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Haargele - Von wegen mega

Zum Stylen lassen sich viele Haargele gut verwenden, doch wenn es um die Haltbarkeit des Looks geht, schwächeln so manche. Einige Produkte enthalten auch einen kritischen Duftstoff.

Diese Haargele finden Sie im Test:

  • 3 Wetter Taft Styling Gel Power
  • dm Alverde Styling-Gel Bio-Lotusblüte Bio-Violetter Reis
  • dm Balea Men Maximum Power Styling Gel
  • L‘Oréal Studio Line Spurenlos FX Styling Gel
  • Marlies Möller Design Styling Gel
  • Schwarzkopf Professional Osis+ Rock Hard
  • Today Power Gel Extreme Look
  • Wella Shockwaves Power Gel Styler
  • Wella Wellaflex Men Styling Gel

Die Testtabelle informiert über: Inhalt, Preis, Konservierungsstoffe, Stylingergebnis, Haltbarkeit, kritischer Dufstoff Lilial, Anwendung, Verpackung und Deklaration.

Lesen Sie nachfolgend unseren Testbericht.


9 Produkte im Test

„Mega starker Halt“ für „extreme Looks“ – die Hersteller von Haargelen werfen mit Superlativen nur so um sich, wenn sie ihre Produkte anpreisen. Vor allem Männer greifen gern zu Haargel, dies zeigte zumindest eine große Umfrage in Deutschland. Doch halten die Stylingprodukte wirklich, was die Werbung verspricht?

Unsere Kolleginnen und Kollegen von der Stiftung Warentest haben teure und günstige Gele unter die Lupe genommen, an Personen und im Labor getestet. Darunter befanden sich bekannte Marken wie Schwarzkopf, Wella und L’Oréal, aber auch Ware aus dem Drogerie- oder Supermarkt.

Durchhaltekraft und Inhaltsstoffe

Am Ende zeigte sich: Zum Stylen sind zwar alle Haargele geeignet, doch wenn es um die Durchhaltekraft und die Inhaltstoffe geht, trennt sich die Spreu vom Weizen.

Zwei sind wirklich gut

Zwei sind wirklich gut

Nur zwei der neun Produkte schafften es, die Frisur auch über längere Zeit super in Form zu halten, der Testsieger Osis + Rock Hard von Schwarzkopf Professional sowie das Balea Men Maximum Power Styling Gel von dm. Ebenfalls noch erwähnenswert ist das zweite Produkt von dm, Alverde Styling-Gel Bio-Lotusblüte Bio-Violetter Reis.

Mehrere Prüfungen

Für den Test wurden die Haargele gleich mehreren Prüfungen unterzogen. Zwei Friseure beurteilten mithilfe von 22 Prüfpersonen das Stylingpotenzial der Gele – etwa in Bezug auf Festigkeit, Volumen und Glanz der Frisuren. Im zweiten Schritt benutzten die Testpersonen die Haargele zu Hause und bewerteten, wie sie sich im Alltag anwenden lassen.

Schließlich mussten die Produkte auch noch im Labor beweisen, dass sie der Frisur Halt geben. Dazu wurden etwa gegelte Haarlocken in der Klimakammer aufgehängt und durchgerüttelt, um Alltagsbedingungen zu simulieren.

Kritischer Duftstoff Lilial

Nutzloser Haltegrad

Neben der Haltbarkeit der Frisur wird von einem Haargel auch erwartet, dass es die Haare nicht verklebt, Wind und Wetter trotzt, aber dennoch leicht auswaschbar ist. Die Werbung bedient diese Idealvorstellungen: „24 h ultra starker Halt“ heißt es etwa bei L‘Oréal, „ohne Rückstände, ohne Verkleben, ohne zu beschweren“ bei Rewe und Penny.

Auf vielen Tuben ist auch ein Haltegrad angegeben, der zeigen soll, wie stark das Gel ist. Den Anwendern hilft dies allerdings nur begrenzt, da es keine einheitliche Definition gibt. Jeder Anbieter legt seine Skalierung nach Gutdünken fest.

