Lebensmittel: Wo kommt’s her? - Rot-Weiß-Rot auf der Verpackung

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Rot-Weiß-Rot auf der Verpackung sagt nichts über den Ursprung eines Produktes aus. Wir erklären, wie man erkennen kann, woher ein Lebensmittel kommt.

Bilder: Victor-Lauer / shutterstock.com (Montage: VKI)

Eine Auswahl unserer Beispiele, wo unserer Meinung nach Verpackungsdesign und/oder -aufschrift für den Konsumenten Verwirrung auslösen kann.

Woher unsere Lebensmittel kommen, spielt für immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten eine Rolle. Das spiegelt sich auch in unserer Rubrik Lebensmittel-Check ­wider. Kaum etwas regt Kunden mehr auf als falsche Herkunftsangaben.

Kein Interpretationsspielraum

Einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der AgrarMarkt Austria (AMA) zufolge ist den ­Konsumenten hierzulande besonders bei Milch - Fast alles im grünen Bereich, Brot - Unser täglich Brot, Fleisch und Wurst wichtig, dass sie aus Österreich kommen. Voraussetzung, um das erkennen zu können, wäre allerdings eine eindeutige Kennzeichnung des Ursprungs, die keinen Interpretationsspielraum zulässt.

Ursprungskennzeichnung 

Doch genau hier liegt der Teufel im Detail. Lediglich bei Honig, Obst und Gemüse, Fisch, Olivenöl, Rindfleisch sowie in jüngerer Zeit auch bei weiteren Fleischarten ist eine eindeutige Ursprungskennzeichnung verpflichtend. Kompliziert wird es, wenn ein Lebensmittel mehrere Zutaten enthält. In diesem Fall schreibt die Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) vor, dass der Ursprung der sogenannten primären Zutat – also der Hauptzutat bzw. der Hauptzutaten, die ein Produkt ausmachen – ange­geben werden muss, wenn ohne diese ­Angabe eine potenzielle Irreführung der Verbraucher gegeben wäre.

Mangelhafte Vorschriften

Der Fall wäre dies etwa, wenn dem Produkt beigefügte Informationen, Etikett oder Aufmachung auf ein Ursprungsland schließen ließen, das nicht mit dem Ursprungsland seiner primären Zutat bzw. seiner primären Zutaten identisch ist. Wie diese Kennzeichnung zu erfolgen hat, konkretisiert die Durchführungsverordnung (DVO). Doch die Umsetzung erweist sich als alles andere als einfach und scheitert vielfach an komplexen und nach wie vor nicht bis ins letzte Detail geklärten Anforderungen. 


Lebensmittel-Check

Melden Sie uns, wenn Sie auf Produkte stoßen, die Ihrer Meinung nach nicht ­korrekt ausgezeichnet sind, oder auf Produkte, die irreführend ausgelobt sind. Auf der Plattform Lebensmittel-Check: Ärger mit einem Produkt? stellen wir dazu ein Meldeformular bereit.

Der Lebensmittel-Check ist eine Kooperation mit dem Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz. Sie können uns Produkte auch über Facebook melden: www.facebook.com/lebensmittelcheck.at.

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit "AgrarMarkt Austria" (AMA).

Primäre Zutat, Verbrauchererwartungen

Primäre Zutat

Klar und eindeutig ist, dass als primäre ­Zutat jene Ingredienz definiert ist, die über 50 Prozent des Lebensmittels ausmacht, bzw. jene Ingredienzen, die mit einer Mengenangabe (QUID-Kennzeichnung) auf der Verpackung aufscheinen. So weit, so gut, doch als primäre Zutaten gelten auch ­Bestandteile, die Verbraucher üblicherweise aufgrund der Bezeichnung des Lebensmittels erwarten bzw. Ingredienzen, die die Kaufentscheidung wesentlich beeinflussen würden. Dass sich hier ein gewisser Interpretationsspielraum eröffnet, ist auch dem Gesetzgeber bewusst.

Erwartungen der Verbraucher

So bemühte sich das österreichische Konsumentenschutzministerium mittels einer Empfehlung zur ­Anwendung der DVO um mehr Klarheit. Darin heißt es, dass die spezifischen Merkmale, Eigenschaften und die gesamte Aufmachung des Etiketts eines Lebensmittels sorgfältig zu berücksichtigen seien. Zudem müssten auch die Wahrnehmungen und ­Erwartungen der Verbraucher einbezogen werden.

