Das Image von Duft
Einige Branchen lehnen Duftmarketing ab. Das belegt ein Rundruf unter heimischen Supermärkten: Gerade bei Lebensmitteln werde mithilfe der Nase festgestellt, ob ein Produkt in Ordnung sei. Künstliche Aromen wären kontraproduktiv. Zielführender sei der Einsatz von „natürlichem Duft“ wie jener von frischem Gebäck. Außerdem würden hygienische Maßnahmen störende Gerüche neutralisieren.
Bekleidungsgeschäfte: Entscheidung gegen Duft-Marketing
Auch einige Bekleidungsgeschäfte in Österreich zeigten sich skeptisch. Takko Fashion etwa probierte zwar den Einsatz von Düften aus, entschied sich aber dagegen. Zum einen sei die Geruchswahrnehmung sehr subjektiv und zum anderen konnte kein Zusammenhang zwischen Düften und dem Kundenverhalten festgestellt werden.
Ist Skepsis angebracht?
Ein Grund für die Skepsis vieler Unternehmen mag auch sein, dass Düften nachgesagt wird, manipulativ zu wirken, eben weil sie direkt die Emotionen beeinflussen. Müller-Grünow sieht das nicht so: Es gebe keine duftneutralen Orte, alles rieche – Lebewesen, Materialien und Raumumgebungen. Für den Experten ist Duft ebenso Teil der Markenidentität wie Beleuchtung, Farben oder Töne. Niemand wolle manipuliert werden, doch viele hätten verlernt, richtig zu riechen.
Risikofaktor Duftstoff
Die Wahrnehmung von Düften ist sehr verschieden. Einige Menschen reagieren auf einen Hauch davon, andere bemerken ihn nicht. Frauen haben laut Studien einen besseren Geruchssinn als Männer. Raucher sind weniger geruchssensibel.
Seit ungefähr zehn Jahren beobachtet Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der Medizinischen Universität Wien den Trend zur Beduftung, den er sehr kritisch bewertet, da dies auch zur alltäglichen Reizüberflutung beiträgt: Zum visuellen und akustischen kommt der olfaktorische Reiz hinzu, womit alle wesentlichen Sinne belegt seien. Anbieter würden zwar von gesundheitlicher Unbedenklichkeit sprechen, Fakt sei jedoch, dass über viele Duftstoffe zu wenig bekannt sei, wenn sie eingeatmet werden.
Verzicht auf Beduftung zu Hause
Es gebe einen Mangel an Forschung zu langfristigen Gesundheitseffekten und möglichen Wechselwirkungen mit anderen Chemikalien, so Hutter. Es habe sich herausgestellt, dass einige Stoffe unter anderem allergen oder auch hormonähnlich wirken können und so das körpereigene Hormonsystem beeinflussen können. Für problematisch hält Hutter den Einsatz von Beduftung vor allem für jene, die dem länger ausgesetzt sind.
In den eigenen vier Wänden rät er von einer Beduftung ab. Falls es komisch rieche, solle man die Ursache ausfindig machen: „Sonst maskiert man das Problem und beseitigt nicht die Ursache.“ Es gebe auch Bereiche, wo Beduftung „teilweise okay“ sei: Phobiker schrecke etwa allein schon der typische Geruch in einer Zahnarztpraxis ab, ein anderer Duft könnte beruhigen.
Duftende Öffis
Mit Duft ein olfaktorisches Problem lösen, das wollten die Wiener Linien im Juli 2019. Gerade an hochsommerlichen Tagen kann es, vor allem in nicht klimatisierten U-Bahn- Garnituren, nach Schweiß riechen. Daher wurden in einem Pilotprojekt jeweils zwei Züge der Linie U6 und U1 verschieden beduftet – so roch „Relax“ nach Jasmin, Melone und Rose und „Energize“ nach grünem Tee, Grapefruit, Zitrone und Sandelholz. Die bedufteten Züge waren mit einem Blumen-Muster gekennzeichnet. Umweltmediziner Hutter fand den Grundgedanken gut, etwas zu unternehmen, damit Menschen nicht aufs Auto umsteigen, weil sie Öffis wegen „menschlicher Ausdünstungen“ meiden.
Kurze Zeit und mit geringer Intensität
Zudem habe es sich um eine Kurzzeitbelastung mit eher geringer Geruchsintensität gehandelt. Von daher sei der Einsatz von Duft hier umweltmedizinisch tolerierbar. Allerdings könnten geruchsempfindliche Menschen sich an der Beduftung stören. Letztendlich entschieden die Fahrgäste: In einer Online-Umfrage stimmten 56 Prozent von 37.000 gegen eine „Duft-U-Bahn“.