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Modell der Anatomie eines Auges
Prophylaxe ist wichtig! Der neueste Stand bei Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten von Augenerkrankungen. Bild: orthoptik austria

Besser Sehen: Sehkraft erhalten

Die Augen sind eines unserer wichtigsten Sinnesorgane. Wir brauchen sie ein Leben lang. Daher ist es wichtig, ihre Sehkraft bis ins hohe Alter zu erhalten.

Augen auf und durch

Augenvorsorge sollte des­wegen schon in den ersten Lebensjahren beginnen, um später Einschränkungen und gesundheitliche Probleme zu verhindern. Von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird zum Beispiel ab dem 40. Lebensjahr ein Mal pro Jahr eine Augenuntersuchung empfohlen.

Ein Sehtest allein reicht jedoch nicht aus. Denn nur durch gesamtheitliche, augenfachärztliche Kontrolluntersuchungen werden Erkrankungen wie zum Beispiel Schäden an der Netzhaut früh entdeckt, die in weiterer Folge vielleicht zu einer Sehverschlechterung oder Erblindung führen können.

Gesundheitsvorsorge ist weiblich

Drei Viertel der österreichischen Bevölkerung ab dem 15. Lebensjahr waren im Zeitraum von zwölf Monaten bei zumindest ­einem Facharzt oder einer Fachärztin. Das ergab die Gesundheitsbefragung 2019 der Statistik Austria. Frauen nahmen wesentlich häufiger als Männer fachärztliche Behandlungen in Anspruch (84,5 gegenüber 64,2 Prozent), was sich zu einem großen Teil aus dem Bedarf an gynäkologischer Versorgung in der reproduktiven Phase ­erklären lässt.

Jede zweite Frau suchte im Jahr vor der Befragung einen Gynäkologen oder eine Gynäkologin auf, bei den Frauen im Alter von 15 bis 44 Jahren waren es sogar 68 Prozent. Rund ein Drittel der Befragten konsultierte im Jahr vor der Befragung einen Augenarzt oder eine Augenärztin; jeweils kleinere Teile der Befragten besuchten in dem Zeitraum eine Ordination für Haut­erkrankungen, innere Medizin, Orthopädie, Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen, Urologie und Neurologie.

Volkskrankheit Fehlsichtigkeit

Über 70 Prozent der Menschen in Österreich tragen zu irgendeiner Zeit ihres Lebens eine Brille, da sie kurz- oder weitsichtig sind oder sie bei der Arbeit oder beim Sport brauchen. Steigender Beliebtheit in der ­Bevölkerung erfreuen sich seit Jahren auch die Kontaktlinsen.

Rund acht Prozent der 15- bis 29-Jährigen und rund neun Prozent der 30- bis 44-Jährigen hatten trotz Sehhilfe zumindest einige Schwierigkeiten beim Sehen, so die Gesundheitsbefragung 2019. Bei den 45- bis 59-Jäh­rigen stieg die Häufigkeit der Personen mit Sehproblemen deutlich an (16,7 Prozent), wobei die Zunahme von Sehbeeinträchtigten im Zusammenhang mit dem Einsetzen der Altersweitsichtigkeit zu betrachten ist. Am häufigsten waren Personen ab 75 Jahren betroffen. Sehhilfen wie Kontaktlinsen oder Brillen können bereits Kinder tragen. Diese sind auch notwendig. Denn zwischen dem sechsten und zwölften Lebensjahr schreitet die Sehentwicklung voran. Danach können Defizite nicht mehr ausgeglichen werden.

Schatten im Blickfeld

Nicht nur die Sehentwicklung – auch Erkrankungen können sich auf die Augen negativ auswirken. Eine davon ist die Netzhautablösung oder -abhebung, die meist nach einem Netz­hautriss in einem äußeren Teil der Netzhaut beginnt und sich rasch auf das gesamte Auge ausweiten kann. Warnsignale für eine beginnende Netzhautablösung sind Blitze, Rußregen oder dunkle Schatten im Gesichtsfeld. Betroffene berichten sogar von Gesichtsfeldausfällen. Bei Menschen mit einer starken Kurzsichtigkeit besteht ein erhöhtes Risiko für eine Netzhautab­lösung. Auch Tumore oder Entzündungen können sie begünstigen.

Eine Netzhautablösung kann nur durch ­eine Operation in einem Krankenhaus behandelt werden, wo die Patientinnen und Patienten danach noch ein paar Tage zur Beobachtung bleiben müssen. In der ersten Woche danach sollen sie sich aber schonen; dürfen weder schwere Gegenstände heben noch lesen und sollen ruckartige Bewegungen vermeiden, damit sich die Netzhaut nicht wieder löst und kein erneuter Eingriff notwendig ist. Denn bei rund einem Viertel der Fälle kann sich die Netzhaut erneut ­lösen, warnt Erdem Ergun, Facharzt für ­Augenheilkunde und Netzhautspezialist in Wien. Der Genesungsprozess erfordert von den Betroffenen viel Geduld. Es kann oft Monate bis Jahre dauern, bis sich die Rezeptoren auf der Netzhaut wieder erholen oder nachbilden. Eine Funktionseinschränkung kann von geringfügigem bis zu vollkommenem Verlust der Sehkraft reichen. Letzteres sei aber selten der Fall, so Ergun.

