Kamillentee - Erhebliche Qualitätsunterschiede

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Das beliebte Hausmittel kommt bei vielen Erkrankungen zum Einsatz. Doch unser Test zeigt erhebliche Qualitätsunterschiede zwischen den Produkten auf.

Diese Kamillentees haben wir getestet:

Kamillentees im KONSUMENT-Test (Bild: George-Dolgikh / Shutterstock.com; Montage: VKI)

Teebeutel

  • Alnatura Kamillentee
  • Clever Kamillentee
  • Demmer T-Cup Kamillentee
  • dm Bio Kamillen Tee
  • Dr. Kottas Kamillenblüte
  • Julius Meinl Camomile
  • Lord Nelson Kamille Kräutertee 25 Btl
  • Meßmer Kamille mild
  • Mr. Perkins Kamillentee
  • Pukka 3 Kamille
  • Sonnentor Kamille BIO PUR
  • Teekanne Fixmille
  • Willi Dungl Kamille

Lose Ware

  • Apothekenabfüllung Kamillenblüten
  • Gewußt wie Kamillenblüten Arzneimittel Kräutertee
  • The Wellness Co. Kamillenblütentee

In der Testtabelle finden Sie Infos und Bewertungen zu: Arzneitee, Inhaltsmenge, Pyrrolizidinalkaloide, Pflanzenschutzmittel, Qualität, Deklaration, Richtpreis, ... - Lesen Sie nachfolgend unseren Testbericht.


Entzündungshemmend und krampflösend

Als Hausmittel eilt dem Kamillentee seit Jahrhunderten der Ruf voraus, ein wahrer Wunderwuzzi zu sein. Innerlich soll der ­Blütenaufguss etwa bei Magen-Darm-Leiden, Unruhe, Husten und Heiserkeit oder Halsentzündungen hilfreich sein. Äußerlich wird Kamille in Form von Bädern oder ­Wickeln bei Haut- und Schleimhautentzündungen, bakteriellen Hauterkrankungen, Entzündungen im Anal- und Genitalbereich oder bei Hämorrhoiden angewendet.

Belegt ist, dass die Kamillenpflanze Substanzen enthält, die entzündungshemmend und krampflösend wirken können. Ent­spre­chend großer Beliebtheit erfreut sich Tee aus der Kamillenblüte. Laut Österrei­chi­schem Teeverband nehmen Kräutertees (Kamille, Pfefferminze und Fenchel) mit über 45 Prozent auf dem heimischen Markt den Spitzenplatz ein.

Test auf Wirkstoffe und Schadstoffe

Wie bei vielen traditionellen Heilmitteln ist die therapeutische Wirksamkeit von ­Kamillentee jedoch nicht für alle ausge­lobten Indikationen ausreichend belegt. Zur Behandlung von wunder Haut und oberflächlichen Schürfwunden etwa ist Kamillen­lösung geeignet, bei der Behandlung von Mundschleimhaut- und Zahnfleisch­entzündungen oder bei Sodbrennen und Reiz­magen sollte man hingegen eher zu wirk­sameren Medikamenten greifen. Kamillentee kommt bei allen medizinischen Indika­tionen eher eine unterstützende Funktion zu.

Voraussetzung ist dabei jedoch, dass die Qualität des Produktes stimmt. Wichtig ist etwa, dass genügend Wirk­stoffe im Tee enthalten sind. Außerdem sollte der Tee möglichst frei von Schad­stoffen sein. Wir haben 16 Kamillentees auf beide Faktoren getestet.

Verunreinigungen durch Wildkräuter

Verunreinigungen können durchaus einen ­natürlichen Ursprung haben. Auf den Feldern, auf denen Kräuter für Teegetränke angebaut werden, wachsen nämlich auch Wildkräuter.

Einige enthalten Pyrrolizidin­alkaloide (PA). Bei diesen Verbindungen handelt es sich um Abwehr­stoffe, mit ­denen die Pflanzen sich vor ­Fraßfeinden schützen. Werden Teekräuter maschinell geerntet, geraten fast zwangsläufig andere Pflanzen hinzu.

