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Oranger Hintergrund. Darauf das Wort PFOA, welches in roter Farbe durchgestrichen ist.
PFOA können beim Menschen eine ganze Reihe von Krankheiten auslösen: Nierenkrebs, Hodenkrebs, Schilddrüsenerkrankungen und hohe Cholesterinwerte. Bild: somchaiP, Carabus/Shutterstock, Montage/VKI

Die PFAS: Jahrhundertgifte in Konsumentenprodukten

, aktualisiert am BLOG

Manches ist schön, wenn es für immer bleibt - bei den PFAS, hochgiftigen "forever chemicals",  könnten wir darauf verzichten.

 

Diese Schadstoffe werden nicht abgebaut und verbleiben im Körper. Sie können diverse Krebsarten sowie Missbildungen auslösen, verminderte Wirkung von Impfungen verursachen und einiges mehr. Nur wenige dieser Chemikalien sind jedoch bisher verboten.
In einer Dokumentation im deutschen Fernsehen wurde das Thema Ende September 2022 aufgegriffen. (466) Jahrhundertgift: Warum wird es nicht verboten? | STRG_F - YouTube

Ein Umweltskandal in den USA

Ein Skandal führte zur Aufdeckung eines Umweltproblems: Jahrzehnte lang wurde das hochgiftige PFOA (Perfluoroctansäure) in den Ohio River geleitet und PFOA-haltige Schlämme in einer nicht abgedichteten Deponie entsorgt. Das Unternehmen dahinter: DuPont. Der Aufdecker dieses Vergiftungsskandals: Robert Billot. Diese Geschichte wurde in „Dark Waters“ („Vergiftete Wahrheit“) verfilmt. 

David gegen Goliath: Robert Billot, ein unbekannter Wirtschaftsanwalt, legt sich 1998 mit DuPont, einem der weltweit größten Chemiekonzerne, an und deckt den sogenannten Teflon-Skandal auf. Das Unternehmen in Parkersburg (West Virginia) leitete jahrzehntelang das hochgiftige PFOA (Perfluoroctansäure) in den Ohio River und entsorgte PFOA-haltige Schlämme in einer nicht abgedichteten Deponie.

Seit 1951 verwendete DuPont diese Chemikalie zur Erzeugung von Teflon; entwickelt und hergestellt wurde sie von der Firma 3M. In geheimen Studien der beiden Unternehmen mehrten sich seit 1961 die Hinweise über die bedrohlichen Eigenschaften von PFOA. Trotzdem wurde die fahrlässige Entsorgung dieses Schadstoffes in die Gewässer und Böden der Umgebung weitergeführt. 

Robert Billot bringt dieses dunkle Geheimnis zu Tage und reicht Klage gegen DuPont ein. Dabei riskiert er nicht nur seinen Job und seine Zukunft, sondern auch sein eigenes Leben, das seiner Ehefrau sowie seiner restlichen Familie.


Neben PFOA ist eine zweite, früher häufig für sehr ähnliche Zwecke eingesetzte Chemikalie PFOS (Perfluoroctansulfonat), z.B. für "Scotchguard" von 3M. Die Stoffgruppe, zu denen PFOA, GEN X und PFOS zählt, sind die sogenannten PFAS - Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, auch PFCs - Per- und polyfluorierte Chemikalien oder manchmal ⁠PFT⁠ - Perfluorierte Tenside genannt.

Die Auswirkungen der PFAS

Die Folgen des PFOA zeigten sich in Ohio zuerst bei den Tieren in der Umgebung: Kühen, die in der Nähe weideten, stand der Schaum vor dem Maul. Sie starben an bösartigen Tumoren, ebenso viele Waldtiere. Kälber wurden mit Missbildungen geboren oder starben mit anormal verfärbten Eingeweiden. Inzwischen weiß man, dass PFAS, zu denen PFOA zählt, auch beim Menschen eine ganze Reihe von Krankheiten und Gesundheitsproblemen auslösen können, wie

  • Nierenkrebs
  • Hodenkrebs
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • hohe Cholesterinwerte
  • Leberschäden
  • Gefährdung der Fortpflanzungsfähigkeit
  • Geringere Wirksamkeit von Impfungen bei Kindern

Hinzu kommt, dass diese Schadstoffe praktisch unzerstörbar sind – im Englischen auch als „forever chemicals“ bezeichnet: sie werden in der Natur nicht abgebaut und reichert sich im biologischen Gewebe an. Zugleich sind sie meistens sehr mobil und daher weltweit allgegenwärtig. Diese Chemikalie findet man in

  • Fischen
  • Meerestieren
  • Wildtieren
  • Milch und zahlreichen anderen Lebensmitteln
  • in menschlichem Blut und Muttermilch

Die globale Verteilung zeigt sich unter anderem darin, dass PFOS auch in der Leber von Eisbären gefunden wurde – um bis zu 4000-fach angereichert in Vergleich zur Konzentration in der Umwelt.

