Luftreiniger im KONSUMEN-Test Bild: Real-Vector / shutterstock.com

Test Luftreiniger: Filtern und Lüften gegen Corona 12/2021

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Die Geräte sollen neben Pollen, Schadstoffen und Bakterien auch Viren aus der Luft filtern. Vier der sieben Luftreiniger im Test halten SARS-CoV-2 in Schach, lüften sollte man dennoch.

Diese Luftreiniger haben wir getestet:

  • Ideal AP30 Pro
  • Levoit Core 400S
  • Medion MD 10378
  • Philips AC2887/10
  • Philips AC2939/10
  • Rowenta Intense Pure Air XL Connect PU6080
  • Xiaomi Mi Air Purifier Pro

Der Produktfinder enthält Infos und Bewertungen zu: Luftreinigung (Pollen, Aerosolpartikel, Formaldehyd), Handhabung, Geräusch, Stromverbrauch, Sicherheit, Datensendeverhalten, jährliche Betriebskosten, Kosten Ersatzfilter, etc. - Nachfolgend unser Testbericht.

Werden auch Coronaviren gefiltert?

Omikron hat uns fest im Griff und die Infektionszahlen gehen mitten in der kalten Jahreszeit in die Höhe. Sollten wir also schon wieder auf Feiern und Spieleabende mit Freunden und Nachbarn verzichten müssen? Die Hersteller von Luftreinigern versprechen, neben Bakterien, Pollen und Schadstoffen auch Coronaviren aus der Raumluft zu filtern.

Sieben Luftreiniger im Test

Doch schaffen es die papierkorbgroßen Geräte, die Raumluft so zu reinigen, dass entspannte Zusammenkünfte möglich sind? Unsere Kolleginnen und Kollegen von der Stiftung Warentest haben sieben Modelle getestet.

Testsieger Xiaomi

Ergebnis: Mit frischem Filter entfernen zwar alle Geräte in der Luft schwebende und virentragende Partikel gut, doch nur vier schaffen das auch mit gebrauchtem Filter. Gegen Pollen kommen alle Modelle gut an, bei Luftschadstoffen wie Formaldehyd sind dagegen nur zwei erfolgreich. Nur der Xiaomi Mi Air Purifier Pro überzeugt in allen „Disziplinen“.

Viren halten sich über Stunden

Das Coronavirus Sars-CoV-2 verbreitet sich vor allem über sogenannte Aerosole. Das sind in der Luft schwebende Gemische, in denen feste oder flüssige Partikel eingeschlossen sind. Große Aerosolpartikel, die zum Beispiel beim Husten oder Niesen entstehen, sinken schnell zu Boden. Kleine Partikel hingegen, die etwa beim Atmen und Sprechen ausgestoßen werden, schweben stundenlang in der Luft.

Ist eine Person mit dem Coronavirus infiziert, kann sie in kurzer Zeit große Mengen virentragender Aerosole ausatmen. Die Viren reichern sich somit im Raum an. Geeignete Luftfilter können die Virenkonzentration auf ein weniger riskantes Niveau senken. Noch besser ist der Effekt in Kombination mit regelmäßigem Lüften.

Neue Filter filtern gut

Im Test wurde die Filterwirkung für Aerosole in einer Prüfkammer mit harmlosen Paraffinöltröpfchen mit einem Durchmesser von 0,12 Millionstel bis 1 Millionstel Metern untersucht. Das Virus Sars-CoV-2 misst etwa 0,12 Millionstel Meter. Mit neuen Filtern machten alle Luftreiniger ihre Sache gut: Die Messergebnisse aus der Prüfkammer wurden dann auf einen Testraum mit 16 Quadratmetern und 2,50 Metern Höhe umgerechnet, in dem sich keine Menschen aufhalten.

In einem derartigen Zimmer sinkt die Konzentration der Paraffinölteilchen in der Luft nach 20 Minuten um 90 bis 96 Prozent. Alle getesteten Geräte reinigen die Luft im Raum mindestens vier Mal pro Stunde komplett, so wie es Fachleute für mobile Luftreiniger fordern.

Filter lassen mit der Zeit nach

Im Betrieb zeigte sich allerdings auch, dass die Wirksamkeit der Filter mit der Zeit nachlässt. Im Test wurden die Filter dem Rauch von 100 Zigaretten ausgesetzt. Das soll eine Alterung von etwa vier bis fünf Monaten simulieren.

