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Fotos: digitale Bildbearbeitung - Schritt für Schritt zum optimalen Bild

Ein Foto ist schnell gemacht, die Speicherkarte in kurzer Zeit voll. Doch wenn Sie aus Ihren Bildern mehr herausholen möchten, dann nehmen Sie sich die Zeit für die Nachbearbeitung am PC.

Einen bestimmten Arbeitsablauf (englisch: Workflow) einzuhalten hilft, um möglichst rasch zum bestmöglichen ­Ergebnis zu kommen. Manche Schritte setzt man sinn­vollerweise ganz am Anfang, andere hebt man sich besser für den Schluss auf. So ­vermeiden Sie zeitraubende Irrwege. Sobald diese Prozedur zur Routine geworden ist, ­werden Sie effektiver sein und auch mit mehr Freude ans Werk gehen.

Aufnahmefehler korrigieren

Dabei spielt es keine Rolle, für welchen Zweck Sie die digitale Bildbearbeitung einsetzen: Für das Korrigieren von Aufnahmefehlern, das kreative Verbessern Ihrer Aufnahmen und/oder die Aufbereitung der Dateien für die ­weitere Verwendung (z.B. Druck).

Vier Phasen

Der ideale Arbeitsablauf gliedert sich im Wesent­lichen in vier Phasen, die hinter­einander auszuführen sind:

  • Sichern und kopieren der Originale
  • Bearbeitungen, die das gesamte Bild betreffen
  • Korrekturen von Bildpartien und Details
  • Speichern der bearbeiteten Bilder

Das Sichern Ihrer wertvollen Bilder vor der Bearbeitung sollte selbstverständlich sein. Legen Sie die Kopien in einem Ordner mit aussagekräftigem Namen ab, z.B. „Urlaub Italien 2015“. Nehmen Sie im Normalfall eine externe Festplatte. Wenn es sich lediglich um geringe Datenmengen handelt (weniger als 4 Gigabyte) genügt eine DVD. Dann können Sie jederzeit auf die Kopien der Originale ­zurückgreifen.

Vorher Sicherungskopie erstellen

Arbeiten Sie nur mit Dateien, von denen eine Sicherungskopie existiert. Oder verwenden Sie die Kopien und lassen die Originale unberührt. Denn wenn eine bearbeitete Version einmal als JPG abgespeichert ist, lassen sich die meisten Bearbeitungsschritte nicht mehr rückgängig machen.

Arbeitsschritte zum Gesamtbild

Arbeitsschritte zum Gesamtbild

Egal, um welches Bearbeitungsprogramm es sich handelt: Nehmen Sie nach dem Öffnen des Fotos zuerst alle jene Arbeitsgänge vor, die das gesamte Bild beeinflussen.

Richtiges Format: Falls erforderlich, die Aufnahme in die korrekte Position (Querbild, Hochbild) bringen. Alle Bearbeitungsprogramme haben eine Funktion, mit denen man das Bild um jeweils 90 Grad drehen kann.

Helligkeit und Kontrast: Als Nächstes optimieren Sie gegebenenfalls die Belichtung. Meist funktioniert das mit praktischen Schiebereglern. Extrem fehlbelichtete Fotos lassen sich aber nur selten zufriedenstellend reparieren. Der Kontrast ist der Helligkeitsunterschied zwischen den dunkelsten und hellsten Stellen des Bildes. Eine leichte Erhöhung des Kontrasts lässt die meisten Aufnahmen schärfer und brillanter erscheinen. Verringerter Kontrast führt zu flauen und schwammigen Bildern.

Farbkorrektur: Manchmal kommen die Bilder mit einem unschönen Farbstich aus der Kamera. Grund ist meist ein falsch eingestellter Weißabgleich. Der Weißabgleich (an Ihrer Kamera mit WB = White Balance bezeichnet) ist eine Art digitaler Filter, der dafür sorgt, dass die Farben Ihrer Motive immer möglichst natürlich wirken, egal bei welchem Licht (Sonne, Schatten, Glühbirne etc.) Sie fotografiert haben. Beispielsweise haben Aufnahmen bei Tageslicht, die Sie mit dem Weißabgleich für Kunstlicht gemacht haben, einen intensiven Blaustich. Bei ­manchen Programmen ist die nachträgliche Korrektur mit einem einzelnen Mausklick per Automatik möglich, bei anderen müssen Sie mit einem Regler einen wärmeren oder kühleren Farbton einstellen.

Umwandeln in ein Schwarzweißbild

Umwandeln in Schwarzweiß

Auch das Umwandeln in ein Schwarzweißbild (B&W) zählt im weitesten Sinn zur Farb­korrektur. Bildbearbeitungsprogramme haben meist eine solche Funktion. Sie können auch den Regler für die Farbsättigung auf "null“ ­stellen. Mitunter erscheint das Ergebnis langweilig und flau – eine Erhöhung des Kontrasts schafft Abhilfe.

Gerade richten, entzerren. Bei Schnappschüssen, oder wenn Sie auf einem schwankenden Boot fotografieren, gerät gern der Horizont aus der Waagrechten. Bildbearbeitungsprogramme verfügen über mehr oder weniger einfache Korrekturfunktionen. Auch stürzende Linien (aus der Nähe aufgenommene Gebäude scheinen nach hinten zu kippen) lassen sich ausgleichen, indem das Bild an der Oberkante in die Breite gezogen wird. Achtung: In beiden Fällen gehen an den Rändern Bildteile verloren.

