Koreanische Sonnenschutzmittel
K-Beauty heißt der koreanische Kosmetiktrend, der auch Europa erfasst hat. Ein Schwerpunkt liegt auf dem UV-Schutz fürs Gesicht. Aber wie gut schützen koreanische Sonnenschutzmittel?
Welche Produkte wir uns näher angeschaut haben
Vor fünf Jahren konnte man K-Beauty-Produkte nur übers Internet beziehen – verbunden mit dem Risiko hoher Versandspesen. Mittlerweile führt auch der heimische Handel die gehypten Produkte.
Näher angeschaut haben wir uns Dr. Jart Every Sun Day, Cosrx Aloe Soothing Sun Cream und Beauty of Joseon Relief Sun: Rice plus Probiotics.
Worauf gründet sich der Hype?
Der Hype um K-Beauty steht wie so oft im Zusammenhang mit den Sozialen Medien und deren spezieller Dynamik. Aber es steckt noch mehr dahinter: Koreanische Produkte sind seit jeher stark auf tägliche Hautpflege und Sonnenschutz fürs Gesicht ausgerichtet. Diesbezüglich hat sich in den letzten Jahren auch bei uns die Sichtweise geändert.
Außerdem zeichnen sich die Produkte durch ihre leichte Sensorik aus, das heißt, sie sind dünnflüssig, feuchtigkeitsspendend, häufig mit Hautpflegewirkstoffen angereichert, werden in vielen leichten Schichten aufgetragen und kommen damit den hohen K-Beauty-Ansprüchen an Finish und Tragegefühl entgegen. Im EU-Raum gibt es traditionell eine breitere Palette an Produkten mit unterschiedlichen Eigenschaften.
Deklarationsfrage
Sowohl in Korea als auch in der EU werden moderne organische und mineralische UV-Filter eingesetzt. Allerdings stößt man auf zwei verschiedene Rechtsrahmen, ersichtlich in Form unterschiedlicher Anforderungen an die Deklaration.
Das ist auch der Grund dafür, warum wir beim Vorhaben, gängige koreanische Produkte in unserem internationalen Test von Sonnenschutzmitteln fürs Gesicht (Veröffentlichung: 5/2026) mitzutesten, auf Schwierigkeiten gestoßen sind.
EU vs. Korea
Die Auswahl eines Sonnenschutzmittels beginnt in Europa meist mit einem Blick auf den Lichtschutzfaktor (Abkürzung: LSF oder englisch SPF). Die Kategorien selbst (z. B. 50+ für: „sehr hoher Schutz“) sind in der EU standardisiert. Seit mittlerweile 20 Jahren sind wir außerdem daran gewöhnt, dass ein Sonnenschutzmittel auch vor UVA-Strahlung schützt.
Es gilt die Ein-Drittel-Reglung, wonach der UVA-Schutz ein Drittel des LSF ausmachen sollte. „Sollte“ deswegen, weil es sich weder beim Lichtschutzfaktor noch beim UVA-Schutz um eine rechtlich bindende Vorschrift handelt, sondern um eine Empfehlung der EU-Kommission zu den Produkteigenschaften. Da die Hersteller geschlossen dahinterstehen, ist die Empfehlung zum Quasi-Standard geworden. Daher ist in der Regel auch das UVA-Kreissymbol auf der Verpackung aufgedruckt.
Bei der Gegenüberstellung der genannten K-Beauty-Produkte mit einem europäischen Sonnenschutzmittel haben wir festgestellt: Der LSF/SPF ist hier wie dort eindeutig erkennbar. In Südkorea unterliegt die Kontrolle dem Ministerium für Lebens- und Arzneimittelsicherheit (MFDS).
Anders sieht es bei der Deklaration des Schutzes vor UVA-Strahlung aus. Wobei wir vorausschicken müssen, dass im asiatischen Raum eine andere Bestimmungsmethode für den UVA-Schutz üblich ist. Angegeben wird er in Form des Kürzels PA mit ein bis vier Plus-Symbolen dahinter. PA++++ bedeutet einen sehr hohen UVA-Schutz. Allerdings gibt es genügend K-Beauty-Produkte ohne Hinweis auf einen möglichen UVA-Schutz.
Kein Verstoß, aber Ausschluss vom Test
Auch wenn es sich rechtlich gesehen um keinen Verstoß handelt (weil ja kein Gesetz, sondern lediglich eine EU-Empfehlung): Aus gelebter europäischer Praxis ist ein Produkt ohne deklarierten UVA-Schutz kein vollwertiges Sonnenschutzmittel. Im Zuge unserer Markterhebung hat sich herausgestellt, dass viele gehypte koreanische Produkte keine Information zum UVA-Schutz tragen. Daher wurden die meisten davon vom Test ausgeschlossen.
Beide Systeme verlangen jedenfalls Sicherheits- und Wirksamkeitsnachweise, unterscheiden sich aber im Prozess (EU: nachträgliche Marktüberwachung, Positivliste; Korea: Einzelfallprüfung vor Markteinführung). In der EU ist der anteilige UVA-Schutz (Ein-Drittel-Regelung) und dessen sichtbare Kennzeichnung regulatorisch stärker vereinheitlicht (UVA-Kreis) als in Korea.
Auf jeden Fall gilt aber: Werden koreanische Produkte in der EU verkauft, müssen sie den hier gültigen Gesetzen entsprechen.
