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Geldanlage: Indexfonds - Günstige Sparbuch-Alternative

Geldanlage: Über die Börse gehandelte Indexfonds erfreuen sich steigender Beliebtheit. Sie bieten auch Kleinanlegern eine relativ kostengünstige Möglichkeit zur Wertpapieranlage.

Vor zehn Jahren waren es gerade einmal an die hundert, heute gibt es weit über 1.300 handelbare Papiere allein in Europa – das Angebot an Exchange Traded Funds (ETFs) ist binnen weniger Jahre geradezu explo­sionsartig gewachsen. Hinter dem etwas sperrigen Namen stecken Fonds, die nicht wie sonst üblich über die emittierende Investmentfondsgesellschaft, sondern direkt über die Börse gehandelt, also erworben und veräußert werden.

Indexfonds: DAX, Euro Stoxx, Schwellenländer etc.

Bei der überwiegenden Mehrzahl der ETFs handelt es sich um sogenannte Indexfonds. Das heißt, sie bilden die Preis- und Kursentwicklung eines bestimmten Index nach – sei es die eines Börsenindex wie des deutschen DAX oder des Euro Stoxx 50 oder auch jene von Indizes, die auf bestimmte Sektoren, ­Regionen oder Strategien ausgerichtet sind (z.B. den Automobil-, Banken- oder Immo­biliensektor, Schwellenländer oder Divi­dendenstrategien). Auch ethisch orientierte Indizes werden von ETFs abgedeckt.

ETFs: Börsentäglich verfügbar

Der direkte Handel über die Börse bringt für die Anleger mehrere Vorteile mit sich – auch für jene, die mit kleineren Beträgen an den tendenziell höheren Renditen bei Wert­papieren mitnaschen möchten. Das beginnt beim Preis eines ETFs, der im Wesentlichen von Angebot und Nachfrage an der Börse bestimmt wird. Er kann jederzeit, z.B. via Internet, abgerufen werden und ist dadurch sehr transparent. Ein weiterer Vorteil ist, dass man den ETF täglich an der Börse kaufen und auch wieder verkaufen kann. Anders als bei klassischen Fonds lässt sich so rasch und flexibel auf Marktänderungen reagieren.

Indexfonds für Europa im Performance-Vergleich

Wir haben 20 Index-Fonds (10 ausschüttend und 10 thesaurierend, klassische Fonds sowie ETFs) mit Anlageschwerpunkt Europa einem Performance-Vergleich über 5 Jahre unterzogen, darunter:

  • BAWAG P.S.K. Europa Stock
  • ComStage MSCI Europe TRN UCITC ETF
  • ComStage STOXX® Europe 600 NR UCITS ETF
  • ESPA BEST OF EUROPE
  • iShares STOXX Europe 600 UCITS ETF
  • iShares MSCI Europe UCITS ETF
  • LYXOR UCITS ETF MSCI EMU GROWTH
  • PIA - Europa Real
  • PIA - Select Europe Stock
  • PIA - Swiss Stock
  • Raiffeisen-TopDividende-Aktien
  • SemperProperty Europe
  • Spängler IQAM Equity Europe
  • Starfonds Best European Equity
  • Stoxx® Europe 600 UCITS ETF

Lesen Sie auch unseren anderen Bericht zum Thema Fonds: Alternativen zum Sparbuch 8/2014. Hier werden diverse Investmentfondssparten verglichen.


Niedrigere Gebühren

Günstiger bei Kaufspesen ...

Ein großer Vorteil gegenüber klassischen Fonds liegt in den deutlich geringeren Gebühren. So fällt bei ETFs kein Ausgabe­aufschlag (AGA) an. Diese einmalige Gebühr wird bei klassischen Fonds von der Kapitalanlagegesellschaft zur Deckung der Vertriebskosten verrechnet und kann bis zu 10 % betragen. Geht man zum Beispiel bei einem Aktienfonds von einem durchschnittlichen Ausgabeaufschlag von 4,5 % aus, so liegen die Kaufspesen für einen ETF bei der ­teuersten Variante (also dem Kauf über einen Berater) bei 1,1 %. Bei einer Investition von 5.000 Euro würde die Kostenersparnis bereits 3,4 % oder 170 Euro betragen. Beim Onlinekauf über eine Direktbank ist die ­Differenz sogar noch größer.