Was unter die Netzhaut geht

In den vergangenen 30 Jahren hat sich im Bereich der Augenheilkunde viel getan – vor allem bei der Diagnostik und Therapie, was vielen Menschen neue Hoffnung gibt.

Eine der Erkrankungen ist die erblich bedingte Netzhautdegeneration, die Retinitis pigmentosa (RP), die bereits ab dem 15. Lebens­jahr auftreten kann. Sie führt zu einer krankhaften Veränderung der Netzhaut und kann schlimmstenfalls auch zur Erblindung führen, da die Netzhautzellen absterben. Die Behandlung der Retinitis pigmentosa ist heute nicht nur einfach, sondern auch hoch wirksam: Mit einer feinen Nadel injiziert der Augenfacharzt genetisch veränderte Viren entweder in den Glaskörper oder unter die Netzhaut. Diese sollen ein im Auge fehlendes Protein entwickeln. Dadurch wird der Verlauf der Erkrankung verzögert und die Sehleistung verbessert.

 

Lichtblicke bringen Hoffnung

Regelmäßig für Aufsehen sorgen Berichte in den Medien über Netzhaut-Implantate, die blinden Menschen das Augenlicht zurückgeben. Damit können sie zwar (noch) nicht scharf sehen, jedoch zumindest Licht von Schatten unterscheiden, was ihnen bei der Orientierung im Alltag enorm weiterhilft – zum Beispiel, wenn sie etwa die Straße über­queren wollen und dabei ein herannahendes Auto erkennen sollen. Bei dieser neuartigen Methode werden unter die Netzhaut des Auges Elektrodenchips implementiert, die die noch verbliebenen Nervenzellen aktivieren sollen. Über eine Brille gelangen die Impulse zu den Chips. Die Auflösung soll weit besser sein als bisher, versprechen französische Forscher.

Auch bei der trockenen Form der alters­bedingten Makuladegeneration (AMD) gibt es vielversprechende Ansätze: So soll noch Ende 2022 ein Medikament zugelassen werden, mit dem Defekte in den Netzhautzellen behandelt werden können.

Früherkennung beim Augenarzt

Die häufigsten Ursachen für Sehbeeinträchtigung und Erblindung im Alter sind die ­altersbedingte Makuladegeneration (AMD), das den Sehnerv schädigende Glaukom – auch als grüner Star bekannt – sowie die diabetische Retinopathie. Altersbedingte und chronische Augenerkrankungen treten meist ab dem 50. Lebensjahr auf und werden künftig aufgrund der demographischen Entwicklung und der steigenden Lebens­erwartung weiter zunehmen.

"Da die Sym­ptome oftmals erst eintreten, wenn bereits irreversible Schäden entstanden sind, ist vor allem die Früherkennung durch eine jährliche augenärztliche Kontrolle so wichtig", sagt Dr. Helga Azem, Vorsitzende der Bundesfachgruppe für Augenheilkunde der Österreichischen Ärztekammer und Vorsitzende der Vereinigung der Österreichischen Augenärztinnen und Augenärzte. "Konnten wir diese Erkrankungen bis vor einigen ­Jahren noch kaum behandeln, so sind sie aufgrund der wissenschaftlichen Fortschritte inzwischen gut therapierbar."

Die Dioptrie

Die Dioptrie (dpt) ist die Einheit, in der der Brechwert eines optischen Systems angegeben wird. Sie errechnet sich nach der Formel D = 1/f, wobei f die Brennweite bezeichnet, also die Entfernung hinter dem Linsenmittelpunkt, wo parallel zur optischen Achse einfallende Lichtstrahlen, die das optische System passieren, in einem Punkt (Brennpunkt) zusammenlaufen. Fallen zum Beispiel die Lichtstrahlen durch eine Sammellinse und treffen sich nach 0,5 Metern in einem Punkt, dann hat die Linse eine Brechkraft von zwei Dioptrien (1/0,5 m = 2 dpt). Sammellinsen haben einen positiven Brechwert, Zerstreuungslinsen einen negativen.

Buch: "Besser Sehen"

KONSUMENT-Buch "Besser Sehen"
Bild: VKI

Das Buch bietet einen Überblick über die Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten von Augenerkrankungen und möchte ein Bewusstsein für die Notwendigkeit einer ordentlichen Prophylaxe schaffen. Unabhängig und objektiv informiert es über den neuesten Stand der Augenmedizin, die in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht hat. Entstanden mit fachlicher Unterstützung der Vereinigung Österreichischer Augenärzte (VÖA), der Innung der OptikermeisterInnen in der Wirtschaftskammer Österreich und des Berufsverbandes Orthoptik Austria.

Leseprobe und Buch finden Sie in unserem Shop.

Sie können das Buch auch bestellen unter Tel. 01 588 774 | Fax 01 588 77-72 oder kundenservice@konsument.at

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