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Handcremen mit Natursubstanzen - Naturkosmetik oder nicht?

Hersteller von Handcremen werben gern mit natürlicher Zusammensetzung ihrer Produkte. Bei genauem Hinsehen bleibt davon wenig übrig.

Test Natursustanzen in Handcremen: Wie viel Natur steckt wirklich drin? (Halyna-Konnova/Shutterstock.com)

 

Wir haben folgende Handcremen getestet:

Cremen mit hohem Anteil unverarbeiteter Naturstoffe, darunter zertifizierte Naturkosmetik ud naturnahe Kosmetik

  • Alpine Organics -Handcreme Heublume
  • die Nikolai - Weingarten Handcreme
  • Lush - Helping Hands Handcreme
  • Ringana - fresh hand balm
  • Saint Charles Apothecary - Wild Roots Hand & Body Lotion
  • Schau Auf Di - Handbalsam
  • Sisi and Joe - Hand Cream
  • Stadt Biene Wien - Hand Liebe

Cremen mit niedrigem Anteil unverarbeiteter Naturstoffe, darunter zertifizierte Naturkosmetik und Kosmetik ohne synthetische Polymere sowie Kosmetik mit synthetischen Polymeren:

  • Ahava - Deadsea Water Mineral Handcream spring blossom
  • Atrix - Intnsive Schutzcreme Camomile
  • Aveo - Naturschätze Handcreme
  • Balea - Handcrme Olive
  • Barnängen - Lycka Nutrive Handcreme
  • Birkenstock - Moisturizing Hand and Nail Cream
  • Dove - Handcreme mit Matcha und Kirschblütenduft
  • eos - Hand cream Pomegranate Raspberry
  • Herbacin - Kamille Handcreme mit Glyzerin
  • Jean & Len - Schmeichelnde Handcreme
  • Kamill - Hand & Nagelcreme
  • Korres - Hand Cream Olive Blossom
  • L'Occitane - Verveine Granita Hand Gel
  • Master Lin - Hand Balm Gold & Dang Gui
  • Nature Box - Handcreme mit 100 % kaltgepr. Macadamia-Öl
  • Nivea - Handcrene Aloe Vera
  • Panier Des Sens - Prec. Jasmine Abs. Floral Elixir Hand Cream
  • Rituals - The Ritual of Ayurveda - recovery hand balm
  • Röck - Original Röck Wildrose Pflege Handcreme
  • Søstrene Grene - Hand Creme Sage Dawn
  • The Body Shop - Moringa Hand Cream
  • Yves Rocher - Pur Arnica Aufbauerde Handcreme

Die Testtabelle enthält folgende Infos: Inhaltsstoffe gemäß Deklaration (potenziell endokrine Disruptoren, allergieauslösende Duftstoffe, Konservierungsstoffe, Farbstoffe), Gewicht, Preis pro 100 g oder ml. - Lesen Sie nachfolgend den Testbericht.


Test: 30 Handcremen

In Coronazeiten wird die Haut durch das vermehrte Händewaschen und die Verwendung von chemischen Desinfektionsmitteln stärker beansprucht als sonst. Handcremen versprechen Pflege gegen raue Hände. In der Erwartung, sich damit etwas Gutes zu tun, greifen Konsumentinnen und Konsumenten besonders gern zu möglichst natürlichen Produkten. Viele Hersteller geben ­ihren Cremen deshalb einen natürlichen Anstrich. Doch wie viel Natur steckt wirklich drin?

Veränderung durch chemische Prozesse?

Gemeinsam mit Studentinnen und ­Studenten der Fachhochschule Wiener ­Neustadt/Campus Tulln sind wir dem nachgegangen und haben insgesamt 30 Handcremen getestet, die ­besonders auffällig mit Natursubstanzen beworben werden. Da Handcremen grundsätzlich auf Fetten und Ölen basieren, die ursprünglich aus Pflanzen gewonnen wurden, stand auch im Fokus, inwieweit die enthaltenen Natur­substanzen durch chemische Prozesse verändert wurden. 

Augenmerk unter anderem auf synthetische Polymeren

Zu den unveränderten Stoffen zählen wir Fette, Öle, Pflanzenextrakte und Pflanzenwässer, auch wenn diese einer gewissen Aufbereitung oder Reinigung unterzogen wurden. Zu den verarbeiteten Stoffen gehören für uns chemisch veränderte Substanzen, auch wenn diese teilweise von Naturkosmetik-Zertifizierungsstellen noch als naturbasiert akzeptiert werden. Augenmerk legten wir im Test weiters darauf, ob die Handcremen synthetische Polymere enthalten. Dabei handelt es sich um lösliche und unlösliche Kunststoffe sowie Silikone. 
 

