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SimpliTV - Alles simpli, oder was?

, aktualisiert am

Die Einführung von DVB-T2 bringt mit HD sichtbare ­Vorteile. Sie sorgt wegen notwendiger Neuanschaffungen aber auch für Unmut. Wir sagen, was ­dahintersteckt.

Die einen feiern es als enormen technischen Fortschritt, die anderen wittern darin ein Parade­beispiel für geplante Obsoleszenz: die bevorstehende Einstellung des erdgebun­denen Antennenfernsehens DVB-T nach einer Lebenszeit von 10 Jahren. Für diese TV-­Empfangsart angeschafftes Equipment muss entsorgt, neues für den Nachfolgestandard DVB-T2 angeschafft werden. Mehr als jeder 20. Haushalt in Österreich ist betroffen.

DVB-T2: Fortschritt oder "Geld-Druckmaschine"?

Das freut verständlicherweise nicht jeden, wurden doch in der Vergangenheit schätzungsweise 600.000 Settop-Boxen für das alte DVB-T gekauft, dessen Einführung auch mit 40 Millionen Euro aus dem Digitalisierungsfonds gefördert worden war. Und das soll jetzt alles unbrauchbar werden? Ja.

Reine Willkür, nur eine "Geld-Druckmaschine" für den ORF (wie in Forenbeiträgen zu lesen war) ohne erkennbaren Nutzen für den ­Konsumenten? Nein. Sehen wir genauer hin.

Lesen Sie außerdem unseren SimpliTV im Kurztest - Antennen-Fernsehen mit hoher Bildqualität (HD).

SimpliTV-Senderangebot:

SimpliTV: Senderbelegung

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SimpliTV: Senderbelegung

Neu: simpliTV + Internetzugang

Sende­frequenzen: Europäische Vorgaben

Die Einführung von DVB-T2 erfolgt – so wie die Abschaltung von DVB-T zwecks Bereitstellung der frei werdenden Frequenzen für den Mobilfunk – auf Basis gesamteuropäischer Vorgaben. Zu diesen Vorgaben gehört auch, dass Lizenzen für die Nutzung von Sende­frequenzen jeweils für 10 Jahre ver­geben werden.

Hierzulande ist die Österreichische Rundfunksender GmbH & Co KG (ORS) feder­führend. Sie errichtet und unterhält – unter ­anderem – die Sendeanlagen des ORF und ist zu 60 Prozent in dessen Besitz; den Rest hält die Raiffeisengruppe. Die ORS-Tochter simpli services GmbH & Co KG vertreibt das Produkt DVB-T2 unter dem ­Namen "simpliTV". ORS und ­simpli sind ­eigenständig handelnde Rechtspersönlichkeiten mit kommerziellen Interessen, die "Mutter ORF" also "nur" ­eine solche. Das zu wissen lohnt, wenn es um die Verteilung von Lob und Tadel geht.

Internetzugang, mehr Sender, höhere Auflösung

Mit simpliTV steht erstmals auch jenen ­Haushalten, die ihre Fernsehprogramme ­primär per Antenne empfangen, TV in hoch­auf­lösender Qualität (HDTV) zur Verfügung. Das sind laut letztem "Kommunikations­bericht 2014" (herausgegeben von der Rundfunk & Telekom Regulierungs-GmbH, RTR) immerhin 210.000 Haushalte oder 6 Prozent der Fernsehzuschauer (Tendenz leicht rück­läufig).

Zweiter Pluspunkt: Die deutliche Vergrößerung der Senderauswahl. Mit DVB-T2 stehen rund 40 Programme zur Wahl, rund ein ­Viertel davon in HD-Qualität.

Dritter Pluspunkt: Das Angebot von simpliTV wird – in Zusammenarbeit mit dem Mobilfunkanbieter 3 – um die Option eines Internetzugangs erweitert (inklusive mobile Streaminglösung).

Verschlüsselung, Registrierung, Sender-Abos

Was vielen weniger gefällt

Auch das sind drei Aspekte:

  • Die Grundverschlüsselung der ausgestrahlten Sender.
  • Die faktische Notwendigkeit, sich registrieren zu müssen.
  • Die teilweise verwirrende Darstellung von Senderangebot und Kosten auf der Web­site des Anbieters (www.simplitv.at).

Verschlüsselung kann Aufnahmen verhindern

Grundverschlüsselung bedeutet in der ­Praxis, dass sich die Sender das Durchgriffsrecht auf die von ihnen ausgestrahlten ­Sendungen vorbehalten. Damit können sie beispiels­weise verhindern, dass Sendungen aufgenommen werden oder beim Timeshift (Pausen­schaltung) die Werbung übersprungen werden kann. Davon machen einige ­Sender im ­simpliTV-Programmbouquet durchaus Gebrauch (nicht der ORF).

