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Smartphones: Datentransfer - Tücken beim Handywechsel

Persönliche Daten ohne Internet-Nutzung aufs neue Smartphone zu überspielen, ist eine Herausforderung. Das Ergebnis ist durchwachsen.

Bild: ConceptVectorDesign / Shutterstock.com

Die Freude an einer neue Wohnung kann durch den Übersiedlungsstress getrübt werden. Bei einem neuen Handy ist es ähnlich – zumindest dann, wenn man die auf dem alten Gerät vorhandenen ­Daten wie Kontakte, Kalendereinträge, Textnachrichten, App-Daten oder Fotos möglichst verlustfrei mitnehmen möchte. Gleiches gilt für die individuell vorgenommenen Einstellungen. Wer hat schon Lust, das alles wieder händisch einzugeben?

Statt Google Drive und iCloud ...

Nun kann man einwenden, dass es dafür das Cloud-Backup gibt, sprich: die Online-­Speicher Google Drive bzw. iCloud von ­Apple. Dort kann man die Daten und Einstellungen manuell oder automatisch sichern; und von dort lassen sie sich aufs neue ­Handy übertragen.

Das ist richtig! Nur wollen längst nicht alle Nutzer ihre Daten dem Internet und US-amerikanischen Konzernen anvertrauen und sie haben die entsprechenden Einstellungen auf ihren Smartphones deaktiviert.

... lokale Datenübertragung nutzen

Wir haben uns angesehen, welche einfach verfügbaren Alternativen für eine (weit­gehend) lokale Datenübertragung von Handy zu Handy es gibt und welche Ergebnisse sie liefern. Und das sowohl zwischen Geräten derselben Marke als auch markenübergreifend und sogar über die Grenzen der Betriebssysteme Android und iOS hinweg (die Besonderheiten betreffend die Über­tragung von iPhone zu iPhone siehe Kapitel "iphone zu iphone").

Speicherkarten

Eine unkomplizierte und in der Regel gut funktionierende Möglichkeit für Android-­Smartphones ist die Datenübertragung mittels Speicherkarte (meist microSD) – ­vorausgesetzt, man bleibt innerhalb derselben Marke und beide Smartphones verfügen über einen Speicherkartenschacht. Den iPhones fehlt ein solcher grundsätzlich, bei etlichen Topgeräten aus der Android-Welt ist es ebenso.

Apps

Die Alternative ist die Verwendung einer einschlägigen App. Vorausschicken müssen wir, dass wir aufgrund der Vielzahl an Möglichkeiten und Szenarien nicht alle davon durchspielen konnten. Wir haben uns auf die wichtigsten Handymarken und die von den Herstellern vorinstallierten bzw. von ihnen in den App-Stores bereitgestellten Apps beschränkt. Sie tragen Bezeichnungen wie Data-Switch- oder Clone-App, was so viel bedeutet wie App zum Verschieben bzw. Klonen von Daten. Wobei die Bezeichnung nichts darüber aussagt, welchen Funktionsumfang die App tatsächlich hat. 

Vorbereitungen und Voraussetzungen

Vorbereitungen und Voraussetzungen

Die folgenden Voraussetzungen bzw. Empfehlungen gelten im Großen und Ganzen für alle Geräte: 

- Die Smartphone-Akkus sollten an­nähernd voll geladen sein.

- Beide Smartphones müssen sich im selben WLAN befinden, Bluetooth muss aktiviert sein; das Einlegen einer SIM-Karte ist nicht notwendig.

- Die Passwörter für alle auf dem ­Smartphone genutzten Dienste sollten bereitliegen. Vergessene Passwörter ­unbedingt noch vor der Datenüber­tragung neu anfordern!

- Eine vorangehende Datensicherung ist anzuraten (auf SD-Karte oder Computer). 

- Der beliebte Messenger WhatsApp hat eine integrierte Backup-Funktion (unter "Einstellungen/Chats"). Diese nutzt zwar die Cloud, ist aber die einzige Möglichkeit, vorhandene Chatverläufe aufs neue Smartphone zu überspielen. Das gilt auch für WhatsApp am iPhone. Messenger hingegen, bei denen die Sicherheit an erster Stelle steht (z.B. Signal), bieten überhaupt keine Mög­lichkeit, vorhandene Chatverläufe aufs neue Gerät zu übertragen. Möchte man bestimmte Fotos und Videos behalten, muss man diese gezielt auf dem alten Smartphone abspeichern

- Als Erstes muss das neue Smartphone eingerichtet werden und man meldet sich mit seinem Benutzerkonto an. Dann lädt man auf beide Geräte die Clone-App, sofern sie nicht vorinstalliert ist. Die Datenübertragung unter Android wird in der Regel vom neuen Gerät aus gestartet. Sind Android-Smartphones von zwei unterschiedlichen Herstellern beteiligt, dann muss man auf beiden Geräten jene App verwenden, die für das neue Smartphone bestimmt ist. 

