Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt regelmäßige körperliche Aktivität in allen Altersgruppen und rät gleichzeitig dazu, sitzendes Verhalten zu reduzieren. Für Österreich hat der Fonds Gesundes Österreich Empfehlungen für sechs Zielgruppen formuliert.
Kinder im Kindergartenalter (3 bis 6 Jahre)
- Täglich mindestens drei Stunden Bewegung, über den Tag verteilt, davon mindestens eine Stunde mit mittlerer oder hoher Intensität
- Auf ein möglichst breites motorisches Spektrum achten
- Bewegung wann immer möglich im Freien
- Nicht länger als eine Stunde täglich vor dem Bildschirm, also Computer, Fernseher, Handy oder Tablet
Geeignet sind beispielsweise Spielen, Laufen, Hüpfen, Springen, Klettern, Lauf- und Fangspiele, Bälle werfen, Dreirad- und Laufradfahren, spielerisches Raufen, Kinderturnen, Schifahren, Geräteturnen und Schwimmen. Entscheidend ist, dass die Bewegung Freude bereitet.
Kinder und Jugendliche (6 bis 17 Jahre)
- Täglich mindestens 60 Minuten körperliche Aktivität mit mittlerer bis hoher Intensität
- An mindestens drei Tagen pro Woche Aktivitäten zur Stärkung von Muskeln und Knochen
- Zusätzlich Aktivitäten, die die Koordination verbessern
- Möglichst viele verschiedene Angebote, die Spaß machen und zum Alter passen
- Sitzende Tätigkeiten alle 60 Minuten durch Bewegung unterbrechen
Geeignet sind Bewegung in der Natur, schnelles Gehen, Radfahren im Alltag oder im Gelände, Ballspiele wie Fußball, Basketball, Volleyball und Handball, Orientierungslauf, Stufensteigen, Schwimmen, Turnen, Klettern, Schifahren, Snowboarden und Bergsteigen.
Erwachsene (18 bis 64 Jahre)
- Mindestens 150 bis 300 Minuten pro Woche mit mittlerer Intensität, oder 75 bis 150 Minuten mit hoher Intensität, oder eine entsprechende Kombination
- Zusätzlich an mindestens zwei Tagen pro Woche Muskelkräftigung für alle großen Muskelgruppen
- Wer über 300 Minuten pro Woche hinausgeht, erzielt zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen
Gesunde Erwachsene können grundsätzlich jede Sportart ausüben, die ihnen Spaß macht.
Ältere Erwachsene (ab 65 Jahren)
- Dieselben Empfehlungen wie für Erwachsene
- Zusätzlich an mindestens drei Tagen pro Woche Aktivitäten zur Verbesserung von Gleichgewicht, Koordination und Kraft, um Stürzen vorzubeugen
Bei gesundheitlichen Einschränkungen sollen die Empfehlungen an das individuelle Bewegungsvermögen und mögliche Risiken angepasst werden. Regelmäßige Bewegung ist für ältere Erwachsene besonders wichtig, weil sie im Vergleich zu anderen Altersgruppen häufig weniger aktiv sind.
Schwangere und Frauen nach der Geburt
Die Empfehlungen gelten für Frauen mit unkomplizierter Schwangerschaft und Geburt. Während der Schwangerschaft:
- An mindestens zwei Tagen pro Woche Beckenbodentraining und muskelkräftigendes Training ohne Pressatmung
- Mindestens 150 Minuten pro Woche Ausdauertraining mittlerer Intensität
Wer vor der Schwangerschaft mehr trainiert hat, kann die gewohnte Bewegung fortsetzen, sofern sie sich gut anfühlt. Bei gesunden Frauen erhöht Sport das Risiko einer Fehl- oder Frühgeburt nicht. Im Gegenteil: Körperliche Aktivität senkt das Risiko von Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie sowie das Risiko eines Kaiserschnitts. Auch die Dauer der Wehen und die Erholungszeit nach der Geburt lassen sich verringern.
Nach einer Spontangeburt:
- Ab vier bis sechs Wochen nach der Entbindung den Bewegungsumfang schrittweise bis zu den Empfehlungen für Erwachsene steigern
- Beckenbodentraining zeitnah nach der Geburt und bis zu sechs Monate danach
Erwachsene mit chronischen Erkrankungen
Es gelten dieselben Empfehlungen wie für gesunde Erwachsene. Vor Trainingsbeginn ist jedoch immer eine ärztliche Absprache erforderlich, und die Bewegungsformen müssen an die Erkrankung angepasst werden.
Welche Bewegungsformen sich bei welchen Beschwerden eignen, von Rückenschmerzen über Arthrose bis Diabetes Typ 2, haben wir im ersten Teil zusammengefasst.
Eine neuere Studie legt nahe, dass bei bestimmten chronischen Erkrankungen die Intensität der Bewegung wichtiger ist als ihre Dauer. Bereits ein kleiner Anteil intensiver Bewegung an der Gesamtaktivität macht demnach einen großen Unterschied.
Und generell gilt: Auch geringe körperliche Aktivität ist besser als keine.
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