Aus Verbrauchersicht bleiben dennoch ­Fragen offen. So gelten demnach etwa bei Erdbeerjoghurt die Milch und die Erdbeeren als primäre Zutaten, bei einer Gurkerl-­Extra hingegen ist es nur das Fleisch – ­außer, es gibt eine QUID-Kennzeichnung für die ­Gurkerl. Bei einer "italienischen ­Salami­pizza" sollte der Ursprung des Fleisches für die Salami dann ausgelobt werden, wenn dieser nicht Italien ist.

Ursprung ...

Beim Ursprung eines Produktes greift die Lebensmittelinformationsverordnung auf das Zollrecht zurück. Er ist demnach dort, wo es vollständig gewonnen oder hergestellt wurde. Bei pflanzlichen Erzeugnissen ist es das Land, in dem diese geerntet ­wurden. Bezogen auf Tiere ist es das Land, in dem diese geboren und aufgezogen ­wurden. Für Verarbeitungserzeugnisse gilt ­jenes Land als Ursprung, in dem die letzte wesentliche und wirtschaftlich gerechtfertigte Be- oder Verarbeitung erfolgt ist.

... und Herkunft

Der Ursprung ist dabei nicht mit dem Herkunftsort zu verwechseln. Dieser gibt eine exaktere geografische Bezeichnung wieder und ist als jener Ort definiert, aus dem ein Lebensmittel laut Angabe kommt. In der Praxis kann man sich das Ursprungsland als einen Staat – etwa Österreich – vorstellen, der Herkunftsort wäre dann ein Bundesland oder eine Region. 

Geografische Angaben

Geografische Angaben

Artikel 1 der DVO stellt klar, dass es sich nicht nur bei expliziten Angaben wie beispielsweise "Ursprung Österreich" um eine geografische Angabe handelt. Auch Erklärungen, Piktogramme, Symbole oder ­Begriffe, die sich auf Orte oder geografische Gebiete beziehen, sind demnach eine geografische Angabe. Darunter fallen etwa Auslobungen wie "Hergestellt in", "Made in" oder "Erzeugnis aus".

Nationale Symbole und Assoziationen

Auch nationale Symbole und Flaggen sind als geografische Angabe aufzufassen. Das gilt auch für Landkartenausschnitte, nationale Denkmäler und Abbildungen von Landschaften, die mit ganz bestimmten Ländern assoziiert werden. Alle diese Angaben bzw. Aufmachungen bedingen eine Kennzeichnung der primären Zutat bzw. der primären Zutaten eines Lebensmittels, sofern deren Herkunft nicht mit der geografischen Angabe übereinstimmt.

Anschrift des Vertreibers

Name und Anschrift des Vertreibers müssen ebenfalls immer auf der Lebensmittelverpackung zu finden sein, allerdings ­gelten sie weder als Ursprungs- noch als Herkunftsort. Eine zu prominente bzw. auffällige Darstellung dieser Pflichtangaben – etwa, wenn zusätzliche eine Österreich-Flagge abgebildet wird – kann ­deshalb eine ­Irreführung darstellen, was, wie oben geschildert, die Auslobung der primären Zutaten erforderlich macht.

Klarstellung

Grundsätzlich sind dabei sowohl Namen von Ländern (etwa "Österreich") als auch die Bezeichnung "EU" oder für Drittländer „Nicht-EU“ erlaubt. Wenn eine Zutat aus mehreren Ländern stammt, darf es ­jedoch nicht zu Vermischungen kommen. Nicht möglich wäre etwa die Kombination "EU" und "Schweiz" oder "Österreich" und "Nicht-EU", sehr wohl aber "EU" und "Nicht-EU" bzw. "Österreich" und "Schweiz". Ebenfalls möglich sind Angaben wie "X stammt nicht aus Y" oder "Zutat X anderer Herkunft".

Hat eine Kennzeichnung im Rahmen der DVO zu erfolgen, müssen bestimmte Vorschriften beachtet werden. Befindet sich etwa eine Österreich-Fahne auf der Ver­packungs­vorderseite und ist der Ursprung der pri­mären Zutat nicht Österreich, muss die Klarstellung im selben Sichtfeld der ­Verpackung zu lesen sein. Steht auf der ­Verpackung "Hergestellt in Österreich" und ist der Ursprung der primären Zutat nicht Österreich, muss die Klarstellung ebenfalls im selben Sichtfeld der Verpackung in mindestens 75 Prozent der Größe der Auslobung "Hergestellt in ­Österreich" erfolgen.

