Akkus - Tipps für richtige und sichere Nutzung

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Umgang mit Akkus. Die wichtigsten Tipps, um Akkus sicher und lange nutzen zu können.

Richtiger Umgang mit Akkus; Bild: Junge Frau befestigt Akku am E-Bike; Foto: aerogondo2/Shutterstock.com

Moderne Lithium-Ionen-Akkus sind Hightech-Geräte. Die eingebaute Elektronik sorgt dafür, dass sie nicht überladen werden können; ebenso wenig, wie es zu einer Tiefentladung kommen kann. Da kann doch einfach nichts passieren, oder? Dennoch gibt es immer wieder Meldungen, dass ­Akkus in Brand geraten oder explodieren. Was soll man nun glauben?

Unterschätzte Gefahren

Faktum ist, dass Lithium-Ionen-Akkus ein nicht zu unterschätzendes Gefahrenpoten­zial in sich bergen. Sie weisen eine hohe Energiedichte bei kompakter Bauweise auf. Sie ­vertragen weder große Hitze noch extreme Kälte, ebenso wenig Erschütterungen, Verformungen, Risse oder auch Überspannungen. Ein defekter Akku kann bis zu tausend Grad heiß werden und dann seine Energie unkontrolliert und explosionsartig abgeben.

Schutz durch Batteriemanagementsystem (BMS)

Allerdings: In jedem modernen Akku ist eine elektronische Schutzschaltung eingebaut (ausgenommen Modellbau-Akkus). Das ­sogenannte Batteriemanagementsystem (BMS) überwacht ständig dessen Zustand. So wird beispielsweise bei übermäßiger ­Erwärmung im Ladevorgang der Ladestrom reduziert oder überhaupt gestoppt. Die Wohlfühltemperatur eines Lithium-­Ionen-Akkus beträgt rund 20 Grad. Manche Akkus stoppen schon bei 35 Grad den Ladevorgang. Auch dem Überladen wird ein Riegel vorgeschoben: Ist der Akku vollständig geladen, schaltet das Ladegerät ab. Sicherheitsreserven bietet die Anzeige: Wenn die Ladestandsanzeige 100 Prozent anzeigt, sind vielleicht erst 90 Prozent oder weniger erreicht.

Lange Lebensdauer

Auf Nummer sicher

All das sollte dafür sorgen, dass der Betrieb von Lithium-Ionen-Akkus gefahrlos abläuft. Dennoch kommt es auch auf den Benutzer an, wie Peter Gradauer, Akku-Experte beim Verein für Konsumenteninformation, feststellt. Beim Laden sollten bestimmte Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden: immer unter Aufsicht, nicht über Nacht durch­laden, Heißes und Brennbares in der näheren Umgebung vermeiden.

Im Sommer kann es im Auto glühend heiß werden – in einer solchen Situation muss jedes elektronische Gerät besonders sorgsam behandelt ­werden. Vorhänge, Tischdecken, Kleidung, Polstermöbel oder anderes brennbare Material sollten nicht unmittelbar mit dem Ladegerät in Kontakt kommen oder es gar abdecken. Auf der sicheren Seite ist man, wenn man es auf einer freien Fläche mit Fliesenunterlage platziert. Bei Hitze (Sonneneinstrahlung) oder Minusgraden sollte nie geladen werden. Auch wenn nicht gleich Gefahr droht – es kann zu Dauerschäden führen.

Worauf achten beim Akku?

Gefahr, so Gradauer, besteht immer dann, wenn das Ladegerät oder der Akku – aus welchem Grund auch immer – zu heiß wird. Das kann eben auch bei einem defekten ­Akku passieren. Dazu reicht es aus, dass ­etwa ein Handy einmal aus größerer Höhe zu Boden gefallen ist oder sonst wie einen Knick erlitten hat, sodass die dünnen Membranen im Akku-Inneren beschädigt wurden und ein Kurzschluss entsteht. Achten Sie also darauf, dass der Akku keine Beschädigungen aufweist, etwa Sengspuren oder -geruch ­sowie Verformungen: Beult sich das Gehäuse aus, deutet das auf eine Gasentwicklung im Inneren hin; es besteht die Gefahr, dass Material austritt und sich entzündet.