... und laufenden Kosten

Klassische Fonds werden manchmal auch ­ohne AGA angeboten; man nennt sie No-Load-Funds, was dem Anleger suggeriert, dass er auf der Gebührenseite besonders ­günstig wegkommt. Dafür fallen dann allerdings in der Regel deutlich höhere laufende Spesen für Management, Verwaltung und Ähnliches an. Auch hier punkten ETFs: Sie sind bei den laufenden Gebühren deutlich anlegerfreundlicher, da es kaum Managementleis­tungen gibt und die ETFs nur jährlich an den Index angepasst werden, den sie nachbilden. Noch einmal ein Vergleich mit einem klassischen Aktienfonds: Dort liegen die laufenden Spesen bei rund 2 %, bei ETFs hingegen ­liegen sie meist unter 1 %.

Performance Fee entfällt

Management-, Verwaltungs-, Indexgebühren müssen – so wie bei allen Fonds – zur besseren Vergleichbarkeit in der Total Expense Ratio (TER) zusammengefasst werden. Unsere Auswertung der am besten performenden Fonds ergab eine TER von 0,25 % für die ETFs im Gegensatz zu 1,95 % für die klassischen Aktienfonds. Die Total Expense Ratio der ETFs auf den Euro Stoxx 50, einen europaweiten Börsenindex, liegt zwischen 0,1 und 0,2 %.

Weiters entfällt bei ETFs die Performance Fee, also die "Erfolgsgebühr" für das Fondsmanagement, wenn der Fondsertrag eine bestimmte (Mindest-)Rendite (Benchmark) überschreitet. All das macht natürlich einen ordentlichen Unterschied bei der ­Rendite aus, zu deren Lasten jeder Cent an Gebühren geht.

ETFs gelten als Sondervermögen

ETFs gelten als Sondervermögen

ETFs sind Anteile an einem Investmentfonds und gelten somit – wie alle Fonds – als ­Sondervermögen. Darunter versteht man das Anlagekapital der Fondsanleger, das nicht zum Vermögen der Investmentgesellschaft zählt und laut Investmentfondsgesetz sogar separat in einer Depotbank aufbewahrt werden muss. Für die Anleger hat das den großen Vorteil, dass das Fondskapital vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt ist, wenn die Investmentgesellschaft Pleite machen sollte.

ETCs oder ETNs sind Schuldverschreibungen

Hier liegt auch der große Unterschied zu den sehr ähnlich klingenden Exchange Traded Notes bzw. Exchange ­Traded Commodities (ETN und ETC – dabei handelt es sich um Schuldverschreibungen) oder anderen über die Börse handelbaren Finanzprodukten wie Zertifikaten, Aktien­anleihen und Partizipationsscheinen.

Die Tatsache, dass ETFs als Sondervermögen gelten, darf aber nicht mit der Einlagen­sicherung von Sparprodukten verwechselt werden. Wenn die Kurse fallen oder der ausgewählte Index über lange Zeit und dauerhaft ins Minus rutscht, kann es beim Verkauf trotzdem zu einem teilweisen Kapitalverlust kommen.

Aktiv oder passiv gemanagt

Aktiv oder passiv gemanagt

Klassische Investmentfonds werden üblicherweise aktiv gemanagt, das heißt, ihre Zusammensetzung wird von einem Management-Team regelmäßig überprüft; so werden etwa schlecht performende ­Werte gegebenenfalls durch andere ersetzt. ETFs werden hingegen nur einmal jährlich angepasst. Verfechter aktiv gemanagter Fonds weisen daher darauf hin, dass diese besser auf Kursschwankungen reagieren könnten und somit eine geringere Volatilität aufwiesen. Das führe letztlich auch zu einer besseren Performance.

Stimmt nicht, lauten die Gegenargumente. Erstens würde das voraussetzen, dass das Fondsmanagement in Korrekturphasen immer richtig reagierte. Den richtigen Verkaufszeitpunkt vor einer Korrektur und den richtigen Einstiegszeitpunkt danach würden aber nur die wenigsten Fondsmanager finden. Außerdem entstünden dadurch Kosten, die das Fondsvermögen schmälerten. Auf lange Sicht seien Einstiegs- sowie Ausstiegs­zeitpunkte, abgesehen von großen Finanzkrisen, weniger entscheidend für die Performance des Fonds.

Performance vergleichbar

Wir haben uns die Performance von klassischen Fonds mit Anlageschwerpunkt Österreich über fünf Jahre angesehen. Sowohl bei thesaurierenden als auch bei ausschüttenden Fonds lag sie nur knapp über jener der ausgewählten ETFs. Zwar gab es bei den ­aktiv gemanagten Fonds einen deutlich ­positiven Ausreißer nach oben, aber einen so gut gemanagten Fonds zu erwischen, ist eher ein Glückstreffer. Wer sich die Qual der Wahl ersparen will, ist auch mit einem ETF gut beraten.

