Zum Inhalt
Tragekarton „Niederösterreichische Marillen" von „BILLA", Ursprung Österreich, Klasse I, mit dem Herkunftslogo „Da komm' ich her!", AMA-Gütesiegel und Marillen im Sichtfenster.
Die Schauseite bewirbt die niederösterreichische Herkunft mit Landeswappen und dem Slogan „Da komm' ich her!". Bild: VKI

Billa Weinviertler Marillen: „Da komm ich her" oder doch „da fahr ich rum"?

Wer im Supermarkt zu heimischem Obst greift, verbindet damit meist kurze Transportwege und Ware aus der Region. Bei den Weinviertler Marillen der Billa-Eigenmarke „Da komm ich her!" meldete uns eine Konsumentin jedoch einen erstaunlichen Umweg: geerntet im Weinviertel, abgepackt in der Steiermark, verkauft wieder zurück in Niederösterreich, Nähe Wien. Wir haben uns den Fall angesehen. 

Diesmal im Lebensmittel-Check 

Das steht drauf: „Da komm ich her!" Weinviertler Marillen (Billa-Eigenmarke) 
Erhältlich bei: Billa 

Vom Weinviertel in die Steiermark und retour

Eine Konsumentin kaufte in der Nähe von Tulln eine Packung Marillen und schickte uns ein Foto des Bodenetiketts. Laut Aufschrift wurden die Früchte im Weinviertel geerntet, also im nordöstlichen Teil Niederösterreichs. Für das Verpacken ging es anschließend mindestens 200 Kilometer in die Steiermark, nach Ludersdorf-Wilfersdorf in der Nähe von Graz. Von dort führte der Weg rund 200 Kilometer wieder zurück in die Filiale nahe Tulln, wo die Marillen schließlich im Regal landeten.  

Die Konsumentin brachte es so auf den Punkt: „Ich wundere mich trotzdem, dass die Weinviertler Marillen in der Steiermark abgepackt werden. Woher sie im Weinviertel kommen, ist nicht erkenntlich." 

Warum die Marillen diesen Umweg nehmen

Verständlicherweise kann nicht jeder Betrieb seine Ernte selbst verpacken, wenn die Ware über den Einzelhandel vertrieben wird. Handelsunternehmen geben oft bestimmte Verpackungen mit definierten Füllmengen vor und benötigen eine ausgeklügelte Logistik für die Verteilung und Aufteilung der Frischwaren in den unterschiedlichen Filialen in ganz Österreich. In sogenannten Packhäusern werden deshalb die Marillen von verschiedenen Landwirten gesammelt, auf Qualität hinsichtlich Größe, Reife und Optik geprüft und verpackt.  

Woher genau? Das bleibt offen

Ein zweiter Punkt ist der Konsumentin aufgefallen: Wo genau im Weinviertel die Marillen geerntet wurden, steht nicht auf der Verpackung. Bei anderen Produkten des Einzelhandels, etwa bei Obst und Gemüse, Eiern oder Fleisch, gibt es inzwischen erfreulicherweise teils genauere, freiwillige Herkunftsangaben. Bei den Marillen wird zumindest die niederösterreichische Region genannt. Auch das gibt schon deutlich mehr Einblick, als wenn nur der Pflichthinweis “Österreich” deklariert wäre. Tulln grenzt mit der Donau direkt an das Mostviertel. Gleichzeitig legen die Früchte für das Verpacken mehr als 400 Kilometer zurück. Dass sowohl die Ernteregion als auch der Ort des Verpackens angegeben wird, ist jedenfalls zu befürworten, denn nur so können Konsument:innen eine informierte Kaufentscheidung treffen. 

Kurze Wege, so gelingt der Einkauf

Wir können gut verstehen, dass sich Konsument:innen über einen solchen Umweg wundern und darüber ärgern. Gleichzeitig sind die Argumente des Handelsunternehmens nachvollziehbar. Beides schließt sich nicht aus.  

Wer beim Einkauf auf möglichst kurze Transportwege achten möchte, kann sich an ein paar einfachen Punkten orientieren: 

  • Saisonal und regional einkaufen: Obst und Gemüse mit aktueller Erntesaison in Österreich ist häufig günstiger und schont die Umwelt, weil weniger Transportkilometer anfallen als etwa bei Marillen aus Spanien. 
  • Direkt kaufen: Ab-Hof-Verkäufe oder Bauernmärkte machen es möglich, direkt nach der Herkunft zu fragen und Produkte aus der näheren Umgebung zu kaufen. 
  • Kisterl bestellen: Obst- und Gemüsekisterl aus der Region sind eine weitere Option für kurze Wege. 

Etikett auf der Unterseite einer Marillen-Verpackung mit der Aufschrift „Weinviertler Marillen", Ursprung Österreich, Klasse I, Größe 35+, 1.000 Gramm und AMA-Gütesiegel.
Auf der Packungsunterseite ist die Herkunft ausdrücklich mit „Weinviertler Marillen" angegeben, während die Schauseite nur allgemein von niederösterreichischen Marillen spricht. Bild: VKI

Stellungnahme des Herstellers

„Nicht jeder landwirtschaftliche Produzent, der Obst anbaut, verfügt über die Möglichkeit, alle Schritte von der Ernte bis zur Auslieferung selbst abzuwickeln. Daher erfolgt die Abwicklung der Lieferkette häufig über sogenannte Packhäuser. Diese arbeiten mit mehreren Produzenten zusammen, sammeln die Ware, übernehmen deren Sortierung und Verpackung und beliefern anschließend ihre Kunden. Aus diesem Grund kann es vorkommen, dass Marillen aus Niederösterreich in einem Packhaus in der Steiermark abgepackt werden. Ungeachtet dessen achten wir darauf, die Lieferwege im Rahmen der gegebenen Strukturen möglichst kurz und effizient zu halten." 

REWE International AG 
16.07.2026 

Unser Fazit

Der Fall zeigt ein Spannungsfeld: Regionale Ernte und weite Verpackungswege schließen sich im heutigen Handel nicht immer aus. Die Verwunderung der Konsumentin ist ebenso berechtigt wie die Erklärung des Handelsunternehmens. Zu befürworten sind transparente Angaben auf den Verpackungen, die den Weg eines Produktes auch innerhalb Österreichs aufzeigen. Und ganz grundsätzlich gilt: Marillen sind gesund, und wer regional und saisonal einkauft, hält die Transportwege von sich aus kurz. 

Diesen Beitrag teilen

Facebook Twitter Drucken E-Mail

This could also be of interest:

Das könnte auch interessant sein:

Kommentieren

Sie können den Text nach dem Abschicken nicht nachträglich bearbeiten, Länge: maximal 3000 Zeichen. Bitte beachten Sie auch unsere Netiquette-Regeln.

Neue Kommentare können nur von angemeldeten Benutzern veröffentlicht werden.

Anmelden

0 Kommentare

Keine Kommentare verfügbar.

Gefördert aus Mitteln des Sozialministeriums 

Sozialministerium

Zum Seitenanfang