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Saugroboter: Staubsaugen per App - Putzteufel mit Schwächen

Test: Ein Heinzelmännchen putzt ohne fremdes Zutun die Wohnung? Klingt zu schön, um wahr zu sein. Nur zwei Modelle schlagen sich beim Saugen gut.

In unserem Vergleich finden Sie:

  • AEG - RX9-1-IBM
  • Dyson - 360 Eye
  • Ecovacs - Deebot 900
  • iRobot - Roomba 960
  • Miele - Scout RX2 Home Vision
  • Vorwerk - Kobold VR300

Unsere Testtabelle informiert über: AUSSTATTUNG/TECHNISCHE MERKMALE (Gewicht, Nutzbares Volumen des Staubbehälters, Maximale Stufenhöhe, Zeitprogrammierung, Raumbegrenzung, Ladestation, Ladezeit leerer Akku in min, Laufzeit voller Akku in min); REINIGEN (Teppichboden, Hartboden, Mineralstaub, Fasern, Ecken und Kanten); NAVIGATION und Hindernisse überwinden; HANDHABUNG (Bedienungsanleitung, Staubbehälter leeren, Filter reinigen, Gerät säubern, Fernbedienbarkeit, ...), UMWELTEIGENSCHAFTEN (Geräusch , Staubrückhaltevermögen, Stromverbrauch). - Lesen hier unseren Testbericht:


KONSUMENT-Test: Saugroboter - Staubsaugen per App (Bild: Africa-Studio/Shutterstock)

Die getesteten Saugroboter sind kompakt, werden von einem Akku gespeist, lassen sich per Smartphone-App programmieren und rollen dann selbstständig durch die Wohnung. Ihr großer Pluspunkt ist der ­Komfort: Menschen mit Rückenproblemen müssen sich zum Putzen nicht unters Sofa bücken und Berufstätige lassen den Roboter zu Hause seine Runden drehen, während sie ihm per Handy vom Büro aus über die Schulter schauen. Beim Reinigen schnitten von sechs getesteten Saugrobotern immerhin zwei gut und drei durchschnittlich ab. Bei der Saugkraft können sie aber trotz gesalzener Preise zwischen 449 und 999 Euro nicht mit Bodenstaubsaugern konkurrieren und diese deshalb auch nicht ersetzen.

Zwei Saugroboter auch am Teppich gut

Im Labor der Stiftung Warentest wurde die Leistung der kleinen Helfer auf Teppich­boden und auf harter Oberfläche geprüft. Dazu verteilten die Tester genau abge­wogene Mengen an Mineralstaub und ­Fasern auf der Strecke - siehe Bildergalerie. Verschmutzungen wie aus den Turnschuhsohlen gefallener Rollsplitt oder Essensreste wurden mit kleinen Kunststoffteilen simuliert. Test-Ergebnis: Selbst die besten Saugroboter holen nur etwas mehr als die Hälfte des Prüfstaubs aus dem Teppichboden. Ein guter Bodenstaubsauger schafft 87 Prozent.

Herkömmliche Staubsauger bringen bessere Leistung

Geht es Ihnen also rein um die Leistung, sind Sie mit einem herkömmlichen Sauger besser bedient. Gegenüber dem letzten Saugroboter-Tests vor zwei Jahren schnitten die aktuellen Modelle aber deutlich besser ab. Auf Hartboden reinigen die meisten gut. Nur zwei Saugroboter-Modelle nahmen auch den feinen Staub vom Prüfteppich gut auf (Details in der Testtabelle).

Kurskorrektur per App

Ecovacs Deebot 900: enttäuschend

Die beiden am besten bewerteten Modelle sind darüber hinaus die einzigen Putzteufel, die auch in Ecken und an Kanten noch akzeptable Leistungen abliefern. Enttäuschend hingegen der Ecovacs Deebot 900: Er ist zwar nur halb so teuer wie die Spitzen­modelle, lässt aber so viel Schmutz liegen, dass es nur für ein „weniger zufriedenstellend“ reichte. Das Schlusslicht fiel außerdem dadurch auf, dass es den aufgesaugten Feinstaub eher schlecht zurückhält und einen verhältnismäßig großen Teil wieder hinausbläst. Auch beim AEG RX9 und dem Vorwerk Kobold wäre eine bessere Filterwirkung wünschenswert. Schließlich soll der Staub entfernt und nicht erst recht wieder gleichmäßig in der Wohnung verteilt werden.

