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Musikdigitalisierung: alte Schätze - Überspielen zum PC

Das Digitalisieren alter Musikbestände mit dem PC ist nicht allzu kompliziert und mit überschaubaren Kosten verbunden. Nur genügend Zeit müssen Sie dafür aufbringen.

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Beginnen wir mit den technischen Voraussetzungen für Musikdigitalisierung: Die Soundkarte genügt bei PCs neueren Baujahres auf jeden Fall den An­forderungen.

Überspielen zum PC

Das Problem ist eher, einen ­Audio-Eingang (Line-in, blau) zu finden, um ein externes Kabel mit der Soundkarte zu verbinden (über einen rosa gekennzeichneten Mikrofoneingang funktioniert das Über­spielen ebenfalls, es kann aber zu Qualitätseinbußen kommen bzw. handelt es sich möglicherweise um eine Mono-Schnittstelle).

Externe USB-Soundkarte

Vor allem bei Notebooks ist eine Audio-Schnittstelle (meist eine 3,5-mm-Klinkenbuchse) keine Selbstverständlichkeit. In diesem Fall schafft eine externe USB-Sound­karte Abhilfe, z.B. ein mittelpreisiges Modell von Anbietern wie Creative, Asus oder LogiLink für rund 30 bis 50 Euro. Bleibt die Frage, was am anderen Ende des Kabels hängt:

  • 1. Hi-Fi-Anlage mit Phono-Eingang: Sie besitzen eine alte Hi-Fi-Anlage mit ­einem Verstärker, der nicht nur über einen Ausgang (Line-out) verfügt, sondern auch über einen Phono-Eingang für den Plattenspieler. Das Kassettendeck können Sie auch direkt an den PC anschließen, der Plattenspieler jedoch benötigt eine Vorverstärkung des von der Nadel abgetasteten Signals. Zur Herstellung der Verbindung zum Computer brauchen Sie ein Adapterkabel „Cinch auf 3,5 mm Klinke“. Verwenden Sie nicht den Kopfhörerausgang des Verstärkers, das beeinträchtigt die Qualität!
  • 2. Plattenspieler ohne Verstärker mit Phono-Eingang: Sie besitzen einen alten Plattenspieler, aber keinen Verstärker mit Phono-Eingang. Dann müssen Sie einen externen Vorverstärker kaufen, z.B. von Hama (ab ca. 40 Euro), Pro-Ject (rund 100 Euro) oder Magix ­(„Retten Sie Ihre Schallplatten“; für rund 80 Euro im Paket mit Software).
  • 3. Keine Abspielgeräte: Sie besitzen eine LP- oder MC-Sammlung, aber keine Abspielgeräte. In diesem Fall ­bieten sich USB-Plattenspieler bzw. USB-Kassettenspieler an. Rechnen Sie für einen Plattenspieler mit 150 bis 250 Euro in der mittleren Preisklasse (z.B. von Denon, Sony oder Pro-Ject). Hier stoßen Sie auf Geräte, die unmittelbar zum PC überspielen, solche, die den Umweg über einen USB-Stick oder eine SD-Speicherkarte nehmen, und solche, mit denen man aus der LP direkt eine Audio-CD brennen kann. Die Frage beim direkten CD-Brennen ist, ob es neben der automa­tischen auch eine manuelle Möglichkeit zur Titeltrennung gibt. Hintergrund ist, dass die Software die Pausen zwischen den Musikstücken erkennt und das neuerliche Ein­setzen der Musik als Beginn eines neuen ­Titels interpretiert. Das funktioniert aber nur, solange die Pausen nicht zu kurz sind, die Schallplatte nicht zu sehr abgenutzt ist und die Musik darauf dem Schema Titel – Pause – Titel entspricht.

Import- und Bearbeitungssoftware

Import als WAV-Datei

Auf dem PC ist die nachträgliche Titeltrennung immer möglich. Wenn nicht mehr verlangt wird, dann ist es auch unproblematisch, die Musik gleich ins MP3-Format umzuwandeln. Manche Geräte (z.B. jene, die auf USB-Sticks zwischenspeichern) bzw. deren mitgelieferte Software erlauben gar nichts anderes. Ist jedoch eine Nachbearbeitung notwendig, dann ist der Import im unkomprimierten WAV-­Format sinnvoller. Erst danach führt man die Konvertierung ins platzsparende MP3-Format durch.


Das heißt, man sollte anstelle der mitgelieferten Software eine Alternative verwenden, die den Import als WAV-Datei zulässt. Gleiches gilt für den Fall, dass die beiliegende Software das Vorhandensein des iTunes-Mediaplayers voraussetzt, Sie diesen aber nicht verwenden möchten.

Begrenzte Haltbarkeit der Geräte

Die obigen Hinweise betreffend die Software gelten auch für die Kassettenspieler. Unter ihnen gibt es einige wenige teure und hochwertige USB-Kassettendecks, die eine oder andere preiswertere Ausführung (für weniger als 100 Euro) sowie eine Reihe tragbarer Geräte, die lediglich zwischen 20 und 40 Euro kosten. Allerdings sind diese (genauso wie die preiswerteren Kassettendecks) meist recht billig gemacht; es kann zu Gleichlaufschwankungen kommen und die Haltbarkeit der Geräte ist begrenzt.

