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Geldanlage: Gold als Sparbuch-Alternative - Kein Glanz ohne Risiko

Geldanlage: Gold garantiert nicht automatisch Werterhalt und Wertzuwachs. Das gilt auch für Goldsparpläne und Wertpapiere auf Gold.

In Zeiten, in denen Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung herrscht, greifen viele gern zu Sachwerten wie Diamanten oder Edelmetallen. Sei es aus Angst vor einem Währungsverfall, als "Fluchtwährung" für Krisen- und Notzeiten oder als langfristige Ergänzung eines Vermögensportfolios, das bereits ausreichend sichere Anlageformen für kurz- und längerfristigen Finanzbedarf enthält.

Über Anlageziele im Klaren sein

Wer in Gold & Co investiert, sollte sich über seine Ziele im Klaren sein. Alles, was nur unter dem Gesichtspunkt gekauft wird, erspartes Geld vorübergehend vor inflationären Gefahren zu schützen, wird nur in den seltensten Fällen die erhoffte Sicherheit oder gar satte Gewinne bringen. Kapitalerhalt und Wertsteigerungen sind ausschließlich dann zu ­erzielen, wenn der Edelmetallpreis bis zum Wiederverkauf kräftig steigt. Das verlangt unter Umständen einen langen Atem: Wenn man sein Gold oder Silber kurzfristig wieder abstoßen muss, um rasch zu Barem zu kommen, kann das bei ungünstigem Einstiegspreis oder einer nachteiligen Entwicklung des Preises zu herben Verlusten führen.

Klein ist bei Gold nicht fein

Besonders gut rechnen und einen günstigen Einstiegszeitpunkt abwarten muss man, wenn man sich kleine Mengen an Gold zulegt. Münzen und Barren in kleinen Stückelungen sind zwar in Notzeiten vorteilhaft, weil man sie leichter absetzen und umtauschen kann. Dafür besteht aber eine Riesendifferenz zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis, der sogenannte Spread: Ein 1-g-Feingoldbarren wurde von der Österreichischen Gold- und Silberscheideanstalt (Ögussa) zum Beispiel im August dieses Jahres zu 41,72 Euro verkauft.

Spreads von 2 bis 44 Prozent

Hätte man ihn am selben Tag gleich wieder zurückverkauft, hätte man nur 31,11 Euro dafür erhalten. Die Differenz zwischen An- und Verkauf hätte somit stolze 34 Prozent betragen. Der Preis müsste also auf jeden Fall einmal um 34 Prozent steigen, damit man das herausbekäme, was man hingelegt hat. Von einem Geldwerterhalt geschweige denn -zuwachs ist hier noch gar nicht die Rede (siehe "Von wegen wertbeständig").

Bei einer Unze Gold (31,1035 Gramm), die an diesem Tag bei der Ögussa für etwa 999 Euro zu haben war und im Verkauf rund 967 Euro gebracht hätte, lag der Spread "nur" noch bei 3,31 Prozent, bei einem 1-kg-Barren überhaupt nur noch bei 2,1 Prozent.

Preise mehrerer Händler vergleichen

Das sind nur die Preise eines Anbieters. Bei anderen kann der Preis durchaus darüber oder darunter liegen. Das Bankhaus Schelhammer & Schattera hätte den 1-g-Barren beispielsweise an diesem Tag um 49 Euro verkauft und um 34 Euro angekauft – ein Spread von über 44 Prozent! Bei der Erste Bank wiederum lag der Spread für das 1-g-Stück "nur" bei rund 29 Prozent. Sehen Sie sich also unbedingt die Preise mehrerer Händler an, bevor Sie zuschlagen.


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Goldanlagekonten und Goldsparpläne

Goldanlagekonten und Goldsparpläne

Wer auf Gold setzt, kann das auch in Form von Sparplänen oder Wertpapieren tun. In der Goldhausse vor 2012 wurden beispielsweise vermehrt Goldanlagekonten und Goldsparpläne auf den Markt gebracht. Die Idee dahinter ist simpel: Man zahlt monatlich eine bestimmte Summe ein; dafür wird physisches Gold angeschafft und in Tresoren von Großbanken eingelagert.

Der Vorteil für den Anleger: Man muss sich weder um die Anschaffung noch um die sichere Verwahrung kümmern. Außerdem werden von den Anbietern Rabatte beim Einkauf versprochen.

Teilweise riesiger Spread

Der Nachteil: Oft wird unabhängig von der Höhe der monatlichen Sparsumme mit 1-g-Preisen gerechnet. Dadurch ergibt sich wie bereits erwähnt ein riesiger Spread von über 30 Prozent. Das ist besonders nachteilig, wenn man zum Beispiel monatlich 200 Euro in Gold anlegt. Um diese Summe könnten bereits 5-g-Barren erworben werden, wo der Spread nur noch bei etwa 10 Prozent läge.

Auf Bonität und Seriosität achten

Wer sich für solche Sparpläne interessiert, sollte daher unbedingt mehrere Anbieter prüfen und genau darauf achten, welche Kurse zugrundegelegt werden. Achten Sie auch auf die Bonität und Seriosität des ­Anbieters: Erst vor etwas mehr als einem Jahr mussten etliche Anleger in Goldpro­dukte einen Totalverlust ihrer Einzahlungen hinnehmen, als die schweizerische KB Edelmetall GmbH in Luzern Insolvenz anmeldete.