Kennzeichnung in der Praxis 

So weit die Gesetzeslage und die Vor­schriften. Ab Seite 7 zeigen wir an ­prak­ti­schen Beispielen aus dem Handel, wie ­eine korrekte Kennzeichnung zu erfolgen hätte bzw. wie die Anbieter tricksen, um die Vorschriften zu umgehen. 

Vorsicht bei geografischen Angaben

Bei geografischen Angaben auf der Verpackung lohnt sich ein genauer Blick, da sie nicht ­unbedingt einen Hinweis auf den Ursprung des Lebensmittels bzw. der primären Zutat(en) bedeuten. Darunter fallen folgende Angaben: 

  • Name und Anschrift des Vertreibers 
  • "abgepackt in" oder "abgefüllt in"
  • geschützte geografische Angaben wie "Tiroler Speck g.g.A."
  • vorgeschriebene Kennzeichnung im Rahmen der Bio-Verordnung 
  • Marken 
  • Identitätszeichen 
  • übliche Sachbezeichnungen wie z.B. Salzburger Nockerl, Frankfurter 
  • Angaben mit Verweis auf eine Machart (Art, Typ, Stil, Rezept, à la) 
  • Aussagen zu Konsumvorlieben ("die beliebteste Wurst Österreichs") 
  • Ursprungsangaben zu einzelnen Zutaten (z.B. "Erdbeerjoghurt aus österreichischer Milch") 
  • Sprachcodes (Länderkürzel oder Flaggen bei mehrsprachigen Etiketten) 
  • Sponsoring-Angaben

Primäre Zutat

  • Quantitativ: Eine Zutat, die mehr als 50 Prozent des Lebensmittels ausmacht. 
  • Qualitativ: Zutaten, die Verbraucher mit dem Lebensmittel verbinden. 
  • Mengenangabe: Zutaten, die mit einer Mengenangabe (QUID-Kennzeichnung) versehen sind. 
  • Verbraucherwahrnehmung: Zutaten, die eine Kaufentscheidung wesentlich beeinflussen.

Grafik: Angaben Lebensmittelverpackungen

Diese Angaben finden Sie auf einer Lebensmittelverpackung (Bilder: yod67, Rustic, Lightkite, Viki Vektor/Shutterstock.com)

(Klick für Großdarstellung)

Beispiel: Mindestschriftgröße

Auf der Vorderseite der Verpackung der Dulano Puten Salami von Lidl befindet sich ein rot-weiß-rotes Herz.

Dulano Puten Salami

Damit wäre eine Kennzeichnungspflicht gegeben, wenn der Ursprungsort der primären Zutat, in diesem Fall Putenfleisch, nicht Österreich ist.

Auf der Verpackung befindet sich der Hinweis "Mit Putenfleisch aus der EU". Damit ist das Produkt zwar formal korrekt gekennzeichnet, das zeigt jedoch eine der Schwächen der DVO auf. Das Österreich-Herz ist verhältnismäßig groß abgebildet und deutlich zu sehen. Die Herkunft der primären Zutat Putenfleisch steht jedoch in sehr kleiner Schrift am unteren Rand der Verpackung und kann leicht übersehen werden.

Beispiel: Kennzeichnungspflicht

Beim Arlberger Bauchspeck von Hofer handelt es sich um ein Produkt mit der geschützten geografischen Angabe "Tiroler" Speck.

Arlberger Bauchspeck

Beim Begriff "Arlberger" handelt es sich nicht um die ­Gebirgslandschaft, sondern eine eingetragene Marke. Beide Angaben ­lösen keine Kennzeichnungspflicht aus. Deshalb muss der Ursprung der primären Zutat Schweinefleisch nicht gekennzeichnet werden.

Aus Verbrauchersicht wäre zu erwarten, dass das Fleisch von Schweinen stammt, die in Tirol bzw. Österreich ­gemästet wurden. Unsere Recherche ergab, dass das Fleisch aus Deutschland stammt.

Der Hersteller weist in einer von uns angeforderten Stellungnahme darauf hin, dass der Speck ausschließlich im österreichischen Bundesland Tirol nach genau festgelegten Herstellungsbedingungen produziert und verpackt werde: "Es ist uns auch bewusst, dass unsere Kun­dinnen und Kunden mit dem Tiroler Produkt auch die Herkunft des ver­wendeten Schweinefleisches aus ­Österreich verbinden."

