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Laudamotion - Hoher Preis für Low Cost

, aktualisiert am

Jahrzehntelang stand der Name Lauda für außerordentliche Leistungen und hohe Qualität. Doch zuletzt waren Negativ-Schlagzeilen an der Tagesordnung. Wohin geht Lauda(motion)?

Preiswerte Charterflüge, freundliches Personal, eine Bordverpflegung vom Feinsten – vor 30, 35 Jahren wurde Lauda-Air von den Medien hofiert. Selbst leise Kritik wurde schon als Majestätsbeleidigung aufgefasst. Heute kann sich der Nach-Nachfolger negativer Schlagzeilen kaum mehr erwehren: massive Verspätungen, Triebwerksschäden oder andere Defekte am laufenden Band, gerichtliche Verurteilungen, hohe Verluste, offenbar sittenwidrige Verträge… Fluglinie Laudamotion (Kurzbezeichnung Lauda) ist drauf und dran, die letzten Sympathien bei Medienvertretern wie in der Bevölkerung zu verlieren.

Aktualisierung vom 19.6.2020
Der Artikel wurde vor dem Corona-Lockdown verfasst. Seither sind die Überlebenschancen für Billig-Airlines dramatisch gesunken. Laudamotion hat inzwischen die Gewerkschaft kritisiert Personalabbau bei Lauda von mehr als 90 Mitarbeitern bzw. Mitarbeiterinnen angekündigt.
 
Wie es mit Lauda bzw. Ryanair in Österreich weitergeht, werden wir berichten, sobald die weitere Entwicklung auf dem Markt besser absehbar ist.

 

Die „österreichische“ Lösung

Dabei hatte auch der dritte Neustart einer Lauda-Fluglinie so hoffnungsfroh begonnen. Bei der Geburtsstunde im Jänner 2018 jubelte die Bundesregierung noch über die „österreichische Lösung“. Zwei Monate später war klar, dass Ryanair Laudamotion übernehmen wird. Im Dezember desselben Jahres war die Luftlinie zu 100 Prozent im Besitz der irischen Airline.

Doch enttäuschter Patriotismus ist noch das geringste Problem des Low-Cost Carriers (Billig-Airline). Immer wieder fielen Flugzeuge aus, Passagiere mussten stundenlange Verspätungen in Kauf nehmen, ohne dass sie über die Ursachen informiert wurden.

Spitzenreiter bei Urlauberbeschwerden

Laudamotion ist zum Spitzenreiter bei Urlauberbeschwerden avanciert. Das zeigt jedenfalls eine Reisebeschwerden: Top-Ärgernisse 2019, die vom VKI im Auftrag der Arbeiterkammer durchgeführt wurde. Kein anderes Unternehmen der Tourismusbranche wurde auch nur annähernd so oft genannt. Unter den Fluglinien machten Beschwerden über Lauda rund 29 Prozent aus, mit deutlichem Abstand folgten Wizz Air mit 13 Prozent und Vueling Airlines mit 8,7 Prozent.

Musterklagen wegen unzulässiger Zusatzgebühren

Gegen Laudamotion sind auch zahlreiche konsumentenrechtliche Klagen anhängig, angestrengt von uns, dem VKI und der AK. Die AK bereitet – Stand März 2020 - Musterklagen vor, weil Laudamotion für das Einchecken am Flughafen Laudamotion: Gebühr für Check-in unzulässig - Geld zurück nach OGH-Urteil verrechnet. Nach unserer Auffassung enthalten die Allgemeinen Beförderungsbedingungen reihenweise unfaire Klauseln. Sie würden beispielsweise den Kontakt der Fluggäste mit der Fluglinie oder die Geltendmachung von Ansprüchen einschränken. Tatsächlich hat das Landesgericht Korneuburg im September 2019 Laudamotion: 23 unzulässige Klauseln, das Urteil ist nicht rechtskräftig. 

Technische Probleme und Konsequenzen

Technische Defekte

Es bleibt nicht nur bei Unannehmlichkeiten oder überhöhten Gebühren. In den letzten Monaten kam es zu einer Häufung technischer Defekte, die Zweifel an der Flugsicherheit der Lauda-Flotte aufkommen lassen.

  • Einmal muss ein Flieger wegen Ausfall eines Triebwerks kurz nach dem Start umkehren.
  • Ein andermal fallen während eines Fluges alle drei Funkgeräte aus.
  • Ein Öl-Leck in der Hilfsturbine führt zu einem sogenannten fume event (die Luft, die von außen in die Kabine geführt wird, ist mit Öl, Kerosin oder anderen Schadstoffen verunreinigt), Passagiere oder Flugbegleiter werden verletzt oder bewusstlos …

Erhöhte Aufsicht

Ende November 2019 wird es der Aufsichtsbehörde schließlich zu bunt. Sie stellte Laudamotion „ab sofort unter unsere erhöhte Aufsicht“. Eine – zumindest in Österreich – höchst ungewöhnliche Maßnahme, die für einiges Aufsehen gesorgt hat.