Kein Empfang über Grenze hinaus

Auch Empfänger in den Nachbarstaaten ­werden mit der Grundverschlüsselung vom Empfang etwa des ORF ausgeschlossen, da das dafür benötigte Equipment dort nicht verwendet werden darf. In Zeiten, in denen Grenzfragen brandaktuell sind, wird damit (auch) ein medialer Zaun errichtet.

Begründet wird dies von der ORS mit lizenzrechtlichen Zwängen, welche die Ausstrahlung über die Grenze nicht erlaubten. Dass die deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (ARD, ZDF) sowie auch private Sender mit der freien Satelliten-Ausstrahlung ­ihrer HD-Programme nach Österreich kein Problem zu haben scheinen, wird damit ­erklärt, dass sie aufgrund des größeren Marktes in einer besseren Verhandlungs­position seien, aber auch mehr für die Lizenzen bezahlten.

Registrierung notwendig

Während bislang im alten DVB-T 15 Programme ohne Registrierung empfangen werden konnten, sinkt deren Zahl mit dem Umstieg auf zwei: ORF eins und ORF 2 plus – je nach Wohnort – ein oder zwei Regionalsender. Wer kosten­los mehr will (10 Programme, inkl. ORF in HD), muss sich registrieren – was daten­sensiblen Zeitgenossen nicht gefallen mag. Zumal beispielsweise schwer nachvollziehbar ist, warum dabei neben den üblichen Adressangaben und dem Geburtsdatum selbst die Mobilfunknummer zwingend preisgegeben werden muss.

Ursprünglich offener Zugang geplant

Grundverschlüsselung und De-facto-Regis­trierungspflicht waren so eigentlich bei der Ausschreibung für die Betriebsgenehmigung zu DVB-T2 gar nicht vorgesehen. Ganz im Gegenteil – hieß es in den von der Kommu­nikationsbehörde Austria (KommAustria) definierten Ausschreibungsbedingungen doch: "... dass Bewerbungen zukünftiger Netz­betreiber konsumentenfreundliche und marktoffene Betriebskonzepte enthalten sollten. Dazu zählt insbesondere ein hürdenfreier Empfang der DVB-T2-Signale ohne Grundverschlüsselung, Zugangsberechtigungssystem oder auch 'bloßer' Registrierungszwang.“

Da hatte die Behörde die Rechnung wohl ohne die Bewerber gemacht. Es gab aber ohnehin nur einen: die ORS-Tochterfirma ORS comm GmbH & Co KG.

Verschlüsselung ab 150.000 registrierten Nutzern

Die Behörde will jetzt nach Erteilung der Betriebs­genehmigung "jedoch im Zwei­jahres-Rhythmus die Nutzerakzeptanz der Grundverschlüsselung überprüfen und deren Fortsetzung grundsätzlich nur dann genehmigen, wenn die ORS mehr als 150.000 registrierte Nutzer nachweist". Ob darin ein Grund für die neue, rigorose Registrierungspolitik von simpliTV liegen mag? Oder ist es doch nur das Lechzen nach Kundendaten, um über weitergehende Angebote "informieren" zu können?

Was braucht man für den Empfang?

Was braucht man für den Empfang?

  • Ist im Haushalt bereits ein DVB-T2-fähiges Fernsehgerät (nicht DVB-T) mit einem CI+ Steckplatz vorhanden: das CI+ Modul.
  • Andernfalls die Settop-Box plus ein HDMI-Kabel. Es ist aber auch ein analoger Anschluss (3,5 mm Klinke) vorhanden.
  • In beiden Fällen eine Antenne dazu – es sei denn, es ist bereits eine DVB-T-­Antenne (oder eine vom "alten" analogen TV) ­vorhanden. Diese kann weiter benutzt ­werden.
  • Für die Internet-Option einen WLAN-­Router.

Freischalt- und Abogebühr

Wer das erweiterte Abo-Programmangebot von zusätzlichen 30 Sendern (zu den mit Registrierung kostenlos erhältlichen 10) nutzen möchte, erlegt dafür 10 Euro monatlich oder 110 Euro bei jährlicher Zahlung. Zusätzlich wird bei Abschluss eines Abos eine einmalige Freischaltgebühr in Höhe von 35 Euro fällig.

Gerätepreise: Mit Bindungsfrist billiger

Was die Hardware betrifft: Orientiert man sich an der Website von simpliTV (Stand 23.2.2016), würde der HD-Receiver (die Settop-Box) ohne Vertragsbindung 60 Euro ­kosten, die Empfangsvariante via CI+ Modul 50 Euro und eine Antenne 20 Euro (bei Kauf im Set; sonst 29,90 Euro), der WLAN-Router für die Internet-Option 80 Euro. Mit zwölfmonatiger Abo-Bindungsfrist würden sich die Preis auf 30 / 15 / 15 / 40 Euro reduzieren.

