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Kosmetika: Zusammensetzung und Qualität - Ungleiche Zwillinge

Produkte, die unter demselben Namen und in der gleichen Verpackung verkauft werden, können sehr wohl unterschiedlich sein. Um sicherzugehen, hilft nur eine genaue Kontrolle der Inhaltstoffliste.

Zusammensetzung von Kosemtika: Produkt, die unter demselben Namen verkauft werden, können sich unterscheiden. (Bild: JoeZ/Shutterstock.com)

Folgende Kosmetika finden Sie in der Testtabelle:

  • Avene Toléranc Extreme Creme
  • Biotherm Lait corporel anti-drying body milk
  • La Roche-Posay Anthelios dermo-kids Milch LSF 50
  • L'Oreal Volume Million Lashes
  • Max Factor 2000 calorie mascara black
  • Maybelline The colossal Mascara
  • Nivea Creme
  • The Body Shop Aloe Caring Roll-on Deodorant
  • Vichy Deodorant Anti-Transpirant 48H

Die Testtabelle informiert darüber, in welchen Ländern die Produkte verkauft werden, in wie vielen Varianten und in welcher Zusammensetzung (Einstufungen: so gut wie keine problematischen Substanzen, Parfum oder Substanzen, die als umweltschädlich gelten, mit einer oder mehreren problematischen Substanzen).

Nachfolgend unser Testbericht.


Zusammensetzung je Land ungleich

Ob Cremen, Bodylotions oder Shampoos – Kosmetika, mit deren Anwendung wir ein gutes Gefühl verbinden, kaufen wir immer wieder gern. Natürlich gehen wir davon aus, das bewährte Produkt immer in der gleichen Zusammensetzung zu bekommen, egal wo wir es kaufen. Eine Erhebung unserer dänischen Kolleginnen und Kollegen vom „­Danish Consumer Council – THINK Chemicals”, an der sich weltweit neben dem VKI 33 weitere Konsumentenschutzorganisationen beteiligten, zeigt jedoch, dass dem keineswegs so ist.

Selber Name, gleiche Verpackung, dennoch Unterschiede

Kosmetika werden unter demselben Namen, in der gleichen Verpackung und mit demselben Strichcode verkauft, obwohl sie nicht die gleiche ­Zusammensetzung aufweisen. Insgesamt wurden 39 Kosmetika, die in unterschiedlichen Ländern auf dem Markt sind, unter die Lupe genommen. Berücksichtigt wurden Verkaufsstellen von Anbietern, die eine ­gewisse Marktbedeutung haben, etwa Drogerieketten oder ­Supermarktbetreiber. 37 Produkte wurden in unterschiedlichen Variationen gefunden, nur zwei – in Österreich nicht erhältliche – Produkte waren überall ident. 

Qualität? Bedenkliche Inhaltstoffe!

Doch wie wirkt sich das auf die Qualität aus? Die Untersuchung zeigt, dass die ­wesentlichen Unterschiede darin bestehen, ob die Kosmetika Substanzen enthalten, die für Gesundheit und Umwelt problematisch sind. Unsere dänischen Kolleginnen und Kollegen teilten die Produkte dazu in drei Qualitätsstufen ein.

Cocktail-Effekt

Drei Qualitätsstufen

  • Stufe A: Laut Deklaration der Inhaltstoffe enthalten diese Präparate keine problema­tischen Chemikalien. 
  • Stufe B: Diese Produkte enthalten Parfum oder ähnliche Stoffe, die für Gesundheit bzw. Umwelt nicht unproblematisch sind. Parfumallergiker sollten sie meiden. 
  • Stufe C: Diese Kosmetika können nicht empfohlen werden. Sie enthalten Chemika­lien, die zwar zugelassen sind, jedoch eine potenzielle Gefahr für Gesundheit und ­Umwelt darstellen. Es handelt sich um ­besonders allergene Substanzen sowie um Verbindungen, die im Verdacht stehen, ab bestimmten Konzentrationen krebserregend bzw. hormonell wirksam zu sein.

Cocktail-Effekt

Auch wenn die Menge, die durch die Verwendung eines einzelnen Kosmetikums aufgenommen wird, ungefährlich ist – durch die zusätzliche ­Aufnahme vergleichbarer Chemikalien aus anderen Produkten (z.B. weitere Kosmetika, Reinigungsmittel) kann sich die Konzentra­tion im Lauf des Tages so erhöhen, dass ein kritischer Wert erreicht wird. Dieses Phänomen wird auch als Cocktail-Effekt bezeichnet (lesen Sie ­dazu „Unser täglicher Schadstoffcocktail“ in Hormonell wirksame Substanzen - Unser täglicher Schadstoffcocktail). 

Produkte in Österreich 

21 der insgesamt 39 Kosmetika, die im ­Rahmen des Projektes untersucht wurden, waren zum Zeitpunkt der Erhebung auch in Österreich auf dem Markt. Bei 12 dieser ­Produkte besteht gemäß obiger Klassifizierung kein Qualitätsunterschied; 6 Kosmetika waren in Österreich in einer qualitativ schlechteren Variante auf dem Markt als in mindestens einem anderen Land.

Schlechtere Varianten als in anderem Land

Betroffen sind die Produkte The Body Shop Aloe ­Caring Roll-on Deodorant; Vichy Deodorant Anti-Transpirant 48H; Max Factor 2000 ­calorie mascara black; Maybelline The colossal; L’Oréal Volume Million Lashes black; La Roche-Posay Anthelios dermo-kids Milch LSF 50. Drei Produkte (Body Milk von Biotherm, Tolérance Extrême Creme von Avène und Nivea Creme) ­wurden in Österreich mit einer besseren Zusammensetzung verkauft als in jeweils einem anderen Land. 