Der Geschäftsführer des ehemals glänzenden Unternehmens soll übrigens nach einem Bericht der Schweizer Anlegerschutzanwälte unter einem anderen Firmennamen nach wie vor im "Goldgeschäft" tätig sein ...

Wertpapiere auf Gold

Wertpapiere auf Gold

Wer nicht direkt in Gold investieren will, kann als Alternative auch Wertpapiere kaufen, die auf dem Goldpreis basieren. Genau genommen handelt es sich um Fonds, die mit den investierten Anlagebeträgen Gold erwerben. Für den Anleger hat das so wie bei Goldsparplänen den Vorteil, dass er sich um nichts kümmern muss. Außerdem entfällt für ihn der exorbitante Spread, der beim direkten Kauf und Verkauf von kleinen Goldmengen entstehen würde.

Allerdings haben diese Wertpapiere auch ­ihre Tücken. So ist zwischen Gold-ETFs (Exchange Traded Funds) und -ETCs (Exchange Traded Commodities) zu unterscheiden.

ETF bilden einen Index oder Korb nach, im Falle eines Gold-ETFs also den Goldkurs. Sie stellen ein Sondervermögen dar; das heißt, sie fallen nicht unter das Vermögen der ­Investmentgesellschaft und bieten im Fall einer Insolvenz des Anbieters somit eine ­ungleich höhere Chance, dass man sein inves­tiertes Geld wiedersieht.

ETC hingegen sind Schuldverschreibungen eines Emittenten. In der Regel werden die eingesammelten Mittel zwar in Gold inves­tiert und auch wieder zurückgezahlt. Sollte der Emittent aber in Konkurs gehen, wären unter Umständen auch die Anlegergelder weg, weil sie – anders als Sondervermögen – in die Konkursmasse fließen.

Vertragsdetails studieren

Wer sich für diese Form der Goldanlage inte­ressiert, sollte also in den Vertragsbedingungen immer ganz genau nachlesen, ob es sich um einen Fonds als Sondervermögen oder um ein Zertifikat bzw. eine Schuldverschreibung handelt. Lassen Sie sich dabei nicht von den Bezeichnungen irreführen: Manche ETC führen im Namen das Kürzel ETF und stellen trotzdem kein Sondervermögen dar!

Hebelprodukte nur für Profis

Zertifikate mit Hebel-, Caps- oder anderen Zusatzmerkmalen sind für den durchschnittlichen Anleger überhaupt eine viel zu heiße Sache. Hier handelt es sich eher um Spekulationen auf den Goldpreis, die man Profis mit zu viel Spielgeld in der Kassa überlassen sollte.

Goldpreisentwicklung: Von wegen wertbeständig

Gold wird gern gekauft, um das Ersparte vor einem Wertverlust zu schützen. Dazu muss der Goldpreis nicht nur deutlich über dem Ankaufspreis liegen, sondern auch die Geldentwertung ausgleichen. Diese Rechnung geht aber nicht immer auf, wie sich anhand der Entwicklung des Goldpreises leicht nachvollziehen lässt:

Wer Gold kauft, kurz bevor der Goldpreis stark nach oben zieht, kann zwar ordentlich abkassieren – legte man sich beispielsweise Anfang 2004 eine Unze Gold zu 328 Euro zu, könnte man sie heute zu rund 980 Euro verkaufen; ein Wertzuwachs von 198 %! Viel häufiger sind aber lange Durststrecken zu überwinden, bis der Goldpreis – aus welchen Gründen auch immer – zulegt. Investierte man zum Beispiel Anfang der 1980er-Jahre in Gold, musste man fast 30 Jahre zuwarten, bis das Investment deutlich in die Gewinnzone kam. Und wer um das Jahr 2011 einstieg, muss unter Umständen noch eine ganze Weile warten, bis sein Gold jemals wieder diesen Wert oder besser noch einen höheren Wert erreicht.

Um den Wert des investierten Geldes zu erhalten, ist außerdem auch bei Gold die laufende Geldentwertung zu berücksichtigen. Rechnet man eine durchschnitt­liche Inflation von 2 % dazu, müsste eine Unze Gold, 1980 zum Jahreshoch bei 850 US-Dollar gekauft, ­heute 1.666 US-Dollar bringen, um die Inflation auszugleichen. Aktuell steht der Kurs allerdings nur bei rund 1.300 US-Dollar.

Goldpreisentwicklung (Unze in US-Dollar) 1973–2013

Goldpreisentwicklung (Unze in US-Dollar) 1973–2013 (Bild: Lisa S / Shutterstock.com) 

Zusammenfassung

  • Große Chancen und Risiken. Physisches Gold wirft keine Rendite und keine Zinsen ab. Werterhalt und -zuwachs hängen vollkommen von der (unvorhersehbaren) Entwicklung des Goldpreises ab.
  • Münzen und Barren. Je kleiner die Menge, desto höher der Unterschied zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis. Deshalb ist der Kauf physischen Goldes erst ab einer Unze (um zirka 1.000 Euro erhältlich) sinnvoll.
  • Goldsparpläne. Gehen oft mit großen Spreads einher, daher unbedingt auf den zugrunde liegenden Kurs und die Seriosität des Anbieters achten.
  • Wertpapiere auf Gold. Bieten sich für kleinere Handelsgrößen an. Allerdings ist darauf zu achten, ob man Teilhaber eines Sondervermögens wird oder ein weitaus riskanteres Zertifikat bzw. eine Schuldverschreibung erwirbt.

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