Werden diese anschließend nicht aussortiert, landen auch die darin enthaltenen Substanzen im Tee. Pyrrolizidin­alkaloide erwiesen sich im Tierversuch als krebserregend und erbgutschädigend. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) geht davon aus, dass sie auch beim Menschen krebserregend sein können. PA können zudem Leberschäden und Vergiftungen verursachen. Eine andere Verunreinigung hat mit den Anbaumethoden zu tun. So werden bei Tests von Kräutertees auch immer wieder Pflanzenschutzmittel nachgewiesen.

Arznei oder Lebensmittel?

Wir haben 16 Kamillentees, darunter fünf Bio-Produkte und eine Abfüllung aus der Apotheke, in Drogerie- und Supermärkten sowie bei Diskontern und in der Apotheke eingekauft und im Labor untersuchen lassen. Der Testschwerpunkt lag dabei auf dem Nachweis von Schadstoffen (Pyrroli­zidin­alkaloide und Pflanzenschutzmittel). Bei vier Produkten handelt es sich um Tees, die laut Deklaration Arzneibuchqualität aufweisen sollten, bei einem dieser Tees (Dr. Kottas) um ein registriertes Arznei­mittel.

Arzneibuchqualität, Pyrrolizidinalkaloide

Arzneibuchqualität

Arzneibuchqualität hat eine Heilpflanze dann, wenn ihr Gehalt an pflanz­lichen Wirkstoffen mindestens so hoch und qualitativ hochwertig ist, wie es das Europäische Arzneibuch der Europäischen Arzneibuch-Kommission und nationale Arzneibücher vorschreiben. Arzneitee muss mindestens vier Milliliter ätherisches Öl je Kilogramm Blüten enthalten. Bei ­Kamillentee, der als Lebensmittel verkauft wird, genügt die halbe Konzentration.

Da Konsumentinnen und Konsumenten bei ­Kamillentee jedoch eher nicht unterscheiden, ob ein Produkt als Arznei oder als ­Lebensmittel verkauft wird, haben wir bei allen Produkten überprüft, ob sie auch ­Arzneibuchqualität haben. 

Pyrrolizidinalkaloide 

In elf Proben lagen die Pyrrolizidinalkaloide unterhalb der Bestimmungsgrenze. Das bedeutet, dass so wenig von den Schadstoffen enthalten war, dass eine Berechnung der Konzentration nicht möglich war. Diese Produkte wurden mit "sehr gut" bewertet.

Bei Magen-Darm-Beschwerden etwa wird empfohlen, drei bis vier Mal täglich eine Tasse Kamillentee zu trinken. Bei keinem einzigen Produkt wird demnach der vom Bundesinstitut für Risikobewertung empfohlene Tagestoleranzwert von 1,42 Mikrogramm für einen 60 Kilogramm schweren Menschen überschritten.

Die höchsten PA-Gehalte konnten wir im Willi Dungl Kamillentee nachweisen. Nimmt eine 60 Kilogramm schwere Person drei Tassen dieses Tees zu sich, werden etwa 24 Prozent des Tagestoleranzwertes ausgeschöpft. Ebenfalls stärker belastet waren die Tees von Alnatura (22 Prozent) und Julius Meinl (21 Prozent). 

Vier Arzneitees, Pflanzenschutzmittel

Pflanzenschutzmittel 

Pflanzenschutzmittel konnten zwar in ­allen Kamillentees nachgewiesen werden, in vier Produkten (Demmer, Sonnentor, dm Bio und Alnatura) lag die Konzentration allerdings unterhalb der Bestimmungsgrenze. In den anderen zwölf Kamillentees fanden wir quantifizierbare Mengen an Pflanzenschutzmitteln.

In den Tees von Gewußt wie, Clever, The Wellness Co., Meßmer und der Abfüllung aus der ­Apotheke konnten quantifizierbare Rückstände mehrerer Pflanzenschutzmittel nachgewiesen werden, wobei es in keinem einzigen Produkt zu einer Höchstmengenüberschreitung kam.