Weiter schreibt der Hersteller, dass die ab 20. November 2020 produzierten Chargen mit dem AMA-Gütesiegel gekennzeich- net seien. Damit sei sichergestellt, dass ausschließlich Fleisch verwendet werde, dass von Schweinen stamme, die in Österreich geboren, aufgezogen, ­geschlachtet und zerlegt worden seien.

Wir haben das Produkt Ende 2020 eingekauft. Offenbar stammte das Produkt noch aus einer Charge, die vor der Umstellung auf das AMA-Gütesiegel hergestellt wurde.

Beispiel: Wenig verbraucherfreundlich

Hofer verkaufte seine Bellasan Halbfettmargarine mit rot-weiß-roter Fahne und der Angabe "hergestellt in Österreich".

Bellasan Halbfett Margarine

Da sich für das Sonnenblumenöl (QUID-Angabe) keine Herkunftsangabe auf der Verpackung befand, musste der Verbraucher davon ausgehen, dass das Sonnenblumenöl aus österrei­chischem Anbau stammt. Wir haben Hofer im ­Juni 2020 um Auskunft ge­beten, woher das verwendete Sonnenblumenöl stammt. Die Firma räumte ein, Sonnenblumenöl aus Österreich, Ungarn und Tschechien zu verarbeiten.

Mittlerweile hat Hofer das Verpackungsdesign geändert. Auf der Seite der ­Verpackung steht jetzt der Hinweis "Sonnenblumenöl aus der EU".

Auch wenn dies formal korrekt sein mag – die Gestaltung ist wenig verbraucherfreundlich. Der Hinweis ist auf der Verpackung nur schwer zu finden und obendrein schlecht lesbar.

Beispiel: Hinweis auf geografisches Gebiet

Den bei Hofer erhältlichen Nussstrudel von Finest Bakery ziert auf Vorder- und Rückseite der Verpackung eine rot-weiß-rote Fahne mit dem Schriftzug "hergestellt in Österreich".

Finest Bakery Nussstrudel

Auf der Rückseite befindet sich zudem ein Agrovet-Logo mit einem rot-weiß-­roten Streifen. Somit liegt eine Kennzeichnungspflicht für alle primären Zutaten vor, die nicht aus Österreich stammen. In diesem Fall betrifft dies die Nussfüllung.

Auf der Verpackung findet sich keine Kennzeichnung, also müssen alle primären Zutaten aus ­Österreich stammen. Da im Zutatenverzeichnis auch die Menge der in der Füllung enthaltenen Walnüsse angegeben ist (QUID-Angabe), müssen diese ebenfalls aus Österreich stammen.

Auf unsere Anfrage teilt uns der Hersteller mit, dass die Nussfülle aus ­Österreich stamme (d.h. aus Nüssen unbekannter Herkunft in Österreich hergestellt wurde), die Walnüsse jedoch nicht aus Österreich kämen. Der Anbieter verspricht, eine entsprechende Korrektur vorzunehmen.

Beispiel: Geschickte Markenpolitik

Die Firma Wiesbauer "Österreichische Wurstspezialitäten GmbH" verkauft ihre Produkte als "typisch österreichisch" und bildet dazu auf der Verpackung ein Trachtenpärchen ab.

Wiesbauer Rustikaler Jausenaufschnitt

Einen Hinweis, woher die primären Zutaten etwa im "rustikalen Jausenaufschnitt" stammen, sucht man vergebens. Das wäre in diesem Fall allerdings auch dann legal, wenn Schweine- und Rindfleisch sowie Emmentaler in diesem Produkt ihren Ursprung nicht in Österreich haben. Bei der Angabe "typisch österreichisch" handelt es sich nämlich um eine ein­getragene Marke, die keinen Auslöser für eine Kennzeichnungspflicht bedeutet.

Gleiches gilt für das Trachtenpärchen, für das ebenfalls ein Eintrag im ­österreichi­schen Markenregister aufscheint. Dieses Beispiel zeigt eine der Schwächen der DVO auf, weil sie den Herstellern genügend Schlupflöcher bietet und der Verbrauchertäuschung Vorschub leistet. Hier suggeriert die Aufmachung des Jausenaufschnitts, dass die primären Zutaten aus Österreich stammen. Doch selbst wenn dies nicht der Fall wäre, ist der Anbieter dank einer geschickten Markenstrategie nicht einmal verpflichtet, anzugeben, woher die primären Zutaten stammen.