Schon wieder Lilial

Zwei Produkte, das Studio Line Spurenlos FX Styling Gel von L‘Oréal sowie das Styling Gel Power von 3 Wetter Taft, enthalten den Duftstoff Lilial. In den Inhaltstofflisten taucht er unter dem Namen Butylphenyl Methylpropional auf. Lilial kann möglicherweise das Erbgut verändern.

Im Tierversuch zeigte sich zudem, dass die Substanz die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen kann. 2015 stuften Experten des wissenschaftlichen Ausschusses für Verbrauchersicherheit der EU (SCCS) Lilial in Kosmetika als „nicht sicher“ ein.

Keine Entwarnung

Solange es keine Entwarnung gibt, hat Lilial unserer Ansicht nach in Kosmetika nichts zu suchen. (Wir haben zu diesem Thema bereits in mehreren Ausgaben von KONSUMENT berichtet: Anti-Schuppen-Shampoos - Gute Wirkung um wenig Geld, als Naturkosmetik deklarierte Haarshampoos: Naturkosmetik? - Der Öko-Check, Körperlotionen - Ein gutes Gefühl sowie Sonnenschutzmittel - Drei günstige Testsieger.)

Die beiden Produkte wurden im Test deshalb abgewertet. Das ist insbesondere für das L‘Oréal-Gel schade, weil es beim Aspekt Haltbarkeit zu punkten wusste.

Unzureichend erforschte Polymere

Unzureichend erforschte Polymere

Alle Haargele enthalten wasserlösliche Kunststoffe (Polymere), auch Filmbildner genannt. Diese werden mit Lösemitteln wie Wasser oder Alkohol kombiniert. Zugesetzte Weichmacher, etwa Glycerin, dienen dazu, die Filmbildner flexibel zu halten. Verdunsten die Lösemittel, setzen sich die Polymere am Haar ab, überziehen es wie ein feines Netz und härten aus.

Der Pferdefuß besteht darin, dass die ökologischen Auswirkungen, wenn Polymere in die Umwelt gelangen, nur unzureichend erforscht und schwer abzuschätzen sind. Im Test wurden die eingesetzten Polymere deshalb nicht bewertet. Klar ist aber, dass einige – etwa Carbomer, PVA und PVP – biologisch nur schwer abbaubar sind.

Naturkosmetik-Gele

Umweltbewusste Nutzer können zu Naturkosmetik-Gelen greifen, die auf natürliche Polymere wie Schellack oder Xanthan Gummi setzen. Diese Verbindungen werden durch Mikroorganismen vollständig abgebaut. Aus dem aktuellen Test können wir das Alverde-Produkt von dm empfehlen. Dieses erreichte bei der Styling-, Haltbarkeits- und Anwendungsprüfung überall die Note „gut“. Ein Wermutstropfen ist allerdings, dass unsere Testpersonen mit Konsistenz und Duftnote nicht ganz zufrieden waren. Ob man Gel-Wax, Wet Gel oder Fibre Gum verwendet, spielt im Übrigen keine Rolle – alle enthalten natürliche oder synthetische Polymere.

Hände anfeuchten

Sämtliche Gele im Test können laut den Anbieteraussagen sowohl ins feuchte als auch ins trockene Haar eingearbeitet werden. Fachleute empfehlen, die Hände anzufeuchten, weil es das Gel geschmeidiger machen und den Trocknungsprozess verzögern soll. So kann die Frisur besser modelliert werden. Vor dem Zubettgehen sollte man das Gel unbedingt auswaschen oder ausbürsten, da die Haare sonst brechen können.

Testtabelle: Haargele

Polymere

Mikroplastik oder nicht?

Die wasserlöslichen synthetischen Polymere ähneln in ihrer chemischen Struktur festen Kunststoffen, darum zählen einige Umweltverbände sie zu Mikroplastik. Die EU und das Umweltprogramm der UN tun das nicht: Als Mikroplastik definieren sie feste, nicht wasserlösliche Kunststoffpartikel, die kleiner als fünf Millimeter sind. Mikroplastik belastet nachweislich in Gewässern lebende Organismen.

