Bewegung ist längst nicht mehr nur Vorbeugung. Bei einer ganzen Reihe von Erkrankungen ist sie fixer Bestandteil der Therapie, und zwar mit unterschiedlichen Empfehlungen, welche Sportarten geeignet sind und welche nicht.
Rückenschmerzen
Am häufigsten treten unspezifische Rückenschmerzen auf, bei denen keine eindeutige Ursache vorliegt. Gerade bei chronischen Schmerzen hilft Bewegung nachweislich, sie zu lindern. Geeignet sind Nordic Walking, Rücken- und Kraulschwimmen, Radfahren, Inlineskaten, Eislaufen, Tanzen, Klettern, Yoga sowie Joggen auf weichem Untergrund.
Gelenkschmerzen und Arthrose
Betroffene nehmen bei Gelenkschmerzen häufig eine Schonhaltung ein und bewegen sich weniger. Gerade bei chronischen Gelenkserkrankungen wie Arthrose ist Bewegung aber besonders wichtig: Sie versorgt den Knorpel mit Nährstoffen, regt die Produktion der Gelenksschmiere (Synovia) an und stärkt die Muskeln, die die Gelenke stützen.
Geeignet sind gelenkschonende Formen wie Aqua-Fitness, Schwimmen, Radfahren, Yoga, Pilates, Nordic Walking und Wandern. Sportarten mit abrupten Bewegungen wie Squash, Tennis oder Fußball sollten vermieden werden.
Adipositas
Von Adipositas spricht man ab einem Body-Mass-Index von 30. Sie ist mit einem erhöhten Risiko für Diabetes Typ 2, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen verbunden, die wiederum Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen. Neben der Ernährung ist Bewegung die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung und zur Gewichtsreduktion.
Auch hier gilt: gelenkschonend beginnen. Übergewichtige Personen sind in der Regel weniger belastbar, das Programm sollte daher so schonend wie möglich starten und kleinschrittig gesteigert werden. Eine medizinische Abklärung vorab ist sinnvoll.
Bluthochdruck
Regelmäßige Bewegung kann Bluthochdruck verhindern und ihn behandeln, was das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkt. Besonders geeignet sind Ausdauersportarten wie Walking, Joggen, Radfahren oder Schwimmen, ergänzt um Übungen zur Muskelkräftigung. Weniger geeignet sind Kraft-, Kampf- und Mannschaftssportarten.
Wer blutdrucksenkende Medikamente einnimmt, sollte vor einer Steigerung der körperlichen Aktivität unbedingt ärztlichen Rat einholen.
Diabetes Typ 2
Diabetes Typ 2 lässt sich durch Bewegung verhindern und verbessern. Der Grund liegt in einer Besonderheit der Muskelzellen: Sie können Glukose auf zwei Wegen aufnehmen. Der erste führt über Insulin. Der zweite funktioniert ohne zusätzliches Insulin, sobald die Muskeln aktiv sind. Körperliche Aktivität senkt den Blutzuckerspiegel also direkt, und schon leichte Bewegung aktiviert diesen Prozess. Zusätzlich reagieren die Zellen durch Belastung wieder sensibler auf Insulin.
Empfohlen werden Ausdauertraining wie zügiges Spazierengehen, Walken oder Radfahren sowie mindestens zwei moderate Krafteinheiten pro Woche. Welche Bewegungsform passt, hängt von der körperlichen Verfassung ab. Die Österreichische Diabetes Gesellschaft bietet dazu die Bewegungsbox an, die um 35 Euro bestellt werden kann.
Krebserkrankungen
Bewegung verbessert bei Krebspatient:innen die Leistungsfähigkeit, die Muskelkraft und die Lebensqualität und lindert Fatigue sowie Angst. Körperliche Aktivität wird daher schon während der Therapie bei verschiedenen Krebserkrankungen empfohlen.
Auch die Überlebensprognose kann sich verbessern. Bei Darmkrebspatient:innen, die täglich 30 Minuten zügig gingen, zeigte sich eine um bis zu 50 Prozent verbesserte Überlebensrate. Ähnliches wurde bei Brustkrebspatientinnen beobachtet, die etwa drei Stunden pro Woche körperlich aktiv waren.