Beispiel: Genau lesen

Bis vor Kurzem verkaufte die Firma Felix Austria GmbH ihre gefüllten Paprika in einer Dose, auf der eine rot-weiß-rote Fahne mit der Botschaft "hergestellt in Österreich" prangte.

Felix Gefüllte Paprika

Die Firmenbezeichnung "Felix Austria" löst keine Kennzeichnungspflicht aus, das Fahnensymbol jedoch sehr wohl. Da keine Kennzeichnung vorhanden war, mussten die verwendeten Tomaten und Paprika ­sowie das Schweine- und Rindfleisch folglich aus Österreich stammen. Mittlerweile hat der Hersteller die Angabe "hergestellt in Österreich" durch "Fleisch aus Österreich" ersetzt.

In diesem Fall ist unstrittig, dass das verwendete Fleisch österreichischen Ursprungs sein muss. Ob dies auch für Tomaten und Paprika gilt, ist jedoch aus unserer Sicht unklar. Dieses Beispiel offenbart eine weitere Unschärfe der DVO. Zwar erscheinen die gefüllten Paprika in der optischen Aufmachung nach wie vor als österreichisches Produkt, dabei muss aber lediglich die Fleischfülle aus Österreich stammen. 

Beispiel: Auf die Formulierung kommt es an

Die Bäckerei Ölz bewirbt ihren Familien Butter Zopf mit kräftigem Österreichbezug auf der Verpackung. Über einer rot-weiß-roten Fahne steht "Alpenbutter aus Österreich".

Ölz Familien Butter Zopf

Auf der Rückseite der Verpackung steht "Qualität aus Österreich". Zudem wird darauf hingewiesen, dass das Produkt in Österreich gebacken wurde. Diese Hinweise lösen eine Kennzeichnungspflicht für alle ­Zutaten aus, die mit einer Mengen­angabe versehen sind, wenn sie nicht aus Österreich kommen.

Die primären Zutaten Weizenmehl und Honig werden auf der Verpackung zwar korrekt mit "Mehl aus der EU" bzw. "Honig aus der Nicht-EU" gekennzeichnet, allerdings sind die Hinweise nur sehr schlecht ­lesbar. Für die verwendete Butter gibt es keine Kennzeichnung. In ihrer Stellungnahme verweist die Bäckerei Ölz darauf, dass die Milch für die Butter­herstellung teilweise aus den Bregenzerwälder Sennereien stamme, die restliche Butter komme von anderen österreichischen Molkereien, die ihre Milch aus dem Alpenraum be­ziehen.

Die Kennzeichnung ist prinzi­piell korrekt, da Ölz nicht verspricht, dass auch die restlichen Zutaten aus Österreich stammen. Dem Verbraucher wird dabei allerdings zugemutet, dass er Hinweise auf der Verpackung sehr genau liest und wortwörtlich nimmt.

Beispiel: Abgefüllt in Österreich

Die S-Budget-Marke von Spar bewirbt ihr Maiskeimöl mit einem rot-weiß umrandeten roten Kasten mit der Angabe "Abgefüllt in Österreich".

S-Budget Maiskeimöl

Auch wenn eine gewisse Nähe zur österreichischen Flagge gegeben ist, löst dies nach Ansicht von Experten keine Kennzeichnungspflicht aus, da für die Aussage "Abgefüllt in Österreich" eine Ausnahmeregelung im Rahmen der DVO bestehe.

Wir haben Spar dennoch gefragt, woher das Maiskeimöl stammt. Die Firma gibt an, dass im Saison­verlauf Rohstoffe, in diesem Fall Maiskeime, aus unterschiedlichen europäischen Herkunftsländern ver­arbeitet würden. Für uns greift die DVO hier zu kurz, weil sie den Herstellern die Möglichkeit eröffnet, mit natio­nalen Symbolen zu tricksen.

Beispiel: Regionale Bezeichnung

Die Firma Radatz verkauft ihre Wiener Pikant Wurst mit einem stilisierten Riesenrad auf der Verpackung.

Radatz Wiener Pikant Wurst

Die Ortsangabe "Wiener" in der Produktbezeichnung löst eine Kennzeichnungspflicht für die primären Zutaten – in diesem Fall Schweine- und Rindfleisch, die über 50 Prozent des Produktes ausmachen, sowie die Gemüsepaprika, deren Anteil auf der Verpackung ebenfalls genannt wird (QUID-Angabe) – aus, wenn sie ihren Ursprung nicht in Wien haben. In seiner Stellungnahme gibt der Hersteller an, dass die verwendeten Gemüsepaprika in Wien angebaut und verarbeitet würden. Zum Fleischanteil äußert sich die Firma Radatz dahin gehend, dass das Fleisch zwar nicht aus Wien, sondern aus Österreich stamme, der mündige Konsument allerdings davon Kenntnis habe, dass in Wien keine Schweine gemästet würden.