Danach wurden die Luftreiniger erneut in den Kampf gegen die Aerosole geschickt: Mit den Geräten von Levoit, Philips und Xiaomi sank die Konzentration virengroßer Partikel immerhin noch um 84 bis 91 Prozent. Das Gerät von Ideal schaffte nur noch 57 Prozent, zudem sank die Luftwechselrate auf weniger als zwei Mal pro Stunde. Alle anderen Modelle filterten die gesamte Luft des Testraumes mindestens vier Mal pro Stunde durch.

Regelmäßige Kosten für Ersatzfilter

Früher oder später benötigen jedoch alle Geräte neue Filter. Für Levoit und Medion sind diese je nach Nutzung nach rund sechs Monaten fällig, Xiaomi empfiehlt neue Filter bereits ab drei Monaten. Die Ersatzfilter für die geprüften Geräte kosten zwischen 30 und 100 Euro. Hinzu kommen Stromkosten. Für Xiaomi bedeutet das jährliche Kosten von bis zu 224 Euro.

Ärgerliche Suche nach Xiaomi-Filtern

Testsieger Xiaomi verursacht nicht nur die höchsten Betriebskosten, auch die Beschaffung von Ersatzfiltern ist ein Problem. Das geprüfte Gerät enthielt einen hellblauen Filter. Diesen gibt es als Ersatzfilter jedoch nicht zu kaufen. Auf Nachfrage riet der Anbieter zu einem grauen Hepafilter. Im Internet sind auch grüne Filter gegen Formaldehyd und lilafarbene gegen Bakterien zu finden. Ob diese allerdings ähnlich gut reinigen wie der mitgelieferte Filter, wurde im Test nicht geprüft.

Pollen

Neben Aerosolpartikeln entfernen Luftfilter unter anderem auch Pollen aus der Luft. Während der Hochphase der Heuschnupfenzeit schweben bis zu 250 Blütenpartikel in einem Kubikmeter Luft. Im 16-Quadratmeter-Zimmer schafften die getesteten Geräte innerhalb von zehn Minuten eine Reduzierung um 92 bis 95 Prozent. Von den 250 Pollen würden also nur 13 bis 20 Pollen je Kubikmeter Luft übrig bleiben. Für Allergiker bedeutet das eine Erleichterung.

Formaldehyd

Luftfilter sollen auch problematische flüchtige organische Verbindungen aus der Raumluft entfernen. Am Beispiel von Formaldehyd wurde geprüft, wie gut die Geräte Substanzen filtern, die etwa aus Lacken, Wandfarben oder verklebten Holzspänen in Möbeln entweichen können. Formaldehyd kann die Schleimhäute reizen und Krebs erzeugen. Die Luftfilter enthalten Aktivkohle, an der sich die Moleküle anlagern sollen.

Das Produkt von Rowenta ist mit einem sogenannten Nanocapturfilter ausgestattet, der Formaldehyd chemisch zerstören soll. Doch selbst mit diesem Filter würde der Gehalt an Formaldehyd im Testraum in 20 Minuten um gerade einmal 14 Prozent sinken. Ähnlich bescheiden ist die Filterleistung bei den Geräten von Levoit und Philips. Als einziges schnitt in diesem Testpunkt das Modell von Ideal mit „sehr gut“ ab.

Geräuschentwicklung

Die Messungen zur Luftreinigung wurden in der höchsten Lüfterstufe durchgeführt. Dies ist mit einer erheblichen Geräuschentwicklung verbunden. Mit 58 bis 67 Dezibel sind die Geräte in dieser Einstellung etwa so laut wie Dunstabzugshauben auf höchster Stufe. Das mindert die Einsatzmöglichkeiten der Geräte beträchtlich. Eine entspannte Unterhaltung, ein Seminar oder auch Schulunterricht ist kaum möglich.

In Klassenräumen mit 80 Quadratmetern wären zudem mindestens drei dieser für den Privatgebrauch konzipierten Geräte erforderlich, um die von Fachleuten empfohlenen vier Luftwechsel pro Stunde zu erreichen. Das relativiert den Einsatz von Luftfiltergeräten.

Unseriöse Empfehlung

Die Anbieter empfehlen ihre Geräte teilweise für viel zu große Räume. Der Philips AC2939/10 etwa soll angeblich Räume bis 98 Quadratmeter reinigen. Dass er in einem solchen Raum die Luft lediglich einmal pro Stunde durchfiltert, kann man allerdings nur im Kleingedruckten lesen. Zum Schutz vor Coronaviren ist ein Luftwechsel pro Stunde zu wenig.

Kritische Apps

Bis auf den Philips AC2887/10 können alle geprüften Luftreiniger auch per App gesteuert werden. Das funktioniert auch meist gut. Allerdings weisen die Apps von Levoit und Xiaomi deutliche Mängel im Datensendeverhalten auf. Sie schicken zum Beispiel Nutzungsstatistiken an die Datenkrake Facebook. 