- Nutzungsbedingungen sind ein wich­tiger Punkt. Wenn man sie nicht ­akzeptiert, braucht man an die Daten­über­tragung gar nicht erst zu denken. 

Wissenswertes

Ältere Apps oder Betriebssysteme

Garantie, dass die Übertragung klappt, gibt es keine. Ob und welche Daten tatsächlich überspielt werden können, hängt unter ­anderem von der App selbst, von der Smartphone-Marke und von der jeweiligen Version des Betriebssystems ab. Je mehr Generationen dazwischen liegen, desto ­höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es gar nicht mehr funktioniert, weil die Clone-­Apps mit älteren Versionen nicht kompa­tibel sind.

Ärgerlich: Hersteller Sony hatte eine App, die aber nicht weiterentwickelt wurde. Auf Smartphones mit aktuellen Android-Versionen läuft sie nicht mehr.

In-App-Käufe, Karten, Kontakte

Was man grundsätzlich im Nachhinein neu installieren muss, sind In-App-Käufe, die man auf dem alten Smartphone getätigt hat, oder Karten, die man dort fürs Navigieren heruntergeladen hat. Es findet also auch ein entsprechender Datenverbrauch statt.

Einen Fallstrick gibt es bei der Übertragung von Kontakten, die man getrennt verwaltet, also z.B. private und berufliche. Wenn man hier die falsche Option anhakt, kommt es zu Vermischungen oder Dubletten.

Die Cloud lässt sich nicht immer vermeiden

Schließlich gibt es auch Fälle, in denen man um die Nutzung der Cloud nicht herumkommt, weil sich diese als einzig gangbarer Weg herausstellt. Das betrifft z.B. zwei ­unserer Versuche, die Daten vom iPhone auf Android-Handys zu bringen. Dann muss man eben in den sauren Apfel beißen – man öffnet im Safari-Browser des iPhones den Link www.android.com/switch, lädt seine Daten auf Google Drive und überträgt sie aufs neue Android-Smartphone.

Allerdings kann man auch bei der Über­siedlung von Android zu Android nicht durchgängig den Kontakt mit der Cloud vermeiden – einfach deshalb, weil die Anbieter manchmal keine andere Möglichkeit vorgesehen haben. Und was man ebenfalls sagen muss: Smartphones sind nun einmal keine reinen Telefone. Sie sind dazu bestimmt, regelmäßig Verbindung mit dem Internet aufzunehmen. 

Android zu Android, Android zu iPhone, iPhone zu Android

Android zu Android 

Phone Clone- Huawei P 30 pro zu Huawei P 30 lite: Verwendete App: Phone Clone. Start mittels QR-Code. Hier wurden die Daten 1 : 1 übernommen, nur die Daten des Google-Kontos mussten wir manuell eingeben. Bei Huawei klappte – abgesehen von den Benutzerkonten – auch die Übertragung mittels SD-Karte sehr gut. 

LG Mobile Switch- LG G6 zu LG G8: ­Verwendete App: LG Mobile Switch. Der Großteil der Daten wurde übetragen, versions­bedingt (Wechsel von Android 7 zu 9) ist die Darstellung etwas anders. Die Kalendereinträge wurden online synchronisiert.

- Sony Xperia 1 zu Sony Xperia 5: Keine aktuelle Sony-App verfügbar. Die Übertragung funktionierte nur online über den Google Drive bzw. über die von Google bereitgestellte Funktion "Mein Gerät einrichten", mittels derer das ­Konto und die Daten online aufs neue Gerät übertragen werden. Die Funktion ließ sich nur mit Sprachbefehl starten. Es landeten nur die in der Cloud befind­lichen Fotos auf dem neuen Gerät, nicht die lokal gespeicherten. 

Smart Switch- Samsung Galaxy Note 9 zu Samsung Galaxy A80: Verwendete App: Smart Switch. Die Daten wurde 1 : 1 über­tragen und die Standard-Apps wurden automatisch aktua­lisiert. Die Notizen wurden online synchronisiert, nachdem wir uns zusätzlich mit dem Samsung-Konto angemeldet hatten. 

- Huawei P30 pro zu Samsung ­Galaxy Note 9: Verwendete App: ­Samsung Smart Switch. Mit Ausnahme der Notizen wurden alle Daten übertragen, und zwar inklusive der Google-Konten. 

- Huawei P30 pro zu LG G8: Ver­wendete App: LG Mobile Switch. Abgesehen von den Kalendereinträgen und den Notizen wurde alles übertragen. Die Apps und die Benutzeroberfläche mussten neu angeordnet werden. 

- LG Flex zu Sony Xperia 5: Keine aktuelle Sony-App verfügbar. Zwischen den Geräten liegen einige Generationen. Wir verwendeten die Google-Option „Mein Gerät einrichten“, die wir per Sprachbefehl starten mussten. Lediglich das Google-Konto samt den Kontakten wurde online übertragen.