Problematische Substanzen

Zusammensetzung

Cremen sind Emulsionen, die aus einer Fettphase und einer Wasserphase bestehen. Die Fettphase kann sich aus unveränderten Naturstoffen – etwa Sonnenblumenkernöl, Sheabutter, Kokosöl oder Kakaobutter – ­zusammensetzen oder aus veränderten ­Naturstoffen wie hydrierten Fetten oder ­mineralölbasierten Paraffinen. Die Wasserphase kann aus gereinigtem Leitungswasser oder aus sogenannten Pflanzenwässern ­(Hydrolate) bestehen. Letztere sind Nebenprodukte der Destillation, welche meist zur Gewinnung ätherischer Öle verwendet wird. Damit sich die Phasen nicht trennen, die Creme also stabil bleibt, werden Emulga­toren bzw. Stabilisatoren zugesetzt. Emul­gatoren können natürlichen Ursprungs sein (z.B. Lanolin), aus natürlichen Fetten ge­wonnen werden oder auch synthetisch hergestellt werden. Daneben enthalten ­viele Handcremen Glycerin, das der Feuchtigkeitsanreicherung der Haut dient. Glycerin kann aus Fetten gewonnen werden. 

Problematische Substanzen 

In den untersuchten Handcremen stießen wir allerdings auf synthetische Stoffe, deren Einsatz ohne Weiteres verzichtbar wäre. So enthielten etwa viele Cremen potenziell allergene Duftstoffe, darunter das hoch umstrittene Lilial. Unbelastet von derartigen Duftstoffen waren lediglich die Produkte von Stadt Biene Wien, Søstrene Grene, Jean & Len, Yves Rocher, Balea und Ringana. Letzteres enthielt als einziges Produkt auch keine natürlichen Duftstoffe.

Azofarbstoffe und Substanzen mit möglichen Auswirkung auf das Hormonsystem

Ebenfalls so unnötig wie problematisch ist die Verwendung von Azofarbstoffen. Sie können Allergien auslösen. Manche stehen sogar im Verdacht, Krebs zu verursachen. Azofarbstoffe sind in den Produkten von Balea, The Body Shop und L’Occitane enthalten. Zudem finden sich in vielen Handcremen auch sogenannte potenziell endokrine Dis­ruptoren, Substanzen also, die eine Auswirkung auf das Hormonsystem von Mensch und Tier haben können und deshalb gemieden werden sollten. Im aktuellen Test sind elf der untersuchten Produkte betroffen (Lush, Yves Rocher, Rituals, Panier Des Sens, Dove, eos, Ahava, Kamill, Herbacin, Atrix, Röck). 

Synthetische Polymere 

Synthetische Polymere werden in vielen Kosmetika eingesetzt. Derartige Verbin­dungen, häufig auch als „flüssiges Mikroplastik“ bezeichnet, finden immer wieder in Kosmetika Verwendung, die als „naturnah“ bzw. als „von der Natur inspiriert“ beworben werden. In zertifizierter Naturkosmetik sind sie nicht erlaubt. Häufig verwendet werden folgende Substanzen: Acrylates Copolymer, Acrylates Crosspolymer, Ethylene Propylene/Styrene Copolymer, Polyamide-3, Polyvinyl-Alcohol, Triacontanyl PVP oder Polyquaternium. Auch Silikone werden mitunter dem „flüssigen Mikroplastik“ zugerechnet, sie sind jedoch per Definition keine Kunststoffe. Silikone firmieren in den Listen der Inhaltstoffe häufig als „Dimethicone“. Viele Silikone sind biologisch schwer ab­baubar, weshalb sie sich in der Umwelt anreichern. Ihre Auswirkungen auf den Menschen sind noch wenig erforscht. Wir plädieren ­dafür, Kosmetika, aber auch Wasch- und Putzmittel zu verwenden, die möglichst keine bzw. wenig synthetische Polymere und Silikone enthalten.

Werbung und Reallität

Werbung 

14 der 30 Produkte werden prominent mit einem pflanzlichen Inhaltstoff, 6 weitere ­Produkte mit zwei pflanzlichen Inhaltstoffen beworben. In den Zutatenlisten sind diese Natursubstanzen jedoch oft erst weit hinten gereiht. Das bedeutet, dass sie letztlich nur einen Bruchteil des Inhalts ausmachen. Zwar werden Pflanzenextrakte hoch konzentriert eingesetzt, sodass nur wenig davon nötig ist, um im Produkt eine Wirkung zu entfalten. Wenn der Extrakt jedoch erst nach Duftstoffen oder Konservierungsmitteln gereiht ist, dann ist fraglich, ob er noch eine Wirkung zeigen kann. Aufgefallen sind hier die Produkte von Yves Rocher (Pur Arnica Aufbauende Handcreme), The Body Shop (Moringa Hand Cream), Panier Des Sens (Precious ­Jasmine Absolute Floral Elixir Hand Cream), Ahava (Deadsea Water Mineral Handcream spring blossom), Korres (Hand Cream Olive Blossom) und Nivea (Handcreme Aloe Vera).

