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Zum Neujahr - Vorsatz und Rückfall

 

Ein Mensch, der an sich und an die Zukunft glaubt, faßt zu Neujahr einen guten Vorsatz ins Auge. Nur Zyniker, die schon jede Hoffnung haben fahren lassen, versagen sich selbst diese harmlose Geste.

Harmlose Geste deshalb, weil eines nicht von der Hand zu weisen ist: Hätten alle, die schon einmal im neuen Jahr mit dem Rauchen aufhören wollten, tatsächlich aufgehört, wäre die Zigarette kaum mehr weiter verbreitet als der Kautabak. Und die Tabakwerke wären auf eine kleine Handwuzelfirma gesundgeschrumpft.

Wären gar alle Neujahrsvorsätze der vergangenen 20 Jahre verwirklicht worden, hätten Askese, Vernunft und Wohlverhalten dermaßen um sich gegriffen, daß Österreich nicht mehr wiederzuerkennen wäre. Trotz zahlloser Pannen ist der Neujahrsvorsatz eine Labsal für die Seele. Man spürt, wie einen die Entschlußkraft durchströmt, man nimmt sein Schicksal in die Hand und ist nicht mehr Spielball seiner Gewohnheiten. Der Vorsatz ist schon die halbe gute Tat.

Bei der Ausführung kann es problematisch werden, denn der Vorsatz geht Hand in Hand mit einem häßlichen Bruder: dem Rückfall. Erfahrene Neujahrsvorsätzlinge lassen sich deshalb ein kleines Augenzwinkern offen.
Bedauernswert sind die Überschwenglichen. Sie schreien Ihren Vorsatz in die Welt hinaus, betonieren sich mit Wetten ein und haben im Rückfallsfall zum Spott auch noch den Schaden.

Noch bedauernswerter sind jene, die ihr Laster vor dem Aufhören auf die Spitze treiben. Etwa Raucher, die am Silvesterabend noch inhalieren wie die Staubsauger. Nicht selten in der heimlichen Hoffnung, daß ihnen nach der Überdosis so grausen wird, daß ihr Vorsatz wenigstens den Neujahrstag überlebt.

Und dann gibt es noch die Standfesten, die ihren Neujahrsvorsatz wirklich halten. Giganten der Willensstärke, charakterliche Felsen in einem Meer von Schwäche. Bewundernswert!

Allen anderen zum Trost: Man kommt mit seinen guten Vorsätzen länger aus, wenn man sie mehrmals verwendet.

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