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Medikamente und Sonne - Lichtempfindlichkeit kann steigen

Lichtempfindlichkeit durch Medikamente. Medikamente können die Haut gegen UV-Strahlung empfindlich machen. Wir sagen Ihnen, bei welchen Mitteln Vorsicht geboten ist.

Medikamente und Sonne: Lichtempfindlichkeit kann steigen. (Bild: ESB-Professional/Shuttertock.com)

Im Sommerhalbjahr steigt die Intensität der UV-Strahlung. Selbst im Schatten oder bei bewölktem Himmel ist sie relativ hoch. Deshalb sollten wir im Freien immer auf aus­reichenden Sonnenschutz achten. Ganz besonders gilt das, wenn wir bestimmte Medikamente einnehmen müssen, die ­unsere Haut sensibler gegen UV-Strahlung machen. Bereits ein kurzer Aufenthalt in der prallen Sonne kann zu Hautverände­rungen, etwa Sonnenbrand, Schuppenbildung, Ödemen oder Blasenbildung, führen. Dabei ist es unerheblich, ob die Arznei in Form von Tabletten oder Kapseln eingenommen wird und sich über das Blut im ganzen Körper verteilt oder ob sie lokal, etwa in Form einer Salbe, aufgetragen wird.

Vorsicht: photosensibilisierende Wirkung

Wer Medikamente einnimmt oder anwendet, die eine photosensibilisierende Wirkung haben, sollte auf Sonnenbäder und Solarienbesuche verzichten und auch die besonders intensive Sonneneinstrahlung zur Mittagszeit zwischen 11 und 15 Uhr meiden. Begibt man sich während dieser Zeit ins Freie, sollte man Kleidung tragen, die möglichst viel Haut bedeckt, sowie eine Kopfbedeckung. Alle unbedeckten Hautbereiche (auch die Lippen) sollten mit einem Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor eingecremt werden. 

Schmerzen und Entzündungen 

Sogenannte nichtsteroidale Antirheuma­tika wie Naproxen, Ketoprofen, Diclofenac, Ibuprofen Piroxicam und Celecoxib lösen nur selten sonnenbedingte Hautreaktionen aus. Da diese Mittel aber sehr häufig ein­genommen werden, treten dennoch immer wieder Fälle auf. Gleiches gilt für Mesalazin, ein entzündungshemmendes Mittel zur ­Behandlung chronisch entzündlicher Darm­erkrankungen.

Auch Schmerzgele oder ­-cremen zur äußerlichen Anwendung, die Diclofenac, Ketoprofen oder Ibuprofen enthalten, sind bekannt dafür, dass sie die Haut photosensibler machen. Die Mittel kommen vor allem bei Arthrose, Gelenkbeschwerden oder Sportverletzungen zum Einsatz. Die mitunter heftigen Hautreak­tionen treten oft erst nach einigen Tagen auf. Deshalb sollte man darauf achten, die behandelten Hautareale im Freien abzu­decken. Da die Haut auch nach dem Ende der Behandlung noch einige Zeit lichtempfindlicher bleibt, sollte der Sonnenschutz noch ein bis zwei Wochen lang eingehalten werden.

Lichtbedingte Reak­tionen

Antibiotika und Antimykotika 

Auch bei zahlreichen antibiotisch wirk­sa­men Substanzen sind lichtbedingte Reak­tionen bekannt. Besonders häufig treten sie nach der Einnahme von Medikamenten mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Tetrazykline (Doxycyclin, Oxytetracyclin, Tetracyclin, Minocyclin) auf. Werden derartige Medikamente eingenommen, sollte man sich möglichst wenig in der Sonne aufhalten und, wenn man sich ins Freie begibt, die Haut und auch die Nägel vor Sonnen­einstrahlung schützen.