Mitgetestet: Beauty of Joseon Relief Sun
Letztlich wurde entschieden, Beauty of Joseon Relief Sun: Rice plus Probiotics mitzutesten. Wobei wir mit einem Phänomen konfrontiert waren, das im Kosmetikbereich nicht so selten ist: Produkte, die unter demselben Namen, in der gleichen Verpackung und mit der gleichen Europäischen Artikelnummer (EAN) verkauft werden, können sehr wohl unterschiedlich sein. Um sicherzugehen, hilft nur eine genaue Kontrolle der Inhaltstoffliste (INCI).
Das konkrete Produkt wurde in Österreich bei der Drogerie Müller, dem K-Beauty-Online-Shop k beautyhouse und direkt beim Hersteller gekauft. Die INCI-Listen der drei Produkte wurden mit jener verglichen, die auf der Hersteller-Website veröffentlicht war. Nur zwei Produkte enthielten die gleichen Inhaltsstoffe: Jenes von Müller und von k beautyhouse. Auch in Dänemark, Portugal, Schweden waren unterschiedliche Varianten erhältlich. Die Kontaktaufnahme zum Hersteller verlief ins Leere, ein Importeur stellte eine INCI-Liste zur Verfügung, die von jener des Herstellers abwich.
Basierend auf dem Ablaufdatum wurde entschieden, die neueste Variante des Produkts zu testen (bei Müller erhältlich). Achtung! Als Konsument:in können Sie sich nicht darauf verlassen, genau diese Variante zu kaufen.
Durchschnittliches Abschneiden
Im Rahmen unseres internationalen Tests erhielt das Produkt von Beauty of Joseon die Gesamtnote „durchschnittlich“. Der ausgelobte LSF wurde eingehalten, der UVA-Schutz wurde nur mit „durchschnittlich“ bewertet, da er geringer als der in der EU übliche war. Im Praxistest wurde die Creme mit „gut“ bewertet. Das Ergebnis überrascht, da gerade koreanische Sonnenschutzmittel mit angenehmer Textur und sehr guten sensorischen Eigenschaften werben.
Die detaillierten Ergebnisse werden gemeinsam mit jenen der restlichen Sonnenschutzmittel fürs Gesicht in der Mai-Ausgabe von KONSUMENT veröffentlicht.
Warum Schutz vor UVA-Strahlung wichtig ist
UVA-Strahlung dringt tiefer in die Haut ein als UVB-Strahlung und wird zu rund 57 Prozent in der tiefen Dermis (= die tiefere Schicht der Lederhaut) absorbiert. Dort bewirkt sie die klassische Lichtalterung. Lichtalterung, auch Photoaging genannt, beschreibt die Veränderungen der Haut durch langjährige UV-Strahlung.
Dabei treten folgende Symptome auf:
- Sichtbare Blutgefäße im Gesichts-, Hals-und Brustbereich.
- Graubraune Flecken auf der Haut (Pigmentflecken).
- Die Haut wird unregelmäßiger und verliert ihre Elastizität.
Diese Veränderungen entstehen, weil die UV-Strahlung kollagene und elastische Fasern der Haut schädigt. Diese versucht, sich zu schützen und zu reparieren, indem sie Pigmente bildet, die wie ein Sonnenschirm wirken und die oberste Hautschicht verdicken. Aufgrund dieser Schutzmechanismen sieht die Haut älter aus.
Quelle: Österreichische Gesellschaft für Dermatochirurgie (ÖGDC)
Interview mit VKI-Kosmetikexpertin DI.in Dr.in Birgit Schiller
„Tatsächlich aussagekräftig sind nur Testergebnisse“
Interview mit VKI-Kosmetikexpertin DI.in Dr.in Birgit Schiller
Sind koreanische LSF/SPF‑Angaben verlässlich?
An sich ja, aber letztlich gilt das Gleiche wie für Produkte europäischer Hersteller: Eigentlich sollten Konsument:innen sicher sein können, im EU-Raum nur Produkte angeboten zu bekommen, die den ausgelobten Schutzfaktor einhalten. Unsere Tests zeigen aber, dass dies nicht immer der Fall ist – unabhängig vom Herkunftsland eines Produkts. Tatsächlich aussagekräftig sind nur die Ergebnisse unserer jährlich durchgeführten Tests.
Ist „SPF 50+ PA++++“ automatisch besser als „SPF 50+mit UVA‑Kreis“?
Nein. Beide Systeme beziehen sich auf den Schutz vor UVB-und UVA-Strahlung. Entscheidend sind die korrekte Anwendung (Menge, Nachcremen) und die photostabile Formulierung. Das EU‑UVA‑Logo steht für die Ein-Drittel‑Regel; PA++++ signalisiert sehr hohen UVA‑Schutz. Vergleichbar sind diese Systeme ohne Testergebnisse allerdings nicht.
Warum sind koreanische Sonnencremes oft „angenehmer“?
Viele K‑Beauty‑Formulierungen kombinieren moderne, photostabile Filter mit leichter Galenik (Essence‑/Gel‑Texturen) und Pflegezusätzen. Regulatorisch ist das möglich, solange Wirksamkeit und Sicherheit belegt sind.
Wie erkenne ich seriöse koreanische Produkte im Online‑Handel?
Achten Sie auf offizielle Händler und vollständige Etikettenangaben, wie sie auch bei uns vorgeschrieben sind: LSF/SPF, PA, INCI (= Inhaltstoffliste), Hersteller, Charge. Die Anbieter verweisen auch oft auf die offizielle koreanische MFDS‑Prüfung. Seien Sie bei extrem günstigen Angeboten bzw. ungewöhnlichen Verpackungen skeptisch.

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