Kurskorrektur per App

Damit es nicht stur mit dem Kopf durch die Wand geht, scannen die Saugroboter ihre Umgebung mit Sensoren und lassen sich ­außerdem per App in geregelte Bahnen ­lenken. Besitzer können über das Handy ­bestimmte Reinigungszeiten vorgeben, Mitteilungen über laufende Aktivitäten erhalten und Statistiken über die gereinigten Bereiche abrufen. Teilweise lassen sich so auch virtuelle Sperrzonen festlegen. Andere Roboter können mithilfe eines Magnetbandes oder eines Türmchens mit Infrarotstrahlung in die Schranken gewiesen werden.

Zielsichere Navigation

Wie gut sich die verschiedenen Modelle zwischen Tischbeinen, Türschwellen und Teppichkanten zurechtfinden, das wurde in einem rund 20 Quadratmeter großen Prüfraum ermittelt. Er wurde mit Hinder­nissen präpariert und von Kameras an der Decke überwacht. Diese übertrugen ihre Daten an einen Computer, der für die Roboter Bewegungsprofile erstellte. Die Com­puteranalyse zeigt: Die meisten Modelle fuhren den Raum innerhalb von 35 Minuten ab, der iRobot Roomba 960 ließ sich etwas länger Zeit.

Gut über Hindernisse

Die Modelle von AEG und ­Ecovacs ließen kleinere Bereiche aus. Hindernisse überwinden die Testkandidaten normalerweise sehr gut, der Vorwerk gut. Eines der drei Kobold-Exemplare, die für den Test angeschafft wurden, blieb an einer am Boden montierten Schwelle hängen. Seine beiden Artgenossen überfuhren sie aber später ohne Probleme.

Testtabelle: Saugroboter

Apps senden unnötige Daten

Dyson 360 Eye: im Dunkeln gestrandet

Nach getaner Arbeit rollen die Putzhelfer wieder zu ihrer Ladestation zurück. Bei ­heller Beleuchtung funktionierte das tadellos, im Dunkeln aber fand der Dyson 360 Eye seine Station nicht mehr – er blieb schließlich einfach stehen. Seine integrierten Infrarotscheinwerfer dürften ihm im Prüfraum also nicht sonderlich geholfen haben.

Große Unterschiede bei Lauf- und Ladezeit

Je nach Hersteller reicht ein voller Akku zwischen 37 Minuten (Vorwerk Kobold) und zweieinhalb Stunden (Miele Scout) – eine größere Wohnung kann also nicht ohne „Tankstopp“ bewältigt werden. Auch die Ladezeiten schwanken stark. Sie liegen zwischen 105 Minuten und über vier ­Stunden.

Apps senden unnötige Daten

Vier von sechs Apps wurden als kritisch bewertet – das heißt, sie verraten unnötigerweise Daten wie den Mobilfunkanbieter des Handybesitzers. Nur Dyson und Vorwerk beschränken den Datenverkehr auf das Nötigste. Im Test wurde auch analysiert, ob die Roboter gegen die üblichen ­Sicherheitslücken für Hacker gefeit sind. Die gute Nachricht: Diesen Sicherheitscheck haben alle bestanden.

Bildergalerie: So mussten sie sich im Alltag bewähren

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Unser Rat

  • Prioritäten setzen: Soll Hartboden, Teppich oder beides ge­­reinigt werden? Ist eine starke App oder ein möglichst leises Gerät wichtig? Prüfen Sie in der Tabelle, welcher Sauger Ihren Anforderungen entspricht.
  • Unter Aufsicht: Lassen Sie Ihr Gerät bei den ersten Einsätzen besser nicht allein. So erkennen Sie Stärken und Schwächen und können Problemstellen absichern.
  • Bahn frei: Zerbrechliche Gegenstände, Kleidung, Kabel und hinunterhängende Fäden sollten Sie vorab aus dem Weg räumen. Trotz Sensoren kann es sonst zu Kollisionen und Störungen kommen.
  • Sauber halten: Saugroboter sind nicht billig. Damit sie lange im Einsatz bleiben, reinigen Sie den Staubbehälter nach jeder Putztour. Säubern Sie auch Bürsten, Filter und Gehäuse regelmäßig. Verdreckte Sensoren oder Filter sind ein Sicherheitsrisiko.