Import- und Bearbeitungssoftware

Im Wesentlichen gibt es drei Programme, die für das Digitalisieren und Bearbeiten analoger Tonträger infrage kommen: die Freeware Audacity, das Magix Audio Cleaning Lab MX (bzw. das schon genannte Magix-Paket „Retten Sie Ihre Schallplatten“ inklusive Vorverstärker) und Nero. Da von den beiden ­kostenpflichtigen Programmen jeweils Testversionen verfügbar sind, ist es ratsam, alle drei auszuprobieren.

Audacity (http://audacity.sourceforge.net) ist ein kostenloses Werkzeug, das alles bietet, nur keine Komfortfunktionen. Dadurch ist das Programm für Einsteiger relativ ­unübersichtlich und verwirrend. Bearbeitungsschritte, wie das Entrauschen und Entknacksen müssen einzeln durchgeführt ­werden. Die online verfügbare Anleitung ist aber verständlich und detailliert. Wenn Sie die Dateien ins MP3-Format umwandeln möchten, müssen Sie zusätzlich den „LAME MP3 Encoder“ herunterladen und installieren.

Das Magix Audio Cleaning Lab MX (www.magix.com; 40 bis 50 Euro) bietet den größten Komfort für Einsteiger. Große Symbole und eingeblendete Erklärungen sind eine gute Hilfe. Sobald Sie beispielsweise auf das Plattenspielersymbol klicken, öffnet sich ein Fenster mit Importeinstellungen. Hier wählen Sie in den erweiterten Einstellungen (>>Erweitert<<) z.B. „Vinyl“ als Aufnahmequelle, „Automatische CD-Track-Erkennung“ und „Automatisch in einzelne Dateien speichern“. In weiteren Schritten wird die Aufnahme dann (halb-)automatisch von Stör­geräuschen befreit, klanglich verbessert und ins gewünschte Dateiformat exportiert.

Anders als Magix ist Nero (www.nero.com/deu; 50 bis 60 Euro) ein multifunktionales Werkzeug zum Brennen, Sichern, Bearbeiten und Konvertieren von Videos, Musik, Wiederherstellen von Daten etc. Das Importieren und Bearbeiten von Musikdateien mittels „Nero SoundTrax“ ist eine von vielen Möglichkeiten, weshalb es sich nicht lohnt, allein wegen dieser Funktion zu Nero zu greifen. Das Programm verfügt zwar ebenfalls über einen recht brauchbaren Assistenten, ins­gesamt ist es jedoch für Einsteiger recht ­verwirrend und benötigt aufgrund seiner Funktionsvielfalt eine Menge Speicherplatz. Der Assistent nennt sich übrigens „LP-zu-CD-Assistent“. Mit dem gleichfalls im Programm- paket enthaltenen „Nero Wave Editor“ sind nachträglich diverse Klang­optimierungen möglich.

Importeinstellungen

Belassen Sie die Samplingrate auf den standardmäßigen 44,1 kHz, für die Auflösung genügen 16 Bit (entspricht der Audio-CD), ein Höhersetzen führt zu keiner Qualitätsverbesserung. Für das manuelle Einstellen des Aufnahmepegels spielen Sie die lauteste Stelle auf dem Tonträger. Lediglich die maximalen Pegelausschläge sollten gerade 0 dB erreichen.

Import im WAV-Format

Importieren Sie nach Möglichkeit im WAV-Format und konvertieren Sie nach der Bearbeitung ins MP3-Format. Für dieses wäh­len Sie als Qualitätseinstellung 192 kBit/s. Wichtig: Schallplatten vor dem Abspielen mit einer Karbonfaserbürste vom Staub befreien! MCs, die mit Dolby-Rauschunterdrückung aufgenommen wurden, sollten mit akti­vierter Rauschunterdrückung abgespielt werden, sofern das Gerät diese unterstützt. Andernfalls erfolgt die Entfernung des ­Rauschens am PC, was aber zu Klang­- ver­fälschungen führen kann.

Buchtipp: "Musik & Fotos am PC"

Ratgeber Musik & Fotos am PC 

Langspielplatten, Musikkassetten, Papierbilder, Dias ... Große Sammlungen mit schönen Erinnerungen führen mittlerweile ein Schattendasein. Doch es gibt Möglichkeiten, die „alten Schätze“ in die digitalisierte Welt hinüberzuretten. Das Buch "Musik & Fotos am PC" erklärt ganz einfach und Schritt für Schritt, wie Sie dabei am besten vorgehen.

Aus dem Inhalt

  • Importieren von LPs und MCs
  • Bilder digitalisieren und verwalten
  • Musik wiedergeben und Fotos präsentieren
  • Ordnung schaffen, den Überblick bewahren
  • Hilfreiche Hard- und Software
  • Datensicherung, Heimnetzwerk, Cloud Computing

140 Seiten; 14,90 Euro (+ Versandspesen)

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