Offiziell hält sich die Aufsichtsbehörde vornehm zurück. „Man muss das relativieren“, „es kommt zu einer Intensivierung der Intervalle“, „man schaut sich das genauer an“, aber das Ganze bleibe im Rahmen der üblichen Aufsichtstätigkeit. So Markus Pohanka, Leiter Externe Beziehungen bei Austrocontrol zu konsument.at. Er fügt hinzu, Austro Control müsse die Aufrechterhaltung des Flugbetriebes gewährleisten. Für die Kontrolle der Flugzeuge sei man nicht zuständig, das sei Aufgabe des Wartungsbetriebes.

Auf die „irische“ Art

Brancheninsider halten es für keinen Zufall, dass die Ryanair-Tochter ins Trudeln gerät. Zunächst ist man schon von der Muttergesellschaft einiges gewöhnt. Flieger der irischen Airline sollen schon mal einen Notruf abgesetzt haben, weil sie wegen einer Schlechtwetterfront nicht gleich landen konnten und der Treibstoff zu Ende war. Vorgeschrieben ist, dass Flugzeuge eine Treibstoffreserve für mindestens eine halbe Stunde berechnen müssen. Pilotenvertretern zufolge setze Ryanair Piloten unter Druck, nicht zu viel Treibstoff zu tanken.

Skurrile Vorschläge zur Kostenminimierung

Ryanair-Boss Michael O'Leary nennt Branchenkollektivvertrag einen "Blödsinn" ist bekannt für seine teils skurrilen, tendenziell aber auch gefährlichen Vorschläge zur Kostenminimierung. So schlug er vor, für die Benutzung der Toiletten eine Gebühr zu verlangen oder Stehplätze im Flugzeug einzuführen. Er meinte auch, man könne auf einen Kopiloten verzichten, notfalls müsse halt eine Stewardess das Steuer übernehmen.

Zum anderen wird die Häufung von technischen Problemen bei Laudamotion darauf zurückgeführt, dass viele Flugzeuge zuvor lange Zeit in Ländern der Dritten Welt betrieben wurden. Dort sei die Qualität der Wartungs- und Servicearbeiten nicht immer mit den gewohnten Standards in Europa zu vergleichen. Das gibt auch Gerald Aigner von ACA sieht Sicherheit bei Ryanair-Tochter LaudaMotion gefährdet, einem unabhängigen Online-Informationsdienst für die Luftfahrtbranche, zu bedenken.

Gemischte Flotte

Mit Stand Dezember 2019 bestand die Flotte der Laudamotion aus 23 (in der Regel geleasten) Airbus A320. Das verwundert auch deshalb, weil Ryanair ganz überwiegend auf die Konkurrenz von Boeing (Typ 737) setzt. Ganz entgegen der Logik der Kostenminimierung, die ja gerade bei Billig-Fluggesellschaften oberste Priorität genießt. Laut Aigner geht der Trend zu einer typenreinen Flotte. Damit ließen sich bei Ersatzteilen und bei Technikern Einsparungen erzielen. Umgekehrt lässt sich natürlich auch sparen, indem man gebrauchte Flugzeuge zum Schnäppchenpreis kauft.

Sparwut und Sozialabbau

„Mit Füßen getreten“

Gespart wird aber nicht nur beim Material. Auch beim Personal setzt das Management massiv den Rotstift an. Mitarbeiter berichten von massiven Einschüchterungsversuchen. In einem Kommentar erwähnt der Pilot Andreas Strobl von der Austrian Cockpit Association, dass „Mitarbeiter aus Kabine und Cockpit die mittlerweile berühmt-berüchtigten 'Sickletters' erhalten. In ihnen wird der Krankenstand genau aufgelistet, und „dem Mitarbeiter vorgeworfen, unkollegial zu handeln…“

Sozialleistungen gestrichen

Sozialleistungen werden gekappt. Mitarbeiter müssen für ihre Uniform und für Parkplatzbenützung selbst bezahlen. Auch für die verpflichtenden medizinischen Untersuchungen müssen sie aufkommen. Es gibt nur mehr einen einmaligen Pauschalbetrag von 360 Euro pro Jahr.

Seitdem die Fluglinie die gewählte Betriebsratsvorsitzende Kerstin Hager ausgesperrt hat, liegt die Unternehmensleitung im Clinch mit der Gewerkschaft Vida. Hintergrund laut dem Luftfahrtportal Ryanair-Personaldirektor betrachtet BR-Wahl bei Lauda im Voraus als "null und nichtig": Laudamotion erkennt die Wahl nicht an. Sie hatte Hager zuvor – trotz Kündigungsschutz – wegen auffallend häufiger Krankenstände gekündigt. Das Landesgericht Korneuburg hat inzwischen entschieden, dass die Fluglinie der Betriebsrätin den Zutritt nicht verwehren darf.