Produktfinder Luftreiniger

7 Luftreiniger im Vergleich.

Produktfinder

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Lüften plus Filtern schützt am besten

Lüften plus Filtern schützt am besten Bild: Quelle: Stiftung Warentest

Die Grafik zeigt – abhängig vom Verhalten der Anwesenden – die Anzahl der Viren in einem 16 Quadratmeter großen, 2,50 Meter hohen Raum, in dem sich auch eine hochansteckende Person befindet: Ohne Lüften und Luftfilter steigt die Virenlast im Raum stetig an.

Wird alle 20 Minuten für fünf Minuten gelüftet, sinkt die Anzahl der Viren, steigt dann aber wieder bis zum nächsten Lüften. Dauerhaft niedrig bleibt sie mit Lüften plus Einsatz eines wirksamen Luftreinigers.

Filter

Luftreiniger enthalten in der Regel mehrere Filter: Vorfilter für grobe Fusseln, Partikelfilter wie Hepafilter für Aerosole, Feinstaub und Pollen sowie Aktivkohlefilter für Schadstoffe wie Formaldehyd. Da die Filterleistung für die verschiedenen Bereiche unterschiedlich ausfällt, sollte man sich vor dem Kauf überlegen, was vor allem gefiltert werden soll. Zu beachten ist auch, dass die Filter regelmäßig ersetzt werden müssen. Dies kann die jährlichen Betriebskosten deutlich erhöhen.

Pollen

Im Frühling schweben bis zu 250 Blütenpartikel in einem Kubikmeter Raumluft. Für Allergiker sind bereits 6 bis 100 Blütenpartikel je Kubikmeter Luft eine hohe Belastung – je nachdem, wie aggressiv die Allergene sind. Wer nur Pollen filtern möchte, der ist mit jedem Gerät im Test gut bedient.

Aerosole

Mit frischem Filter sammelten alle Geräte im Test auch Aerosolpartikel gut ein. Die Filterleistung sinkt allerdings mit dem Alter der Filter. Das Modell von Ideal lässt dabei deutlich nach; die Geräte von Levoit, Philips und Xiaomi büßen dagegen wenig Leistung ein. Für den Einsatz gegen Coronaviren sind Modelle empfehlenswert, die auch mit gebrauchtem Filter noch gut wirken.

Formaldehyd

Die krebserregende Substanz Formaldehyd steht in diesem Test repräsentativ für Luftschadstoffe. Einige Anbieter geben an, dass ihre Geräte derartige flüchtige organische Verbindungen aus der Luft entfernen können. Im Test offenbarten sich hier allerdings große Unterschiede zwischen den verschiedenen Modellen. Wer insbesondere Schadstoffe aus der Raumluft entfernen möchte, sollte deshalb nur auf Geräte zurückgreifen, die in diesem Prüfpunkt mindestens mit „gut“ abschnitten.

Sieger aus dem letzten Test

Die besten Luftreiniger aus dem letzten Test (KONSUMENT 3/2021) wurden erneut ins Labor geholt, um die Wirkung gegen virentragende Aerosole zu testen. Der Philips AC 2889/10 sammelte als Einziger mit neuem wie gebrauchtem Filter Aerosole gut. Auch gegen Pollen wirkte er gut.

Das Gerät ist qualitativ vergleichbar mit dem Xiaomi Mi Air Purifier Pro, nur Formaldehyd entfernt er schlechter. Er ist laut Anbieter unverändert erhältlich.

VKI-Tipps

- Lüften: Optimal für den Luftaustausch in Coronazeiten ist regelmäßiges Stoßlüften. Abstand und Maske verhindern zudem direkte Ansteckungen, etwa durch die Hustenwolke einer infizierten Person.

- Luftfilter: Einige der getesteten Luftfiltergeräte kommen gut gegen Coronaviren an. Für einen Dauerbetrieb am Arbeitsplatz sind die Geräte allerdings aufgrund der nicht unerheblichen Geräuschentwicklung nur eingeschränkt verwendbar. Zudem muss darauf geachtet werden, die Filter in bestimmten Abständen auszutauschen, weil die Filterwirkung mit der Zeit deutlich abnimmt.

Testkriterien

Luftreinigung

Sieben Luftreiniger mit Filter (ohne Vireninaktivierung, z.B. durch eine UV-C-Lampe oder Ionisation) wurden getestet. Laut den Anbietern eignen sie sich für Raumgrößen bis zu mindestens 40 Quadratmetern und liefern zwischen 300 und 500 Kubikmeter gefilterte Luft pro Stunde (Clean Air Delivery Rate – CADR). Sechs der sieben Geräte lassen sich per App steuern.