Folgen nur schwer abschätzbar

Lösliche Polymere haften an Oberflächen an; in Kläranlagen lassen sie sich darum mit dem Klärschlamm aus dem Abwasser entfernen, allerdings nicht vollständig. Viele der synthetischen Polymere, etwa Carbomer, PVA und PVP, sind nur schwer biologisch abbaubar. Welche Folgen das für Wasserorganismen hat, lässt sich nicht pauschal sagen. Es hängt auch davon ab, welche Mengen in die Umwelt gelangen und wie toxisch sie sind.

Testkriterien

Im Test der Stiftung Warentest: 9 Haargele, die einen „sehr starken“ oder vergleichbaren Haltegrad ausloben.

Styling-Ergebnis. Ein Friseur frisierte 22 Probanden (11 Männer, 11 Frauen) mit den Gelen. Er und ein weiterer Friseur beurteilten die Frisuren nach dem Modellieren insgesamt sowie in den Punkten Festigkeit, Fülle/Volumen, Klebrigkeit, Glanz und Beschweren der Haare – und ob die Gele sichtbare Rückstände im Haar hinterließen. Die Prüfung erfolgte als Halbseitentest nach einem Versuchsplan in Cross-Over-Reihenfolge, bei dem jeweils ein Testprodukt auf der rechten bzw. linken Kopfhälfte appliziert wurde.

Haltbarkeit. An je zehn Naturhaarsträhnen pro Produkt wurde ermittelt, ob die Gele dauerhaft halten. Nach einer standardisierten Vorbehandlung wurden die mit Gel bearbeiteten Strähnen auf Lockenwicklern fixiert und standardisiert getrocknet. Nach Entfernen der Wickler wurden sie in einer Klimakammer aufgehängt und ihre Länge wurde gemessen. Sie wurden standardisiert mechanisch beansprucht, um Alltagsbedingungen zu simulieren. Dann wurde erneut die Länge bestimmt. Die resultierenden Werte für den Lockenerhalt (engl.: curl-retention) wurden berechnet und bewertet.

Kritischer Duftstoff Lilial. Alle Gele wurden geprüft, ob sie Lilial (laut Inhaltstoffliste Butylphenyl Methylpropional) enthielten und, falls ja, die Konzentrationen. Die Analyse erfolgte mittels GC-MS in Anlehnung an DIN EN 16274.

Anwendung. Elf Probanden und ein Friseur beurteilten unter anderem die Konsistenz der Gele, wie sie sich entnehmen und verteilen ließen. Die Probanden bewerteten darüber hinaus die Klebrigkeit an den Händen, die Auswaschbarkeit sowie Rückstände in Haar und Kleidung.

Verpackung. Elf Probanden und ein Friseur beurteilten Handlichkeit sowie Öffnen und Schließen der Packungen. Ein Experte prüfte, ob Mogelpackungen darunter waren – das war nicht der Fall. Geprüft wurde auch, ob es eine Originalitätssicherung, eine Materialkennzeichnung und Recyclinghinweise gab. Anhand von drei Packungen je Produkt wurden die Inhaltsmenge und die Entleerbarkeit bestimmt.

Deklaration. Ein Experte überprüfte, ob die Kennzeichnung der EU-Kosmetik- und der Fertigpackungsverordnung entsprach. Drei Fachleute beurteilten Lesbarkeit und Übersichtlichkeit der Angaben, elf Probanden bewerteten die Anwendungshinweise.

Angaben laut Anbieter. Die Angaben zu Parfum, Mineralölbestandteilen, Konservierungsstoffen, Mikroplastik und wasserlöslichen Polymeren wurden per Anbieterbefragung oder über Informationen auf der Verpackung ermittelt.

Weitere Untersuchungen. Anhand der Inhaltstoffliste wurde überprüft, ob und in welcher Konzentration die Gele aromatische (Moah) und gesättigte Mineralöl-Kohlenwasserstoffe (Mosh) enthielten. Die Konzentrationen der deklarationspflichtigen Duftstoffe wurden bestimmt. Außerdem sahen zwei Experten die Inhaltstofflisten der Produkte auf Stoffe durch, deren Einsatz der SCCS, der wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU, als kritisch bewertet hat; gegebenenfalls bestimmten sie deren Konzentrationen. Die Analyse der Duftstoffe erfolgte mittels GC-MS in Anlehnung an DIN EN 16274, die Analyse der Mineralölbestandteile mittels LC-GC/FID.

Testplakette

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