Herstellerempfehlungen beachten

Man sollte sich auch nicht darauf verlassen, dass jeder Akku mit einem Betriebsmanagementsystem ausgestattet ist (siehe Modellbau-Akkus auf S.1) bzw. dieses immer funktioniert. Das betrifft vor allem billige Nachbaugeräte. Verwenden Sie daher nur Akkus, die für das entsprechende Gerät explizit geeignet (vom Hersteller empfohlen) sind. Das gilt auch für Ladegeräte: Nur weil ein Stecker ins Gerät passt, heißt das noch lange nicht, dass die Ladespannung passt. Ist sie zu hoch, kann die Schutzelektronik kaputt gehen und in der Folge der Akku.

Für ein langes Leben

Nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch um ihr vorzeitiges Altern zu vermeiden, gilt es, Akkus pfleglich zu behandeln. Experten empfehlen, den Ladevorgang schon bei 80 oder 90 Prozent zu beenden – unabhängig vom Batteriemanagement­system (BMS). Besser ist es, immer wieder ­teilzuladen, wenn das Gerät gerade nicht gebraucht wird, als den Akku stundenlang (die ganze Nacht hindurch) im Ladezustand zu belassen. Denn auch ein BMS kann oft nicht verhindern, dass der Akkustand immer wieder um einige Prozent sinkt und der ­Ladevorgang erneut anspringt. Solche Miniaufladungen schaden dem Akku dauerhaft.

Ein Teilladen schadet den Lithium-Ionen-­Akkus hingegen nicht; jedenfalls nicht so sehr wie ein stän­diges Aufladen von 0 auf 100. Aus eben diesem Grund sollten Akkus auch nicht zur Gänze entladen werden. Eine ­Tiefentladung kann dazu führen, dass die Spannung zu weit absinkt, was eine irreparable Schädigung zur Folge haben kann bzw. Kapazität und Lebensdauer mindert. Auch wenn sie nicht genutzt werden, entladen Akkus sich langsam, aber sicher von selbst. Daher sollte bei längerer Lagerung regel­mäßig (etwa ein bis zwei Mal im Jahr) auf etwa 60 Prozent zwischengeladen werden.

Sorgfältig lagern -  ...

Akkus altern übrigens auch bei Nichtgebrauch. Selbst wenn sie noch nie genutzt wurden, sind sie nach einigen Jahren nicht mehr sinnvoll einsetzbar. In Geräten für Endverbraucher gelten Akkus als verbraucht, wenn sie nur noch 60 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität haben. Im Normalfall sollten sie bis dahin 600 bis 1.000 Ladezyklen absolviert haben. Danach können sie durchaus für andere Zwecke eingesetzt werden, aber eben nicht mehr im Consumer-Bereich.

... kühl, trocken und frostfrei

Sofern Akkus nicht fest verbaut sind, wie das bei Werkzeugen oder Gartengeräten oft der Fall ist, sollten sie nie im Gerät belassen werden; vor allem nicht über längere Zeiträume. Akkus sind an einem trockenen, kühlen, aber frostfreien und möglichst brandgeschützten Ort aufzubewahren. Bei längerer Lagerung sowie bei der Entsorgung die Pole mit Klebestreifen abkleben, um Kurzschlüsse zu vermeiden. Die Akkukontakte dürfen nicht mit Metall in Berührung kommen, daher sollten Akkus immer separat aufbewahrt werden; nicht in einem Sack mit einem anderen Akku, mit Münzen oder Schlüsseln. Der Oberösterreichische Zivilschutz rät zum Einsatz spezieller ­Akkutaschen, die Schutz von innen und von außen gewährleisten – bei der Lagerung und beim Aufladen. Erhältlich sind sie unter anderem im Zivilschutz-Shop (Zivilschutz shop).

Was tun mit erhitztem Akku?

Sollte es doch einmal passieren, dass der Akku sich ungewöhnlich stark erhitzt oder Gase entweichen, rät die Feuerwehr, den Akku wenn möglich ins Freie zu bringen und ihn am besten in einen mit Wasser gefüllten Metallkübel oder Kochtopf zu geben.

E-Bike-Akkus transportieren

Richtiger Umgang mit Akkus; Bild: Junge Frau befestigt Akku am E-Bike; Foto: aerogondo2/Shutterstock.com

Auch E-Bike-Akkus brauchen schonende Behandlung. Beim Transport am Fahrradträger ist der Akku abzunehmen. Abgesehen vom Gewicht ist auch der Eintritt von Feuchtigkeit bei Regen ein Risiko. Ein Transport im Flugzeug ist de facto nicht möglich. Nach allenfalls bestehenden ­Sonderregelungen fragen Sie am besten bei der Fluggesellschaft.