Herkunft und Gütesiegel 

Nicht nur bei Lebensmitteln, auch bei Kosmetika wird mit regionalen Bezügen geworben. „Made in Austria“ oder besser noch: „handmade in Austria“ wird von Herstellern gezielt als Qualitätsmerkmal beworben. Aber wie bei Nahrungsmitteln sollte man auch bei Kosmetika genau hinsehen, ob die Werbung mit der Realität übereinstimmt. Negativ aufgefallen ist uns in diesem Test die mit dem Slogan „Qualität aus Österreich“ beworbene Wildrose Pflege Handcreme der Firma Röck. Die Produkte von ­Alpine Organics (Handcreme Heublume) und Sisi and Joe (Hand Cream) wiederum hantieren mit selbst kreierten Gütesiegeln, deren Einhaltung nicht von unabhängigen Stellen überwacht wird.

Tabelle: hoher Anteil unverarbeiteter Naturstoffe - Naturkosmetik

Tabelle: hoher Anteil unverarbeiteter Naturstoffe - Kosmetik

Tabelle: niedriger Anteil unverarbeiteter Naturstoffe - Naturkosmetik

Tabelle: niedriger Anteil unverarbeiteter Naturstoffe - ohne Polymere

Tabelle: niedriger Anteil unverarbeiteter Naturstoffe - mit Polymeren

VKI-Tipps

  • Kontrolle. Verlassen Sie sich bei Kosmetika nie auf die Werbung. Viele Produkte werden mit einem natürlichen Inhaltstoff beworben, obwohl dieser nur in geringster Konzentration enthalten ist. Kontrollieren Sie deshalb immer die Liste der Inhalt­stoffe. Je weiter vorn ein Inhaltstoff gereiht ist, desto höher ist sein Anteil im Produkt. 
  • Exotische Düfte. Werden Kosmetika mit exotischen Düften beworben, stecken meist keine natürlichen, sondern synthe­tische Substanzen dahinter. Oft handelt es sich um Verbindungen, die Allergien auslösen können. 
  • Finger weg. Vom Kauf von Produkten, die Azofarbstoffe enthalten, raten wir generell ab.

Testkriterien

30 Handcremen wurden getestet. Auswahl und Einkauf erfolgten durch den VKI. Die Beurteilung der Produkte erfolgte durch Studenten der FH Wiener Neustadt am Campus Tulln (Bachelor-Studium Biotechnologie mit Spezialisierung auf Naturkosmetik).

Die Inhaltstoffe der Handcremen wurden gelistet und es wurde recherchiert, ob die folgenden Inhaltstoffe enthalten waren.

  • natürliche Inhaltstoffe
  • Inhaltstoffe aus biologischer Landwirtschaft
  • Duftstoffe (natürliche und synthetische)
  • potenziell allergieauslösende Duftstoffe gemäß Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 (Artikel 19); (mehr als 0,01 % enthalten)
  • Konservierungsstoffe gemäß Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 Anhang V
  • Farbstoffe
  • potenzielle endokrine Disruptoren gemäß EU-Prioritätenliste
    (Kosmetika: Chemikalien, die wie Hormone wirken. ) in der Version von Oktober 2019

Reihung der Produkte in der Tabelle

Die Produkte wurden in zwei Gruppen eingeteilt:

  1. Kosmetika mit hohem Anteil unveränderter Naturstoffe
    Hauptbestandteile dieser Produkte waren Wasser, Pflanzenwasser oder -saft, Fette, Öle oder Glycerin. Falls die Produkte auch chemisch veränderte Stoffe (auf Basis natürlicher Rohstoffe) enthielten, waren diese erst weiter hinten in der Liste der Inhaltstoffe (INCI-Liste) gereiht. Innerhalb dieser Gruppe wurde zusätzlich unterschieden zwischen „zertifizierter Naturkosmetik“ und nicht-zertifizierter „naturnaher Kosmetik“.
  2. Kosmetika mit niedrigem Anteil unveränderter Naturstoffe
    Die Hauptbestandteile dieser Produkte waren Wasser, Emulgatoren, Fettsäureester, Fettsäurealkohole und ähnlich verarbeitete Naturstoffe. Falls die Produkte Fette, Öle oder Pflanzenextrakte enthielten, waren diese erst weiter hinten in der INCI-Liste gelistet. Produkte, die synthetische Polymere enthalten, wurden ebenfalls dieser Gruppe zugeordnet. Innerhalb er Gruppe wurde zusätzlich unterschieden zwischen „zertifizierter Naturkosmetik“, „Kosmetik ohne synthetische Polymere“ und „Kosmetik mit synthetischen Polymeren“.

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