Zum Inhalt

Digitale Bildbearbeitung - Buntes Treiben ohne Farbe

Schwarz-Weiß-Fotos haben ihren besonderen Reiz. Es macht aber einen Unterschied, ob man schwarz-weiß fotografiert oder die Farbe erst am PC entfernt.

Wir leben in einer bunten Welt. Im digitalen Zeitalter sind daher nahezu alle unsere Fotos farbig, egal ob wir sie mit Handy, Tablet oder Kamera aufnehmen. Wer aber nicht nur einfach knipst, sondern sich etwas intensiver und mit künstlerischen Hintergedanken der Fotografie zuwendet, der wünscht sich manchmal die Zeit der guten alten Schwarz-Weiß-Fotos zurück. Zum Glück ist mit gängigen Bildbearbeitungsprogrammen das Umwandeln von Farbbildern keine Hexerei.

Ist die Farbe weg, kommt sie nicht wieder

„Meine Kamera hat ohnehin eine Einstellung, mit der sie alle Fotos schwarz-weiß aufnimmt“, wird so mancher Fotograf einwenden. Das stimmt, doch ist Vorsicht geboten: Was einmal als SW-Bild im JPG-Format auf der Speicherkarte abgelegt ist, kann man nicht mehr ändern. Wie bei allen Nachbearbeitungen am PC sollten Sie auch bei der SW-Umwandlung Ihrer Bilder mit Maß und Ziel vorgehen. Nicht alle Aufnahmen bzw. Motive sind dafür gleich gut geeignet. Bildern, in denen die Farbe ein wesentlicher Teil der Bildinformation oder der Bildstimmung ist, sollten Sie getrost ihre Farbenpracht lassen. Denken Sie etwa an eine sommerliche Blumenwiese, das lebhafte Treiben auf einem orientalischen Markt oder eine dramatische Sonnenuntergangsstimmung am Meeresstrand.

Missglückte Fotos retten

Geeignete Motive

Demgegenüber gibt es viele Motive und Aufnahmen, die in Schwarz-Weiß eine besonders gute Wirkung entfalten. Oft betont die Wegnahme der Farbe das „künstlerische Element“ der Bildaussage. Nebenbei bemerkt: Mitunter kann es vorkommen, dass sich technisch missglückte Bilder mittels Farbreduktion noch einigermaßen retten lassen.

Besonders gut für SW eignen sich folgende Motive:

  • Bilder mit hohen Hell-Dunkel-Kontrasten, z.B. Gegenlichtaufnahmen
  • Motive, die von vornherein wenig Farbe enthalten
  • strukturierte Oberflächen (knorriges Holz)
  • Linien und geometrische Formen, speziell in der Architektur
  • Porträtaufnahmen

Sicherheitskopie anlegen

Bevor Sie nun auf Ihrem Computer ein (beliebiges) Bildbearbeitungsprogramm öffnen, sollten Sie eine Grundregel beachten: Bearbeiten Sie nur Bilder, von denen Sie zuvor eine Sicherheitskopie angelegt haben. Das können Sie am besten auf einer externen Festplatte tun oder bei kleineren Datenmengen auf einer DVD oder allenfalls einem USB-Stick. Denn nichts ist ärgerlicher, als ein unwiederbringliches Foto im Zuge der Bearbeitung irrtümlich zerstört zu haben!

Automatische Umwandlung

Beispiel Architekturaufnahme

Wie die Herstellung eines SW-Bildes funktionieren kann, sei hier anhand eines Beispielfotos demonstriert. Die Architekturaufnahme einer Stahl-Glas-Konstruktion liefert gute Voraussetzungen. Das Motiv enthält wenig Farbe. Das Gewirr an parallelen und sich kreuzenden Linien verleiht dem Bild eine interessante Wirkung, und eine Art Gegenlichtsituation sorgt für einen hohen Kontrast zwischen hellen und dunklen Bildpartien.

[Asset Included (Id:318898785490;Type:Bild)]

Viele Bildbearbeitungsprogramme wie z.B. IrfanView oder Photoshop Elements haben einen eigenen Menüpunkt, der die Reduktion auf ein SW-Foto per Knopfdruck erlaubt. Bei IrfanView etwa mit dem Befehl »Bild/In Graustufen umwandeln«.

Eine alternative Methode funktioniert über den Regler „Farbsättigung“ (»Bild/Farben ändern«). Schiebt man diesen ganz nach links auf null, so verschwinden alle Farben und nur die Grautöne bleiben übrig.[Asset Included (Id:318898785912;Type:Bild)]

Kontrast erhöhen

Kontrast nachbessern

Das Ergebnis ist ein relativ flaues Bild, das noch nicht wirklich zufriedenstellt. Es ist also auf jeden Fall ratsam, in einem nächsten Schritt den Kontrast zu erhöhen. Dazu rufen Sie mit »Bild/Farben ändern« ein Fenster mit mehreren Reglern auf den Schirm. Variieren Sie die Regler „Helligkeit“ und „Kontrast“ ein wenig und tasten Sie sich an das Ergebnis heran, das Ihnen am besten gefällt. Im Extremfall bleibt ein Bild übrig, das nur noch Weiß und Schwarz enthält und so eher an eine Tuschezeichnung oder einen Linolschnitt als an ein Foto erinnert.

