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Männer beim reparieren
Wer repariert spart Kosten und schont die Umwelt. Bild: Susanne Wolf

Reparatur-Cafés

Ehrenamtliche Helfer nehmen sich kaputter Geräte an und wer möchte, kann selbst Hand anlegen. Wir haben den Selbermachern über die Schulter geschaut.

"Ich habe hier früher den Menschen das Häkeln beigebracht", erzählt Brigitta Hofer im Nachbarschaftszentrum 8 des Wiener Hilfswerks. Heute ist die ältere Dame ­gekommen, um ihren Föhn reparieren zu ­lassen. "Seit meine Haare sich darin ver­fangen haben, funktioniert er nicht mehr."

Johannes Horvath nimmt sich des Falles an und beginnt, an dem Föhn herumzuschrauben. Horvath ist einer der ehrenamtlichen Helfer im Energie & Reparatur Café, haupt­beruflich widmet er sich der Reparatur von Haushaltsgeräten. „Wir versuchen, den Leuten zu ­zeigen, wie es geht“, sagt ­Thomas, pensionierter Ingenieur, der gerade an einer elektronischen Waage werkt. An diesem Abend ­haben die Bastler sich eingefunden, um ­kleine elektrische Geräte gemeinsam mit ­deren Besitzern – und gegen eine freiwillige Spende – zu reparieren.

Unter Fachkenntniss

Wer möchte, kann selbst Hand anlegen, die meisten Besucher bevorzugen jedoch die Fachkenntnisse der Helfer. Die Erfolgsquote reparierter Geräte beträgt immerhin 60 ­Prozent. Auch die Kunststopferin Christa ist Teil des Teams. Sie demonstriert, wie ­Löcher in Kleidungsstücken verschlossen werden können.

"Mitbringen kann man alles, was in einer Hand getragen werden kann“, ­erklärt Organisator Heinz Tschürtz, der seit 2013 sein Energie & Reparatur Café anbietet, seit einigen Jahren im Nachbarschaftszentrum 8. Der Elektrotechniker und Energieberater möchte Bewusstsein und Sensibilität für Energie- und Umweltthemen schaffen und zugleich Menschen zusammenbringen.

Reparieren und Energie sparen

"Mein Herzenswunsch ist es, mit meinem ­Engagement einen nachhaltigen ökologischen Fußabdruck in diese Welt zu setzen“, so Tschürtz, der das Reparaturnetzwerk ­Wien mitgegründet hat. "Reparieren und Energie sparen sind eng miteinander verbunden."

Reparieren statt wegwerfen

Das erste Repair Café wurde 2009 von der Niederländerin Martine Postma in Amsterdam organisiert, die auch die Stiftung „Stichting Repair Café“ gründete. Die Non-Profit-Organisation bietet weltweit professionelle Unterstützung bei der Gründung von Repair Cafés an. Die Botschaft dahinter ist klar: reparieren statt weg­werfen.

In unserer schnelllebigen Welt ist es normal geworden, selbst Geräte oder Kleidungsstücke mit nur kleinen Schäden zu entsorgen. Die Folgen dieses ­Lebensstils sind dramatisch: Immer schneller werden Dinge unter Umständen produziert, die die Ressourcen des Planeten ­sowie die Arbeiter in den Herstellerländern ausbeuten.

Welterschöpfungstag

Der Earth Overshoot Day oder Welterschöpfungstag fiel im Jahr 2021 ­bereits auf den 29. Juli.An diesem Tag hat die Menschheit alle natürlichen Ressourcen aufgebraucht, die die Erde innerhalb eines Jahres wiederherstellen und damit nachhaltig zur Ver­fügung stellen kann. Anders gesagt: Um den gegenwärtigen Ressourcenverbrauch der Menschheit zu decken, bräuchten wir mittlerweile 1,7 Erden.

In Österreich gehen wir noch verschwenderischer mit unseren Ressourcen um. Hier fiel der Welterschöpfungstag 2021 bereits auf den 7. April. Ein weiterer Nebeneffekt ­dieser Verschwendung sind wachsende Berge an Elektromüll, allein in Österreich 83.000 Tonnen jährlich. Oft wird Elektroschrott auf illegale Weise in andere Länder transportiert, etwa nach Ghana.

Hersteller in die Pflicht nehmen

Mit einer Änderung unseres Lebensstils können wir diesem Trend entgegenwirken. Dazu gehört: Dinge so lange wie möglich verwenden, gemeinsam nutzen, tauschen, gebraucht kaufen oder eben reparieren. Nicht nur die Konsumenten sind gefragt, auch die Hersteller müssten endlich in die Pflicht genommen werden.

