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Air up Trinkflaschensystem - Beduftetes Wasser

Lebensmittel-Check Was Konsumenten alles versprochen und dann nicht gehalten wird. Diesmal im Lebensmittel-Check: ein Trinkflaschensystem, das Wasser durch Duft Geschmack gibt. 

Air up Trinkflaschensystem verleiht Wasser nur durch Duft Geschmack. Das soll nachhaltiger sein als aromatisierte PET-Wasserflaschen. (Bild: VKI)
Bild: VKI

Air up Trinkflaschensystem verleiht Wasser nur durch Duft Geschmack. Das soll nachhaltiger sein als aromatisierte PET-Wasserflaschen. 

Air up Trinkflaschensystem: Die Duft-Pods werden auf den Saugverschluss der Trinkflasche gesteckt und dann aktiviert. Das Aroma wird aber auch von anderen Leuten im Raum wahrgenommen. (Bild: VKI)
Bild: VKI

Air up Trinkflaschensystem: Die Duft-Pods werden auf den Saugverschluss der Trinkflasche gesteckt und dann aktiviert. Das Aroma wird aber auch von anderen Leuten im Raum wahrgenommen.

Air up Trinkflaschensystem: Mit aufgestecktem Duft-Pod ist die Flasche nicht ganz dicht. An einer noch umweltfreundlicheren Lösung wird gearbeitet. (Bild: VKI)
Bild: VKI

Air up Trinkflaschensystem: Mit aufgestecktem Duft-Pod ist die Flasche nicht ganz dicht. An einer noch umweltfreundlicheren Lösung wird gearbeitet. 

Wirklich nachhaltiger?

Das steht drauf: air up

Gekauft bei: bei Bipa und online erhältlich

Das ist das Problem

Air up präsentiert sein Trinkflaschensystem als weltweit einzigartig und preist das Starterset im Internet folgendermaßen an: "Geschmack nur durch Duft! – Das einzigartige air up-Trinkflaschensystem kann Wasser nur durch Duft Geschmack verleihen. Beim Trinken aus der air up-Flasche wird dem eingefüllten Wasser beduftete Luft beigemischt. Im Rachenraum steigt diese Duft-Luft zum Riechzentrum auf und wird von unserem Gehirn als Geschmack wahrgenommen. Ohne Zucker, ohne Kalorien, ohne Zusatzstoffe! – Mit dem air up Starter-Set erhältst du alle Bestandteile, die du brauchst, um dein Trinkverhalten auf gesund und nachhaltig umzustellen!"
Eine Konsumentin sah das anders. Sie meldete uns das Produkt mit den Worten "Wieder so was Unnötiges UND Plastik!"

Auch Umgebung beduftet

Das air-up-Starterset besteht aus einer Trinkflasche mit 650 ml Fassungsvermögen, Trinkhalm, Kopfteil und fünf Duft-Pods in unterschiedlichen "Geschmacksrichtungen".

Die Duft-Pods enthalten natürliches Aroma. Sie werden wie ein Ring auf den Saugverschluss der Trinkflasche gesteckt und durch ein Stecksystem "aktiviert". Ein Duft-Pod „beduftet“ mindestens fünf Liter Wasser.
Wir kauften ein Starterset (es kostet knapp 30 €), um es zu testen.

Das Ergebnis: Das System an sich funktioniert tatsächlich. Ein Duft-Pod sorgt noch nach fünf Litern Wasser für leichten Geschmack. Für unsere Testperson rochen bzw. schmeckten die Aromen der Duft-Pods sehr künstlich. 
Die Pods gaben die Aromen aber auch an die Luft ab und wurden daher von anderen Leuten im Raum ebenfalls wahrgenommen. In unserem Testszenario störte das so manchen.

Wasser läuft aus

Unsere Testperson nahm weiters selbst dann noch den Geruch des Pods wahr, als er nicht mehr auf der Flasche aufgesteckt war. Womöglich bleiben die Aromen im Silikon des Saugverschlusses "hängen"? 
Ebenfalls problematisch: Laut Produktbeschreibung sollte die Flasche mit aufgestecktem Duft-Pod dicht sein. Im Test zeigte sich aber, dass die Flasche mit Duft-Pod (egal ob aktiviert oder deaktiviert) ausläuft und sich Wasser im Deckel sammelt (sofern er aufgeschraubt ist).

Plastikmüll

Die Nachfüllpods sind relativ teuer, 3 Duft-Pods (also mindestens 15 Liter beduftetes Wasser) kosten ca. 6 €. Durch die Pods und ihre Verpackung sammelt sich obendrein ein ziemlicher Müllberg an.