Unter Höchstmenge bzw. Höchstgehalt versteht man die ­Menge einer Substanz, die in oder auf ­Lebensmitteln pflanzlicher und tierischer Herkunft höchstens vorkommen darf.

Bio-Produkte tendenziell ­weniger belastet

In Summe am stärksten belastet waren die Produkte von Gewußt wie und Meßmer. Beim Willi Dungl Tee wurde bei einem Pflanzenschutzmittel der Höchstgehalt zu 74 Prozent ausgeschöpft.

Zwei aufgrund ihrer Giftigkeit für Mensch und Tier besonders bedenkliche Pflanzenschutzmittel, Chlorpyrifos und Malathion, konnten in insgesamt zehn Kamillentees in quanti­fizierbarer Menge nachgewiesen werden. Chlorpyrifos fanden wir in den Tees von Mr. Perkins, Clever, Meßmer, Willi Dungl, Lord Nelson, Julius Meinl, Pukka, Tee­kanne, The Wellness Co. und Gewußt wie.

Malathion war in Gewußt wie enthalten. Insgesamt lassen die Testergebnisse darauf schließen, dass Bio-Produkte tendenziell ­weniger belastet sind als konventionell ­angebaute Produkte.

Arzneitees

Vier Produkte (Dr. Kottas, The Wellness Co., Gewußt wie und die apothekeneigene Abfüllung) sind als Arzneitees ausgelobt. Alle erfüllten die Mindestanforderungen des Europäischen Arzneibuches.

Die anderen zwölf Tees im Test sind nicht als Arznei­tees ausgelobt und dementsprechend reine ­Genussmittel. Fünf dieser Produkte (Julius Meinl, Alnatura, Pukka, Lord Nelson, Teekanne) enthielten weniger als zwei Milliliter ätherische Öle je Kilogramm Blüten. Sie entsprachen somit nicht einmal den Vorgaben des Lebensmittelbuches.

Testtabelle: Kamillentee - Teebeutel

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Testtabelle: Kamillentee - lose Ware

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Steckbriefe

Demmer T-Cup Kamillentee
Teuerster Tee im Test. PA sowie vier Pflanzenschutzmittel unter der Nachweisgrenze. Höchstgehalt an ätherischem Öl bei den Lebens­mitteltees.

Sonnentor Kamille BIO PUR
Tee mit den geringsten Pflanzenschutzmittelrückständen, PA unter der Bestimmungsgrenze. Weniger zufriedenstellende Arzneibuchqualität. Ein Beutel soll für eine Kanne ausreichen, enthält aber nur Blüten für eine Tasse.

dm Bio Kamillen Tee
PA und zwei Pflanzenschutzmittel lagen unter der Bestimmungsgrenze. Arzneibuchqualität auf­- grund des niedrigen Gehalts an ätherischem Öl und Flavonoiden weniger zufriedenstellend. Das Produkt ist überflüssigerweise als vegan ausgelobt.

Dr. Kottas Kamillen­blüte
Arzneitee aus der Apotheke. PA unter der Bestimmungsgrenze. Enthält zwei Pflanzenschutzmittel in Konzentrationen über der Bestimmungsgrenze, zwei weitere unter der Bestimmungsgrenze. 

Mr. Perkins Kamillentee
PA unter der Bestimmungsgrenze. Zwei Pflanzenschutzmittel lagen über, zwei weitere unter der Bestimmungsgrenze. Der Gehalt an ätherischem Öl liegt mit 3,2 ml/kg deutlich über den Anforderungen für Lebensmitteltees.

Clever Kamillentee
Vier Pflanzenschutzmittel waren in quantifizierbarer Konzentration nachweisbar, zwei lagen unter der Bestimmungsgrenze. Der Tee wird als in Deutschland hergestellt ausgelobt; woher die Kamille stammt, ist unklar.

Meßmer Kamille mild
PA und ein Pflanzenschutzmittel ­unter der Bestimmungsgrenze. Drei weitere Pflanzenschutz­mittel waren in quantifizierbarer Konzentration nachweisbar. 

