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Raucherentwöhnung - Letzter Zug????

Der Brite Allen Carr gilt als Guru für alle, denen der Nikotingenuss zur bedrohlichen Last geworden ist. Wir besuchten ein Allen Carr’s Easyways-Seminar mit dem Versprechen: „In sechs Stunden zum Nichtraucher.“

Wenn alles normal läuft, sind Sie am Abend ein glücklicher Nichtraucher. Heute ist vielleicht der wichtigste Tag in Ihrem Leben, denn er entscheidet darüber, ob Sie die nächsten 30, 40 Jahre rauchen oder nicht“, beschreibt Seminarleiter Erich Kellermann die Bedeutung seiner Veranstaltung. Die zwölf Teilnehmer, sechs Frauen, sechs Männer, nehmen die Botschaft weitgehend gelassen hin. Wen sie doch beunruhigt, der raucht sich zur Sicherheit eine an. Denn rauchen ist erlaubt beim Nichtraucher-Seminar. Noch.

Ein Kaminzimmer im altehrwürdigen Hotel Panhans am Semmering. Zwölf Stühle stehen im Halbrund an der Wand, vor jedem ein Aschenbecher. Gegenüber, zwischen zwei Säulen, ein schlichter Tisch mit den Unterlagen des Seminarleiters. Eine Tafel mit Reproduktionen von Zigaretten-Werbeplakaten, ein Flipchart. Es sähe aus wie ein Firmenseminar, wäre da nicht dieser große Berg angebrochener Zigarettenschachteln unter dem Flipchart.

„Hat jeder genug Zigaretten?“

Herr Kellermann begrüßt freundlich die Menschen, die mit der normalen Unsicherheit vor dem Ungewissen den Raum betreten. Etliche kennen einander, funktioniert die Werbung für die Allen Carr-Seminare doch größtenteils durch Mundpropaganda. Das Seminar beginnt mit der Frage: „Hat jeder genug Zigaretten?“ Dann kann es losgehen mit der Ankündigung: „Ich werde jetzt sechs Stunden durch reden. Und ich warne Sie: Ich rede ziemlich schnell.“

„Nikotin ist die gefährlichste und stärkste Droge“

Am Beginn steht die Auswertung des Fragebogens, den jeder Teilnehmer ausgefüllt hat. Menschen, die schon einmal mit dem Rauchen aufgehört hatten, müssen sich eingestehen, dass sie dabei keine körperlichen Schmerzen gehabt hatten. Und auf die Frage „Was erwarten Sie sich von dem Kurs?“ lässt Kellermann nur eine Antwort gelten: „Ich will Nichtraucher sein.“ Zur Einstimmung erfolgt eine Beschreibung des Giftes, von dem man abhängig ist: Nikotin sei die gefährlichste und stärkste Droge, die die Menschheit kenne. Schon nach einer Zigarette sei man süchtig; in Deutschland würden pro Jahr 1200 Menschen an den Folgen der Heroinsucht, 100.000 an den Folgen des Rauchens sterben.

Allen Carr Methode

Erich Kellermann hat selbst vor fünf Jahren nach einem Seminar von Allen Carr zu rauchen aufgehört. Das hat auch sein Berufsleben verändert. Der aus Rosenheim stammende gelernte Informationselektroniker machte die Trainerausbildung bei Allen Carr und kaufte sich die Franchise-Lizenz für Österreich. Seither bereist er unermüdlich die Lande. Neben Privatseminaren wie diesem gibt es immer mehr große Unternehmen, die erkannt haben, dass sich in Nichtraucher-Büros auch wirklich nur Nichtraucher wohl fühlen. Zufriedene Chefs bestätigen die hohe Erfolgsquote der Carr-Methode.

„Endlich Nichtraucher“ – ein Bestseller

Der Brite Allen Carr war selbst Kettenraucher (bis zu 100 Zigaretten am Tag), der nach vielen vergeblichen Entwöhnungsversuchen eine Art Erleuchtung hatte: Er schien die Suchtmechanismen des Nikotins, die Werbestrategien der Tabakkonzerne erkannt zu haben, und dass die Raucher sich selbst belügen. Sein Buch „Endlich Nichtraucher“ wurde zum Bestseller. Wem das Buch zum Bekämpfen der Nikotinsucht nicht genügt, für den gibt es diese Seminare – mit drei Monaten Geld-zurück-Garantie. Wer es nach dem Seminar nicht schafft, kann an einem Aufbaukurs teilnehmen. Für schwierige Fälle gibt es einen Intensivkurs. Hoffnungslose Fälle bekommen nach drei Monaten die Seminargebühr von 4200 Schilling zurück.