 

Karin Baumgarten-Doblander, Projektleiterin beim VKI; Bild: VKINoch kein Ersatz

"Saugroboter ersetzen keinen herkömmlichen ­Bodenstaubsauger. Am besten funktionieren sie auf glatten Böden. Verwinkelte Zimmer, Zierteppiche, Deko-Gegenstände und herumliegende Spielsachen führen die kleinen Helfer schnell an ihre Grenzen.“
Karin Baumgarten-Doblander, Projektleiterin

Testkriterien

Im Test der Stiftung Warentest: 6 Saugroboter mit Apps.

Reinigen: 40 %
Wenn nicht anders angegeben, wurden die Prüfungen in Anlehnung an die EN 62929 durchgeführt. Das Aufnehmen von Mineralstaub und Fasern prüften wir auf Teppich- und Hartboden. Für die Staubaufnahme überfuhren die Sauger die Prüffläche geradlinig zehn Mal, dabei wurde die aufgesaugte Staubmenge ermittelt. Bewertet wurde, wie oft ein Sauger über die Fläche fuhr (maximal zehn Mal), um die Fasern aufzunehmen. Danach wurde die erforderliche Reinigungszeit für die Bürsten gemessen. Auf der Hartboden-Teststrecke wurde die Aufnahme von Grobgut (Hutmuttern M3) ermittelt. In einer Testbox wurde geprüft, wie gut die Roboter Ecken und Kanten reinigen. Dafür wurde Teppich mit Semmelbröseln und Hartboden mit Kaffeepulver gleichmäßig bestäubt. Die ungereinigten Abstände wurden nach dem ersten Stopp und nach einer Höchstlaufzeit von 10 Minuten gemessen.

Navigation: 30 %
Die Prüfungen der Navigation erfolgten in einem Prüfraum in Anlehnung an die EN 62929, wobei der das Inventar leicht verändert wurde. Es wurde ermittelt, wie gut die Sauger im Prüfraum Hindernisse wie etwa Kabel, Schwellen und Teppichkanten überwanden und wie umfassend jeder die Fläche des Prüfraums abfuhr. Zwei Fahrten erfolgten im hellen, eine Fahrt im abgedunkelten Prüfraum.

Handhabung: 15 %
Fünf Experten beurteilten Gebrauchsanleitung, Inbetriebnehmen, alltägliches Anwenden des Saugers sowie Bedienelemente und Anzeigen. Auch bewerteten sie Staubbehälter leeren, Filter und Gerät reinigen, Fernbedienbarkeit, Raum abgrenzen sowie Tragen des Geräts.

Umwelteigenschaften: 15 %
In Anlehnung an die EN 60704-2-1 wurde das Geräusch (Schallleistung) auf Teppich- und Hartboden ermittelt; in Anlehnung an die EN 60312 wurde ermittelt, wie gut die Roboter Staub zurückhalten. Außerdem wurde der jährliche Stromverbrauch für die tägliche Reinigung des Prüfraums (zirka 20 Quadratmeter) samt Lauf- und Ladezeiten, der Energieverbrauch beim Auf- und Erhaltungsladen des Akkus und der Stand-by-Verbrauch der Ladestation gemessen.

Datensendeverhalten der Apps: 0 %
Es wurde geprüft, in welchem Umfang die Apps der Saugroboter Daten − zum Beispiel Nutzerdaten oder Gerätedaten − an Server sendeten. Die Tester protokollierten und analysierten den Datenverkehr und entschlüsselten, falls nötig, SSL-Verbindungen. Sendete die App für den Betrieb nicht notwendige Daten, beispielsweise den Mobilfunkanbieter, wurde dies als kritisch eingestuft. Als unkritisch bewerteten die Tester Apps, die nur für ihre Funktion erforderliche Daten sendeten. Zusätzlich wurden die Roboter auf zehn übliche Sicherheitslücken (OWASP Top 10), die Hackerangriffe ermöglichen können, überprüft.

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