Willi Dungl Kamille
Höchster PA-Gehalt (bezogen auf Konsum von drei Tassen). Zwei Pflanzenschutzmittel in quantifizierbarer Konzentration nachweisbar, drei unter der Bestimmungsgrenze. Als in Österreich hergestellt ausgelobt, Herkunft der Kamille ist unklar.

Alnatura Kamillentee
Zweithöchster PA-Gehalt (bezogen auf den Konsum von 3 Tassen), drei Pflanzenschutzmittel unter der Bestimmungsgrenze. Konzentration an ätherischem Öl unter der Mindestgrenze für Lebensmitteltees. Überflüssigerweise als vegan ausgelobt. 

Julius Meinl Camomile
Dritthöchster PA-Gehalt (bezogen auf den Konsum von 3 Tassen), zwei Pflanzenschutzmittel in nach­weisbarer Konzentra­tion enthalten. Niedrigster Gehalt an ätherischem Öl.

Lord Nelson Kamille Kräutertee
PA unter der Bestimmungsgrenze. Zwei Pflanzenschutzmittel in nachweis­barer Konzentration enthalten. Gehalt an ätherischem Öl unter der Mindestgrenze für Lebensmitteltees.

Pukka 3 Kamille
Vier PA und ein Pflanzenschutzmittel in nachweisbarer Konzentration enthalten. Gehalt an ätherischem Öl unter der Mindestgrenze für Lebensmitteltees. Keine Angabe, wie lange der Tee ziehen soll. 

Teekanne Kamille
Zwei PA und zwei Pflanzenschutz­mittel in nachweisbarer Konzen­tration. Gehalt an ätherischem Öl unter der Mindestgrenze für Lebensmitteltees. Als in Österreich hergestellt ausgelobt; woher die Kamille stammt, ist unklar.

The Wellness Co. Kamillenblütentee
Arzneitee aus Drogeriemarkt. PA unter der Bestimmungsgrenze. Drei Pflanzenschutzmittel in nachweisbarer Konzentra­tion enthalten. Der Tee entspricht dem Arzneimittelbuch.

Apothekenabfüllung Kamillenblüten
Arzneitee aus der Apotheke. PA unter der ­Bestimmungsgrenze. Drei Pflanzenschutz­- mittel in nachweisbarer Kon­zentration enthalten. Der Tee entspricht dem Arzneimittelbuch. 

Gewußt wie Kamillenblüte Arzneimittel Kräutertee
Arzneitee aus Drogeriemarkt. PA unter der Bestimmungsgrenze. Fünf Pflanzenschutzmittel in nachweis­barer Konzentration enthalten.

Kamille

In der freien Natur ist die einjährige Pflanze, die zur Gruppe der Korbblütler gehört, vorrangig an warmen, sonnigen Plätzen wie Äckern, Wegrändern, Brachland, Weinbergen, Mauern und Schuttplätzen zu finden.

Ursprünglich stammt die Kamille aus Südosteuropa, die Pflanze ist aber schon lange in Mitteleuropa und bis nach Skandinavien heimisch. Bekannt ist das etwa 10 bis 50 cm hohe Ackerkraut für seinen ausgeprägten Duft und die gelb-weißen Blüten. Die Blütezeit der krautigen Pflanze ist von Mai bis Juni und die optimale Erntezeit drei bis fünf Tage nach dem Aufblühen. Für Tees werden fast ausschließlich Blüten aus landwirtschaftlich angebauten Sorten verwendet.

Kamillentee selbst gemacht

Kamillentee kann man auch selbst herstellen. Die Pflanze wächst an Wegrändern, auf Äckern, im Ödland, aber auch in Hausgärten. Verwechslungsgefahr besteht dabei allerdings mit der weit verbreiteten Hundskamille. Diese ist zwar nicht giftig, enthält jedoch praktisch keine Wirkstoffe.

