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Wenn das Immunsystem überreagiert: Allergien betreffen Millionen Menschen und können den Alltag stark belasten. Bild: Zhanna/stock.adobe.com (generiert durch KI)

Mit Allergien leben: Voll im Stress

Für Millionen Menschen wird der Frühling zur Belastungsprobe, andere leiden das ganze Jahr. Allergien sind keine Kleinigkeit.

Der folgende Text ist ein Auszug aus unserem VKI-Buch „Mit Allergien leben“ in zweiter, aktualisierter Auflage. Weitere Informationen zum Buch sowie die Bestellmöglichkeiten finden Sie hier.

Allergien im Lauf der Geschichte: Kein modernes Phänomen

Ob der ägyptische Pharao Menes um 2.800 v. Chr. an der allergischen Reaktion nach einem Wespenstich starb, ist ungewiss. Möglicherweise war erst Britannicus, der Sohn des römischen Kaisers Claudius, mit seinen Hautausschlägen nach dem Reitunterricht der erste Allergiker der Weltgeschichte.

Vom gegen Ende des 15. Jahrhunderts regierenden englischen König Richard III. wird berichtet, er habe sich seine Erdbeerallergie auf perfide Weise zunutze gemacht: Von einem politischen Gegner soll er sich eine Schüssel Erdbeeren reichen und diesen, nachdem sich erwartungsgemäß Nesselfieber gezeigt hatte, wegen versuchten Giftmordes hinrichten haben lassen.

Allergien gibt es seit alters her, jedoch stellen sie in den letzten Jahrzehnten ein stetig wachsendes Problem dar. Die heutige Volkskrankheit Heuschnupfen etwa galt noch in den 1950er-Jahren als seltenes Phänomen. Heute leiden zumindest zwei Millionen Menschen in Österreich an einer Allergie – nach Rückenschmerzen auf Platz zwei der häufigsten chronischen Krankheiten.

Was ist eine Allergie? Wenn das Immunsystem überreagiert

Dass das Immunsystem verschiedene Krankheitserreger erkennt und unschädlich macht, ist eine sinnvolle Einrichtung der Natur. Problematisch wird es, wenn dieselbe Abwehrreaktion auch gegen ungefährliche Umweltstoffe wie Blütenpollen oder Tierhaare eingeleitet wird. In solchen Fällen spricht man von einer Allergie. Die auslösenden Stoffe werden als Allergene bezeichnet.

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Bild: drawlab19/stock.adobe.com

Allergietypen im Überblick: Sofortreaktion bis Spättyp

Typ I – Soforttyp. Bei über 90 Prozent der Allergien treten die Symptome unmittelbar nach dem Kontakt mit dem Allergen auf. Heuschnupfen oder allergisches Asthma machen sich innerhalb weniger Sekunden bis Minuten bemerkbar. Auslöser sind zumeist Stoffe in der Atemluft wie Pollen, Schimmelpilzsporen oder Staubbestandteile, die von Hausstaubmilben oder Haustieren stammen. Vier bis sechs Stunden nach dem Allergenkontakt kann noch eine zweite Reaktion – meist an den unteren Atemwegen in Form von Asthma – auftreten. Aber auch Allergien auf Insektengifte, Nahrungs- und Arzneimittel sowie das Nesselfieber (Urtikaria) sind typische Beispiele für Soforttyp-Reaktionen. Die schlimmste Form ist der lebensbedrohliche anaphylaktische Schock (siehe Seite 35).

Typ II – Zytotoxischer Typ. Bei dieser seltenen Art von allergischen Reaktionen kommt es zur Zerstörung körpereigener Zellen. Erscheinungsformen sind etwa Reaktionen nach einer Bluttransfusion, Autoimmunerkrankungen und manche Arzneimittelreaktionen.

Typ III – Immunkomplextyp. Auch diese Allergieart ist selten und zeigt sich sechs bis zwölf Stunden nach dem Allergenkontakt. Hier werden Substanzen freigesetzt, die das Gewebe schädigen. Beispiele sind die allergische Gefäßentzündung (Vaskulitis), die Serumkrankheit (allergische Reaktion auf ein Heilserum z. B. gegen Schlangengift) und die Farmerlunge (lungenentzündungsähnliche Beschwerden, die nach dem Stallausmisten auftreten können).