Android zu iPhone 

- Samsung Galaxy Note 9 zu iPhone 11 pro: Verwendete App: "Auf iPhone übertragen" wurde auf dem Android-Gerät installiert. Die Auswahl war groß, übertragen wurden am Ende trotzdem nur die Kontakte, die Fotos und das Google-Konto.

- Die von Huawei bereitgestellte App Phone Clone funktioniert nur vom iPhone zu Android, nicht aber in die andere Richtung.

iPhone zu Android

- iPhone 11 pro zu Huawei P30 lite: Verwendete App: Huawei Phone Clone. Das Huawei-Gerät stellte zwecks Übertragung ein lokales Netzwerk bereit. Übernommen wurden lediglich die ­Kontakte, Kalendereinträge und Fotos.

- iPhone 11 pro zu LG G8: Keine LG-App im App Store von Apple verfügbar. Funktionierte nur online über www.android.com/switch.

- iPhone 11 pro zu Sony Xperia 5: Nur online über www.android.com/switch. 

iPhone zu iPhone

Die in Apples Betriebssystem iOS integrierte Klon-Möglichkeit "Schnellstart" ist derzeit die beste in der gesamten Smartphone-Welt. Mindestvoraussetzung ist die Version 12.4, und die läuft sogar noch auf dem iPhone 5S aus dem Jahr 2013.

Die Verbindung kann bei Vorhandensein der entsprechenden Adapterstecker bzw. -kabel (Lightning-auf-USB 3-Kamera-Adapter sowie Lightning-auf-USB-Kabel) verkabelt erfolgen, der Normalfall wird aber die drahtlose Übertragung via WLAN und Bluetooth sein.

Dazu hält man die beiden iPhones aneinander, meldet sich auf dem neuen Gerät mit der Apple-ID an und scannt mit der Kamera des alten Geräts die auf dem Display des neuen angezeigte Animation. In der Folge wird eine exakte Kopie erstellt; d.h., es werden sämtliche Daten, Einstellungen und Passwörter mit übertragen. Wobei Vertrauen gut, Kontrolle aber besser ist.

Unter Umständen muss man einzelne Einstellungen neu vornehmen oder In-App-Käufe wiederherstellen. Im Großen und Ganzen klappt die Übertragung aber fehlerlos.

Einziger Kritikpunkt: Es gibt keine Fortschrittsanzeige, die Displays der iPhones bleiben für längere Zeit schwarz. Man darf keinesfalls vor dem Neustart eingreifen, sonst muss man wieder von vorn beginnen.

Die ebenfalls cloudlose Alternative zum "Schnellstart" ist die Wiederherstellung aus einem am Computer gespeicherten iPhone-Back-up (via iTunes-Software auf PC und Mac bzw. ab macOS 10.15 via Finder).

Tipp: Dateien lokal austauschen

Auch der schnelle Austausch einzelner Daten zwischen zwei Geräten kann lokal erfolgen, also unter Vermeidung des Internets.

Auf vielen Android-Smartphones (aber auch auf Laptops oder Digitalkameras) steht dafür die Funktion WiFi Direct zur Verfügung, zu finden unter "Einstellungen/WLAN" (die genaue Menüführung ist geräteabhängig).

WiFi Direct muss auf ­beiden Geräten durch Antippen aktiviert werden, dann werden sie unter "Verfügbar" angezeigt. Auf dem Smartphone, von dem aus gesendet werden soll, tippt man nun auf den Namen des Zielgeräts, wählt beispielsweise ein Foto, tippt auf "Teilen" (je nach Modell auch: "Senden" oder "Freigeben") und danach neuerlich auf WiFi Direct.

Apple hat in seine Geräte eine Funktion namens AirDrop integriert. Wenn man auf dem iPhone vom unteren Bildschirmrand nach oben streicht (ab dem iPhone X vom rechten oberen Bildschirmrand nach unten), öffnet sich das Kontrollzentrum. Drückt man nun länger auf den Bereich, in dem sich u.a. das WLAN- und das Bluetooth-Symbol befinden, erweitert sich das Feld und zeigt zusätzlich das AirDrop-Symbol. Über dieses kann man AirDrop deaktivieren bzw. die Funktion für die eigenen Kontakte oder für jeden anderen iPhone-Nutzer freigeben.

WLAN und Bluetooth müssen aktiviert sein, der persönliche Hotspot ausgeschaltet. Nun wählt man beispielsweise ein Foto, tippt auf das "Teilen"-Symbol und danach auf das gewünschte AirDrop-Gerät, das unterhalb angezeigt wird. Der Empfänger hat nun noch die Möglichkeit, sich zwischen „Annehmen“ und „Ablehnen“ zu entscheiden.

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Aus dem Inhalt

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  • Kleine Helfer: Apps und Widgets
  • WLAN & Hotspots
  • Surfen und Lesezeichen verwalten
208 Seiten, 19,90 € + Versand

 

 

 

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