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Kaffeekapseln - Nicht immer Nespresso

, aktualisiert am

Also gut: Aus den Kapseln von Nespresso kommt der beste Kaffee. Doch unser Test von ­insgesamt 8 Produkten zeigt, dass auch andere Erzeuger etwas vom Kaffeesieden verstehen.

Folgende Kaffeekapseln haben wir einem Vergleich unterzogen:

FÜR NESPRESSO-SYSTEM

  • Dallmayr Capsa Lungo Belluno
  • DE Senseo Capsules Lungo
  • Jacobs Momente lungo Delicato
  • Nespresso Vivalto Lungo

FÜR DOLCE-GUSTO-MASCHINEN

  • Nescafé Dolce Gusto Dallmayr Prodomo

FÜR SPEZIELLE MASCHINEN

  • Cremesso of Switzerland Crema
  • Lavazza A Modo Mio Caffè Crema Lungo Dolcemente
  • Tchibo Cafissimo, vollmundiger Caffee Crema

In der Testtabelle finden Sie Infos und Beurteilungen zu: Geschmack, Schadstoffen (Acrylamid, Ochratoxin A, Furan), Verpackung, Deklaration, u.a. - Lesen Sie auch unserenKaffeekapseln: Ethik und Umwelt - What else.


Sechs Gramm Kaffeemehl, eingeschweißt in blau schimmerndes Aluminium – echt edel. "Eine schöne Röstnote und eine zarte blumige Note", verspricht der Werbetext auf der Verpackung der Kaffeekapsel Vivalto Lungo von Nespresso. Diese Kapseln gibt es natürlich nicht im Supermarkt zu kaufen, sondern in besonderen Geschäften in teurer Innenstadtlage oder online über den Nespresso-Club.

Exklusivität, Luxus, Genuss – so vermarktet Nestlé seit den 1990er-Jahren seine Kaffeekapseln. Und schaffte es mit dieser Marketingstrategie, Frauenschwarm ­George "Nespresso, what else?" Clooney inklusive, aus einem Allerweltsartikel ein hochpreisiges Lifestyle-Produkt zu machen. Alles nur ein Werbeschmäh oder ist dieser Kapsel­kaffee wirklich so edel, wie er daherkommt?

Test: Espresso Lungo oder Crema

Wir haben gemeinsam mit der Stiftung Waren­test 8 Kapselkaffees geprüft, die unter der Bezeichnung Lungo oder Crema verkauft werden. Darunter versteht man einen Espresso, der mit der doppelten Menge Wasser zubereitet wird. Beim Caffè Crema ist die Schaumkrone (Crema) Pflicht. Nach Abschluss der Prüfungen hatten wir wenig auszusetzen. Sensorisch überzeugten fast alle Produkte: braunmelierte, stabile Schaumkrone, deutliche Röstnoten, kräftiges Aroma.

Nespresso geschmacklich top

Testsieger wurde der Vivalto Lungo von Nespresso. Er erreichte im Prüfpunkt "sensorische Beurteilung" als Einziger die Bestnote. Aber auch die Konkurrenz verkauft aromatischen Kaffee. Nur bei den Kapseln von Tchibo Cafissimo war der Geschmack mittelmäßig.

Wer Kaffeekapseln kauft, kann nur beschränkt auswählen. Die Kapseln müssen nämlich zur Maschine passen, die entweder schon im Büro steht oder demnächst angeschafft werden soll. Am wenigsten Wahlfreiheit lassen Kapseln, die nur für eine Maschine bestimmt sind. Vier Marken im Test sind an spezielle Maschinen gekoppelt.

Nespresso und Alternativen in unterschiedlichen Geräten

Nicht nur das teure Original

Eine enge Maschinen-Kapsel-Abhängigkeit bestand früher auch beim Nespresso-­System. Das hat sich inzwischen geändert: 2013 verlor Nestlé vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf im Streit um den Patentschutz für seine Nespresso-Kapseln. Die Richter sahen die erfinderische Leistung für das Nespresso-System nur bei der Technik der Maschinen, nicht aber bei den Kapseln. Seither dürfen Anbieter ihre Nachahmer-Kapseln als für Nespresso-Maschinen geeignet ausloben.

