4 Männer schlafen im Büro, Chef brüllt Gesunder Schlaf ist wichtig Bild: Wisniewski/VKI

Schlaf: Warum wir schlafen

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Kaum etwas ist so selbstverständlich wie der Schlaf, und gleichzeitig ranken sich viele Mythen und Geschichten um das Thema. Für die Gesundheit hat Schlaf eine besondere Bedeutung.

Ein Drittel unserer Lebenszeit verbringen wir mit Schlafen. Und dennoch hat die Wissenschaft kaum eine umfassende Antwort auf die Frage, warum Menschen schlafen. Während wir schlafen, können wir nicht ­essen, nicht mit anderen kommunizieren oder Feinde abwehren. Aus Sicht der Evo­lution hat Schlaf offensichtlich lebens­wichtige Funktionen, denn viele Organe und Prozesse profitieren von der Ruhephase.

Der wichtigste Grund, warum wir schlafen: Unser Gehirn braucht den Schlaf. Während es tagsüber Hochleistungen erbringt und Sinneseindrücke aufnimmt, benötigt es nach etwa 16 Stunden auch einmal eine Pause. Ähnlich wie bei der Speicherung von Daten auf einer Festplatte werden in dieser Zeit die Erlebnisse des Tages am „richtigen Speicherplatz“ abgelegt und mit schon vorhandenen Inhalten im Langzeitgedächtnis verknüpft.

Redewendungen wie „über etwas schlafen“ oder „sich gesundschlafen“ geben ­einen Hinweis darauf, dass der Schlaf für unsere Gesundheit bedeutsam ist. Wissenschaftler sind sich einig, dass eine erhol­same Nachtruhe eine wichtige Voraussetzung für unser seelisches und körperliches Wohl­befinden ist.

Das Hirn ist aktiv

Lange Zeit wurde der Schlaf als inaktiver Zustand betrachtet. Erst mit der Erfindung der Elektroenzephalographie (EEG) und ­damit der Möglichkeit, Aktivitäten des ­Gehirns zu messen, konnten der Schlaf und die dabei ablaufenden Hirnfunktionen dargestellt werden. Seither ist klar, dass wir im Schlaf keineswegs inaktiv sind. Dennoch werden Vitalfunktionen wie zum Beispiel Atmung und Herztätigkeit heruntergefahren. Der Körper benötigt weniger Energie. Gedächtnisinhalte werden gespeichert, Muskeln aufgebaut, Hormone reguliert und das Immunsystem gestärkt.

Schlafmythen

Märchenforscher kennen das Motiv „Schlaf“ aus vielen Erzählungen. So findet sich zum Beispiel der „Winterschlaf“ schon in der Antike: Die griechische Göttin Persephone verschwindet im Winter von der Erde, um bis zum Frühling bei Hades, dem Gott der Unterwelt, zu bleiben. Dornröschen sticht sich an der Spindel, wird mit einem Zauber belegt und schläft 100 Jahre, bis sie von ­einem Prinzen wachgeküsst wird. Im Märchen „Einäuglein, Zweiäuglein und Dreiäuglein“ der Gebrüder Grimm singt eine Schwester die andere in den Schlaf – „Einäuglein, wachst du? Einäuglein, schläfst du?“, um sich satt zu essen, während die andere schläft.

Aristoteles definierte Schlaf als das Gegenteil des Wachseins. Und: „Der Schlaf ist der kleine Bruder des Todes“, formulierte der Philosoph Arthur Schopenhauer. Er schließt damit an die griechische Mythologie an: Hier ist Hypnos der Gott des Schlafes, sein Bruder Thanatos der Gott des sanften ­Todes. Als „Entschlafen“ oder „ewiger Schlaf“ wird nach wie vor das Sterben umschrieben. Sowohl der Schlaf als auch der Tod wurde bei den Germanen als Sandmann bezeichnet, als Gesandter Gottes. Heute noch bringt das „Sandmännchen“ den Kindern den Schlaf.

Im Märchen ist Schlaf meist die Folge eines Zaubers und verbunden mit der Sehnsucht nach paradiesischen Zuständen, mit Heilung, Verwandlung, aber auch gleichzeitig mit der Angst vor Ungewissem. Eng verbunden damit ist das Thema „Traum“, der sich – mit Ausnahme von Tagträumen – fast immer während des Schlafens ereignet. Träume faszinieren Menschen besonders, denn sie sind unkontrollierbar und daher höchst rätselhaft.

Wer schläft wie?

Schlafzimmer, so wie wir sie heute kennen, entstanden in Schlössern oder Adelshäusern und mit der Zeit auch in bürgerlichen Haushalten. Ärmere Bevölkerungsschichten teilten sich noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg das Bett mit sogenannten „Bettgehern“. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte Schlafen auch keinen besonders ­guten Ruf. Wer viel schlief, wurde als faul und arbeitsscheu bezeichnet. Erst in jüngster Zeit hat sich in westlichen Industrie­ländern der Schlaf von einem notwendigen Übel immer mehr zu einem Luxusgut ent­wickelt. Schlafstörungen haben in Medizin und Wissenschaft Eingang gefunden, und dem „gesunden Schlaf“ wird mehr Bedeutung beigemessen.

