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Fotografieren: Makrofotografie - Magie des Kleinen und Allerkleinsten

Große, kleine Welt: Die Makrofotografie öffnet den Blick für die Schönheit des Verborgenen.

Der Maler braucht nicht ans Meer zu fahren, um eine Strandszene im Bild festzuhalten. Dazu kann er im Atelier bleiben. Er schöpft aus dem Fundus seiner inneren Welt, aus seinen Erinnerungen und Erfahrungen. Anders der Fotograf. Dessen Bildmaterial ist vorgegeben, es ist die ihn umgebende Wirklichkeit.

Spannende und interessante Motive

Der Fotograf schafft nicht eigene Bildwelten, sondern er gibt sie wieder. Aus diesem Grund zählt die Fotografie auch zu den reproduzierenden Künsten. Ihr Wesensmerkmal bedeutet Beschränkung – und auch Herausforderung. Die Herausforderung nämlich, spannende und interessante Motive in der Welt (oder zumindest in der näheren Umgebung) zu entdecken. Für viele sind das Menschen, in all ihrer Verschiedenartigkeit. Für andere die kleinen und kleinsten Dinge, die das Leben zu bieten hat. Beispielsweise am Boden kreuchende Käfer, nur wenige Millimeter groß. Oder zarte Verästelungen eines Baumblatts. Oder ein in der Luft fliegender bunter Schmetterling.

Mikrowelt, die dem Auge entgeht

Diese Mikrowelt, die dem flüchtigen Auge oft genug entgeht, ist eine Domäne der Makrofotografie. Makrofotografie ist dadurch definiert, dass das abgebildete Objekt in realer Größe auf dem Sensor (inzwischen seltener: auf dem Film) festgehalten wird. So zumindest eine Definition, eine andere ist etwas großzügiger und lässt auch noch ein Verhältnis zwischen Bild- und Gegenstandsgröße von 1:10 zu, das dann etwa gegeben ist, wenn ein 10 cm großes Tier im Ausmaß von 1 cm auf das Speichermedium gebannt wird.

Alltagsgegenstand fotografieren

Wie auch immer, entscheidend ist in jedem Fall der Abbildungsmaßstab, keine Einschränkung besteht dagegen hinsichtlich des Motivs. Dabei kann es sich um ein Tier oder eine Pflanze oder auch um einen ganz alltäglichen Gegenstand handeln, insofern bestehen Überschneidungen zu anderen Klassifikationssystemen, etwa der Tierfotografie oder dem Stillleben. Charakteristische Eigenschaft dieser speziellen Sparte der Nahfotografie: Kleines kommt ganz groß heraus.

Feste Brennweiten als Standard

Die Makrofotografie erfordert zunächst weniger einen bestimmten Kameratypus als vielmehr ein spezielles Objektiv, eines nämlich, das gegenüber der Standardausführung, die üblicherweise auf weite Entfernung optimiert ist, auch eine Scharfeinstellung aus kurzer und kürzester Distanz erlaubt.

Makroobjektive sind teurer

Faustregel für Normalobjektive: der geringstmögliche Abstand zum Motiv entspricht dem zehnfachen Wert der Brennweite, ist also bei einem 50mm-Objektiv rund 50 cm. Geht man näher heran, bezahlt man das unweigerlich mit Unschärfe. Nicht so allerdings mit einem Makroobjektiv. Das ist konstruktionstechnisch auf den Nahbereich ausgelegt, was sich nicht zuletzt im Preis niederschlägt: Gegenüber der Normalausführung ist es rund drei Mal so teuer.

Feste Brennweiten als Standard

Makroobjektive (nicht irritieren lassen: bei Nikon lautet die Handelsbezeichnung Micro-Nikkore) gibt es in unterschiedlichen Ausführungen, mit normaler (50-60 mm), mittlerer (90-105 mm) und längerer Brennweite (180-200 mm) – Standard sind Festbrennweiten. Das Telemodell (mit längerer Brennweite) ermöglicht, Abstand zu besonders scheuen Tiere zu halten, sprich: die sogenannte Fluchtdistanz einzuhalten, und sie dennoch formatfüllend abzubilden. Nachteil: Dieses Objektiv bringt einiges Gewicht auf die Waage respektive in die Fototasche. Und billig ist es obendrein nicht gerade.

Pflanzen suchen nicht das Weite

Das Auslangen findet der Fotograf schon mit einem normal brennweitigen Makroobjektiv, so sein Interessensschwerpunkt auf Pflanzen liegt. Bei diesen Objekten besteht nämlich nicht die Gefahr, dass sie plötzlich aufschrecken und das Weite suchen. Also kann sich der Fotograf ihnen bis auf 6 oder 7 cm nähern, dies der gewöhnliche Arbeitsabstand in diesem unteren Brennweitenbereich. Der Allrounder unter den Makroobjektiven ist, weil flexibel einsetzbar, der mit mittlerer Brennweite und daher auch am meisten gefragt.

Nahlinse und Zwischenring

Nahlinse und Zwischenring

Neben diesen speziellen Objektiven, die im Übrigen erst in den 1950er-Jahren aufkamen, gibt es etliches Zubehör, das auch gute Dienste im Nahbereich leistet: Nahlinsen, die auf das Objektiv montiert werden und eine Art Lupenfunktion übernehmen; Zwischenringe, die zwischen Kamera- und Objektivbajonett gesetzt werden und die Naheinstellgrenze verringern; Telekonverter, die die Brennweite um einen gegebenen Faktor verlängern und dementsprechend auch den Abbildungsmaßstab vergrößern; Balgengeräten, die wie die Zwischenringe den Objektivauszug verlängern. Diese Helfer stellen eine kostengünstige Alternative zum Makroobjektiv gerade für jene Fotografen dar, die kein schweres Gepäck mit sich herumschleppen, aber für den Fall gerüstet sein wollen, dass ihnen unvermittelt ein attraktives Motiv unterkommt.  