Osteoporose
Osteoporose tritt besonders häufig bei Frauen in den Wechseljahren auf. Der Knochenaufbau wird vor allem durch Bewegungen gefördert, bei denen die Knochen wiederholt durch das eigene Körpergewicht belastet werden: Treppensteigen, Joggen oder Bergwandern. Schwimmen und Radfahren zählen nicht dazu, haben aber andere Vorteile für Ausdauer und Muskulatur.
Neben einem aktiven Alltag ist gezieltes Training sinnvoll, das Knochen stärkt, Muskeln kräftigt und das Gleichgewicht schult. Das senkt zugleich das Sturzrisiko, die Hauptursache für Knochenbrüche im Alter.
Herzerkrankungen
Bestehende Herzerkrankungen schließen Bewegung nicht aus. Entscheidend ist, dass Häufigkeit, Intensität und Dauer exakt auf die individuelle Belastbarkeit abgestimmt sind. Am besten eignen sich moderates Ausdauer- und Krafttraining. Vor Trainingsbeginn ist eine fachärztliche Abklärung unerlässlich.
Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
Bewegung ist bei COPD ein wesentlicher Bestandteil der Therapie. Sie lindert vor allem die Atemnot, die die meisten Betroffenen belastet, erhöht die Atemkapazität und steigert die Ausdauer. Zusätzlich wirkt sie gegen Begleiterkrankungen. Geeignet sind Spazierengehen, Walken, Radfahren, Schwimmen, Yoga, leichtes Krafttraining und Tanzen. Überanstrengung sollte vermieden werden.
Demenz
Bewegung hält das Gehirn aktiv und kann den Krankheitsverlauf verlangsamen. Studien zeigen, dass körperliche Aktivität die Durchblutung des Gehirns verbessert, Nervenzellen schützt und das Gedächtnis stabilisiert. Besonders wirksam sind Bewegungsformen, die mehrere Sinne und Fähigkeiten ansprechen, etwa wenn Betroffene sich zu Musik bewegen oder gemeinsam mit anderen aktiv sind.
Psychische Erkrankungen
Wer eine Depression hat, ist oft antriebslos und dadurch auch körperlich weniger aktiv. Bewegungsformen wie Walking, Joggen, Radfahren, Schwimmen oder Wandern werden häufig empfohlen, um depressive Beschwerden zu lindern oder ihnen vorzubeugen. Für viele Betroffene ist dabei das Gefühl wichtig, selbst etwas gegen die Erkrankung tun zu können. Sport bietet zudem die Möglichkeit, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, außerdem wird ein positiver Einfluss auf den Stoffwechsel im Gehirn vermutet.
Generell ist Bewegung bei psychischen Problemen eine gute Therapieunterstützung. Sie sollte strukturiert ablaufen und an den Schweregrad angepasst sein.
Erkältungen
Hier gilt eine Ausnahme: Während einer Erkältung und bis zu zwei Tage nach einem Infekt ist Sport kontraproduktiv. Aktivität an der frischen Luft wirkt dagegen vorbeugend: Sie regt die Durchblutung an und bringt die Abwehrkräfte in Schwung, weshalb Bewegung im Freien auch in der kalten Jahreszeit sinnvoll ist. Ausreichend Schlaf stärkt das Immunsystem zusätzlich.
Wichtig vor dem Start
Für Erwachsene mit chronischen Erkrankungen gelten grundsätzlich dieselben Bewegungsempfehlungen wie für gesunde Erwachsene. Vor Trainingsbeginn ist jedoch immer eine ärztliche Absprache erforderlich, und die Bewegungsformen müssen an die Erkrankung angepasst werden.
Das gilt besonders bei Herzerkrankungen, bei blutdrucksenkenden Medikamenten und nach einer längeren Bewegungspause. Danach heißt es: gelenkschonend beginnen und den Umfang kleinschrittig steigern.
Bewegungsmangel (2. Teil?)
ling, 2. September 2026, 14:09
Sollte dieser zweite Teil noch folgen, dann wäre ein entsprechender Hinweis angebracht.
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