Tut man dies nicht, kann es zu Nagelablösungen und Nagelverfärbungen kommen. Auch nach der Anwendung von Chinolonen (Ciprofloxacin, Ofloxacin), Sulfonamiden (Sulfamethoxazol/Trimethoprim, Sulfasalazin) oder Mitteln gegen Haut- und Nagelpilze, etwa Keto­conazol, Itraconazol und Terbinafin, sind phototoxische Reaktionen bekannt. 

Herz-Kreislauf-Präparate 

Diuretika, auch als Wassertabletten bekannt, werden oft bei Bluthochdruck oder Herzschwäche verordnet. Bekannte Wirkstoffe sind Furosemid, Torasemid Chlor­talidon, Hydrochlorothiazid, Indapamid, Xipamid, Spironolacton und Triamteren. Einige dieser Verbindungen sind häufige Bestandteile von Kombinationspräparaten, die sich aus mehreren Wirkstoffen zusammensetzen. Auch diese Substanzen erhöhen die Lichtempfindlichkeit, wenn auch nur geringfügig. Da sie jedoch häufig und meist als Dauermedikation verordnet werden, treten dennoch immer wieder unerwünschte Haut­reaktionen auf.

Auftreten von Hautverfärbungen

Auch bei manchen Blut­druck­senkern, die andere Wirkstoffe enthalten, etwa Quinapril, Diltiazem, Amlodipin, ­Enalapril, Ramipril und Lisinopril, kommt es in Einzelfällen zu einer erhöhten Lichtempfindlichkeit der Haut. Bei schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen wird vielfach der Arzneistoff Amiodaron angewendet. Dieser ist bekannt dafür, dass er unter Sonneneinstrahlung besonders häufig sonnenbrandähnliche Symptome auf der Haut ­hervorruft. Wird das Mittel über län­gere Zeit eingenommen, können sich Hautpartien unter dem Einfluss von UV-Strahlung schiefergrau bis schwarzviolett verfärben. Die ­Verfärbungen bilden sich auch nach dem Absetzen des Mittels nur sehr langsam, teilweise erst nach Jahren, wieder zurück. Deshalb sollte man besonders ­darauf ­achten, sich vor UV-Strahlung zu schützen, solange man dieses Mittel einnehmen muss. 

Aknemittel 

Auch Wirkstoffe wie Benzoylperoxid oder Retinoide (Acitretin, Isotretinoin), die gegen Akne zur Anwendung kommen, machen die Haut lichtempfindlicher. Damit behandelte Hautpartien sollten deshalb vor UV-Strahlung geschützt werden. Bei schwerer Akne werden häufig auch Antibiotika zum Einnehmen verschrieben. Dazu zählt das bereits erwähnte Doxycyclin. Wird dieses Mittel eingenommen, sollten die unter „Antibiotika und Antimykotika“ beschriebenen Maßnahmen zum Sonnenschutz ­unbedingt eingehalten werden. 

 

Lichtempfindlichkeit durch pflanzliche Medikamente

Hormone 

Hormonpräparate mit einer Kombination aus einem Östrogen und Gestagen sind ebenfalls gegen Akne wirksam. Bekannter sind derartige Mittel allerdings als „Pille“ zur Empfängnisverhütung. Bei Frauen, die die Pille über lange Zeit einnehmen, können vor allem im Gesicht Pigmentveränderungen (Chloasmen) der Haut auftreten. Diese verstärken sich unter Sonneneinstrahlung. Nimmt man die Pille ein, sollte man deshalb besonders darauf achten, das Gesicht mit einem Sonnenschutzmittel einzucremen, wenn man sich ins Freie begibt. 

Pflanzliche Mittel 

Auch bestimmte pflanzliche Mittel machen die Haut lichtempfindlicher. Das gilt etwa für Johanniskraut, das für die Behandlung von nervöser Unruhe, Schlafstörungen und depressiven Stimmungszuständen zugelassen ist. Auch äußerlich angewandte pflanzliche Mittel, beispielsweise Cremen mit Arnika, können allergische Hautreaktionen auslösen, die sich unter Sonneneinstrahlung verstärken können. 

