Luftreiniger: Was bewirken sie gegen Corona? - Belastung aus Innenräumen filtern

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Wer Geräte zur Luftreinigung dafür einsetzt, SARS-CoV-2-Viren zu filtern, muss auf die Raumgröße und auf einen sauberen Filter achten.

Wirken Luftreiniger gegen Luftverschmutzung in Innenräumen - lesen Sie unseren Test (Bild:

Im Test finden Sie diese Produkte:

  • Beurer - LR 500
  • De`Longhi - AC 230
  • Dyson - Pure Cool Link Tower
  • Honeywell - HPA710WE Premium Air Purifier
  • Philips - AC2889/10
  • Rowenta - Intense Pure Air Connect PU6080
  • Soehnle - Airfresh Clean Connect 500

Die Testtabelle informiert Sie über:

  • Richtpreis des Gerätes
  • Richtpreis für Ersatzfilter
  • Gesehen bei

TESTURTEIL

AUSSTATTUNG/TECHNISCHE MERKMALE

  • Automatikmodus
  • Per App steuerbar
  • Leistungsaufnahme im Stand-by in Watt
  • Fernbedienung     
  • Anzahl Lüfterstufen
  • Kindersicherung     
  • Schlafmodus     
  • Gewicht in kg
  • Abmessungen BxHxT in cm
  • Art der Filter: Vor-, Aktivkohle-, HEPA-Filter    
  • Wechselhäufigkeit der Filter laut Anbieter: Aktivkohle-, HEPA-, Partikel-, NanoCaptur-Filter
  • Artikelnummern für Ersatzfilter laut Anbieter

LUFTREINIGUNG

  • Pollen
  • Zigarettenrauch (bei neuen und gebrauchten Filtern)
  • Formaldehyd (3)

HANDHABUNG

  • Bedienungsanleitung
  • Montage
  • Transport und Aufbewahrung
  • Bedienen am Gerät und per App
  • Anzeige der Luftqualität am Gerät     
  • Reinigen
  • Wechseln der Filter

UMWELTEIGENSCHAFTEN

  • Geräusch
  • Stromverbrauch

SICHERHEIT

DATENSENDEVERHALTEN DER APPS (Datenschutz)

Und hier unser Testbericht zur Luftwäsche:


Luftreiniger gegen Keime oder Viren

Menschen stecken sich vor allem in Innenräumen mit dem Coronavirus an. Lüften hilft, die Virenlast und damit das Infektionsrisiko zu verringern. Speziell in der kalten Jahreszeit ist Lüften mitunter schwierig. Abhilfe könnten Luftreiniger schaffen, hoffen manche Verbraucher, zumal die Anbieter teilweise versprechen, ihre Geräte würden Keime oder Viren aus der Raumluft filtern. Unsere Kolleginnen und Kollegen von der Stiftung Warentest haben überprüft, ob das funktioniert.

Drei Geräte im Corona-Test

Zwei Tests - ein Bericht: In einem ersten Luftreiniger-Tests aus dem Frühjahr 2020 wurden die obengenannten sieben Geräte geprüft. Sie finden die Ergebnisse in der Testtabelle. In einem zweiten Testdurchlauf wurden drei Modelle dieses Luftreiniger-Tests noch einmal ins Prüflabor geschickt. Wie sich sich geschlagen haben, lesen Sie auf den folgenden Seiten.

Es sind dies der Philips AC2889/10, der Airfresh Clean von Soehnle sowie der Intense Pure Air Connect PU6080 von Rowenta. Diese drei Luftreiniger wurden vor die Aufgabe gestellt, Aerosolpartikel mit einem Durchmesser von 0,12 bis 1 Millionstel Meter aus der Raumluft zu filtern. Von diesen kleinen Tröpfchen stößt ein Mensch allein beim Atmen pro Sekunde etwa 100 aus. Beim Sprechen verdoppelt sich die Zahl, und beim Niesen schnellt sie auf etwa 20.000 in die Höhe. Das Virus SARS-CoV-2 selbst misst etwa 0,12 Millionstel Meter. Zur besseren Vorstellung: 500 Viren nebeneinander sind ungefähr so dick wie ein Haar.

Neue Filter

Mit neuen Filtern und auf Maximalstufe legten die etwa einen halben Meter hohen Luftreiniger überzeugend los. Umgerechnet auf einen Raum mit 16 Quadratmetern Grundfläche und 2,5 Metern Höhe, also mit 40 Kubikmetern Raumvolumen, waren bei unserem Test nach 20 Minuten die meisten Aerosolpartikel mit 0,12 Mikrometern Durchmesser verschwunden.