Ein ähnliches Ergebnis kam bei Fonds mit Anlageschwerpunkt Europa zustande: Bester Fonds war auch hier ein aktiv gemanagter, aber sowohl bei den ausschüttenden als auch bei den thesaurierenden Fonds waren mehrere ETFs unter den Top-10 zu finden (siehe Tabelle). Und noch einmal ein ähnliches Bild bei Fonds mit Anlageschwerpunkt internationale Aktien: Abgesehen vom Bestperformer liegt die auf ein Jahr hochgerechnete 5-Jahres-Performance der Fonds sehr knapp beieinander. Den zweitplatzierten klassischen Fonds sowie den drittplatzierten ETF trennen nur 0,25 % pro Jahr. Bei Berücksichtigung der Nettorendite würde sich die Platzierung sogar umkehren.

Restrisiko nicht vergessen

Wer einfach ein besseres Gefühl hat, wenn jemand regelmäßig ein Auge auf die Entwicklung "seines" Fonds wirft, soll damit in Zukunft auch bei ETFs bedient werden: Aktiv gemanagte ETFs sollen die Vorzüge des aktiven Fondsmanagements mit den Vorteilen des täglichen Börsenhandels, geringeren Kosten sowie erhöhter Transparenz verbinden, heißt es vonseiten der Anbieter euphorisch. Elf solche Fonds sind derzeit an der Frankfurter Börse gelistet; was sie können, ist aufgrund des kurzen Bestehens aber noch nicht abzuschätzen.

Tabelle: Index-Fonds mit Anlageschwerpunkt Europa

Wie kommt man zu ETFs?

Da ETFs wie bereits erklärt über die Börse gehandelt werden, kann man sie bei jeder Depotbank erwerben. Ob es sich dabei um eine Filialbank oder um eine Direktbank handelt, spielt nur bei den Kosten eine Rolle.

Berater von Banken und anderen Vertriebsgesellschaften könnten aber verständlicherweise dazu neigen, ihre eigenen Produkte zu empfehlen bzw. Produkte mit einer höheren Provision. Daher ist es sinnvoll, vorher schon ungefähr zu wissen, in welche Werte man investieren möchte.

Eine gute Übersicht über das derzeitige Angebot und viel Grundsatzwissen zu ETFs bietet beispielsweise die Homepage der Börse Frankfurt (www.boerse-frankfurt.de, Stichwort ETFs), die als führende Handelsplattform für Exchange Traded Funds in Europa gilt. Auch auf den Websites von Direktbanken wie etwa direktanlage.at oder brokerjet.at gibt es Informationen zu ETFs.

Den ETFs zum Verwechseln ähnlich: ETN und ETC

Ihre Bezeichnungen klingen ähnlich, sie bergen aber ein höheres Verlustrisiko:

  • Exchange Traded Notes (ETN) sind börsengehandelte Inhaberschuldverschreibungen, also vereinfacht gesprochen ETFs auf Basis von Anleihen, die die Wertentwicklung eines zugrunde gelegten Basiswerts 1 : 1 nachbilden.
  • Exchange Traded Commodities (ETC) sind börsengehandelte Zertifikate ohne Laufzeitbegrenzung, die eine Investition in Rohstoffe (engl.: commodities) ermöglichen.

Bei beiden Anlageprodukten handelt es sich nicht um Anteile an einem Sondervermögen, wie das bei ETFs und klassischen Fonds der Fall ist, sondern um Schuldverschreibungen. Das heißt, es besteht ein nicht unbeträchtliches Ausfallsrisiko, wenn der Emittent des Papieres in die Insolvenz schlittert.

Zusammenfassung

  • Kostenvorteil. Der große Vorteil von ETFs liegt in den deutlich geringeren Gebühren: Beim Kauf wird kein Ausgabeaufschlag verrechnet, auch bei den laufenden Kosten liegen die ETFs deutlich unter den klassischen Fonds und es fällt keine Performance Fee an.
  • Keine Bindung. Ein weiterer Vorteil ist, dass man ETFs börsentäglich kaufen und verkaufen kann. Das lohnt sich aber nur, wenn man die Kursentwicklung sehr genau verfolgt. Andernfalls sollte eine mehrjährige Veranlagungsdauer eingeplant werden, um Kurstiefs übertauchen zu können.
  • Performance. Obwohl ETFs meist nicht aktiv gemanagt werden, können sie mit klassischen Investmentfonds mithalten.

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