Vorurteil nicht bestätigt 

Interessant ist die Untersuchung allerdings auch noch in anderer Hinsicht. Wir werden von Konsumenten des Öfteren mit der ­Vermutung konfrontiert, dass Kosmetik­produkte in osteuropäischen Ländern oder in Ländern, die nicht zu den westlichen ­Industrienationen zählen, in schlechterer Qua­lität als in Österreich auf dem Markt ­seien. Die vorliegenden Ergebnisse bestätigen das nicht. Das Aloe Caring Roll-on ­Deodorant von Body Shop etwa war zum ­Erhebungszeitpunkt in Ungarn und Pakistan in besserer Qualität erhältlich. Die 2000 ­calorie mascara black von Max Factor gab es in der Ukraine, die Anthelios dermo-kids Milch mit Lichtschutzfaktor 50 von La ­Roche- Posay in Brasilien in besserer Qualität.

Tabelle: Produkte mit weltweit gleicher Bewertung

Tabelle: Produkte mit unterschiedlicher Bewertung

Kosmetiktests

Dass unter der gleichen Artikelnummer (EAN) bzw. dem gleichen Barcode unterschiedliche Rezepturen im Handel sind, ist uns bereits seit Langem bekannt. Testergebnisse aus dem Ausland sind deshalb auch nicht ohne Weiteres auf den österreichischen Markt übertragbar. Bei unseren internationalen Testkooperationen achten wir daher auch immer penibel darauf, ob ein von unseren ausländischen Partnern getestetes Kosmetikum in Österreich in exakt der gleichen Zusammensetzung auf dem Markt ist.

VKI-Tipps

  • Liste der Inhaltstoffe. Wenn Sie sichergehen möchten, dass Sie Ihr gewohntes Kosmetikum bekommen, sollten sie immer auf die Liste der Inhaltstoffe achten. Auch Online-Händler müssen gemäß EU-Kosmetikverordnung die Liste der Inhaltstoffe zur Verfügung stellen, denn sie unterliegen genauso der Kennzeichnungspflicht wie der stationäre Handel. 
  • Cocktail-Effekt. Bei allen im Rahmen dieser Erhebung untersuchten Kosmetika wurden die gesetzlichen Vorgaben eingehalten. Doch auch wenn Chemikalien in Kosmetika zugelassen sind, bedeutet dies keineswegs, dass sie harmlos sind. Es kommt wie so oft auf die Menge an. Bestimmte Substanzen finden sich auch in anderen Produkten (Kosmetika, Reinigungsmittel usw.). Werden mehrere dieser Produkte im Lauf eines Tages genutzt, können sich die betreffenden Chemikalien bis zu einer kritischen Menge im Körper anreichern. Dieser sogenannte Cocktail-Effekt kann die Gesundheit beeinträchtigen.

Testkriterien

39 international erhältliche Produkte bekannter Kosmetik-Hersteller wurden von der dänischen Konsumentenschutzorganisation „Danish Consumer Council – THINK Chemicals” ausgewählt.

46 Konsumentenschutzorganisationen weltweit kauften die Produkte im lokalen Handel ein.

Alle Inhaltstoff-Listen wurden verglichen, um zu ermitteln, ob die Produkte mit der gleichen Rezeptur angeboten werden.

Die Produkte wurden nach dem dänischen „Chemie-Kolben”-System in 3 Qualitätskategorien eingeteilt (A, B und C). Bei Unterschieden in der Rezeptur wurde auch beurteilt, ob alle Produktvarianten der gleichen Kategorie zuzuordnen sind. Qualitätskriterium war das Vorhandensein von Inhaltstoffen, die einen negativen Effekt auf die Gesundheit der Konsumenten oder die Umwelt haben können. Viele dieser Stoffe zählen zu den potenziell endokrinen Disruptoren.

A) Diese Bewertung bedeutet, dass das Produkt eine gute Wahl ist, wenn man eine Reihe problematischer Chemikalien vermeiden möchte. Bei Deklarationstests von beispielsweise Deodorants, Körperlotionen oder Sonnenschutzmitteln bedeutet dies, dass in der Inhaltsdeklaration keine problematischen Chemikalien gefunden wurden.

B) Diese Qualitätsstufe enthält Produkte, die frei von einer Vielzahl problematischer Chemikalien sind, aber einige wenige Inhaltstoffe enthalten, die als problematisch angesehen werden, bzw. eine geringe Menge einer problematischen Substanz enthalten, etwa Parfum oder ähnliche Duftstoffe. Parfumallergiker sollten diese Produkte meiden. Konsumenten können die Verwendung auch einschränken, wenn Sie das Risiko einer Parfumallergie verringern möchten. Ein Produkt kann auch dann eine B-Bewertung erhalten, wenn es umweltschädliche Substanzen enthält.

C) Produkte dieser Kategorie werden von der dänischen Konsumentenschutzorganisation nicht zum Kauf empfohlen, wenn man eine Reihe kontroverser oder problematischer Chemikalien vermeiden möchte (beispielsweise Substanzen, bei denen der Verdacht besteht, dass sie endokrin wirken oder krebserregend sind). Auch Produkte etwa, die besonders allergene Substanzen enthalten, fallen in die Kategorie C.

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