Kompaktkameras mit Makrofunktion

Vielfach bieten schon einfache Kompaktkameras eine Makrofunktion an, meist symbolisiert durch eine Blume. Zu viel versprechen dürfen Sie sich davon allerdings nicht. Diese Funktion erlaubt zwar Aufnahmen aus nächster Nähe, allerdings um den Preis von argen Verzerrungen. Staat ist mit diesen Bildern nicht zu machen. Doch als Erinnerungsstütze taugen sie allemal. 

Makrofotografie mit dem Handy?

Sind Sie ein Vielknipser? Haben immer Ihr Handy parat, um Menschen und Situationen im geeigneten Moment festzuhalten? In diesem Fall ist die Makrofotografie wohl nichts für Sie – oder gerade doch, als absolutes Kontrastprogramm.

Zeit und Geduld

Zeit und Geduld

Dieses Fotogenre erfordert nämlich nichts so dringend wie Zeit und Geduld. Mit dem schnellen Druck auf den Auslöser ist es nicht getan. Makrofotografie ist Feinarbeit. Angefangen bei der Scharfeinstellung, die sich zumeist im Millimeterbereich bewegt. Je höher die Brennweite, desto geringer die Schärfentiefe. Schnell kann es da passieren, dass gegen alle Bildintention bloß die eine Hälfte des Insekts scharf wiedergegeben wird und die andere in Unschärfe untergeht.

Schärfentiefe vergrößern

Durch Abblenden lässt sich die Schärfentiefe vergrößern. Doch das heißt zugleich, dass zur korrekten Belichtung die Verschlusszeit heraufgesetzt werden muss, was wiederum die Gefahr von Unschärfe erhöht, denn die kann in diesem extrem präzisen Bereich schon durch feines Zittern der Hand ausgelöst werden. Daher: Die Arbeit mit Stativ ist für dem Makrofotografen ein absolutes Muss.  

Struktur eines Blütenblatts

Nehmen wir an, Sie möchten die zarte Struktur eines Blütenblatts fotografieren. Zu dumm nur, dass gerade ein leichter Wind geht – der katapultiert ihr Objekt ständig aus dem eingestellten Schärfebereich. Was tun? Sie müssen eine Lösung finden, wie das Blatt in Position gehalten werden kann. Vielleicht mit Hilfe einer Klammer. Der überzeugte Naturfotograf hält seine Eingriffe in die Natur so gering wie möglich. Lieber verzichtet er auf eine Aufnahme als dass er eine seltene Blume ausreißt, nur um sie fotografisch günstiger platzieren zu können.

Bildkomposition muss stimmen

Auch die Komposition muss stimmen

Technische Know-how ist wichtig. Doch es allein genügt nicht. Wer sich etwa auf die Aufnahme von Libellen spezialisiert, muss auch wissen, in welchen Gegenden er diese Tiere anfindet. Und welches der günstigste Aufnahmezeitpunkt ist. Man ahnt es kaum, doch in einer einzigen gelungenen Tieraufnahme kann die Arbeit von Tagen, ja Wochen stecken. Wohlgemerkt gelungenen, denn es ist nicht damit getan, das Tier aufs Bild zu bannen. Auch die Komposition muss stimmen! Zur handwerklichen kommt die gestalterische Qualität dazu. 

Alltägliche Dinge, neu gesehen

Neben der Aufnahme von Pflanzen und Tieren gibt es noch eine andere, nun ja, Spielart der Makrofotografie, für die der Fotograf nicht einmal das Haus verlassen muss: Als Objekte halten alltägliche Dinge her – Stifte, Nähzubehör, Besteck. Im extremen Ausschnitt fotografiert, sind sie kaum oder nicht wiederzuerkennen. Die Bleistiftspitze mutiert auf dem Bild zu einem Ufo, das Haar zu einem kantigen Felsbrocken. Zu entdecken ist der überraschende Reichtum gewöhnlicher Objekte. Rätsel werden aufgegeben und Überraschungen am laufenden Zentimeter geboten.

Verfremdet wiedergeben

Die Kunst (oder der Spaß) besteht darin, die Dinge in verfremdender Weise wiederzugeben. Gefragt ist mithin ein kreativer (oder verspielter) Umgang mit unserer Umwelt. Eine Arbeit, die gar nicht so weit entfernt ist von der des Malers.  
 

Makrofotografie

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Buchtipp: Fotografieren

Die Möglichkeit jederzeit, schnell und einfach Fotos erstellen zu können ruft auch einen Überdruss hervor. Die Flut der vielen beliebigen und nichtssagenden Fotos nährt die Sehnsucht nach dem Besonderen,  nach authentischen Bildern. Weg von der Massenware und hin zum individuellen und unverwechselbaren Ausdruck.

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Wir wollen Möglichkeiten aufzeigen und Anregungen bieten, die Sie unterstützen zu Ihrem eigenen, ganz persönlichen Ausdruck in der Fotografie zu finden.

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Aus dem Inhalt

  • Zeichnen mit Licht
  • Schärfe und Unschärfe
  • Flächen, Linien, Perspektive
  • Porträt- und Landschaftsfotografie
  • Architekur- und Sachfotografie

184 Seiten, 19,60 € + Versand

Fotografieren statt knipsen

 

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