Rascher Filterverschleiß

Philips und Rowenta beseitigten 95 Prozent, bei Soehnle waren es 90 Prozent.

Rascher Filterverschleiß

Doch jeder Luftreiniger lässt mit der Zeit in seiner Leistungskraft nach. Im Test wurde diese Alterung simuliert, indem jedes Gerät dem Rauch von 100 Zigaretten ausgesetzt wurde. Danach wurde der Prüfraum wieder mit Aerosolen geflutet. Das Gerät von Philips steckte dies gut weg. Bei ihm sank nach 20 Minuten im 40-Kubikmeter-Raum die Zahl der kleinsten Partikel um rund 90 Prozent. Der Verschleiß führte also zu einem Minus von fünf Prozent. Das Modell von Rowenta schaffte noch rund 80 Prozent der Partikel. Der Airfresh Clean von Soehnle konnte nur noch 46 Prozent der Partikel entfernen. Sein Filter lässt so deutlich nach, dass man ihn zur Virenreduzierung weit häufiger wechseln müsste als vom Anbieter vorgesehen. Bei einem Filterpreis von rund 50 Euro geht das ziemlich ins Geld.

Bedingt praxistauglich

Wer einen kleinen Raum nach der Benutzung – etwa nach einem Besuch – filtern will, ist mit dem Gerät von Philips also relativ gut bedient. Anders sieht es aus, wenn man ein deutlich größeres Wohnzimmer, in dem sich bei einem geselligen Abend einige Leute aufhalten, virenfrei bekommen möchte. Wenn hier ein infizierter Mensch atmet, spricht oder gar singt, stößt er ständig neue Virenpartikel aus. Sehen Sie dazu auch die sehr informative Infografik der spanischen Tageszeitung El Pais (englisch):

COVID: A room, a bar and a classroom: how the coronavirus is spread through the air

Ein Luftreiniger kann das Infektionsrisiko nur bedingt reduzieren.

Zusätzliche Maßnahmen wie Abstand halten und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sind weiterhin unabdingbar. Ebenso kommt man zum Luftaustausch nicht um regelmäßiges Stoßlüften, je fünf Minuten lang, herum. Bei einem 50 Quadratmeter großen Klassenzimmer mit knapp 30 Schülern wäre ein einzelner der getesteten Luftfilter viel zu klein.

Auf Automatikstufe verzichten

Wer Viren und Aerosolpartikel aus der Raumluft filtern will, sollte allerdings nicht nur Raumgröße und Anzahl der Personen im Auge haben. Damit die Luftreiniger bei der Virenbeseitigung möglichst effizient arbeiten, sollte man sie nicht auf der Automatikstufe laufen lassen. Wenn überhaupt, misst das Gerät nämlich pauschal die Partikelkonzentration in der Luft. Die Aerosolteilchen, die beim Atmen entstehen, machen davon jedoch nur einen Bruchteil aus. Sobald die Konzentration der feinen Teilchen reduziert ist, reduziert die Automatik die Geräteleistung, obwohl noch einige Tausend Atem-Aerosole in der Luft schweben.

Pollen, Rauch und Formaldehyd

Hepa-Filter

Im Zusammenhang mit Luftreinigern ist auch oft von HEPA-Filtern (High Efficiency Particulate Air) die Rede. Das sind Filter, die hocheffizient Teilchen aus der Luft abfangen. Beim Kauf eines Gerätes sollte man allerdings nicht nur darauf achten, ob das Modell über einen HEPA-Filter verfügt, denn der Begriff HEPA ist nicht geschützt. Nur wenn auch eine Filterklasse angegeben ist, etwa H13 oder H14, ist ein festgelegtes Prüfverfahren gemäß EU-Norm DIN EN 1822 garantiert. Bei der HEPA-Klasse H13 müssen bei einem einzigen Durchgang der Luft durch den Filter 99,95 Prozent der Schwebstoffe in der Luft gebunden werden, bei H14 sind es sogar 99,995 Prozent. Solche Reinigungsraten sind bei Luftreinigern, die in diesem Test untersucht wurden, nicht zu erwarten. H13- oder H14-Filter machen erst in größeren Geräten Sinn, die einige Tausend Euro kosten. Die hier getesteten Haushaltsgeräte würden, wenn sie diese Leistung erbringen müssten, nur noch sehr wenig Luft durch die superdichten Filter pressen.