Krebsmedikamente 

Manche Wirkstoffe, die bei Krebserkrankungen eingenommen werden, haben ebenfalls eine photosensible Wirkung auf die Haut. Zu nennen sind hier etwa Fluorouracil, Vinblastin oder Dacarbazin. Auch die Wirkstoffe Vemurafenib, Dasatinib, Imatinib und Gefitinib sowie die Antikörper­präparate Trastuzumab, Nivolumab und Eculizumab gehören zur Gruppe der photosen­sibilisierenden Wirkstoffe. 

Weitere Wirkstoffe 

Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer Arzneistoffe, die in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen. Dazu zählen bestimmte Mittel, die bei Psychosen oder Schizophrenie verordnet werden, etwa Chlorprothixen und Haloperidol. Auch Antidepressiva wie Amitriptylin oder Antiepileptika wie Valproin­säure, Carbamazepin, Lamotrigin oder Phenytoin zählen dazu. Sonnenschutz ist auch geboten bei Medikamenten, die die Funktionen des Immunsystems vermindern (z.B. Azathioprin), bei Malariamitteln (Chloroquin, Mefloquin) sowie bei Mitteln, die bei allergischen Erkrankungen verordnet werden (Diphenhydramin, Cetirizin, Loratadin).

Photosensibilisierende Wirkstoffe sind weiters in bestimmten Medikamenten enthalten, die bei rheumatoider Arthritis und Schuppenflechte, zur Senkung der Blutfettwerte (Lipidsenker), zur Verhinderung von Blutgerinnseln (Thrombozytenaggregationshemmer), zum Magenschutz (Protonenpumpenhemmer) oder zur Senkung des Harnsäurespiegels im Blut zur Anwen­dung kommen.

Photosensibilisierend

Grundsätzlich unterscheidet man dabei zwischen phototoxischen und photo­allergischen Reaktionen. 

  • Phototoxische Reaktionen verlaufen ohne Beteiligung des Immunsystems. Sie treten als Folge direkter UV-Einstrahlung auf die Haut auf. Derartige Reak­tionen können sich bereits nach erst­maliger Anwendung eines bestimmten Wirkstoffes bemerkbar machen. 
  • Photoallergische Reaktionen sind dagegen auf eine Immunantwort des Körpers zurückzuführen. Dabei entsteht aus dem Medikament unter UV-Strahlung ein Antigen, das vom Immunsystem als fremd erkannt und bekämpft wird. Meist treten photoallergische Reak­tionen deshalb nicht nach dem Erst­kontakt mit dem Wirkstoff auf, sondern erst, wenn er zum zweiten Mal angewendet wird.

VKI-Tipps

  • Information. Erkundigen Sie sich sicherheitshalber vor der Einnahme eines Medikaments bei Ihrem Arzt oder Apotheker, ob das Mittel eine photosensibilisierende Wirkung hat. 
  • Sonnenschutz. Wenn Sie ein Medikament mit photosensibilisierender Wirkung einnehmen, sollten Sie die pralle Mittags­sonne meiden und im Freien auf aus­reichenden Sonnenschutz achten. Cremen Sie sich, bevor Sie sich tagsüber ins Freie begeben, mit einem Sonnenschutzmittel mit mindestens Lichtschutzfaktor 30 ein und tragen Sie möglichst Kleidung aus dicht gewebtem Stoff. Auch Fensterglas bietet nicht immer ausreichenden UVA-Schutz. 
  • Nachwirkung. Die Lichtempfindlichkeit der Haut kann auch noch bestehen, wenn Sie das Mittel gar nicht mehr einnehmen. Achten Sie deshalb sicherheitshalber noch ein bis zwei Wochen nach dem Absetzen des Medikaments auf ausreichenden Sonnenschutz.

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