Das Material, aus dem die Trinkflasche gefertigt wurde, ist laut unserer Chemikerin in Ordnung. Unser kürzlich durchgeführter Trinkflaschen - Wasserspender to go zeigte, dass Silikonbestandteile Siloxane enthalten können, die von der EU als "besonders besorgniserregend" eingestuft werden (D4, D5 und D6). Für Hersteller besteht eine Auskunftspflicht, sofern eine SVHC-Chemikalie (Substances of Very High Concern) in einer Konzentration von über 0,1 % in ihrem Produkt enthalten ist. 
Wir fragten daher beim Hersteller nach, ob air up SVHC-Chemikalien enthält.

"Wir können bestätigen, dass in unserer Trinkflasche keine SVHC-Chemikalien in einer Konzentration von über 0,1 % enthalten sind", erklärte die air up GmbH per Stellungnahme.

Umweltfreundlichere Lösung in Arbeit

Laut Hersteller sind die Duft-Pods zudem voll recycelbar, die Aromen natürlichen Ursprungs. Das Unternehmen ist aber mit der Nachhaltigkeit der Trinkflasche und der dazugehörigen Duft-Pods noch nicht vollends zufrieden und arbeitet an umweltfreundlicheren Lösungen. Im Vergleich zu Near-Water-Produkten, die regulär in PET-Flaschen angeboten werden, ist das air-up-System laut Hersteller aber schon jetzt deutlich nachhaltiger. (Als Near-Water-Produkte werden Getränke auf Wasserbasis bezeichnet, die mit Frucht- oder Kräuterzusätzen leicht aromatisiert sind).

Unser Fazit: Als "Gag" könnte dieses Produkt bei "trinkfaulen" Personen gut ankommen. Wenn das air-up-System längerfristig statt Near-Water-Produkten verwendet wird, könnte auch die Rechnung mit der Nachhaltigkeit aufgehen. Um einen genauen Vergleich der Nachhaltigkeit ziehen zu können, müsste beim air-up-System u.a. auch die Herstellung der Flaschen und Duft-Pods, die regelmäßige Reinigung der Mehrwegflasche etc. in die Berechnung miteinbezogen werden.

Für jene, die diese Flasche im Starterset erwerben, aber anschließend keine Duftpods nachkaufen, ist die Trinkflasche in unseren Augen wenig sinnvoll und das Produkt somit auch nicht nachhaltig.

Reaktion der Firma air up

Was air up zum System und zur Nachhaltigkeit des air up-Trinkflaschensets sagt:

"Als junges Startup-Team haben wir über zwei Jahre an unserer Idee getüftelt, Wasser nur über Duft mit Geschmack zu versetzen. Dabei sind wir durch Höhen und Tiefen gegangen und haben uns sehr gefreut, dass wir unser ,Baby‘ letztes Jahr endlich marktreif hatten. Um ganz ehrlich zu sein: wir sind – wie Sie – noch lange nicht zufrieden mit der Nachhaltigkeit unserer Duftpods. Vor allem die Verpackung wollten wir zunächst anders gestalten, wurden dann aber aus Lebensmitteltechnologischen Gründen zur aktuellen Version gezwungen. Unsere Wunschlösungen waren schlichtweg nicht dicht genug, haben unsere Duftstoffe also zu schnell verfliegen lassen. Wir arbeiten aber gerade sowohl weiter an einer umweltfreundlicheren Verpackung als auch an nachhaltigeren Duftpods. Wieso hatten wir uns dennoch dafür entschieden, mit unserm Produkt auf den Markt zu gehen? Weil wir zwar noch nicht so kompromisslos nachhaltig wie kompromisslos gesund sind. Aber immer noch deutlich nachhaltiger als sehr viel andere Lösungen auf dem Markt. Wir bieten ja ein ähnliches Geschmackserlebnis wie die sogenannten Near-Water-Produkte, die üblicherweise in PET-Flaschen im Supermarkt stehen. Im Vergleich hierzu benötigen wir vielfach geringere Mengen an Kunststoff, im Transportgewicht und im Transportvolumen.

