungen bis zum Ende der Laufzeit durchhält. Eine vorzeitige Kündigung des Bausparvertrags ist teuer und frisst die ohnehin geringe Verzinsung auf.
  • Effektivverzinsung beachten. Dieser Zinssatz beinhaltet die Gebühren. Daher ist nur er mit den Zinsen von Sparbüchern und Sparplänen vergleichbar.
  • Mischvariante wählen. Die Variante mit fixem Einstiegszinssatz und dann variablen Zinsen ist zu bevorzugen. Beim Einstiegszins die Angebote der Bausparkassen vergleichen: Je länger er gilt, umso besser. Aber auch auf die Höhe der variablen Zinsen achten.
  • Unser Fazit. Unter den Sparprodukten ist Bausparen eines der besten Produkte. Es eignet sich aber nur zum Geldaufbewahren, Geldanlage ist es keine.

Testkriterien

Der Modellrechnung in der Tabelle liegen folgende Annahmen bzw. Parameter zugrunde:

  • Einzahlung monatlich 100 Euro von 1.1.2021 bis 1.12.2026.
  • Staatliche Prämie 18 Euro pro Jahr, gutgeschrieben jeweils am 31. Jänner (beginnend mit 31.1.2022).
  • Kontoführungsgebühren werden berücksichtigt und jeweils am 2. Jänner dem Bausparkonto angelastet.
  • Zinssatzänderungen werden jeweils nach Ende der Einstiegs-Fixzinsphase durchgeführt (Raiffeisen Bausparkasse und start:bausparkasse jeweils 1 Jahr, s Bausparkasse 200 Tage, Wüsten¬rot 6 Monate). Der Folgezinssatz wurde aufgrund der Zinsgleitklausel und des Indikators ermittelt – es wurden keine weiteren Zinsänderungen durchgeführt; d.h., es wird angenommen, dass das aktuelle Zinsniveau über die gesamte Laufzeit von sechs Jahren gleich bleibt. 25 Prozent KESt wurden berücksichtigt, wobei die staatliche Prämie KESt-befreit ist.)
  • Die Erhebung der Tarife bzw. Konditionen wurde im November 2020 auf den Homepages bzw. anhand der Geschäftsbedingungen der vier Anbieter durchgeführt. Außerdem wurde anhand der Bausparrechner auf den Homepages der Anbieter recherchiert.
     

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