Zuschneiden und freistellen

Zuschneiden bzw. freistellen: Legen Sie nun das Format und den Bildausschnitt fest, den ihr Endprodukt haben soll. Dies ist ein ganz wichtiger Arbeitsgang, der ­große Sorgfalt verdient. Indem Sie Bildränder wegschneiden bzw. ihr Hauptmotiv herausvergrößern, nehmen Sie noch entscheidenden Einfluss auf die Bildgestaltung und die Aussage Ihres Fotos.

Drittel-Regel

Beachten Sie dabei die sogenannte Drittel-Regel: Teilen Sie das Bild gedanklich in drei gleich große waagrechte bzw. senkrechte Zonen und richten Sie die bildwichtigen Motivteile und Linien danach aus. Bei Landschaftsaufnahmen bietet sich an: 1/3 Vordergrund, 1/3 Hauptmotiv, 1/3 Himmel. Ein frontal aufgenommenes Porträt wirkt besonders gut, wenn die Augen auf der oberen, und der Mund auf der unteren Drittellinie zu liegen kommt.

Schriften, Grafiken, Schärfung

Schriften, Grafiken, Schärfung

Detailkorrekturen: Das Retuschieren einzelner Bildpartien, Fleckenkorrektur, Aufhellen und Abdunkeln von Bildsegmenten etc. erfolgen in diesem Arbeitsgang. Holen Sie beim Bearbeiten die entsprechenden Bildpartien mithilfe des Lupensymbols möglichst groß auf den Schirm, um punktgenau arbeiten zu können.

Spezialeffekte, Filter: Effektfilter und Bildmontagen setzen Sie erst ein, wenn das Bild sonst richtig aufbereitet ist. Möglicherweise müssen Sie bei Helligkeit und Kontrast dann noch nachjustieren.

Schriften, Grafiken: Das Einfügen von Texten, Kästchen oder gezeichneten Linien heben Sie sich am besten für den Schluss auf.

Schärfen: Wenig bekannt ist, dass die meisten Aufnahmen durch Nachschärfen am Computer noch an Ausdruckskraft gewinnen (lediglich bei Porträts ist häufig der gegenteilige Effekt erwünscht). Bei ­vielen Programmen haben Sie die Wahl, mit einem entsprechenden Werkzeug nur einzelne Bildteile zu behandeln (z.B. Augen und Lippen bei einem Porträt), oder aber das gesamte Bild nachzuschärfen. Manche Programme (z.B. IrfanView) haben zum Nachschärfen eine Automatikfunktion, bei anderen (Photoshop) ist der Vorgang etwas schwieriger, lässt sich aber zielgenauer steuern. Komplett unscharfe oder verschwommene Bilder lassen sich allerdings nicht mehr retten. Fotos, die großformatig ausgedruckt werden sollen, vertragen mehr Schärfung als Bilder für den Web-Einsatz.

Datei beim Speichern umbenennen

Speichern

Jetzt werfen Sie nochmals einen Kontrollblick auf Ihr fertiges Werk. Eventuell können Sie bei Kontrast, Farbe oder beim Ausschnitt nochmals leicht nachbessern. Zu guter Letzt geht es daran, das Ergebnis für die Nachwelt zu sichern, also zu speichern. Wollen Sie das Bild später ausdrucken (lassen), sollten Sie es in höchstmöglicher Auflösung (300 ppi) und großer Kantenlänge (z.B. 2000 x 3000 Pixel oder mehr) speichern. Benötigen Sie es nur für das Web oder als E-Mail-Anhang, reichen 800 Pixel für die längere Kante und eine bildschirmtaugliche Auflösung von 72 ppi.

­Datei umbenennen

Auf jeden Fall sollten Sie die bearbeitete ­Datei beim Speichern umbenennen. Dazu genügt es, dem Original-Dateinamen einen Buchstaben (z.B. „b“ für „bearbeitet“) hinzuzufügen. Andernfalls überschreiben Sie nämlich Ihr Ausgangsbild.

Kaum eine ­Minute für perfektes Ergebnis

Minimalprogramm

Bei technisch einwandfreien Aufnahmen müssen Sie natürlich nicht immer all die oben beschriebenen Prozeduren durchführen. Durch ein Minimalprogramm aus Kontraststeuerung, Beschneiden und Nachschärfen gewinnt aber jedes Foto. Sobald Sie etwas geübter sind, brauchen Sie kaum eine ­Minute für ein perfektes Ergebnis.

Schritt für Schritt

Wenn Sie sich näher in die digitale Bildbearbeitung einarbeiten möchten, dann empfehlen wir unser gleichnamiges KONSUMENT-Buch mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen für die gängigsten Bearbeitungsprogramme.

Beispiele: vor und nach der Bearbeitung

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Buchtipp: "Digitale Bildbearbeitung"

Unzählige Digitalfotos entstehen Minute für Minute in aller Welt – doch kaum ein Bild kommt bereits perfekt aus der Kamera. Das hat zu einem Boom bei der elektronischen Bildbearbeitung geführt. Tatsächlich gab es für den Amateur noch nie so viele Möglichkeiten wie heute, Fotos mit ein paar Mausklicks zu optimieren, Aufnahmefehler zu korrigieren oder aus einem alltäglichen Motiv ein ganz besonderes Ergebnis herauszuholen. Dieses Buch richtet den Fokus auf preisgünstige und für Einsteiger geeignete Software. Mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen und anschaulichen Abbildungen hilft es, die wichtigsten Funktionen gängiger Bearbeitungsprogramme zu beherrschen und weckt die Lust auf kreatives Experimentieren.

www.konsument.at/bildbearbeitung

Aus dem Inhalt

  • Die ersten Schritte
  • Programme und Grundfunktionen
  • Experimentieren mit Effekten
  • Umfangreiches Glossar

188 Seiten, 19,60 € + Versand

Digitale Bildbearbeitung

 

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