Brandgefahr bei E-Autos

Brandgefahr bei E-Autos

Ein eigenes Kapitel sind die schweren Akkus von Elektro-Autos – ihr Gewicht kann die Hälfte vom Gesamtgewicht des Autos ­ausmachen. Im Normalbetrieb sollte keine Gefahr von ihnen ausgehen. Doch ist ein Akku einmal in Brand geraten, kann er nur schwer gelöscht werden, heißt es. Man spricht vom „thermischen Durchgehen“ des Akkus: Darunter ist eine Kettenreaktion zu verstehen – eine beschädigte Akkuzelle verursacht Kurzschlüsse in den benachbarten Zellen; es wird mehr Wärme erzeugt, als abgeführt werden kann. Daher, so Experten, muss man den Akku mit viel Wasser kühlen.

Akku-Brand: erhöhter Aufwand für Feuerwehr

Die Berufsfeuerwehr Wien bestätigt, dass ein Akku-Brand für die Einsatzkräfte einen erhöhten Aufwand darstellt: Es werde ­wesentlich mehr Wasser zum Kühlen benötigt. Ein zusätzliches Löschfahrzeug müsse eingesetzt werden. Wenn die Gefahr be­stehe, dass der Akku weiterreagiert, müsse das Fahrzeug auf einem feuerwehreigenen Platz zwischengeparkt werden. Aktuell ­seien solche Fälle sehr selten. Wenn, wie erwartet, die Zahl der E-Autos stark steige, müssten allerdings mehr entsprechend ­ausgestattete Abstellplätze zur Verfügung stehen. Da seien die Autohersteller gefordert, solche Plätze auf ihren Firmenarealen einzurichten. Sie hätten dafür zu sorgen, dass von ihren Produkten auch im Schadensfall keine Gefahr für die Öffentlichkeit ausgehe.

Hersteller-Verantwortung: Abstellplätze mit Sicherheitsstandards

Auch der ÖAMTC hält die Gefahr für sehr gering. Die Akkus, so der E-Mobilitäts­experte Christian Klejna, seien in einem Stahlrahmen im Unterboden versenkt. Crash­versuche hätten gezeigt, dass die ­Sicherheit von E-Autos ebenso hoch sei wie jene von konventionell angetriebenen Autos. Ob ein Akku in Brand geraten ist, könnten ­Experten von außen erkennen. ­Unabhängig davon sei jede Werkstatt, die E-Autos repariert, dazu verpflichtet, Abstellplätze mit definierten Sicherheitsstandards bereitzuhalten. Die Hersteller scheinen sich ihrer Verantwortung auch bewusst zu sein. Karin Angerer von der Volkswagen-Pressestelle betont, dass „alle Werkstätten der Volkswagen-Gruppe über einen sogenannten Quarantäne-Abstellplatz verfügen“, wo das Fahrzeug bis zur Reparatur oder Ent­sorgung sicher verwahrt werden könne.

Schnellladen nur selten, besser über Nacht laden

Worauf sollten nun Besitzer von Elektro­autos achten? Grundsätzlich kann man ein elektrisch angetriebenes Auto nutzen wie jedes andere. Zu beachten ist: Schnellladen kann die Lebensdauer teilweise massiv verkürzen. Auf der Fahrt in den Urlaub lässt sich ein Aufladen an der Schnellladestation wohl nicht vermeiden, sonst aber sollte man sein Fahrzeug an einer (privaten oder öffent­lichen) Ladestation am besten über Nacht aufladen. Es sollte aber wirklich eine korrekt installierte Ladestation – möglichst mit Starkstromanschluss – sein. An einer herkömmlichen Schuko-Steckdose kann eine Vollaufladung 24 Stunden und mehr dauern. Technisch möglich wären Akku-Tausch­stationen, wo standardisierte Akku-Module ­automatisiert gewechselt werden. Das wäre eine konsumentenfreundliche Lösung, liegt aber offenbar nicht im Interesse der Auto- und Energielobby.

So hält der Akku möglichst lange

Egal ob Handy-Akku, E-Bike-Akku oder Akku in einem Elektroauto – damit erhöhen Sie die Lebensdauer:

Extreme Hitze oder Kälte vermeiden

Nach Möglichkeit im Schatten bzw. in ­kälte­geschützten Räumen lagern (bzw. abstellen).

Nicht vollständig laden oder entladen

Der Ladestand sollte nicht über 90 Prozent und nicht unter 10 Prozent liegen.

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