Geerntet werden können Kamillenblüten zwischen Mai und dem Ende des Sommers. Bei der Ernte ist darauf zu achten, dass nur die geöffneten, voll entwickelten Blütenköpfchen einzeln von den Stängeln abgezwickt werden. Nach dem Pflücken sollten die Blüten an einem luftig-schattigen Platz zum Trocknen ausgebreitet werden.

Man kann sie auch im Dörrgerät darren. Dabei sollten Temperaturen über 30 Grad Celsius vermieden werden. Die getrockneten Blüten sollten bei Zimmertemperatur in gut schließenden dunklen Gläsern oder Dosen aufgehoben werden. Dies ist wichtig, weil sich sonst das ätherische Öl verflüchtigt.

Damit Kamillentee auch wirkt, muss er richtig zubereitet werden. Pro Tasse reicht eine Menge zwischen einem Tee- und einem Esslöffel Kamillenblüten aus (empfohlen werden etwa 1,5 Gramm getrocknete Blüten). Nach dem Übergießen sollte der Tee je nach Verwendung fünf bis maximal zehn Minuten ziehen.

Soll der Tee etwa gegen Krämpfe wirken, muss er länger ziehen, da sich die Flavonoide langsamer lösen. Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Korbblütler (z.B. Arnika, Beifuß, Schafgarbe und Ringelblume) sollte man auf die Einnahme von Kamille verzichten. Nicht angewendet werden soll Kamillentee im Augenbereich, da bereits kleinste Partikel zu Reizungen führen können.

VKI-Tipps

  • Behandlung von Beschwerden. Kamillentee bzw. Extrakte aus der Kamille sind zur Behandlung diverser Beschwerden zugelassen. Grundsätzlich sollte dabei immer Tee in Arzneibuchqualität verwendet werden. Die therapeutische Wirksamkeit ist jedoch nicht für alle ausgelobten Indikationen ausreichend belegt. Während Kamille etwa zur Behandlung von wunder Haut und oberflächlichen Schürfwunden geeignet ist, trifft dies auf die Behandlung von Mundschleimhaut- und Zahn­fleischentzündungen nicht zu. 
  • Schadstoffe. Wer sichergehen möchte, dass er Tee konsumiert, der möglichst wenig Pyrrolizidinalkaloide und Pflanzen­schutzmittel enthält, sollte eher auf Bio- Ware zurückgreifen.

Testkriterien

Pyrrolizidinalkaloide: Die Kamille selbst bildet keine Pyrrolizidinalkaloide; sehr wohl tun das aber die Wildkräuter, die zwischen den Kamillenpflanzen wachsen und bei der Ernte in die Teekräuter gelangen können. Die Kamillenteeproben wurden auf den möglichen Gehalt von 28 Pyrrolizidinalkaloiden untersucht.

Pflanzenschutzmittel: Der Einsatz von Pestiziden ist im Kräuteranbau weit verbreitet. Die Tees wurden auf jeweils elf verschiedene Pflanzenschutzmittel getestet.

Bewertung Arzneibuchqualität, Lebensmittelbuch

Arzneibuchqualität: Arzneibuch (und Vergleich mit Lebensmittelbuch)

Laut Arzneibuch (Ph. Eur. 9, 2017) sollten die getrockneten Blütenköpfchen der Kamille (lose Ware) folgende Kriterien erfüllen: Ätherisches Öl 90 %: mindestens 4 ml/kg, bezogen auf die getrocknete Droge (für Lebensmittel gilt: mindestens 2 ml/kg).

Gesamt-Apigenin-7-glucosid(Flavonoid)-Gehalt 5 %: mindestens 0,25 %, bezogen auf die getrocknete Droge.

Dünnschichtchromatographie: charakteristisches Muster von (-)-alpha-Bisabolol, En-In-Dicycloether und Chamazulen. Nicht bewertet.

Drogenbruchstücke: höchstens 25 % bei loser Ware. Nicht bewertet, da diese nur für lose Ware gelten.

Trocknungsverlust 5 %: höchstens 12,0 %

Asche: höchstens 13,0 %. Nicht bewertet.

