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Lavendelfeld Sonnenuntergang Wolken
Kapseln mit Lavendelöl sollen Angstzustände lindern. Gibt es Belege dafür? Bild: Kalina-Georgieva / Shutterstock.com

Lavendelöl bei Angstzuständen

Können Kapseln mit Lavendelöl Angst lindern?

Möglicherweise ein bisschen. In Studien fiel die Verbesserung allerdings äußerst gering aus. Ob Betroffene dies überhaupt als Verbesserung wahrnehmen, erscheint zumindest fraglich.

Wie äußern sich Angstzustände?

Herzklopfen, schnellere Atmung, Schweißausbruch, steigender Blutdruck. Angst versetzt den Körper in Alarmbereitschaft, um in einer Gefahrensituation schnell reagieren zu können. Alle Menschen haben manchmal Angst, doch wenn Angstzustände überhandnehmen, werden sie zur Belastung. Lavendel soll angstlösend wirken und bei innerer Unruhe helfen. Unser Kooperationspartner medizin-transparent.at hat nach wissenschaftlichen Belegen gesucht, inwieweit etwa Kapseln mit Lavendelöl gegen Angstzustände helfen können.

Gibt es wissenschaftliche Studien?

Die Wissenschafter:innen fanden eine verlässliche Übersichtsarbeit, in der die Ergebnisse bisheriger Studien zusammengefasst sind. Die Studienergebnisse weisen darauf hin, dass Kapseln mit Lavendelöl Angstsymptome möglicherweise ein wenig reduzieren können. Der Effekt scheint jedoch winzig zu sein.

In den Studien verminderten sich die Beschwerden durchschnittlich um 3 Punkte auf einer Skala, bei der 0 Punkte gar keine Angst und 56 Punkte die maximal vorstellbare Angst bedeuten würden. Anhand dieser Skala fragen Ärzt:innen Beschwerden ab, die typischerweise mit Angst einhergehen, etwa Herzklopfen, Sorgen oder Magenbeschwerden. Demnach dürfte die Einnahme von Lavendelöl kaum dafür sorgen können, dass Angst völlig verschwindet.

Das Vertrauen in die Studienergebnisse ist jedoch eingeschränkt. Mögliche unerwünschte Wirkungen von Lavendelöl wurden nur in wenigen Studien untersucht. Zu den berichteten Nebenwirkungen gehörten eher milde Beschwerde wie Kopfschmerzen, Herzklopfen und Verdauungsbeschwerden.

Studienergebnisse wenig vertrauenswürdig

In österreichischen Apotheken ist ein Präparat mit Lavendelöl unter dem Namen Lasea erhältlich, das unter anderem mit einer angstlösenden Wirkung wirbt. Das Besondere daran: Im Gegensatz zu anderen Präparaten, die als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden, ist Lasea als Arzneimittel zugelassen.

Das bedeutet, dass es wie andere Medikamente auch einen standardisierten Zulassungsprozess durchlaufen hat. Zu diesem gehört auch der Nachweis der versprochenen Wirkung in wissenschaftlichen Studien. Doch diesen Studien schenken unsere Expert:innen wenig Vertrauen. Zum einen waren die Arbeiten sehr unterschiedlich und kamen zu uneinheitlichen Ergebnissen, zum anderen waren sie großteils von der Herstellerfirma von Lasea finanziert.

Die Wissenschafter:innen von medizin-transparent.at vermuten zudem einen sogenannten „Publication Bias“. So wird das Phänomen in der Wissenschaft genannt, wenn nur positive Ergebnisse publiziert werden. Dies lässt die publizierten Ergebnisse weniger vertrauenswürdig erscheinen. Wer unter Angstzuständen leidet, sollte sich unbedingt in ärztliche Behandlung begeben. Nur so können die Ursachen diagnostiziert und eine geeignete Therapie entwickelt werden.

Kooperation mit medizin-transparent.at

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Bild: Cochrane/medizin transparent

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Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen?

In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt.

"Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. medizin-transparent ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

Lesen Sie mehr auf https://medizin-transparent.at/lavendeloel-angst

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