Teufel und Belzebuben

PFAS umfassen etwa 4700 Substanzen (Quelle: Österr. Umweltbundesamt). Aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften werden sie seit langer Zeit in vielen Industriebereichen und auch im Haushalt weit verbreitet eingesetzt. Sie sind Bestandteile von

  • Regenmänteln und Schirmen
  • Outdoor-Kleidung und anderen fleck- und wasserabweisenden Materialien ("Goretex")
  • Beschichteten Küchengeräten wie Bratpfannen ("Teflon")
  • Aufbewahrungsbehältern, etwa Fast-Food-Verpackungen

2013 stellte DuPont die Produktion und Nutzung von PFOA ein, alle anderen Fluorpolymerhersteller verpflichteten sich freiwillig, das bis 2015 ebenfalls zu tun. Bei vielen anderen PFAS wurde aber bereits nachgewiesen, dass sie genauso schädlich wie PFOA sind, und bei anderen gibt es dafür bereits einige Hinweise. Man geht inzwischen davon aus, dass die gesamte Gruppe des PFAS problematisch ist.

Was machen die Behörden?

Für PFOS (2009) und PFOA (2017, gültig ab 2020) wurde in der EU weitgehende Beschränkungen festgelegt. Es sind seitdem nur mehr geringe Konzentrationen in Produkten erlaubt, ebenso gibt es ein paar Ausnahmen für Spezialanwendungen.
Diese beiden Chemikalien zählen seit 2019 auch zu den problematischsten globalen Umweltschadstoffen, den sogenannten langlebigen organischen Schadstoffen (POPs = Persistent Organic Pollutants). Diese Stoffe haben alle eines gemeinsam: Sie sind schwer abbaubar, reichern sich in der Nahrungskette an und haben unerwünschte Wirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt. Daher hat sich im Mai 2001 die internationale Staatengemeinschaft im Stockholmer Übereinkommen darauf verständigt, POPs zu verbieten – dies geschieht meist mit Übergangsfristen, manchmal unter Einführung sehr niedriger Grenzwerte und oft auch mit Ausnahmen für bestimmte Anwendungen. Die Liste der POPs besteht zurzeit (2022) aus 36 Chemikalien bzw. Chemikaliengruppen, die in Pestizide, Industriechemikalien und 7 Chemikalien, die unbeabsichtigte entstehen können, eingeteilt werden.

PFOA und einige andere PFAS wurden bereits vor einigen Jahren gemäß der Chemikaliengesetzgebung REACH als besonders besorgniserregende Chemikalien (SVHCs) identifiziert. SVHCs – zurzeit etwas mehr als 200 - sind Kandidaten für die verpflichtende Zulassung und weitere Beschränkungen. 

In der Europäischen Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit (CSS) vom Oktober 2020 wurde als ein Ziel ein möglichst umfassendes Verbot von PFAS genannt. Diese Chemikalien scheinen auch in der sogenannten "Restriction Roadmap" vom April 2022 prominent auf - dem Fahrplan der EU zu den künftigen Verboten und Beschränkungen von Chemikalien.

Fünf EU-Mitgliedsstaaten haben vor, mit Anfang 2023 den Vorschlag eines umfassenden Verbot für PFAS einzureichen.
Official start to ban PFAS in Europe | RIVM
Wie umfassend und wann eine künftige Regelung eingeführt werden wird, ist aus heutiger Sicht aber noch unklar.

Tipps für KonsumentInnen

Achten Sie bei Outdoor-Bekleidung darauf, dass sie „fluorfrei“ bzw. „PFC-frei“ imprägniert wurde.
Ein Vergleich von 8 2-Lagen Funktionsjacken ohne Fluor-Ausrüstung findet sich im Heft 10/2020 des Konsument.

Die Innenbeschichtung von Einweggeschirr, Fast-Food-Verpackungen und Tiefkühlkartons kann PFAS enthalten.
Daher: Verwenden Sie auch aus diesem Grund statt Einwegbechern Ihren eigenen wiederbefüllbaren Mehrwegbecher, oder kaufen Sie Getränke zum Mitnehmen nur dort, wo es Mehrweg-Pfandbecher gibt.

Für besonders besorgniserregende Chemikalien, die sogenannten SVHCs, gilt eine Auskunftspflicht von Herstellern über ihren Gehalt in bestimmten Konsumprodukten. Um die Anfrage von KonsumentInnen zu erleichtern, wurde die App Scan4Chem entwickelt.
Nähere Informationen finden Sie dazu unter www.scan4chem.at.

Interessante Informationen sind auch in folgender Broschüre des deutschen Umweltbundesamtes zu finden: Schwerpunkt 1-2020: PFAS. Gekommen, um zu bleiben.

Weiterführende Links zu den Chemikalien

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