Kennzeichnung

Es wurde überprüft, ob die Produkte den Vorschriften des Lebensmittelbuches bzw. des Arzneimittelbuches genügten.

Reaktionen

Alnatura

"Die fein geschnittenen Bio-Kamillenblüten des Alnatura Kamillentees sind nach Demeter-Richtlinien angebaut. Es handelt sich um einen besonders milden Kamillentee, wie auf der Verpackung beschrieben.

Jede Anlieferung der Teekräuter wird sorgfältig sensorisch geprüft, und nur geschmacklich einwandfreie Ware wird verarbeitet. Die getestete Charge wurde bei den Verkostungen als produkttypisch bewertet.

Das enthaltene ätherische Öl ist eine von vielen Komponenten des Tees, die den Gesamteindruck des Geschmacks prägen.

Unser Herstellerpartner lässt den Anteil an ätherischem Öl stichprobenweise analysieren, wobei in der Vergangenheit stets Werte zwischen 2 und 4 ml/kg festgestellt wurden."

Julius Meinl

"Der von Ihnen untersuchte Artikel Single Bag „Kamille“ mit der Chargennummer L407492201 ist ein Genusstee. Es handelt sich – wie bei allen von uns vertriebenen Tees – nicht um einen Arzneitee. Unser Produkt wendet sich an Verbraucher, die Freude am Genuss einer guten Tasse Kamillen-Tee haben.

Zudem möchten wir darauf hinweisen, dass es sich nicht um einen Kamillenblüten-Tee handelt. Für Tees aus reiner Kamillenblüte gibt es in der Tat Orientierungswerte für den Anteil an Ätherischen Ölen. Das Produkt heißt „Kamille“ und wird auch als „Kamille“ in der Zutatenliste deklariert. Dass neben den Blüten auch z.B. Stängel und Blätter der Pflanze verwendet werden, ist eindeutig zu erkennen. Es ist der maschinellen Abpackung der Teebeutel geschuldet, dass das Abfüllen reiner Blütenpollen nicht möglich ist. Diese sind als Monozutat zu leicht und voluminös.

Wir nehmen Ihre Hinweise jedoch gerne zum Anlass, um das Produkt erneut umfassend zu überprüfen und gegebenenfalls Änderungen vorzunehmen."

Lidl

"Die Qualität der Produkte hat bei uns oberste Priorität und unsere Lebensmittel werden regelmäßig strengen Kontrollen unterzogen. Auch der Kamillentee wird von unserem Lieferanten überprüft, daher haben wir sofort nachgefragt.
Unser Lieferant hat bestätigt, dass laut Messung der Tee bei der Warenauslieferung einen ätherischen Ölgehalt von durchschnittlich 0,3 mg/100g hatte. Damit liegt der Gehalt an ätherischem Öl über dem in den Leitsätzen geforderten Wert. Wir können das Messergebnis von unter 0,2 g daher nicht nachvollziehen. Möglicherweise ist es bei der Lagerung zu dieser Verringerung gekommen. Beispielsweise baut sich der Gehalt an ätherischen Ölen mit steigenden Temperaturen schneller ab."

Meßmer

"Wir können Ihnen bestätigen, dass Meßmer Kamille in Zusammensetzung und Kennzeichnung den gesetzlichen lebensmittelrechtlichen Bestimmungen der Republik Österreich sowie der Europäischen Union entspricht, insbesondere der Verordnung über Höchstgehalte an PSM.
 
In Meßmer Kamille (MHD 08.07.2021/L119092052) sind insgesamt drei Chargen Kamille eingeflossen. Alle drei Chargen wurden hinsichtlich PSM untersucht. Der Nachweis von Chlorpyrifos konnte, wenn auch in einem geringeren Umfang, in allen Chargen bestätigt werden. Die Gehalte liegen zwischen 0,017 und 0,020 ppm. Weder Metolachor, noch Clomazon konnten in einer der drei eingesetzten Chargen festgestellt werden. Die von Ihnen ermittelten Gehalte stellen wir somit in Frage und bitten um Berücksichtigung unserer Ergebnisse.
 
