Reichweitenangst und Akku-Mythen
Akkus von E-Autos zeigen im Langzeit-Test, dass sie weit besser sind als ihr Ruf. Diese Daten könnten Auswirkungen auf den Gebrauchtwagenmarkt haben.
Im KONSUMENT-Magazin und -Blog schreibe ich über Themen im weiten Feld der Nachhaltigkeit. Die Kolumne nennt sich ÖKO.LOGISCH.
Markus Stingl, Redakteur
Wie lange kann sich Österreich rein rechnerisch mit Energie versorgen? Sind es:
a.) 11
b.) 8 oder
c.) 5 Monate?
Wenn Sie auf c.) getippt haben, liegen Sie richtig. Ab 31. Mai leben wir hierzulande auf Pump, müssen also fossile Energie teuer im Ausland einkaufen, rechnet die Österreichische Energieagentur vor. Ein großer Energiefresser ist die Mobilität. Wäre sie stärker elektrifiziert, könnten wir die Abhängigkeiten deutlich reduzieren.
Reichweite zentrales Thema
Die Zulassungszahlen von E-Autos haben zuletzt angezogen. Aber getragen wird der Trend immer noch von Dienstwägen. Privat ist man noch zurückhaltend. Warum?
Vor allem die Reichweiten sind das zentrale Thema. Auch wenn 80 bis 90 Prozent der Alltagsfahrten kürzer als 50 km sind – die 500 km Urlaubsfahrt, die man vielleicht zweimal im Jahr absolviert, muss der Stromer trotzdem durchhalten. Viele Modelle schaffen das ja auch tatsächlich schon.
E-Mobilität im Faktencheck
Im persönlichen Gespräch hört man bisweilen aber auch folgende Bedenken: „Ich würde ja durchaus auf ein E-Auto umsteigen wollen – aber bekomm´ ich dann überhaupt noch etwas dafür, wenn ich es in ein paar Jahren verkaufen möchte? Die Akkus lassen ja schnell stark nach.“
Horrorgeschichten von Reichweiten, die nach ein paar Jahren im Keller sind, halten sich hartnäckig. Der ÖAMTC kann mit aufschlussreichen Daten gegenhalten:
Zwischen 2019 und 2025 wurden an Stützpunkten des Autofahrerclubs rund 1.200 E-Auto-Akkus verschiedenster Hersteller ausgewertet. Die sehr erfreuliche Erkenntnis: Im Durchschnitt haben selbst Akkus mit 160.000 km Laufleistung noch rund 85 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität, bei 60.000 km sind es 90 Prozent. Der Leistungsabfall flacht mit der Zeit eher ab, plötzliche Verluste bei höheren Laufleistungen seien also nicht zu erwarten.
Es zeigte sich freilich auch, berichtet der ÖAMTC, dass einige wenige Fahrzeuge schon bei rund 50.000 km auf 70 Prozent der ursprünglichen Leistung runter sind. Das seien allerdings Garantiefälle. Umso wichtiger: regelmäßige Batterie-Checks.
Die Angst, dass ein gebrauchter Stromer zum privaten Ladenhüter wird, weil er einen lahmen Akku hat, ist also unbegründet. Zudem schreitet die Akku-Technik rasch voran. Längere Reichweiten und noch längere Lebensdauer stehen ante portas.
Tipps: E-Auto gebraucht kaufen
Beim Kauf eines gebrauchten E-Autos empfiehlt der ÖAMTC, neben den üblichen Gebrauchtwagen-Checks, auf folgende Punkte zu achten:
- Die Akku-Technik hat in den vergangenen Jahren große Sprünge gemacht. Deshalb lieber Hände weg von E-Autos, die älter als acht Jahre sind. Zudem beträgt die übliche Akku-Garantie ebenfalls acht Jahre (bzw. rund 160.000 km).
- Vorab Zustand der Batterie checken lassen (Akku-Diagnose z. B. beim Autofahrerclub)
- Welcher Anschluss? Autos mit einem sogenannten CHAdeMO-Schnellladeanschluss müssen nachgerüstet werden, da dieser Standard ausläuft. Ein wertiger Adapter (auf CCS) kostet schon mal 1.000 Euro.

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