Pollen, Rauch und Formaldehyd

Die drei auf die Beseitigung von Aerosolen getesteten Geräte sind wie erwähnt die Sieger eines Tests aus dem Frühjahr 2020. Damals wurde bei sieben Luftreinigern untersucht, wie gut sie mit Pollen, Zigarettenrauch und Formaldehyd fertigwerden. Sechs Modelle machten ihre Sache bei Pollen gut. In zehn Minuten verschwanden 90 Prozent der Pollen oder mehr aus der Luft eines 16-Quadratmeter-Raumes. Weniger gut kamen manche Geräte mit Zigarettenrauch klar, und bei Formaldehyd zeigten alle Modelle Schwächen.

Blütenpollen

Bei Pollenflug schweben pro Kubikmeter Luft bis zu 250 Blütenpartikel umher. Um die Leistung der Luftreiniger besser messen zu können, wurde die Luft im Test mit zwei Millionen Pollen pro Kubikmeter angereichert. Nach zehn Minuten Filterzeit hatten die Besten (Rowenta, Soehnle und Philips) die Pollenlast im 16-Quadratmeter-Raum um rund 95 Prozent gesenkt. Der Dyson schaffte nur 83 Prozent. Umgerechnet auf die rund 250 Blütenpartikel, die normalerweise in einem Kubikmeter Luft schweben, würden etwas mehr als 40 Pollen übrig bleiben – zu viel für empfindliche Allergiker.

Testtabelle: Luftreiniger

Tabelle öffnen

Teure Filter

Formaldehyd

Aus Möbeln und Tabakrauch kann Formaldehyd freigesetzt werden. Diese Verbindung kann die Schleimhäute reizen und Krebs erzeugen. Die Luftreiniger im Test waren bei der Beseitigung des Gases mehr oder weniger machtlos. Nach 20 Minuten schaffte der Soehnle 45, der Dyson 41 und der  Honeywell 37 Prozent. Beurer und De‘Longhi filterten nur 9 bzw. 11 Prozent weg. Das ist kaum besser, als gar nicht zu reinigen.

Zigarettenrauch

Beim Test, wie gut Zigarettenrauch entfernt wird, fraßen einige Luftreiniger im Neuzustand den Rauch förmlich auf. Nach 20 Minuten hatten, gerechnet auf einen 40-Kubikmeter-Raum, Philips, Soehnle und Rowenta 93 bis 96 Prozent geschluckt. Nachdem der Rauch von 100 genormten Zigaretten durch die Filter gezogen war, blieb jedoch nur der Philips stark. Andere Geräte ließen markant nach. Das Modell von Soehnle filterte nach 100 Zigaretten nur noch etwa ein Fünftel so viel Rauch wie am Anfang, bei De‘Longhi war es ein Viertel.

Verpackungsangaben

Vorsicht ist bei den Angaben auf der Verpackung geboten. Ein Anbieter preist seinen Luftreiniger für eine Raumgröße von 34 bis 106 Quadratmetern an. Doch das sagt wenig aus. Vielmehr kommt es auf das Raumvolumen an. Zudem spielt eine Rolle, wie schnell die Luft gereinigt sein soll. Im Test wurde deshalb mithilfe der Filterleistung für Zigarettenrauch errechnet, für welche Raumgrößen sich die Geräte eignen. Wie groß darf ein 2,50 Meter hoher Raum sein, um ihn in 20 Minuten zu 90 Prozent von Rauch zu befreien? Dyson schaffte nur 7 Quadratmeter, Honeywell und Beurer schafften 12 bzw. 13, De‘Longhi 16 Quadratmeter. Philips, Soehnle und Rowenta liegen mit 19, 21 und 23 Quadratmetern vorn. Aus einer 40-Quadratmeter- bzw. 100-Kubikmeter-Wohnküche 90 Prozent des Rauchs zu filtern, dauerte selbst mit den schnellen Modellen eine gute halbe Stunde.

Luftreiniger versprechen teilweise auch Linderung für Milbenstaub im Bett. Tierhaare auf dem Teppich oder Schimmel im Bad machen Allergikern ebenfalls zu schaffen. Diese Übel sollten aber direkt an der Quelle eingedämmt werden. Bei Schimmel zum Beispiel heißt es dringend, die feuchten Ecken in der Wohnung trockenzulegen.