Wir hoffen, dass wir mit unseren Ausführungen den Sachverhalt klären konnten und stehen für Rückfragen jederzeit gerne zur Verfügung."

Pukka

"Selbstverständlich nehmen wir die VKI-Testergebnisse sehr ernst. Wir bei Pukka legen äußerst viel Wert darauf, ausschließlich Kräuter höchster Qualität zu verwenden. Unser Qualitätsteam testet alle Kräuter nach über 1.000 Sicherheits- und Prüfkriterien. Erst nachdem sie diesen Pukka Qualitätsprozess durchlaufen haben, dürfen Kräuter und Pflanzen Bestandteile unserer Bio-Kräutertees werden. Es ist unser Anspruch, alles, was wir herstellen, in gleicher, optimaler Qualität zu liefern.

Die für den Pukka Drei Kamille Bio-Tee eingesetzte Rohware (Kamille) hat gemäß Spezifikation immer einen Mindestwert von 2 ml/kg ätherische Öle. Dieser Wert entspricht auch der Empfehlung der THIE (Tea & Herbal lnfusions Europe) - Annex 1 "Compendium of Guidelines for Herbal and Fruit Infusion". Die Einhaltung dieser in der Spezifikation festgelegten Werte wird uns von unserem Lieferanten zugesagt und regelmäßig überprüft.

Alle unsere historischen Daten für die Analyse des Gehalts an ätherischen Ölen von unserer Pukka Drei Kamille-Mischung liegen oberhalb von 2 ml/kg. Der Durchschnittswert liegt bei 2,9 ml/kg.

Daher sind wir von den von Ihnen ermittelten Testergebnissen von 1, 14ml/kg sehr überrascht. Es wäre hilfreich mehr zu der von Ihnen angewendeten Testmethode zu erfahren, die uns bisher leider nicht bekannt ist. Wenn Sie uns zum Testverfahren genauere Informationen zukommen lassen, können wir eventuell bessere Erkenntnisse gewinnen, wie das Testergebnis entstanden ist und können diese mit Ihnen teilen.

Wir können Ihnen versichern, dass wir auf Basis dieser Untersuchung die KamilleRohware noch einmal überprüfen, damit wir den Pukka Bio-Tee Drei Kamille auch weiterhin in hoher Qualität anbieten können.

Wir stehen für Rückfragen jederzeit zur Verfügung und sind offen für einen Austausch, um die bestmögliche Qualität für die Konsumenten zu gewährleisten."

Teekanne

"Aus unseren Produktionsdokumenten geht hervor, dass diese Kamillentee-Charge vor gut einem Jahr gemischt wurde und der ätherische Ölgehalt damals bei 4,8ml/kg lag. Das ist deutlich über den Anforderungen von mindestens 2ml/kg lt. Lebensmittel-Codex.

Mit diesem hohen Ausgangswert ist bei den auf der Packung angegebenen Lagerbedingungen („vor Wärme geschützt lagern“) sichergestellt, dass das Produkt auch bis zum Ende des angegeben Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) über einen ausreichenden ätherischen Ölgehalt verfügt.

Dazu kommt, dass es zu jedem unserer Produkte standardmäßig Lagertests gibt, bei denen auch der ätherische Ölgehalt gemessen wird. Zusätzlich zeigt die Untersuchung von Rückstellmustern nach Ende des MHD, dass die vorgegebenen Mindestwerte bis zum Schluss eingehalten werden.

All dies belegt, dass bei sachgerechtem Umgang die ätherischen Ölgehalte einwandfrei eingehalten werden.

Warum das Testergebnis den von Ihnen gefundenen Wert zeigt, ist deshalb für uns leider nicht nachvollziehbar. Faktoren, die den Wert negativ beeinflussen können, sind die Zeitdauer zwischen Probenziehung und Analyse, sowie die Lagerbedingungen. Eine mögliche Erklärung wäre, dass das Produkt zu einem im Nachhinein nicht mehr bestimmbaren Zeitpunkt einer übermäßigen Wärmeeinwirkung ausgesetzt war oder schon länger offen war.