Sollbruchstellen

„Vor 30 Jahren haben Waschmaschinen noch ein halbes Leben lang funktioniert, nämlich 30 bis 40 Jahre“, weiß Sepp Eisenriegler, Geschäftsführer des Reparatur- und Servicezentrums R.U.S.Z in Wien. „Heute sind es nicht einmal acht Jahre.“ Eisen­riegler, unermüdlicher Verfechter eines ­ressourcenschonenden Wirtschaftens, wurde auch als einer der schärfsten Kritiker der sogenannten geplanten Obsoleszenz bekannt. Dabei handelt es sich um Sollbruchstellen in Geräten, die bewirken, dass diese nach kurzer Zeit kaputt gehen. „Dass es diese Sollbruchstellen gibt, ist eine ­Tatsache, in unserem Reparatur- und Servicezentrum entdecken wir sie ständig.“ Das Repair Café des R.U.S.Z, Schraube 14, soll ab Herbst 2022 an mehreren Stand­orten in Wien wieder aufgenommen werden.

Im Salzburger Repair Café im Stadtteil ­Lehen befasst sich ein junger Mann mit ­einer Stereoanlage, deren Lautstärkeregler defekt ist. „Ich habe mit zehn Jahren ­an­gefangen, an Geräten herumzubasteln“, ­erzählt Philosophie-Student Johannes, der seit fünf Jahren im Repair Café aushilft. Die Stereoanlage kann zwar nicht vollständig repariert werden, doch der Besitzer ist dennoch dankbar für die Hilfe. „Ein wenig ­besser funktioniert sie jetzt.“ Im Nebenraum wird gerade ein kaputter Stuhl repariert.

Erfolgsquote 60 bis 70 Prozent

Die Erfolgsquote im Repair Café Salzburg, das zweimal pro Monat stattfindet, ­beträgt 60 bis 70 Prozent. Repariert wurden bereits so außergewöhnliche Dinge wie eine Pferdeschermaschine oder eine Kettensäge – am häufigsten werden jedoch Kaffee­maschinen gebracht.

Radwerkstatt in Salzburg

Auch eine Radwerkstatt wird angeboten „Wir waren ­eines der ersten Repair Cafés in Österreich und feiern heuer unser 10-jähriges Jubiläum“, erzählt Andrea Hohen­warter vom ­Bewohnerservice der Stadt Salzburg. Und: „Wir sind fast immer ausgebucht.“ Die ­Juristin und Sozialarbeiterin betont, dass es kein Problem mit ehrenamtlichen Helfern gebe, und findet es gut, dass hier fast ausschließlich Männer am Werk sind. „Sonst wird ehrenamtliche Arbeit ja eher von Frauen geleistet.“ Auch Anfragen von Schulen und Unternehmen habe es schon gegeben. „Wir können damit einen Anstoß geben, selbst etwas anzubieten“, so Hohenwarter.

Bildergalerie: Im Reparatur-Cafe

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Langlebige Produkte als Ziel

Das aktuelle Wirtschaftssystem kann nur durch anhaltenden Konsum am Leben erhalten werden – ein Zugang, dessen Nachteile nicht mehr zu leugnen sind (siehe oben). ­Eine Alternative ist die Kreislaufwirtschaft, bei der bestehende Materialien und Pro­dukte so lange wie möglich wiederverwendet, geteilt, repariert, aufgearbeitet oder recycelt werden. Dadurch werden ­Abfälle auf ein Minimum reduziert. 2015 hat die EU eine Initiative für Kreislaufwirtschaft auf den Weg gebracht.

Repair Cafés wie in Wien oder Salzburg ­gehören zu einer wachsenden Zahl an Ini­tiativen, die unserer Wegwerfgesellschaft etwas entgegensetzen möchten. In jedem Bundesland werden bereits Reparatur-Cafés angeboten (siehe Linkliste unten).

Reparaturbonus

Kürzlich wurde ein bundesweiter Reparaturbonus eingeführt: Gefördert wird die Reparatur von Elektro- und Elektronikgeräten, die im Haushalt verwendet werden. „Letztendlich müssen langlebige Produkte das Ziel sein“, ist Sepp Eisenriegler überzeugt.

Links und Aufruf

Nachfolgend eine Liste an Reparatur-Cafés (Auswahl)

Kennen Sie weitere Repair Cafés in Ihrer Um­­gebung? Helfen Sie mit, unsere Online-Liste zu erweitern!

Mail an: leserbriefe@konsument.at

Tirol

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