Typ IV – Spättyp. Insbesondere Kontaktekzeme zählen zu diesem Allergietyp, bei dem die Reaktion sich erst mit bis zu drei Tagen Zeitverzögerung zeigt. Nach dem direkten Kontakt mit dem Auslöser reagiert die Haut mit Rötung, Bläschenbildung und Schuppung. Auch Hautausschläge, die nach der Einnahme von bestimmten Medikamenten entstehen, und Abstoßungsreaktionen nach der Transplantation von Organen gehören zum Spättyp. Nach wiederholtem Kontakt vermehren sich bestimmte Lymphozyten, die dann bei erneutem Kontakt Botenstoffe freisetzen und dadurch andere Abwehrzellen anlocken. Das Ergebnis ist eine Entzündung der Haut, die sich als Ekzem manifestiert.

Anaphylaktischer Schock: Die gefährlichste Form der Allergie

Die gefährlichste allergische Sofortreaktion kommt glücklicherweise nur selten vor. Immer jedoch ist rasche ärztliche Behandlung erforderlich.

Als anaphylaktischen oder allergischen Schock bezeichnet man die maximale Reaktion des Immunsystems auf eine allergieauslösende Substanz. In diesem Fall wird massenhaft Histamin (ein im menschlichen Körper vorkommendes Hormon) ausgeschüttet.

Das hat einen Lawineneffekt zur Folge: Die Blutgefäße erweitern sich, Flüssigkeit lagert sich im Gewebe ein, Ödeme bilden sich, Schleim wird abgesondert. Besonders gefürchtet ist der rasante Blutdruckabfall, der in Sekundenschnelle zu Kreislaufkollaps und Atemstillstand führen kann. Wird der Betroffene nicht umgehend medizinisch versorgt, kann der Tod eintreten.

Mögliche Auslöser und wie man vorbeugen kann

Zu den Auslösern eines anaphylaktischen Schocks zählen Lebensmittel wie Nüsse, Sellerie oder Meeresfrüchte, Medikamente wie bestimmte Antibiotika und Röntgenkontrastmittel sowie vor allem Bienen- und Wespenstiche.

Sollten Sie nach einem Insektenstich oder dem Genuss eines bestimmten Lebensmittels Zungenbrennen, Juckreiz, Atemnot, Herzrasen oder Übelkeit verspüren, lassen Sie einen Allergietest durchführen, der die genauen Ursachen für den Zwischenfall abklärt. Ist ein Nahrungsmittel oder Medikament der Auslöser, ist dessen Meidung die beste Vorbeugung gegen eine weitere, dann möglicherweise lebensbedrohliche allergische Reaktion. Patienten mit Insektengiftallergie sollten sich mit einem Notfallset ausstatten.

Tastatur Taste Anaphylaktischer Schock
Bild: momius/stock.adobe.com

So verhalten Sie sich im Ernstfall

  • Bewahren Sie unbedingt Ruhe, vermeiden Sie jede Art von Panikhandlungen und rufen Sie Hilfe herbei.
  • Versuchen Sie, das auslösende Allergen zu erkennen, und verhindern Sie eine weitere Zufuhr (z. B. Essen ausspucken, Insekt entfernen).
  • Alarmieren Sie einen Notarzt.
  • Nehmen Sie, wenn verfügbar, antiallergische Medikamente (Antihistaminika, Präparate aus dem Notfall­set) ein.
  • Legen Sie sich auf den Rücken und lagern Sie die Beine hoch.

Schnupfen oder Allergie?

Ist ein Schnupfen nach einer Woche vorüber, wurde er eher durch Viren verursacht. Halten die typischen Beschwerden jedoch länger an und wechselt ihre Stärke laufend, könnte eine Allergie dahinterstecken.

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Bild: Jürgen Fälchle/stock.adobe.com (generiert durch KI)

Über das Buch

Pollen, Hausstaubmilben, Lebensmittel, Tierhaare, Chemikalien, Schimmelpilze, Medikamente, Insektengift – Allergien sind ein breit gefächertes Thema. Immer noch nehmen viele Betroffene die anfänglichen Symptome auf die leichte Schulter. Chronische Erkrankungen wie Asthma oder eine teils massiv eingeschränkte Lebensqualität sind die Folge.

Dieses Buch beschreibt alle sinnvollen Diagnoseverfahren und wirksamen Therapiemethoden. Außerdem: Welche auslösenden Allergene es gibt und was Sie tun können, um die Beschwerden zu lindern. Ein Serviceteil mit den besten Adressen und Links zum Thema ergänzt das Angebot.

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