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Ein Smartphone, das auf einer Tastatur liegt. Auf dem Smartphone ist die App BeReal im App-Store geöffnet.
Die App BeReal: Mehr Schein als Sein? Bild: FellowNeko/Shutterstock.com

Wie echt ist BeReal?

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Mit BeReal erobert derzeit ein neues Soziales Netzwerk viele österreichische Smartphones. Der Sinn dieser App ist es, sich so authentisch wie möglich darzustellen. Erfahren Sie hier, ob das bei BeReal wirklich funktioniert oder doch der Schein überwiegt.

Sei echt

Die BeReal-App stammt ursprünglich aus Frankreich und ist momentan besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen beliebt. „Sei so, wie du bist“ ist das Motto der App: Nutzer sollen sich so darstellen, wie sie es für gewöhnlich machen würden. Filter und weitere Be­arbeitungen, so wie Sie sie etwa aus anderen Sozialen Netzwerken kennen, sind bei BeReal nicht möglich. Außerdem können Sie bei BeReal ausschließlich Bilder veröffent­lichen, die Sie direkt in der App aufgenommen haben – nach einem aus­geklügelten Prinzip.

Momentaufnahme

Nachdem Sie sich bei BeReal angemeldet haben, erhalten Sie einmal täglich eine durch die App ausge­löste Benachrichtigung. Diese kommt jedoch nie zum selben Zeitpunkt und daher unvorhergesehen. Nach dem Erhalt der Benachrichtigung haben Sie zwei Minuten Zeit, in der App ein Foto von sich zu machen. BeReal nimmt das Bild gleichzeitig mit der Front- und Rückkamera Ihres Smartphones auf und vereint beide Bilder zu einem. Auf dem Bild zeigen Sie, an welchem Ort Sie sich gerade befinden und was Sie in dem Zeitfenster der Aufnahme tun. Das Bild ist nach der Veröffentlichung für Ihre BeReal-Kontakte in einer Zeitleiste sichtbar. Außerdem können Sie das Foto auch in eine öffentliche Übersicht hoch­laden, die sämtlichen App-Nutzern angezeigt wird.

Wer zu spät kommt

Was passiert jedoch, wenn Sie die Benachrichtigung erst nach den zwei Minuten sehen? Auch in diesem Fall können Sie ein Foto veröffent­lichen. Allerdings verpetzt BeReal Sie dann bei Ihren App-Freunden, die eine Benachrichtigung darüber bekommen, dass Sie Ihr Foto als sogenanntes „Late“ zu spät hochgeladen haben. Den Hinweis auf das Late finden Ihre Kontakte dann zudem neben dem verspätet hochgeladenen Bild in der Übersicht. Ebenso mag es die App nicht, wenn Sie mehr als einen Versuch für Ihr Foto benötigen. In diesem Fall würde BeReal innerhalb Ihres Postings genau anzeigen, wie viele Versuche Sie für das Foto benötigt haben.

Bild als Schlüssel

Das regelmäßige Hochladen von Bildern ist darüber hinaus auch Voraussetzung für Sie, dass Sie Bilder von Ihren App-Freunden betrachten können. Falls Sie innerhalb von 24 Stunden nicht auf die Fotobenachrichtigung von BeReal reagieren, wird die Zeitleiste Ihrer Freunde für Sie gesperrt. Entsperren können Sie diese, indem Sie ein neues Bild mit der App aufnehmen. Außerdem können Sie ein Mal täglich ein Bild aus Ihrer persönlichen Übersicht löschen. Hierfür müssen Sie jedoch einen konkreten Grund angeben – also etwa, dass Sie das Bild unangemessen finden oder es Ihnen einfach nicht gefallen hat.

Zusätzliche Funktionen

Neben dem eigentlichen Hochladen von Bildern ermöglicht BeReal es Ihnen auch, auf die von Ihren App-Freunden hoch­geladenen Inhalte zu reagieren. Das geschieht durch die sogenannten RealMojis. Dabei handelt es sich um von Ihnen in der App aufgenommene Emojis, für die Sie deren reguläres Pendant (zum Beispiel ein lachendes Gesicht oder ein „Daumen hoch“) mit Ihrem Gesicht nachahmen. Zudem bietet BeReal Ihnen auch ein Fotoarchiv, in dem Sie sämtliche von Ihnen in die App hochgeladene Fotos gesammelt finden.

BeReal versus Instagram

Mit ihren Funktionen ähnelt die BeReal-App dem weithin bekannten Sozialen Netzwerk Instagram. Im Vergleich fällt jedoch auf, dass Instagram mittlerweile stark durch Algorithmen geprägt ist. Dadurch werden Beiträge mit bezahlter Werbung – sogenannter Sponsored Content – zum großen Teil stärker hervorgehoben als normale Postings von Freunden. Derartige Algorithmen sowie Werbung sind bei BeReal bislang nicht zu finden. Darüber hinaus funktionieren Veröffentlichungen auf BeReal durch die unvorhersehbaren Benachrichtigungen bei Weitem spontaner als bei Instagram, was für einen hohen Spaßfaktor sorgt. Andererseits bietet Instagram einen der­artigen Faktor über erweiterte Bildbearbeitungsmöglichkeiten, wie etwa durch Bildfilter, die es bei BeReal nicht gibt.

Mehr Schein als Sein?

Abschließend meine Antwort auf die Frage „Wie echt ist BeReal?“ In der Theorie ist die App gewiss echter, also authentischer als so manch anderes Soziales Netzwerk. Einerseits sorgen die spontanen Aufforderungen zum Aufnehmen eines Bildes dafür, dass Sie das Foto kaum vorbereiten können. Zudem fehlen die bei anderen Sozialen Netzwerken enthaltenen Filter zur Bildbearbeitung. Andererseits können Sie natürlich auch innerhalb von zwei Minuten Bildsituationen nachstellen. Außerdem kann das von der App willkürlich gewählte Zeitfenster Sie zugegebenermaßen in einer sehr langwei­ligen (oder auch sehr unangenehmen) Situation treffen. Das sollten Sie vor der Installation bedenken.

Maximilian Tenschert - Technikredakteur
Bild: VKI

Im KONSUMENT-Magazin und -Blog schreibe ich vorwiegend über Themen aus den Bereichen Digitales und Technik. Die Kolumne nennt sich BITS & BYTES.

Max Tenschert, Redakteur

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1 Kommentar

Simpel aber wofür?

PSkrabanek, 23. September 2022, 14:09

Was ich an der Idee nicht schlecht finde ist, dass es so ein watscheneinfaches Konzept ist.
Aber: noch eine weitere App zur Selbstdarstellung - oder wofür ist das eigentlich? Stalker Prävention durch Selbstpreisgabe? Wenn ich 14 bin und in ein Mädchen verschossen bin macht das allerdings Sinn, wenn sie täglich postet - ist es das?
Gefördert aus Mitteln des Sozialministeriums

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