Kollektivvertrag einseitig gekündigt

Weitere Klagen sind aber noch anhängig. So auch über die Tatsache, dass Lauda den Kollektivvertrag seit Jahresbeginn einseitig suspendiert hat. Neue Mitarbeiter beim fliegenden Personal werden seit Herbst über die österreichische Zweigniederlassung der irischen Leiharbeitsfirma Crewlink angestellt. Das darf der Arbeitgeber, doch der Kollektivvertrag (KV) gilt auch für diese Leiharbeiter. Ein KV kann nach Auffassung der Gewerkschaft nicht von einem Unternehmen aufgekündigt werden. „Das österreichische Arbeitsrecht wird mit Füßen getreten“, so Vida-Gewerkschafter Gewerkschaft kritisiert Personalabbau bei Lauda.

Sicherheitsrisiken möglich 

Dass überzogene Einsparungen von Personalkosten auch die Sicherheit gefährden, versteht sich gerade in dieser Branche von selbst. Da mag man noch hinnehmen, wenn spanischsprachiges Bordpersonal nur gebrochenes Englisch spricht, von Deutsch ohnehin keine Rede. Höchst gefährlich könnte es jedoch werden, wenn technisches Personal massiv (um zwei Drittel und mehr) reduziert wird. Bei Bedarf müssen Aushelfer einspringen, die mit den Arbeitsabläufen nicht vertraut sind. Oder wenn das Bordpersonal bei Mängeln ein Auge zudrückt, weil womöglich das Laudamotion-Management starken Druck ausübt, nur ja keinen Flug ausfallen zu lassen.

Konkurrenzkampf mit Folgen

Trend nach unten

Hintergrund der Sparwut ist der unerwartet scharfe Wettbewerb in Wien. Von dem wurde selbst Ryanair überrascht. Nach der Pleite von Air Berlin mitsamt Niki haben sich gleich mehrere Low-Cost Carrier aufgemacht, um den Wiener Markt mit Kampfpreisen zu erobern.

Der Marktanteil der Billiglinien ist im Jahr 2019 – gemessen an der Passagierzahl – auf fast ein Drittel hinaufgeschnellt. Das ist ein Plus von 56 Prozent im Vergleich zu 2018. Hinter Platzhirsch Austrian, der mit 43 Prozent noch immer den Markt dominiert, wurde Lauda für seinen aggressiven Kurs mit 8,2 Prozent und Platz Zwei belohnt. Gefolgt von drei anderen Billiglinien: Eurowings, Wizz Air und easyjet.

Unklare Zukunft

Die weitere Entwicklung kann angesichts der Coronavirus: FAQ - Was Sie wissen sollten natürlich nicht abgeschätzt werden. Vor Monaten gab sich das Lauda-Management jedenfalls noch kampflustig: Binnen fünf Jahren solle die AUA überholt werden. Ob dies allerdings mit einem überaltertem Flugzeugpark und zunehmend unzufriedenen Kunden gelingen kann, steht in den Sternen. In der Branche kann man sich auch eine alternative Strategie von Ryanair vorstellen. Gerald Aigner von Austrian Wings weist darauf hin, dass die irische Fluglinie auch (fast) ohne Lauda den Markt halten kann: „Ein einziger Flieger unter österreichischer Registrierung genügt. Mehr braucht man nicht zur Aufrechterhaltung der Slots (Start- und Landerechte).“

Wizz Air mit Zusatzgebühren

Für die Zukunft verheißt das nichts Gutes. Denn auch andere Flug-Diskonter drehen an der Kostenschraube - mit entsprechenden Folgen. So wird die ungarische Wizz Air vor allem wegen Zusatzgebühren und Steueroptimierung kritisiert. Die gewohnten Qualitätsstandards werden zunehmend nach unten gedrückt. „Das tut uns weh“, so Aigner, denn die Luftfahrt habe nach wie vor den Ruf als sicherste Verkehrsart.

Seriöse Luftfahrtunternehmen geraten zunehmend unter Druck, weil sich die Billig-Anbieter einen unfairen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Für die Wirtschaftskammer kein Grund zum Einschreiten. Wie meinte ein Kammerfunktionär der Bundessparte Transport und Verkehr im Gespräch mit konsument.at? „Wir sind nicht dazu da, darauf zu schauen, was unsere Mitglieder machen.“

 

Keine Stellungnahme

Trotz mehrmaliger Aufforderungen hat uns Laudamotion/Ryanair bis heute keine Stellungnahme zukommen lassen.

 

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