Wir können dieser Argumentation nicht folgen. Werden regionale Bezeichnungen verwendet, muss der Verbraucher davon ausgehen können, dass die eingesetzten Zutaten auch aus der jeweiligen Region stammen. Mag den meisten Konsumenten auch bewusst sein, dass in Wien keine Schweine gemästet werden, so kann dies jedoch bei anderen Zutaten in anderen Produkten durchaus für Verwirrung sorgen.

Beispiel: Eingetragene Marken

Der bekannte Schärdinger Bananen Traum wird mit einem fahnenartigen, in Rot-Weiß-Rot gehaltenen Fahnen-Symbol verkauft, das gleich auf mehreren Seiten der Verpackung zu sehen ist.

Schärdinger Bananen Traum

Das löst eine Kennzeichnungspflicht für alle primären Zutaten aus bzw. für Zutaten, die mit Mengenangabe genannt werden. Betroffen sind in diesem Fall die enthaltene Milch sowie die aus Bananen gewonnenen Produktanteile (Bananenpüree und Bananensaft).

Da für keine der Zutaten eine Ursprungsbezeichnung vermerkt ist, müssten sie alle aus Österreich stammen, was für die Bananen jedoch eher unwahrscheinlich ist. Der Hersteller verweist in seiner Stellungnahme darauf, dass das Produkt Milch aus Österreich enthalte. Er verneint jedoch eine Kennzeichnungspflicht, da es sich bei der Angabe "Schärdinger Traum" inklusive Schärdinger Logo und rot-weiß-roter Schleife um eine eingetragene Marke handle und somit kein Auslösetatbestand vorliege. Hausintern habe man zwar diskutiert, bezüglich der verwendeten Bananen eine Ursprungskennzeichnung vorzunehmen, dies ­jedoch verworfen, weil allgemein ­bekannt sei, dass Bananen nicht aus ­Österreich stammen.

Rechtlich ist an dieser Argumentation nichts auszusetzen. Aus Verbrauchersicht sind eingetragene Marken mit ­Österreich-Flaggen bzw. ähnlichen Symbolen jedoch ärgerlich. Denn es ist nicht davon auszugehen, dass Konsumenten grundsätzlich zwischen einer eingetragenen Marke und einer normalen Abbildung unterscheiden können. Anzumerken ist zudem, dass Schärdinger auch einen "Erdbeertraum" vertreibt. Die rot-weiß-rote Schleife weckt bei Konsumenten die Erwartung, dass die dafür verwendeten Früchte österrreichischen Ursprungs sind.

Beispiel: Rot-Weiß-Rot

Die Tube der Kuner Mayonnaise ziert ein rot-weiß-rotes Band mit der Aufschrift "Österreichs beliebteste Mayonnaise".

Kuner Mayonnaise

Die Aussage zu Konsumvorlieben in ­Österreich allein würde laut DVO noch keine Kennzeichnungspflicht nach sich ziehen, in Kombination mit den Farben der österreichischen Flagge tut sie es allerdings sehr wohl. Sollten die primäre Zutat Sonnenblumenöl sowie das enthaltene Eigelb (QUID-Angabe) nicht aus Österreich sein, müsste dies folglich entsprechend deklariert werden.

Der Hersteller verweist darauf, dass das rot-weiß-rote Band in Verbindung mit der getätigten Aussage keine Kennzeichnungspflicht nach sich ziehe, weil das Band nicht als Herkunftshinweis verwendet werde.

Außerdem, schreibt Kuner, nehme der Verbraucher es auch nicht als Herkunftshinweis wahr: "Das grafische Element bezieht sich nur auf den Erfolg des Produkts in Österreich. Ein Produkt kann in einem bestimmten Land populär sein, ohne immer auch aus diesem bestimmten Land zu stammen."

Aus unserer Sicht ist jede Art von Darstellung einer Österreich-Flagge oder auch nur die Anlehnung an eine Österreich-Flagge eine Herkunftskennzeichnung nach der DVO und fällt somit unter die Kennzeichnungspflicht.

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