Sucht im Kopf

Allen Carr und seine Nichtraucher-Missionare werden manchmal in die Nähe von Sekten gerückt. Das mag an der Art Gehirnwäsche liegen, der sich Carrs Methode bedient. Sie bekämpft die Sucht im Kopf, denn nur dort sei der Glaube beheimatet, eine Zigarette schmecke gut, putsche auf, entspanne in Stresssituationen, vermindere das Hungergefühl, helfe beim Verdauen, fördere das zwischenmenschliche Näherkommen und sei als „Genuss danach“ schöner als der eigentliche Genuss. Ein Jugendlicher, der mit 15 Jahren zu rauchen beginnt, hat diese Botschaft bereits 80.000-mal vernommen: in der Werbung, auf Fotos, in Filmen. Dabei mache die Zigarette lediglich eines: sie lindere die Entzugserscheinungen, die sie durch die Nikotinabhängigkeit verursacht habe.

Rauchen gegen Entzugserscheinungen

Eine Erkenntnis, sechs Stunden lang aufbereitet, argumentiert, von allen Seiten beleuchtet – Herr Kellermann redet wirklich viel und schnell. Trotzdem wird es nicht langweilig. Vergleiche wie diese haben suggestive Überzeugungskraft: Rauchen sei, als ob man sich zu enge Schuhe anziehe um das Gefühl des nachlassenden Schmerzes genießen zu können, wenn man sie wieder auszieht. Ein Raucher leide lebenslang an Entzugserscheinungen, sei 24 Stunden pro Tag auf Turkey und denke ununterbrochen an Zigaretten. Dabei helfe jede Zigarette dem Raucher nur, sich so zu fühlen wie ein Nichtraucher.

Raucher haben Angst davor, keine Zigaretten zu haben. Damit wirbt auch die Tabakindustrie, etwa mit dem Plakat mit einer leeren Zigarettenpackung und dem Slogan „Das sollte Ihnen eine Leere sein“. Zynisch ehrlich wirbt die englische Zigarettenmarke „Death“, die statt der üblichen Gesundheitswarnung die Ankündigung „Rauchen tötet dich“ auf der Packung stehen hat – und damit genau die Zielgruppe der Jugendlichen zwischen 12 und 13 Jahren in der „Phase der Unsterblichkeit“ anspricht.

„Die wichtigste Entscheidung Ihres Lebens“

Vor einem sollten die Seminarteilnehmer nicht Angst haben: vor dem Nichtrauchen. Immer wieder wird erklärt, dass man nichts verliert, sondern nur etwas gewinnt: die Freiheit, nicht rauchen zu müssen. Noch allerdings sind die Seminarteilnehmer nicht so weit. Sie bestätigen für den teilnehmenden Beobachter (seit kurzem Ex-Raucher) die selbst erlebten Mechanismen: Erzeugt Kellermanns Schilderung Unbehagen, erfolgt der kollektive Griff zur Zigarette. Ein besonders interessantes Ritual: Obwohl während des gesamten Seminars geraucht werden darf, scheint die Zigarette in der Rauchpause besonders gut zu schmecken. Interessant auch das nervöse Zucken im Gesicht der Teilnehmer, wenn Kellermann immer wieder eine Zigarette aus einer Packung nimmt und sie zu Demonstrationszwecken zerbricht.

Dann wird es ernst: Der Seminarleiter beschreibt die Nikotinbestie, die in jedem Raucher mit jeder Zigarette am Leben erhalten wird und nur absterben kann, wenn sie keine Nahrung mehr bekommt. Er beschreibt, dass die Entzugserscheinungen nicht schlimmer seien als eine leichte Erkältung. Erich Kellermann, der die vergangenen sechs Stunden erstaunliche Kondition und Konzentration bewiesen hat, fordert schließlich die Anwesenden auf, ihre letzte Zigarette zu rauchen. Schweigen im Raum. Es folgt eine Zusammenfassung, eine Art Meditationsübung über die „wichtigste Entscheidung Ihres Lebens, eine Entscheidung über die Qualität Ihres Lebens“. Wer seine Entscheidung gefällt hat, zerbricht eine Zigarette und ist fortan glücklicher Nichtraucher.

Erfolgsquote über 50 Prozent

Bei diesem Kurs scheint Erich Kellermann wenig zurückzahlen zu müssen. Von den fünf nach vier Wochen befragten Teilnehmern hat nur eine Dame nach drei Tagen wieder zu rauchen begonnen. Eine andere hat Motivationsprobleme und wird einen „Nachhilfekurs“ bei Allen Carr’s Easyways nehmen. Den anderen geht es gut ohne Zigaretten. Sie entsprechen der von Easyways veröffentlichten Statistik der 90-prozentigen Erfolgsquote, gemessen an den Teilnehmern, die ihr Geld nicht zurück- verlangen. Die eigentliche Erfolgsquote von weit über 50 Prozent nach einem Jahr ist nach wie vor eine der höchsten von allen Rauchentzugs-Therapien.

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