Wann, wo und wie Menschen schlafen, ist Ausdruck der sogenannten Schlafkultur. Menschen schlafen fast immer im Liegen, während bei Tieren die Schlafposition häufig von der Körpergröße bestimmt wird. Je nach Kulturraum wird auch unterschiedlich geschlafen: in eigenen Räumen, gemeinsam in Zelten oder im Freien. Geschlafen wird am Boden, auf Podesten, auf Matratzen, in Hängematten oder in Betten. Hierzulande schlafen Erwachsene – wenn der Platz es erlaubt – meist getrennt von ihren Kindern, in abgedunkelter und ruhiger Umgebung. Der Schlafplatz wird nicht gewechselt und die Schlafenszeiten folgen meist sehr klar definierten Regeln, die sich an den jewei­ligen Unterrichts- und Arbeitszeiten der Menschen orientieren.

Veränderungen sind normal

Forschungen zeigen, dass der Schlaf- und Wachrhythmus sich verändert hat, seit Menschen ausreichend Zugang zu künst­lichem Licht haben und in Häusern leben, die Schutz bieten. Die Schlafgewohnheiten hängen auch vom Klima ab. So halten Menschen in südlichen Ländern über die heiße Mittagszeit häufiger Ruhezeiten ein und gehen dafür erst spätabends ins Bett. In vielen Kulturen hängt die Schlafenszeit auch von der Arbeit ab. Nomadenvölker schlafen mehrmals am Tag. In landwirtschaftlichen Regionen wechselt der Schlaf-Wach-Rhythmus mit der Jahreszeit.

Im Schnitt schlafen Menschen zwischen sechs und acht Stunden – ein „richtig“ oder „falsch“ gibt es nicht. So sind unterschiedliche Lebensphasen durch ein unterschiedliches Schlafbedürfnis gekennzeichnet. Säuglinge schlafen 16 bis 18 Stunden. In der Kindheit nimmt die Schlaflänge ab. Jugendliche in der Pubertät brauchen wieder mehr Schlaf, wobei sich der Rhythmus meist nach hinten verschiebt. Es ist daher nicht ungewöhnlich, dass sie in der Früh müde sind, gern länger schlafen und dafür oft erst weit nach Mitternacht zu Bett gehen. Mit fortschreitenden Lebensjahren wacht man kurz und häufiger auf, braucht mitunter weniger Schlaf, geht früher zu Bett und steht auch früher wieder auf. So machen ältere Menschen oft mehrmals ein Nickerchen tagsüber oder einen Mittagsschlaf nach dem Essen.

Schlechterer Schlaf im Wechsel

Bei Frauen kommt es häufig mit den Wechseljahren zu einer schlechteren Schlafqualität. Schlaf wird zunehmend als „Problem“ erlebt. Dabei handelt es jedoch oft um biologisch bedingte Prozesse wie Hormon­schwankungen, die zu den Schlafveränderungen führen und in unterschiedlicher Weise belastend sein können. Diese viel­fältigen Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus – je nach Lebensumständen und Alter – werden oft fälschlicherweise als „Schlafstörungen“ gedeutet.

So geht schlafen

Damit wir schlafen, braucht es den Schlaf­drang und den Schlafdruck.

Der Schlafdrang ist ein Signal, das von der „inneren Uhr“ in unserem Gehirn ausgeht. Sie ist für den Tag-Nacht-Rhythmus verantwortlich und folgt einem 24-Stunden-Takt, der auch ­„zirkadianer Rhythmus“ genannt wird. Diese Bezeichnung weist darauf hin, dass der ange­borene Rhythmus nicht genau 24 Stunden entspricht, sondern „zirka“ der Länge eines Tages. Dieser natürliche Zyklus findet sich bei jedem Lebewesen auf der Erde. Er sorgt für eine räumliche und zeitliche Organisation. So dreht sich die Erde in 24 Stunden um ihre Achse und sie umkreist in 365 Tagen die Sonne. Es entstehen Tag und Nacht, Ebbe und Flut, aber auch die Jahreszeiten in immer wiederkehrenden Rhythmen. Wichtige Signale für diese Rhythmen sind das Tageslicht, aber auch Temperaturschwankungen, Nahrungsaufnahme oder Aktivität.

Alle diese Sig­nale sind sogenannte „Zeitgeber.“ Sie werden vom Gehirn benutzt, um sich auf den 24-Stunden-Rhythmus einzustellen. Wesentlich am Schlafdruck beteiligt ist Adenosin, ein Signalmolekül im Körper. Es entsteht, wenn Zellen Energie verbrauchen, daher baut sich tagsüber Adenosin im Körper auf. Es bindet sich an bestimmte Nervenzellen und bremst dort die Akti­vität der Neuronen. Ist ein bestimmter Schwellenwert erreicht, so macht das müde. Hohe Konzentrationen an Adenosin in den Zellen wirken gleich doppelt: Sie dämpfen die Gehirnregionen, die uns wachhalten, und ­aktivieren gleichzeitig jene Regionen, die unseren Schlaf fördern. Koffein, das nicht nur in Kaffee, sondern auch in bestimmten Teesorten und in Energydrinks enthalten ist, kann das Schlafsignal des Adenosins unterdrücken.

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