Vor allem Diskonter und traditionelle Kaffeefirmen bieten solche kompatiblen Kapseln an. In unserem Test sind das – DE Senseo, Dallmayr Capsa und Jacobs Momente, die es in vielen Supermärkten zu kaufen gibt. Diese Produkte haben ein ähnliches Format wie das Original von Nespresso. Die Behälter bestehen aber überwiegend aus Kunststoff statt aus Aluminium, enthalten anderen ­Kaffee und kosten weniger.

Eine Frage der Maschine

Im Labor probierten wir, wie Kapseln für Nespresso-Maschinen in unterschiedlichen Geräten funktionieren. Dazu setzten wir Maschinen von Krups und De‘Longhi ein. Nur bei den Kapseln von Nespresso stimmte die gemessene Kaffeemenge mit der auf der Packung angegebenen überein. Aus den kompatiblen Konkurrenzprodukten holten die beiden Maschinen dagegen unterschiedliche Kaffeemengen heraus: Kam die Krups-Maschine zum Einsatz, floss mindestens 22 Prozent weniger Kaffee in die Tasse als auf der Packung versprochen.

Gleicher Kaffee, unterschiedlicher Geschmack

Der gleiche Kaffee kann aus verschiedenen Geräten auch unterschiedlich schmecken. Die Krups liefert einen eher kräftigen Kaffee. Mit der De’Longhi ist dagegen die Chance auf eine feste, lang anhaltende Crema größer.

Acrylamid und Furan

Acrylamid

Natürlich wurden alle Kaffeekapseln auf Schadstoffe wie Acrylamid und Furan untersucht. Acrylamid entsteht beim Kaffee­rösten. Es gilt für den Menschen als möglicherweise krebserregend. Der EU-Richtwert für Acrylamid beträgt 450 Mikrogramm je Kilogramm Kaffee. Am wenigsten Acrylamid, nämlich nur ein Drittel des Richtwerts, steckt in Tchibo Cafissimo. Aber bei Furan, einem anderen Schadstoff, ist der Tchibo-Kaffee nicht besser als die anderen.

Furan: Belastung bei geschlossenen Systemen höher

Auch Furan bildet sich im Röstprozess – und ist eine Aromakomponente. Je aromatischer der Kaffee, desto mehr Furan enthält er. Das Problem: Furan gilt für Menschen als möglicherweise krebserregend.

Bei der Kaffeezubereitung geht Furan aus dem Kaffeemehl in den Aufguss über – bei der Verwendung von Kaffeevollautomaten oder Kapselmaschinen, also bei geschlossenen Systemen, mehr als bei herkömmlichen Kaffeemaschinen oder händisch aufge­gossenem Kaffee. Je offener das Verfahren, desto mehr Furan dampft ab. Kühlt der Kaffee ab, entweicht ebenfalls ein Teil des enthaltenen Furans.

Entwarnung bei Aluminium

Weitere Schadstoffe wie Blei, Kadmium, Kupfer, Nickel oder Mineralöle und das Schimmelpilzgift Ochratoxin A konnten höchstens in Spuren nachgewiesen werden. Weichmacher aus Kunststoff fanden sich nicht. Dafür steckte im Kaffeemehl jeder Kapsel Aluminium, zum Glück aber nur sehr wenig. Und von diesen geringen Mengen gehen jeweils maximal 4 Prozent ins Getränk über.

Viel Müll für wenig Kaffee

Auch wenn immer mehr Kaffeetrinker sie lieben: Kaffeekapseln, vor allem solche aus Aluminium (genaueres dazu in unserem Kaffeekapseln: Ethik und Umwelt - What else ), sind für die Umwelt eine Zumutung, denn sie verursachen jede Menge Müll. Mindestens zwei Materialschichten umhüllen jede Portion Kaffeemehl: erst die Kunststoff- oder Aluminiumkapsel, dann ­eine Schachtel oder andere Umverpackung.

Die Kapseln von Jacobs Momente und DE Senseo sind sogar dreifach verpackt. Wir ­haben das Volumen der gesamten Ver­packung für jedes Produkt berechnet und durch die Anzahl der Kapseln geteilt. Negativer Spitzenreiter ist hier Jacobs Momente mit 143 Kubikzenti­metern pro Portion.