Überschlagen hier eine grobe Berechnung:

  • Wir benötigen im Vergleich zu herkömmlichen Erfrischungsgetränken in PET ca 15 – 50 x weniger Plastik
    • Air up Pod: 7,6 Gramm/ (5 – 10 Liter) = 1,5 g/Liter – 0,75 g/Liter
    • PET CSD 0,5 Liter 27 Gramm = 54 g/Liter
    • PET CSD 1,5 Liter 36 Gramm = 24 g/Liter
  • Logistisch sind wir ca. 1000 x besser
    • Air up: 7,6 Gramm/ (5 – 10 Liter) = 1,5 g/Liter – 0,75 g/Liter
    • PET CSD 0,5 Liter 527 Gramm = 1054 g/Liter
    • PET CSD 1,5 Liter 1536 Gramm = 1024 g/Liter
  • Volumetrisch sind wir ca. 300 x besser
    • Air up 16 cm3 pro 5 – 10 Liter =  3,2 cm3/Liter – 1,6 cm3/Liter
    • PET CSD 0,5 Liter 527 cm³ = 1054 cm³/Liter
    • PET CSD 1,5 Liter 1536 cm³ = 1024 cm³/Liter

Die Angaben sind natürlich Ca-Werte und beruhen auf den Berechnungen einer für uns durchgeführten Masterarbeit. Natürlich gibt es weitere Einflussfaktoren, die uns jeweils besser oder auch schlechter dastehen lassen als diese Überschlagsrechnung, aber die Tendenz wird wohl offensichtlich. Übrigens sind unsere Duft-Pods voll recycelbar.

Unsere eingesetzten Aromen sind ausschließlich natürliche Aromen. Ausnahme waren hier unsere ,Winter-Geschmacksrichtungen‘, bei denen wir einmal etwas wilder unterwegs waren und z.B. für Eierlikör-Geschmack auch andere Aromen eingesetzt haben. Selbstverständlich halten wir uns dabei aber immer an alle gesetzlichen Vorgaben zur Kennzeichnung. Unsere Duftstoffe haben wir übrigens in enger Partnerschaft mit einem deutschen Aromahaus entwickelt und lassen alle Duftstoffe ausschließlich in Deutschland produzieren.

Die verwendeten Materialien sind in der Bedienungsanleitung, die unseren Startersets beiliegt, beschrieben. Bei dem Material für das von Ihnen angesprochene ,Saugteil‘ handelt es sich um hochwertiges platinvernetzendes Silikon. Diese Art der Silikone wird häufig auch für medizintechnische Anwendungen (Katheter, …) und auch Babyschnuller verwendet. Im Gegensatz zu anderen Elastomeren ist dieses Silikon frei von PVC und anderen bedenklichen Stoffen. Das Material wurde mehrfach durch unabhängige Institute überprüft und erfüllt selbstverständlich sämtliche gesetzlichen Vorgaben, und auch strengere Grenzwerte in Tests, wie sie üblicherweise für diese Materialklassen beispielsweise durch Verbrauchermagazine durchgeführt werden, wurden und werden eingehalten. Wir haben uns als Gründerteam immer mit großem Nachdruck dafür entschieden, hochwertige Materialen zu verwenden, die garantiert unbedenklich sind, und sind dafür über die gesetzlichen Anforderungen hinausgegangen. Dass das Silikon, wie in Ihrer Anfrage aufgeführt, den Geschmack unserer Duft-Pods annimmt, auch wenn Sie nicht auf unserem Mundstück sitzen, können wir um ehrlich zu sein so nicht nachvollziehen. Hierfür bräuchten wir eine genauere Beschreibung. Eine Vermutung könnte sein, dass beispielsweise im verwendeten Spülmaschinen-Waschmittel oder -Klarspüler aggressive Duftstoffe enthalten sind. Häufig sind diese ja mit Limonen oder Ähnlichem versetzt, das bei vielen Kunststoffteilen in der Spülmaschine ungewollte Gerüche hinterlassen kann. Gerne können sie sich auch unter alex@air-up.com melden und wir können zusammen suchen, woran es liegen könnte.

Bei unserem Trinkhalm handelt es sich um den Kunststoff HD-PE. Dieser Kunststoff hat den Vorteil, dass er sehr beständig ist und auch im Kontakt mit anderen Flüssigkeiten als Wasser (manche unserer Kunden verwenden air up gegen unseren Rat auch mit anderen Flüssigkeiten: Studenten berichteten uns von Bier mit Limettengeschmack :-)) sehr beständig ist. Ein befreundeter Professor der Technischen Universität München, mit der wir air up entwickelt hatten, berichtete sogar, dass man HD-PE in Salzsäure kochen könne, ohne es zu beschädigen. Das haben wir noch nicht ausprobiert. Aber wir haben natürlich air up täglich im Einsatz und können die hohe Beständigkeit und die Geschmackneutralität bestätigen."

Air up GmbH
14.4.2020

Wir meinen: Überlegen Sie vorab gut, ob Sie Trinkflaschen wie diese wirklich brauchen. Sonst wandert die Flasche womöglich schon nach kurzer Zeit auf den "Friedhof" der nicht mehr verwendeten Trinkflaschen.

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