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„Kotányi" Zimt gemahlen in zwei Verpackungen nebeneinander: links ein brauner Aufreißbeutel mit dem Claim „Von Natur aus gut", rechts eine Glas-Streudose mit Jubiläumsdeckel „145 Jahre"
„Kotányi" führt den gemahlenen Zimt in zwei Gebinden, ein direkter Preisvergleich gelingt daher nur über den Grundpreis. Bild: VKI

Kotányi Zimt gemahlen: Nachfüllen kommt teurer als das Glas

Wer zur Nachfüllpackung greift, tut das meist aus zwei Gründen: weniger Verpackungsmüll und ein niedrigerer Preis. Beides klingt logisch, schließlich fällt bei einem schlichten Beutel weniger Material an als bei einem Glas mit Deckel. Leider gemahlenen Zimt von Kotányi, den es unter anderem bei Spar sowohl im Einwegglas als auch im Nachfüllbeutel gibt, gilt genau das Gegenteil. Ein Konsument hat uns auf den Fall aufmerksam gemacht. 

Diesmal im Lebensmittel-Check 

Das steht drauf: Kotányi Zimt gemahlen 
Erhältlich bei: in viele Geschäften 

Der Nachfüllbeutel ist teurer als das Glas

Das Einwegglas kostet 3,49 Euro und enthält 45 Gramm, das ergibt einen Kilopreis von 77,56 Euro. Der Nachfüllbeutel kostet 2,99 Euro bei 25 Gramm Inhalt, macht 119,60 Euro pro Kilogramm. Der Beutel ist damit rund 42 Euro pro Kilogramm teurer, ein heftiger Aufschlag von über 50 Prozent. Genau diese Rechnung hat auch der Konsument angestellt, der uns das Produkt gemeldet hat. 

Ohne Nachrechnen kein Vergleich

Dass dieser Unterschied im Regal überhaupt auffällt, ist alles andere als selbstverständlich, denn für Gewürze und Gewürzzubereitungen ist im Handel keine Grundpreisauszeichnung vorgeschrieben. Wer die beiden Varianten vergleichen will, muss selbst nachrechnen. Erschwerend kommt hinzu, dass Gewürze in vielen verschiedenen Packungsgrößen angeboten werden. Was den Preisvergleich vor dem Regal betrifft, stapeln sich also gleich mehrere Hürden: 

  • Keine Grundpreisauszeichnung: Für Gewürze ist der Preis pro Kilogramm im Handel nicht verpflichtend anzugeben. 
  • Unterschiedliche Füllmengen: Jede Packungsgröße muss einzeln nachgerechnet werden, um die günstigste Variante zu finden. 
  • Nachfüllbeutel nicht recyclingfähig: Der Materialverbund des Beutels lässt sich laut Hersteller derzeit nicht über die Sammelsysteme recyceln. 

Wer nachfüllt, zahlt drauf

Nachfüllpackungen werden häufig als ressourcenschonend wahrgenommen und mit geringerem Transportaufwand verbunden. Entsprechend erwarten viele Konsument:innen, dass sich diese Einsparung zumindest teilweise im Preis niederschlägt. Ist das Nachfüllprodukt dennoch teurer, entsteht der Eindruck, umweltbewusstes Verhalten werde finanziell bestraft. Dabei ist gerade das Einwegglas die energieintensive Variante: Für die Herstellung von Glas werden Rohstoffe bei rund 1.500 Grad Celsius geschmolzen, auch das Recycling ist aufwendig. 

„Kotányi" Zimt gemahlen, Rückseiten beider Verpackungen: links der Beutel mit 25 Gramm Füllgewicht, Zutat Zimt und Spurenhinweis auf glutenhaltiges Getreide, Ei, Soja, Sellerie, Sesam, Milch und Senf, rechts die Streudose mit 45 Gramm.
Obwohl nur Zimt als Zutat deklariert ist, weist die Verpackung Spuren mehrerer Allergene aus der Produktion aus. Bild: VKI

Recyclingfähigkeit als Argument?

Der Hersteller verweist darauf, dass das Glas über das Altglas recycelbar ist, der Beutel dagegen noch nicht. Nur: Andere Hersteller setzen bereits recyclingfähige Kunststoff-Nachfüllbeutel für Zimt ein, möglich wäre es also. Und den deutlich niedrigeren Kilopreis des Glases erklärt das Recycling-Argument ohnehin nicht, denn auch Glas muss energie- und kostenintensiv wiederverwertet werden. Als zweites Argument nennt Kotányi die höhere Füllmenge im Glas, die den Kilopreis attraktiver macht. Nachvollziehbar, allerdings ließen sich auch in einen Nachfüllbeutel problemlos mehr als 25 Gramm füllen. 

Kein neues Muster bei Kotányi

Über ein ähnlich gelagertes Kotányi-Produkt haben wir bereits 2019 berichtet, damals ging es um Majoran nach dem Motto „Je weniger, desto teurer". 2024 erhielt die Firma zudem unseren Schmähpreis, die „KONSUM-Ente des Jahres", für eine Grill-Gewürzmischung aus der Dose. 

Stellungnahme des Herstellers

„Der Preis unserer Produkte setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen, neben den Rohstoffkosten spielen auch die gewählte Verpackungsart, Logistik und Lagerung eine Rolle. Im vorliegenden Fall ist zu berücksichtigen, dass das Produkt Zimt gemahlen im Glasgebinde mit einem höheren Füllgewicht angeboten wird als in der Briefpackung. Durch diese größere Füllmenge ergibt sich für Konsumentinnen und Konsumenten ein attraktiverer Kilopreis, wie es in nahezu allen Kategorien des Handels üblich ist. Hinsichtlich der ökologischen Aspekte möchten wir darauf hinweisen, dass das Glasgebinde im Altglas recycelbar ist. Der aktuell eingesetzte Materialverbund der Briefpackung ist jedoch derzeit noch nicht über die bestehenden Sammelsysteme recyclingfähig und muss über den Restmüll entsorgt werden. Wir arbeiten laufend an alternativen Verpackungslösungen und verfolgen das Ziel, künftig auch für unsere Briefpackungen recyclingfähige Lösungen anbieten zu können. Die Rückmeldung der Konsumentin bzw. des Konsumenten nehmen wir ernst und danken für den Hinweis. Solche Anmerkungen helfen uns dabei, unser Sortiment und unsere Verpackungslösungen kontinuierlich weiterzuentwickeln." 

KOTÁNYI GmbH 
10.06.2026 

Unser Fazit

Dass Kotányi den Nachfüllbeutel künftig in einer recyclingfähigen Verpackung anbieten will, ist zu begrüßen. Bei der Preisgestaltung hoffen wir, dass firmenintern noch einmal nachgedacht wird und auch ökologische Aspekte ihre Berücksichtigung finden. Unser Tipp an Konsument:innen: Bei Gewürzen die Preise vergleichen, der kleine Aufwand kann sich lohnen. Man kann leider nicht davon ausgehen, dass Nachfüllpackungen automatisch günstiger sind. Eine verpflichtende Grundpreisauszeichnung für Gewürze würde diesen Vergleich spürbar erleichtern. 

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