Testtabelle: Kaffeekapseln

Kapsel statt Filter

Das Match Filter gegen Kapsel ist entschieden: Mit einem Anteil von 38,6 Prozent verdrängten im Vorjahr in Österreich die Kapselmaschinen erstmals die Filterkaffeemaschinen auf den zweiten Platz.

An dritter Stelle liegen die Vollautomaten. Der Großteil der heimischen Haushalte besitzt außerdem mehr als nur eine Kaffeemaschine, hat der Österreichische Kaffee- und Tee-Verband erhoben.

Nicht nur in der Bundeshauptstadt ist Kaffee überaus beliebt. Mit einem Verbrauch von 8,3 Kilogramm Kaffee pro Kopf und Jahr liegen wir weit über dem europäischen Durchschnitt von 4,9 Kilogramm. Mehr Kaffee konsumieren nur die Finnen und die Norweger. Im Schnitt trinkt der Österreicher täglich 2,9 Tassen Kaffee.

Zusammenfassung

  • Bequem. Kapsel in die Maschine geben, Hebel umlegen und schon gibt es duftenden Kaffee. Kein System macht so wenig Arbeit wie dieses.
  • Teuer. Convenience hat ihren Preis. Wer sich eine Kapsel runterdrückt, muss pro Tasse mit 27 Cent (Tchibo Cafissimo) bis 37 Cent (Nespresso, Lavazza) rechnen. Das ergibt einen Kaffeepreis von rund 34 bis 62 Euro pro Kilo!
  • Haufenweise Müll. Einzelportionskaffee verursacht jede Menge Mist und hat deshalb eine miserable Umweltbilanz. Vor allem Vieltrinker sollten daran denken, dass man Kaffee auch ohne Kapseln zubereiten kann.

Testkriterien

Im Test: 8 Kaffeekapseln zur Zubereitung von Caffè Crema oder Lungo.

Neben der sensorischen Beurteilung (u.a. Aussehen, Geruch und Geschmack) des zubereiteten Kaffees wurden alle Proben auch auf Schadstoffe untersucht. Das Testurteil bezieht sich auf Proben mit dem jeweils angegebenen Mindesthaltbarkeitsdatum. Der Test wurde gemeinsam mit der Stiftung Warentest durchgeführt.

ABWERTUNGEN
Traten häufig Probleme bei der Zubereitung auf, wurde das Testurteil um eine Note abgewertet. Lautete das Schadstoffurteil "weniger zufriedenstellend", konnte das Testurteil maximal eine halbe Note besser sein. Waren Acrylamid oder Furan "durchschnittlich" oder schlechter, konnte das Schadstoffurteil nicht besser sein.

SENSORISCHE BEURTEILUNG: 60 %
Ein trainiertes Panel aus acht Prüfpersonen, die auf die Beschreibung von Kaffeegetränken geschult sind, prüfte Aussehen, Geruch, Geschmack, Mundgefühl und Nachgeschmack anhand einer stufenlosen Intensitätsskala. Alle Getränke wurden mit empfohlenen Kapselmaschinen zubereitet. Jeder Prüfer beschrieb die anonymisierten Proben computergestützt unter standardisierten Bedingungen bei einer Trinktemperatur von 55 Grad C. Jede Probe wurde doppelt verkostet. Art und Intensität der Ausprägungen werteten wir statistisch aus. Sie waren Basis für die sensorische Note.

PROBLEME BEI DER ZUBEREITUNG: 0 %
Es wurde beobachtet, ob in den Kapselmaschinen das Zubereiten der Getränke problemlos erfolgt. Auffälligkeiten wie Verformungen der Kapseln oder Schwankungen in der Getränkemenge wurden protokolliert und zur Abwertung herangezogen.

SCHADSTOFFE: 20 %
Angelehnt an Methoden der Amtlichen Sammlung von Untersuchungsverfahren (ASU) nach § 64 LFGB prüften wir auf Acrylamid, Ochratoxin A und Furan im Kaffeepulver und im frisch zubereiteten Getränk. Wir prüften Aluminium, Blei, Kadmium, Kupfer, Nickel per DIN-EN-Verfahren, Mineralöl per LC-GC/FID, Weichmacher per GC/MS.