Einführungsangebote noch günstiger

"Würde" deshalb, weil es sechs Wochen vor Umstellung eine entsprechende Aktion geben wird: 24,90 Euro für die Settop-Box, 9,90 Euro für das CI+ Modul und 20 Euro für die Antenne (im Set). Ohne Abo-Vertrag, aber mit Registrierungspflicht. Das entspricht ­einer Ersparnis von rund 60 Prozent bei der Settop-Box und rund 84 Prozent beim CI+ Modul!

Leider findet sich auf der Website von simpli­TV kein entsprechender Hinweis. Wer also jetzt schon im Rahmen des Neukaufs eines TV-Gerätes simpliTV dazunehmen wollte, gäbe unnötig Geld aus. Abwarten ist ratsam!

Wann findet die Umstellung statt?

Wann findet die Umstellung statt?

  • Die Kärntner, Steirer und Südburgenländer haben die Umstellung schon (großteils) hinter sich.
  • 19.4.2016: In Oberösterreich und Salzburg wird ein Teil der Programme auf DVB-T2 umgestellt: ORF III, ORF Sport+, 3Sat, Puls 4, Servus TV und ATV.
  • 2017: In allen genannten Bundesländern erfolgt auch die Umstellung von ORF eins und ORF 2 auf den neuen Standard.
  • 27.10.2016: In Wien, Niederösterreich und im Nordburgenland wird das gesamte ­Programmangebot „auf einen Schlag“ ­umgestellt.

Übrigens: Die Betriebsgenehmigung für DVB-T2 läuft – wie eingangs erwähnt – 10 Jahre, also bis 2026. Man darf gespannt sein, was dann kommt.

Plus und Minus

Innovation: Das neue DVB-T2 stellt mit ­simpliTV ein quantitativ deutlich erweitertes Senderangebot bereit, qualitativ stößt man damit teilweise in die Welt des hochauf­lösenden Fernsehens (HDTV) vor.

Preis: Der Preis ist bei Nutzung des kostenlosen Paketes (mit Registrierung) sehr gut und entspricht etwa jenem einer billigen Satellitenanlage mit Selbstinstallation (umfangreichere Verkabelung und Blitzschutz nicht eingerechnet). Bei Nutzung des Abos mit 30 weiteren Sendern kann die Sat-Anlage hingegen billiger kommen und sie umfasst ein noch größeres Senderangebot. Zusätzliche simpliTV-Abos für weitere Ge­räte im gleichen Haushalt kosten übrigens 4 Euro pro Monat. Mit Kabel-TV kann der Preis mithalten oder er ist sogar günstiger. Preisaktion zur Umstellung abwarten!

Benutzerfreundlichkeit: Sie ist in hohem Maß gegeben. Die Inbetriebnahme verläuft problemlos.

Restriktionen: Liegen in der Grundverschlüsselung und der De-facto-Notwendigkeit zur Registrierung inklusive Preisgabe per­sönlicher Daten. Letzteres ist allerdings auch beim Kabel-TV der Fall und beim Satelliten-TV, wenn man die ORF-Programme empfangen möchte.

Leserreaktionen

Protest gegen Abschaltung von DVB-T

Möchte hier auch im Namen vieler Fernsehteilnehmer meinen großen Unmut bekanntgeben! Vor etwa 10 Jahren wurde von analog- auf digital-DVB-T umgestellt – gut! Man kaufte sich ein Modem/DVB-T-Box. Oder noch besser gleich ein TV-Gerät mit eingebautem DVB-T-Tuner. Praktisch – kein Zusatzgerät, keine zweite Fernbedienung.

Nun wird wieder umgestellt! Die Fernseher mit eingebautem DVB-T-Tuner sind unbrauchbar bzw. man muss wieder ein Zusatz-Kastl kaufen und herumstehen haben! Für einen FS-Konsumenten der DVB-T verwendet – und für viele ausreichend ist! – nicht verständlich. Neuerliche Kosten und Komfortverlust, ja, HD, mehr Sender – gegen zusätzliche Gebühr zur ORF-Gebühr usw.

Also ich protestiere gegen die Abschaltung des DVB-T-Signals!

Peter Aigelsreiter
Wien
(aus KONSUMENT 7/2016)

KONSUMENT hat in den Artikeln SimpliTV 4/2016 und SimpliTV 6/2016 über Hintergründe und die technischen Voraussetzungen der Umstellung berichtet.

Die Redaktion

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