Teure Filter

Zu bedenken ist auch, dass je nach absorbierter Schmutzmenge Ersatzfilter fällig werden. Diese kosten zwischen 50 und 130 Euro. Bei manchen Modellen müssen die Filter alle sechs Monate, bei anderen alle drei Jahre gewechselt werden. Da kommt im Lauf der Zeit auch einiges zusammen.

So haben wir getestet

Die Stiftung Warentest hat sieben Luftreiniger getestet, fünf davon mit App.

Luftreinigung: Geprüft wurde die Reinigungsleistung der Geräte für Pollen (in Anlehnung an ANSI/AHAM AC-1–2015) und Formaldehyd (in Anlehnung an GB/T 18801–2015). Dafür wurden in einer knapp 12 Quadratmeter großen, 2,5 Meter hohen Prüfkammer bestimmt, wie die Geräte nach Eintrag einer definierten Konzentration von Pollen oder Formaldehyd zur Verbesserung der Luftqualität innerhalb einer definierten Zeitspanne beitrugen. Mit Zigarettenrauch wurde in Anlehnung an GB/T 18801–2015 außerdem untersucht, wie sich die Filterleistung durch die Aufnahme des Rauchs von 100 Zigaretten veränderte (davor/danach). Die Prüfung der Luftreinigung für Pollen, Zigarettenrauch und Formaldehyd erfolgte bei Zuschalten sämtlicher Zusatzfunktionen der Geräte (zum Beispiel UV-C), sofern vorhanden.

Im Text angegebene Werte zur Luftqualität beziehen sich auf ein vereinfachtes Rechenmodell für eine Raumgröße von 16 Quadratmetern (2,5 Meter Höhe) und zu einem gegebenen Zeitpunkt (bei Pollen 10 Minuten, bei Formaldehyd und Zigarettenrauch 20 Minuten). Die natürliche Abscheidung für Pollen, Zigarettenrauch und Formaldehyd ist hierbei mitberücksichtigt worden. Auf Basis der Luftreinigungsleistung für Zigarettenrauch wurde außerdem die Raumgrößentauglichkeit der Geräte ebenfalls nach einem vereinfachten Rechenmodell ermittelt. Hierbei wurde die Raumgröße bzw. die Grundfläche berechnet, bei der innerhalb von 20 Minuten eine verbesserte Luftqualität von 90 Prozent in Gegenwart des Luftreinigungsgeräts erreicht werden kann. Die Raumgrößentauglichkeit wurde unter Annahme einer durchschnittlichen Raumhöhe von 2,5 Metern und unter Berücksichtigung der natürlichen Abscheidung von Zigarettenrauch berechnet. Zusätzliche Quellen wie das Eindringen verschmutzter Außenluft mit einer bestimmten Luftwechselrate oder Innenraumquellen wurden bei diesem Rechenmodell nicht berücksichtigt.

Handhabung: Fünf technisch interessierte Nutzer beurteilten, wie verständlich und lesbar die Gebrauchsanleitung ist. Ein Experte benotete die Vollständigkeit der Gebrauchsanleitung, etwa in Bezug auf die Handhabung des Filters durch einen Allergiker. Die Nutzer überprüften außerdem Montage, Transport und Aufbewahrung, das Bedienen am Gerät und per App, die Anzeige der Luftqualität am Gerät sowie das Reinigen und Wechseln der Filter.

Umwelteigenschaften: Es wurde der Schallleistungspegel der Geräte bei minimaler und maximaler Lüfterstufe ermittelt. Fünf technisch interessierte Nutzer beurteilten das Geräusch bei gleichen Einstellungen außerdem subjektiv. Im Urteil „Stromverbrauch“ wurde die Leistungsaufnahme bei maximaler Lüfterstufe sowie im Stand-by oder in ausgeschaltetem Zustand ermittelt.

Sicherheit: Ein Experte prüfte die elektrische und mechanische Sicherheit (beides in Anlehnung an DIN EN 60335–1 und DIN EN 60335–2–65) sowie die Verarbeitung und Bediensicherheit der Geräte.

Datensendeverhalten der Apps: Geprüft wurde, in welchem Umfang die Apps (Android und iOS) der Geräte Daten an Server sendeten. Der Datenverkehr wurde protokolliert und analysiert. Sendeten die Apps für den Betrieb nicht notwendige Daten wie den Standort, wurden sie als kritisch eingestuft. Als unkritisch bewerteten wurden Apps, die nur für ihre Funktion erforderliche Daten sendeten.

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