VERPACKUNG: 10 %
Handhabungsprüfungen wie Öffnen, Entnehmen und Wiederverschließen erfolgten durch drei Prüfpersonen. Außerdem beurteilt: Originalitätssicherung, Materialkennzeichnung, Recycling- und Entsorgungshinweise. Ausgehend vom berechneten Gesamtvolumen jeder Packung wurde das Volumen bewertet, das einer Getränkeportion entspricht. Wies die per Röntgenfluoreszenzanalyse durchgeführte Prüfung in den Verpackungsteilen auf chlorierte Verbindungen hin, erfolgte eine Kunststoffidentifizierung per FT-IR-Spektroskopie.

DEKLARATION: 10 %
Wir prüften gemäß lebensmittelrechtlichen Vorschriften und führten Authentizitätsprüfungen durch –per ASU-Methoden: Wassergehalt, Koffein, pH-Wert/Säuregrad und Chlorogensäuren, kaffeefremde Bestandteile per Mikroskopie. Drei Prüfpersonen bewerteten zudem Zubereitungs- und Lagerhinweise, Abbildungen und Werbeaussagen, Herkunftsangaben sowie Leserlichkeit und Übersichtlichkeit der Kennzeichnung. Außerdem wurde durch zehn standardisierte Brühvorgänge ermittelt, welches Volumen mit den empfohlenen Kapselmaschinen zubereitet wird und wie stark das deklarierte Volumen davon abweicht. Zur Überprüfung der Kaffeesorte wurde 16-0-Methylcafestol per ASU-Verfahren bestimmt.

Leserreaktionen

Wozu sammle ich das Zeug?

Ich staunte nicht schlecht, als ich meinen Sack voller gebrauchter Nespresso- Kapseln in der (auf der Nespresso Site genannten) Sammelstelle im südlichen Niederösterreich abgeben wollte: Der Mitarbeiter nahm den Sack und warf ihn kurzerhand in den Sperrmüllcontainer. Ich fühle mich veräppelt – wozu sammle ich das Zeug – und es drängt sich die Frage auf: Hat der Mitarbeiter die Sache einfach nur abgekürzt und werden sowieso alle Kapseln am Ende so „entsorgt“ oder werden die Kapseln tatsächlich recycelt?

Tamara M.
E-Mail

Testvorschlag

Als intensiver Kaffeetrinker kann ich Ihren Test weitestgehend bestätigen. Allerdings ist mir etwas aufgefallen, das in solchen Tests ebenfalls berücksichtigt werden sollte! Meiner Erfahrung nach unterscheiden sich die verschiedenen Kapseln – neben dem Geschmack – auch durch den Kraftaufwand, der für die Perforierung nötig ist. Ein gegenüber den originalen Nespressokapseln deutlich erhöhter Kraftaufwand beansprucht den Hebelmechanismus der Maschine mehr, was wahrscheinlich zu einem höheren Verschleiß der Mechanik führen kann.

Ich bin daher – nach einigen Versuchen mit Fremdfabrikaten – einerseits aus Geschmacksgründen, andererseits wegen möglicher Lebensdauerauswirkungen auf die Maschine wieder zum Original zurückgekehrt. Eine Aufnahme dieses „Belastungskriteriums“ in den Test wäre daher empfehlenswert.

Dr. Robert Blaich
E-Mail
(aus KONSUMENT 1/2016)

Verbieten?

Wenn es nicht gelingt, diese Kapseln wenigstens ohne so wertvolle und kostenintensive Stoffe wie Alu zu erzeugen, sollte man sie verbieten. Es sind verschwenderische Müllproduziermaschinen, in denen der größte Wert in der Verpackung liegt.

User "hanederb"
(aus KONSUMENT 1/2016)

Zurück zum Filterkaffee

Ich mache es mittlerweile so, dass ich auf die bewährte Filtertätigkeit zurückgegriffen habe. Das heißt: Kaffee (gemahlen), den ich will, so stark/ mild ich will, und dessen Preis ich auch frei entscheiden kann. Einziger Nachteil: etwas „mühsam“, Wasser aufkochen und durch das kochende Wasser ist der Kaffee auch extrem heiß. Aber es zahlt sich aus – und vor allem, es ist wesentlich billiger als die vorgeschriebenen Kapseln.

User "Woodstock"
(aus KONSUMENT 1/2016)

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