Produktqualität ist für uns ein zentraler Wert. Umso mehr bedauern wir die von Ihnen festgestellte Abweichung.

Als IFS-zertifiziertes Unternehmen sind wir aber davon überzeugt, dass es sich dabei um einen Ausreißer handelt und der Grund für die Abweichung nicht in der Produktqualität an sich liegt."

Willi Dungl

"Alle eingesetzten Rohstoffe unterliegen einer umfangreichen Qualitätskontrolle. Doch selbst im besten Prüfprogramm lassen sich Befunde, wie die oben angeführten, offenbar nicht gänzlich ausschließen. So liegt uns beispielsweise zum eingesetzten Rohstoff ein anderer Befund vor, in dem keine Spuren von Pflanzenschutzmitteln nachweisbar waren und der von Ihnen gefundene PA(Pyrrolizidinalkaloid)-Wert gerade mal halb so groß ist.

Alle Rohstoffe für Bio-Tees unterliegen selbstverständlich der gesetzlich vorgegebenen Bio-Kontrollkette und auch nach Aussage unseres Vorlieferanten gibt es keinen Zweifel an der Bio-Konformität. So sehr man es sich wünschen mag – leider sind auch Bio-Produkte nicht per se frei von Rückständen, da Bio-Lebensmittel in der gleichen Umwelt wie konventionelle Lebensmittel produziert werden. Die dort eingesetzten Stoffe werden durch verschiedene Prozesse im Boden und in der Luft (z.B. durch Abdrift) weiträumig im gesamten Ökosystem verteilt – ebenso auf Flächen, wo biologisch erzeugt wird. Auch wenn ein Bio-Anbauer Pestizide selbst nicht aktiv anwendet, können sie auf seinen Produkten zu finden sein.

In Hinblick auf Ihren Befund zu PA möchten wir ausführen, dass es sind dabei um natürliche Pflanzeninhaltsstoffe handelt, die in Unkräutern vorkommen und unbeabsichtigt in Lebensmittel gelangen. PA-haltige Unkräuter wachsen zunehmend auf öffentlichen Flächen und Brachland im Umfeld der Anbaugebiete. Das vermehrte Auftreten von PA-haltigen Pflanzen („Unkräuter“) kann auch ein unerwünschter Nebeneffekt des beschränkten Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln sein. Aufgrund des natürlichen Ursprungs von PA können Tees aus ökologischem sowie aus konventionellem Anbau gleichermaßen betroffen sein. Nachdem die vom deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) entwickelte Analysemethode in Juli 2013 erstmals die Bestimmung von PA in Tees möglich machte, hatte bei TEEKANNE die Minimierung von PA höchste Priorität. Dank dieser Aktivitäten konnte das PA-Vorkommen deutlich gesenkt werden. Der von Ihnen ausgewiesene Wert unterschreitet eindeutig den EU-Referenzwert und das Lebensmittel kann selbst für Säuglinge und Kleinkinder als sicher gelten.

Die Erfüllung der Verbrauchererwartungen und die Wahrung der hohen Produktqualität sind für TEEKANNE wesentlich. Deshalb nehmen wir jede Form der Kritik sehr ernst und sind stets aufs Neue bemüht, uns weiter zu verbessern."

Testplakette

Achten Sie beim Kauf auf die KONSUMENT-Testplakette.

Unternehmen, deren Produkte von uns mit "gut“ oder "sehr gut“ beurteilt wurden, haben die Möglichkeit, eine Testplakette zu erwerben. Deren Nutzung ist zeitlich begrenzt, und unsere strengen Richtlinien sind einzuhalten. Laut einer für die österreichische Bevölkerung repräsentativen Umfrage vom Juli 2019 verbinden Verbraucher mit der KONSUMENT-Testplakette in erster Linie, dass das entsprechende Produkt durch ein objektives Testverfahren geprüft wurde (41,3 %), eine hohe Qualität aufweist (40,1 %) und ein gutes Preis-/ Leistungs-Verhältnis bietet (33,9 %).

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