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Auf einer Männerhand liegt ein Papier-Schnurrbart und ein Blue-Ribbon
Umweltchemikalien schädigen zunehmend auch die Gesundheit von Männern - und die zukünftiger Generationen. Bild: Smth.design/stock.adobe/KI

Männergesundheit - Stark geschwächt

Hoden- und Prostatakrebs, sinkende Fruchtbarkeit, Impotenz: Umweltchemikalien schädigen zunehmend auch die Gesundheit von Männern - und die zukünftiger Generationen.

Arbeitslosigkeit, Gewalt als Täter und Opfer, kürzeres Leben - wer sagt denn, dass die Männer das starke Geschlecht sind? Eine neue Studie der Health and Environment Alliance (HEAL) belegt, dass Männergesundheit zusätzlich durch Chemikalien gefährdet ist. 

Infografik: Die Zahl der Spermien ist in den letzten Jahrzehnten um 50% gesunken
Bild: HEAL/VKI

Empfindlich auf chemische Belastung

Bei Männern reagieren Hoden, Prostata und Hormonsystem besonders empfindlich auf chemische Belastungen. Schäden bei den Vätern beeinflussen deren Kinder. HEAL ist ein Dachverband von Umwelt- und Gesundheitsorganisationen, der sich in der EU mit den Auswirkungen von Umweltveränderungen auf die Gesundheit befasst. Die Studie zur Männergesundheit ist seriös, die Ergebnisse besorgniserregend.

Infografik zeigt, dass die Zahl der Prostatakrebs-Erkrankungen steigt
Bild: HEAL/VKI

Zahlen & Daten

  • Prostata-Krebs: Es gibt etwa 330.000 Fälle pro Jahr in der EU. Die Zahl der Fälle ist in den letzten zwanzig Jahren kontinuierlich gewachsen und die jährlichen Kosten für die Behandlung übersteigen 9 Milliarden Euro.
  • Hodenkrebs: Die Zahl der Erkrankungen ist seit den achtziger Jahren kontinuierlich gestiegen - zwischen 2014 und 2025 um 25 Prozent. Besonders in Nord- und Westeuropa.
  • Unfruchtbarkeit von Männern. Sie betrifft in Europa inzwischen 25 Millionen Menschen (eines von 12 Paaren), ist eng mit chronischen Krankheiten bei Männern verknüpft und kostet die europäischen Gesundheitssysteme drei bis vier Milliarden Euro jährlich.

Infografik zeigt, dass die Zahl der Hodenkrebs-Erkrankungen steigt
Bild: HEAL/VKI

Die Verursacher

Altbekannte Verursacher sind Schwermetalle, Spritzmittel und industrielle Schadstoffe, darunter Lösungsmittel und Kunststoff-Bestandteile. Schädigend sind auch Abgase von Verbrennungsmotoren. Sie beeinträchtigen im Tierversuch die Blutversorgung im Penis. Seit ein paar Jahren auf der schwarzen Liste sind sogenannte Endokrine Disruptoren, z.B. BPA. Sie finden sich im Essen, Trinkwasser, in der Luft, in Pflegeprodukten. Sie können wichtige Entwicklungsprozesse stören. Embryos im Mutterleib, Kleinkinder und Pubertierende reagieren besonders empfindlich auf diese Schadstoffe. Viele dieser Chemikalien wirken in sehr geringen Mengen.

Infografik zeigt, dass sexuelle Funktionsstörungen zunehmen
Bild: HEAL/VKI

Neu im Schadstoff-Cocktail: Mikroplastik

Eine andere Gruppe sind Phthalate (z.B. Weichmacher im Plastik), eine weitere PFAS. Das ist eine Gruppe von rund 15.000 synthetischen Chemikalien. Sie sind wasser-, hitze- und schmutzabweisend und kommen in Kleidung, Kochgeschirr oder Lebensmittelverpackungen zum Einsatz. Sie schädigen Leber, Nieren, Immunsystem, Fortpflanzungsorgane. Wir haben berichtet. Neu im Schadstoff-Cocktail ist Mikroplastik aus Verpackung, Textilien, Kosmetik, Industrieprozessen. Es verursacht Entzündungen und stört u.a. die Bildung von Spermien und Testosteron. 

Vater, Mutter, Sohn

Icon zeigt Schwangere mit kleinem Buben
Bild: HEAL/VKI

Die Wirkung dieser endogenen Disruptoren, Phthalate, Bisphenole (vor der Empfängnis und während der Schwangerschaft) wird mit Fortpflanzungs- und Hormonstörungen bei Söhnen in Verbindung gebracht.

Samenzellen beeinflussen

Icon zeigt Spermium unter der Lupe
Bild: HEAL/VKI

Endokrine Disruptoren können in Samenzellen beeinflussen, wie Gene reguliert werden (ein- oder ausschalten). Das kann sich auf Fruchtbarkeit und Gesundheit der nächsten Generation auswirken.

Schaltpult im Embryo

Icon zeigt Doppelhelix mit Erbinformation
Bild: HEAL/VKI

Diese Chemikalien können das empfindliche Schaltpult im Embryo (embryonales Epigenom) beeinflussen. Es steuert, welche Gene aktiv sind, und damit, wie sich ein Mensch entwickelt. Das erhöht möglicherweise die Anfälligkeit für eine Vielzahl von Krankheiten, selbst wenn keine direkte Belastung vorliegt.

Tierversuch und Mensch

Icon zeigt Männergruppe
Bild: HEAL/VKI

Dieser Einfluss („epigenetic reprogramming“) wurde im Tierversuch und in Studien am Menschen beobachtet. Diese Chemikalien können, so die Befürchtung, sowohl für die aktuelle Gesundheit Konsequenzen haben als auch für jene zukünftiger Generationen.

Politischer Kampf um neue Chemie-Regeln

Derzeit werden die EU-Regeln für den Umgang mit Chemikalien überarbeitet (Fachbegriff: REACH). Das ist ein politisches Ringen. Die Wirtschaft wehrt sich gegen verbesserten Schutz. Strengere Regeln und Verbote können aber auch Innovation fördern. Die Studie schätzt die Kosten der durch Chemikalien geschädigten Männergesundheit („male reproductive disorders“) auf 15 Milliarden Euro pro Jahr. Die Folgekosten für Schäden durch Mikroplastik und Auswirkungen auf die nächste Generation sind da nicht eingerechnet. 

Mutig sein

Diese Neugestaltung von REACH bietet, so Genon K.Jensen, Executive Director von HEAL, „eine einmalige Gelegenheit, Krankheiten vorzubeugen, die Gesundheit zu fördern und das Wohlergehen künftiger Generationen zu gewährleisten.“ Die Forderung: „The REACH revision must be bold“, also mutig.

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