Der Kontrast kann manuell nachgebessert werden. (Bild: Mag. Andreas König)

 

Weniger Kontrast bei Portraits

[Asset Included (Id:318898791412;Type:Bild)]

Porträts

Ein anderes beliebtes Motiv für SW-Aufnahmen sind Porträts. Das Entfernen der Farbe lässt die Persönlichkeit des oder der Porträtierten oft intensiver zur Geltung kommen. Außerdem haben vife Fotografen damit so manches missglückte Foto gerettet: Ein falsch eingestellter Weißabgleich an der Kamera, der die Hautfarbe unnatürlich erscheinen lässt, spielt auf SW-Fotos keine Rolle mehr. Der Umwandlungsvorgang ist anfangs ähnlich wie beim Architekturfoto beschrieben.

Reduktion des Kontrasts

Wenn es um die Kontraststeuerung geht, sieht es allerdings anders aus. Natürlich können Sie auch Porträts mit hohem Kontrast erzeugen. Das führt aber zu harten Schatten und dazu, dass Falten oder Hautunreinheiten über Gebühr betont werden, was nicht jedermann gefällt. Beim Porträt bietet sich also eher eine Reduktion der Kontraste an, sodass eine Lichtstimmung simuliert wird, die die Haut weich erscheinen lässt.

Sepia-Aufnahmen

[Asset Included (Id:318898792370;Type:Bild)]

Nostalgie-Look

Eine besondere Spielart der einfarbigen (= monochromen) Fotos sind Sepia-Aufnahmen. Das ist jener Foto-Stil, den wir aus den Anfangszeiten der analogen Fotografie kennen, als die Abzüge einen charakteristischen warmen Braunstich hatten. Beim Betrachten solcher Fotos kommen unweigerlich nostalgische Gefühle auf! Gerade deswegen sollte man diesen Effekt sehr sparsam und zielgerichtet einsetzen. Stil und Motiv sollten stimmig sein – Aufnahmen alter Einrichtungsgegenstände, historischer Gebäude oder auch Porträtaufnahmen passen oft recht gut dafür. Wobei man speziell bei Porträts darauf achten sollte, dass die Bekleidung nicht zu modern wirkt – also lieber ein wenig in Urgroßmutters Kleiderkiste wühlen. Auf unserem Beispielfoto kostümierte sich das Modell im Look der 1920er-Jahre. Bei praktisch allen Bearbeitungsprogrammen lässt sich der Sepia-Effekt sehr unkompliziert per Mausklick erzeugen (z.B. in IrfanView mit »Bild/Effekte/Sepia« oder bei Pixlr über den Befehl »Anpassungen/Sepia «). Und wie von Zauberhand scheint ihr Foto um 100 Jahre gealtert!

Fotos professionell bearbeiten

Folgende Bearbeitungsprogramme haben wir getestet:

  • IrfanView ist ein weitverbreitetes Bildbetrachtungs- und Bearbeitungsprogramm, das darüber hinaus eine beachtliche Palette an Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Für Privatanwender ist die Nutzung kostenlos (Irfanview).
  • Pixlr ist ein für Private kostenloses Programm, mit dem man online arbeitet (keine Installation am PC). Es bietet einen hohen Funktionsumfang und ist ähnlich aufgebaut wie Adobe Photoshop. Aufrufbar via Online-Bildbearbeitung.
  • Adobe Photoshop Elements ist der „kleine Bruder“ des kompletten Photoshops und bietet umfangreiche Bearbeitungsmöglichkeiten sowohl für Einsteiger als auch für Fortgeschrittene. Zugleich ist es ein Werkzeug zum Organisieren Ihres Bildarchivs. Mit Photoshop Elements lassen sich auch RAW-Bilder (= digitale Negative) aller Kameratypen verarbeiten. Das Programm ist unter Photoshop Elements für rund 90 Euro erhältlich.
  • Gimp ist ein freies Programm für verschiedene Betriebssysteme. Sehr komplexer Funktionsumfang, daher eher für fortgeschrittene Anwender zu empfehlen. Kostenlos herunterzuladen von GIMP: Bildbearbeitung für Linux.

Diesen Beitrag teilen

Facebook Twitter Drucken E-Mail

Das könnte auch interessant sein:

alt

Fotobearbeitungs-Apps - Bessere Bilder

In den sozialen Medien geht kaum eine Aufnahme unbearbeitet online. Während es dort um eindrucksvolle (Selbst-)Inszenierung geht, peppen dezente Optimierungen aber auch die private Fotosammlung auf.

alt

Drohnen: Kaufberatung - Brummen am Himmel

Geschätzte 100.000 Drohnen bevölkern den Himmel über Österreich. Nur ein Teil davon ist als Spielzeug einzustufen, die anderen dürften rechtlich in dünner Luft unterwegs sein.

Gefördert aus Mitteln des Sozialministeriums

Sozialministerium
Zum Seitenanfang