Geprüft wurde die Reinigungsleistung der Geräte für Pollen (in Anlehnung an ANSI/AHAM AC-1–2020) und Formaldehyd (in Anlehnung an GB/T 18801–2015). Hierzu wurden in eine knapp 12 Quadratmeter große und 2,50 Meter hohe Prüfkammer eine definierte Konzentration von Papiermaulbeerbaumpollen bzw. Formaldehyd eingebracht. Ermittelt wurde, wie viel von den Pollen die Geräte in 10 Minuten filtern und wie viel Formaldehyd in 20 Minuten.

Mit Paraffinöltröpfchen wurde die Leistung neuer und gebrauchter Filter gegenüber Aerosolpartikeln geprüft. Die Luftreiniger hatten bis zu 20 Minuten Zeit, um Partikel im Bereich zwischen 0,12 und 1 Mikrometern zu sammeln. Die Paraffinöltröpfchen wurden mittels eines Atomizers erzeugt. Die anschließende Messung der Partikelkonzentration über den gesamten Größenbereich erforderte dabei eine Kombination verschiedener Detektionsverfahren (Differentialmobilitätsanalysator mit Kondensationspartikelzähler, optisches Aerosolspektrometer, aerodynamisches Partikelgrößenspektrometer). Die Filter wurden mit dem Rauch von 100 Zigaretten gealtert, danach wurde die Aerosol-Filterleistung erneut ermittelt.

Im Text angegebene Werte zur Verbesserung der Luftqualität mittels Luftreiniger beziehen sich auf ein vereinfachtes Rechenmodell für eine Raumgröße von 16 Quadratmetern (2,50 Meter Höhe und insgesamt 40 m³ Raumvolumen) und zu einem gegebenen Zeitpunkt (bei Pollen 10 Minuten, bei Formaldehyd und Aerosolpartikeln 20 Minuten). Die natürliche Abscheidung für Pollen, Aerosolpartikel und Formaldehyd ist hierbei miteinbezogen worden. Zusätzliche Quellen wie das Eindringen verschmutzter Außenluft mit einer bestimmten Luftwechselrate oder weitere Innenraumquellen (zum Beispiel Menschen) wurden bei diesem Rechenmodell nicht berücksichtigt.

Handhabung

Fünf technisch interessierte Prüfpersonen beurteilten, wie verständlich und lesbar die Gebrauchsanleitung ist. Ein Experte benotete die Vollständigkeit der Gebrauchsanleitung, etwa in Bezug auf die Handhabung des Filters durch einen Allergiker. Die Prüfpersonen überprüften außerdem Montage, Transport und Aufbewahrung, das Bedienen am Gerät und per App, die Anzeige der Luftqualität am Gerät sowie Reinigen und Wechseln der Filter.

Umwelteigenschaften

Ermittelt wurde der Schallleistungspegel der Geräte auf minimaler und maximaler Lüfterstufe. Außerdem beurteilten fünf technisch interessierte Prüfpersonen das Geräusch subjektiv auf minimaler und maximaler Lüfterstufe. Im Urteil Stromverbrauch wurde die Leistungsaufnahme mit maximaler Lüfterstufe sowie im Stand-by bzw. im ausgeschalteten Zustand ermittelt.

Sicherheit

Ein Experte prüfte die elektrische und mechanische Sicherheit (beides in Anlehnung an DIN EN 60335–1:2020–08 und DIN EN 60335–2–65:2013–02) sowie die Verarbeitung und Bediensicherheit der Geräte.

Mängel im Datensendeverhalten der Apps: Hier wurde geprüft, ob die Apps (Android und iOS) Daten sendeten, die für das Funktionieren der App unnötig sind. Dafür wurde der Datenverkehr der Apps mitgeschnitten, entschlüsselt und analysiert.

Abwertungen

Abwertungen bewirken, dass Mängel sich verstärkt auf das Testurteil auswirken. Sie sind in der Tabelle gekennzeichnet. Folgende Abwertungen setzten wurden eingesetzt: War das Urteil für Luftreinigung „weniger zufriedenstellend“, konnte das Testurteil maximal eine halbe Note besser sein. Lautete das Urteil für Aerosolpartikel mit gebrauchten Filtern „weniger zufriedenstellend“, wurde das Urteil für Luftreinigung um eine Notenstufe abgewertet. Lautete die Note für Formaldehyd „nicht zufriedenstellend“, konnte die Luftreinigung maximal eine Note besser sein.

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